Auf den Spuren Napoléons (Forts.)

Das Schloss Arenenberg in der Schweiz, oberhalb des Bodensees, in dessen Napoleon-Museum man in die Zeit ab 1817 von Napoléons Verwandten im Exil eintaucht, strömt ebenfalls französisches Flair und napoléonische „Grandeur“ aus. Dort wohnten Königin Hortense, ihr Sohn „Kaiser Napoléon III“ und seine Frau Eugénie. Hortense war Josephines Tochter aus erster Ehe, also Napoléons Stieftochter.

Beinahe hätte ich vor einem Jahr das Parfum von Napoléons geliebter Josephine gekauft. Der Duft ist nach dem gleichen Rezept hergestellt, wie der Duft, den sie benutzte. Ich gab das Vorhaben nach einigem Überlegen auf, weil ich zum Schluss kam, dass DER MANN nicht, wie einst Napoléon, auf den schweren Duft fliegen würde. Schliesslich ist er weder ein kriegerischer Feldherr noch ein draufgängerischer Franzose…

Foto: Fine Art America, Gemälde von Fragonard: The beloved child

Doch zurück nach Grasse. Hier gibt es noch einen weiteren Bezugspunkt zur Parfum-Manufaktur «Fragonard»: den Maler Jean-Honoré Fragonard (1732-1806). Sind Euch seine fröhlichen Bilder bekannt? Er wurde in Grasse als Sohn eines Parfumeurs und Handschuhmachers geboren. Als er 6 Jahre alt war, zog die Familie nach Paris, wo er Malerei studierte. Dank seiner sinnlichen Bilder wurde ein berühmter Rokoko-Maler aus ihm. Seine lockeren, farbig-leichten Bilder waren meist erotisch, er schockierte manche seiner Zeitgenossen. König Ludwig XV gefielen die gewagten Werke, und er ernannte ihn zu seinem Hofmaler. Anlässlich der französischen Revolution 1789, die bekanntlich 10 Jahre dauerte, kehrte Fragonard nach Grasse zurück. Unweit der Manufaktur kann man in der Kunstgalerie «Fragonard» rund 20 seiner Hauptwerke bewundern. Mir gefallen die lieblichen Bilder sehr. Ich lernte sie kennen, als ich vor Jahrzehnten von einem befreundeten englischen Antiquar und seiner Frau vier edle Porzellanteller mit entsprechenden Motiven geschenkt bekam.

Foto Kunstkopie.de: Gemälde von Fragonard, Der heimliche Kuss
Foto Provence-Info.de: Das Städtchen Grasse
Foto Barbie: Unsere liebe Anouk

Hier, wie versprochen, eine kleine Parfumlehre aus dem Internet, die eher die Frauen anspricht, aber vielleicht auch Männer interessiert, sind sie doch oft die Schenkenden.

Foto Activitypedia.com

Die Kopfnote

Die Entwicklung eines Duftes startet mit der Kopfnote. Sie ist das Erste, was man von einem Duft wahrnimmt, also sozusagen sein Auftakt. Häufig dominieren in der Kopfnote frische und würzige Duftnuancen. Dazu gehören zitrische Aromen (aus Zitrusfrüchten oder -Blüten), aber auch Pfeffer, Ingwer oder Bergamotte. Die Kopfnote verflüchtigt sich allerdings relativ schnell und ca. 15 Minuten nach dem Auftragen ist von ihr meist nicht mehr viel wahrzunehmen. Nun entfaltet sich die Herznote eines Duftes. Die Dauer dieses Übergangsmoments ist je nach Duft unterschiedlich.

Die Herznote

Die Herznote bildet den Duftkörper, also das Herz eines Duftes. Das bedeutet, dass vor allem sie dazu beiträgt, wie man einen Duft wahrnimmt. Die Herznote entfaltet sich mit dem Abklingen der Kopfnote und ist wesentlich länger wahrnehmbar. Sie schafft im Idealfall eine harmonische Verbindung zwischen Kopf- und Basisnote und besteht häufig aus blumigen Akkorden von Rosen, Nelken oder Jasmin.

