Heiraten ist schön!

Foto Elisa, Brienzersee

Kürzlich besuchten DER MANN und ich das historische Hotel Giessbach, das zwischen Bäumen und Felsen über dem Brienzersee thront. Die Lage könnte nicht schöner sein. Auf der einen Seite geht der Blick in die Tiefe zum türkisblauen Brienzersee, auf der anderen Seite rauscht ein gewaltiger Wasserfall über moosbewachsene Felsen in die Schlucht.

Foto photocommunity.ch: Giessbachfälle
Foto pinterest: Hotel, See und Wasserfälle

Die Stiftung Giessbach wurde vom Landschafts- und Naturschützer Franz Weber 1983 gegründet. So gelang es ihm, das feudale Belle Epoque Hotel vor dem geplanten Abbruch zu retten. Es ist ein Juwel, ein wunderschönes Stück Heimat für das Schweizer Volk. Der Ort hat etwas Mystisches und übt auf Besucher einen besonderen Zauber aus. Für Feste, Hochzeiten, Konzerte oder gar Mondscheinbälle ist er ideal.

Foto Elisa: Giessbachfälle, momentan mit weniger Wasser
Foto: Fotocommunity.de
Fotos Seilbahninventar

Der Weg dahin führt per Schiff und am Schluss mit einer der ältesten Standseilbahnen zum hoch über dem See gelegenen Hotel. Wer gut zu Fuss ist, geht von Iseltwald aus den ungefähr 2 Stunden langen Wanderweg dem See entlang. Für ältere Besucher ist es am praktischsten von hinten her, über gewundene Bergstrassen und per Auto. Etwas entfernt vom Hotel liegt im Wald ein grosser Parkplatz.

Foto Elisa: Unterwegs zum Giessbach
Foto Elisa: Das Hotel taucht auf

Unzählige Male genossen wir die Wanderung – heute finden wir sie zu anstrengend. Deshalb kamen wir per Auto. DER MANN ging zum Ticket-Automaten. Er kam etwa 10 Minuten nicht zurück, da der Automat nicht funktionierte, und ich wartete. Da bemerkte ich ein Stück unterhalb des Parkplatzes im Wald neben einem Picknick-Platz ein junges Paar, das nicht zu übersehen war. Sie, mit blonder Aufsteckfrisur, trug ein langes, schickes Brautkleid aus elfenbeinfarbener Seide, er, schwarzgelockt, einen eleganten schwarzen Anzug. Es war ein auffallend hübsches Paar. Doch was war das? Er trug ihren Schleier, wahrscheinlich mitsamt der Schleppe, in einem riesigen Knäuel auf seinen beiden ausgebreiteten Armen, wobei am rechten Arm zudem ein schwarzer Rucksack und eine weisse Tasche baumelten. Sie schienen auf etwas/jemanden zu warten und machten einen etwas nervösen Eindruck. Immer wieder gingen sie ein paar Schritte hin und her und schauten sich nach allen Seiten um. Warteten sie auf den Hotelbus, auf die Hochzeitsgesellschaft, auf ein Taxi? Da kam der Hotelbus, und ich atmete bereits auf für sie. Doch er fuhr an ihnen vorbei, und das Warten nahm kein Ende. Warum setzten sie sich nicht wenigstens hin? Ich vermutete, dass sich von den zwei Picknick-Grillofen schwarze Russpartikel auf die grob behauenen Bänke verteilt hatten. Das Kleid jedenfalls war makellos, und musste es natürlich bleiben.

Photo by Djordje Petrovic on Pexels.com

Photo by Samet Korkmaz on Pexels.com

Inzwischen war DER MANN wieder da. Ich machte ihn auf das Paar aufmerksam, und kurz darauf gingen wir auf dem Weg wenige Meter an ihnen vorbei. Als wir auf ihrer Höhe waren, rief DER MANN ihnen zu: «Viel Glück!» und ich doppelte nach: «Allem Anschein nach beginnt Ihre Ehe spannend!» Beide nickten heftig – und dann lachten sie.

Es ist viel wert, wenn man in einer Partnerschaft zusammensteht und geduldig auf ein Missgeschick zu reagieren vermag. Jedenfalls wird sich ihr Problem gelöst haben, denn drei Stunden später standen sie nicht mehr dort…   

Foto Giessbachhotel: Einer der Festsäle
Foto Elisa: Blick auf den Brienzersee

Erfrischende Grüsse, Elisa
19.07.2022