Eine einmalige Begegnung: Text Nr. 3

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was die Leute auf Reisen so alles erleben! Da kühlten sich nach der Safari zwei Damen im kleinen privaten Swimming Pool vor ihrem Zelt ab, als ein ausgewachsener Elefant daher trottete. Genüsslich tauchte er seinen Rüssel ebenfalls ins kühle Nass – dem Himmel sei Dank: nicht um zu baden , sondern nur um zu saufen. Brüske Bewegungen sind in einer solchen Situation natürlich nicht ratsam. Keine Sorge: Die Damen waren wie vom Donner gerührt und sassen stocksteif, bis der Riesenkerl volltrunken von dannen zog…

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Bei mir ist ein anderes Erlebnis mit einem Rüsseltier hängengeblieben. Auf einer Jeep-Safari in Kenia entdeckte unser Fahrer einen imposanten Elefanten, der allein im hohen Gras stand. Ganz vorsichtig fuhr er nahe an das Tier heran.

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„Schaut nur“, rief ich begeistert, „der hat sogar fünf Beine! (So etwas kann auch nur mir passieren…) Unter dem Gelächter der übrigen Jeep-Passagiere korrigierte mich der Ranger: „Was heisst da fünf Beine, „das fünfte ist doch kein Bein, es ist…“ In diesem Moment witterte uns der Bulle. Streitlustig hallten seine dröhnenden Trompetenlaute durch die Stille der Savanne, die Ohren flatterten warnend und er begann, auf unser (auf einmal sehr kleines) Fahrzeug Jagd zu machen. Uns allen war das Lachen vergangen, sogar dem Fahrer. Er riss das Steuer herum und, fünftes Bein hin oder her, raste mit uns den grasigen Abhang hinunter, so rasch es nur ging. Wir hatten ein Riesenglück: Der Koloss gab die Verfolgung auf, hatte er doch sein Ziel erreicht und uns verjagt. Als der Schreck vorbei war, erklärte der Ranger: „Allein lebende Elefanten können sehr aggressiv sein, sie wurden vielleicht verstossen oder haben sonstwie den Kontakt zu ihrer Familie verloren.“

Wie gesagt, wir hatten Glück. Seine beeindruckende Erscheinung hat sich mir lebhaft ins Gedächtnis eingegraben. Wenn an einem Sommertag die Sonne tief am Horizont steht und goldenes Licht durch die warme Luft flimmert, sehe ich den Dickhäuter vor mir im Grase stehen, in sich gekehrt, den mächtigen Kopf mit den Stosszähnen regungslos. In meiner Erinnerung wirkt er verlassen und traurig, als warte er auf Heimat, auf Zugehörigkeit und Freundschaft.

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Mit freundschaftlichem Gruss, Elisa
24.08.2022