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Die Basisnote

Die Basisnote trägt und stabilisiert die gesamte Duftkomposition. Sie wirkt dank sogenannter Fixateure am längsten. Dafür werden würzig-holzige Aromen, beispielsweise Harze, Moschus, Vanille oder Lavendel verwendet. Es liegt übrigens an der Basisnote, dass Düfte an jedem anders riechen. So kann es passieren, dass wir den neuen Duft der besten Freundin unglaublich toll finden, an uns selbst dann aber überhaupt nicht mehr. Erklären lässt sich dieses Phänomen dadurch, dass sich die Basisnote aus dem Zusammenspiel der einzelnen Duftaromen und der individuellen Hautbeschaffenheit heraus entwickelt. Neben der Haut und deren pH-Wert spielen außerdem auch der Hormonhaushalt, das Alter und unsere Ernährung eine wichtige Rolle bei der Duftentwicklung.

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Spannend, nicht? Also nie vergessen: Einem Eau de Toilette, einem Eau de Parfum oder gar einem Parfum muss man Zeit lassen, sich auf der Haut zu entfalten, um festzustellen, ob der Duft wirklich zu einem passt!

So, jetzt könnt Ihr Euch schon fast selbst Euer eigenes Parfum kreieren. Fehlen nur noch die unendlich vielen verschiedenen Duftöle und Essenzen!

Mit duftigen Grüssen, Elisa
01.12.2021

Foto DER MANN: Good-bye, dear Arlin!
Foto Anouk: Stacheliger Blick aufs Meer

Auf den Spuren Napoleons (Forts.)

Foto DER MANN: Unsere Lieben und ich

Und dann waren wir endlich da: im Feriendomizil unserer lieben Verwandten. Der Empfang war warm und herzlich.

Am Rande eines Naturschutzgebietes befindet sich das ausgedehnte Grundstück mit dem gemütlichen alten Landhaus, umgeben von Bäumen und Büschen, ziemlich versteckt und absolut ruhig. Wir fühlten uns sofort zu Hause. Hier liess es sich vergnügt ausruhen, plaudern, diskutieren, essen, geniessen. Entspannen gilt zwar weniger für den Eigentümer… Wer ein solches Haus und Grundstück besitzt, muss in zahlreichen Bereichen begabt sein und sich in die laufend anstehenden Arbeiten hineinknien können.

Auch hier gab’s am Morgen frisches Baguette und dicke französische Croissants mit Butter und Lavendelhonig! Am Abend erfreuten wir uns an hausgemachter Pizza aus dem selbst gemauerten Pizzaofen, an herrlichen Spaghetti, delikaten Käseplatten… Mmh, noch im nachhinein läuft DEM MANN und mir das Wasser im Mund zusammen!

Der Ort hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Auch mein Sohn hatte ihn geliebt. Wenn in der Morgenfrische die Sonne ihre Strahlen über das Wäldchen auf die grosse Wiese schickte, begannen Blümlein ihre in der Nacht geschlossenen Köpfchen zu öffnen und wandten sich der Wärme zu, so dass sich auf der Wiese ein zarter Teppich in Weiss und Gelb entfaltete. Still und doch kraftvoll. Ein wahres Paradies, das man nicht gerne verlässt!

Foro DER MANN: Das alte Landhaus mit seiner guten Ausstrahlung

Für Dufterlebnisse bot sich das nahe Grasse an. Ein leichtfüssiges, bezauberndes Städtchen, so stellte ich mir Grasse vor, gilt es doch als Welthauptstadt des Parfums. Es liegt am Hang, unweit von Cannes, und zählt 48’865 Einwohnern. Vor allem der 1985 erschienene Roman des Deutschen Patrick Süskind «Das Parfum», in dem Grasse der Handlungsort ist, verhalf dem Städtchen zu weltweitem Ruhm. Habt Ihr das meisterhaft geschriebene, aber gruselige Werk auch gelesen? Der Roman ist unter dem Namen «Die Geschichte eines Mörders» verfilmt worden.

Foro Elisa: Im Garten
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Das milde Klima in Grasse bringt einen herrlichen Blütenreichtum hervor. Lavendel und Rosen gedeihen im Überfluss, auch Jasmin und Orangenblüten finden ihren Weg in die feinen Duftprodukte. Besucht man Grasse, sollte man unbedingt eine der drei Parfümfabriken Galimard, Molinard oder Fragonard besuchen. Man lernt dabei Spannendes über die Parfum-Herstellung.

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Mit Tochter und Enkeltochter DES MANNES fuhr ich deshalb nach Grasse. Die Männer wollten nicht mitkommen. Dabei wissen weibliche Wesen einen wohlduftenden Mann sehr wohl zu schätzen, oder nicht? Ich liebe feine Düfte über alles! An keiner Blume kann ich vorbeigehen, ohne daran zu riechen. Unter Anleitung habe ich schon zwei- oder dreimal mein eigenes Parfum kreiert und viel gelernt über die Kopfnote, die Herznote und die Basisnote, die in den meisten Parfums drin sind und ineinander übergehen. (Mehr davon im nächsten Blog).

Foto Barbie: Beim Eingang zum Fragonard

Wir besuchten die Parfumfabrik «Fragonard» und nahmen an einer Führung teil. Anschliessend betritt man drei (oder vier) grosse, helle Verkaufsräume, die von Touristen, bunten Vogelschwärmen gleich, heimgesucht werden, alle mit Duftstreifen unter der Nase und hektisch schnuppernd. Denn draussen wartet der Bus… Wir konnten es gemütlicher nehmen. Die wunderbaren Düfte schienen mich einzuhüllen, und ich schwebte auf Duft-Wolke 7! Doch dann entdeckte ich, dass mich meine Sinne im Stich liessen. Es waren viel zu viele verschiedene Düfte, und ich konnte sie nicht mehr klar erschnuppern. Also kaufte ich nur feine Seifen, denn ein teures, «falsches» Eau de Toilette wollte ich mir nicht leisten. Erst zu Hause entdeckte ich die Schätze, die ich erstanden hatte.

Foto Elisa: Alter Destillationsbehälter bei Fragonard

Nach einem feinen Tee mit delikater Pâtisserie trennten wir drei uns, damit jedes seinen eigenen Interessen nachgehen konnte. In dieser Gasse gab’s feine Läden, eine erstklassige Confiserie, glänzende Boutiquen, Bistrots. Gegen Abend sass ich bei einem frischen Fruchtsaft draussen und beobachtete, was sich vor meinen Augen tat. Da entdeckte ich in einem nahen, links abgehenden Gässchen eine Apotheke. Apotheken lassen ihr grünes Schild leuchten, wenn sie geöffnet haben.

Ich machte mich auf den Weg. Kaum im Gässchen, erschrak ich. Eine völlig andere Welt offenbarte sich hier, nur etwa 100 m entfernt: Alkoholiker, Drogenabhängige und andere elende Menschen sassen mit hängenden Köpfen auf Türschwellen oder schlurften herum. Die Hoffnungslosigkeit rundum war erschütternd. Als ich mir in der Apotheke ein Duftfläschchen zeigen liess und die Assistentin es mir vor die Nase hielt, drängte sich auf einmal der ungepflegte Kopf eines Alkoholikers dazwischen. Der Mann war drauf und dran, mit seiner Nase die Fläschchenöffnung zu berühren. «Monsieur, ça ne va pas», sagte ich streng. Er murmelte: «Ich verstehe etwas von Düften.» Und im nächsten Moment tat er mir leid. War er ein arbeitsloser Parfumeur? Der Apotheker sagte: «Er war hier zum Covid-Test.» Schliesslich schickte er ihn und seinen Kollegen, die um mich herumschlichen, resolut nach draussen. Eine Weile später machte ich mich auf den Rückweg. Mir war etwas bange, doch niemand belästigte mich. Die Not und die Armut dieser Menschen begleiteten mich noch lange. Unerträglich, wenn man nicht helfen kann.

Wenn Glanz und Elend so nahe beieinander sind, ist es besonders traurig.

Foto Elisa: Im Garten

Amitiés, Elisa
24.11.2021

Auf den Spuren Napoléons (Forts.)

Foto DER MANN: Die Zitadelle in Sisteron, ebenfalls mit Häuserzeile darunter

Sisteron hat mich schon immer begeistert. Es ist ein markantes Städtchen. Wart Ihr auch schon einmal dort? Dann versteht Ihr mich. Wenn man Sisteron am Fluss im Tal unten betreten bzw. weg gehen will, muss man eine Brücke überqueren, um danach ins Städtchen hinauf zu fahren – oder Sisteron zu verlassen. Auf der einen Seite der Brücke, auf der Landseite, steht ein hoher, senkrechter, verwitterter Felsen, auf der gegenüberliegenden Seite erhebt sich ein ebenso imposanter, trutziger Felsen, auf dem sich auf 500 Meter Höhe eine alte Zitadelle befindet, die schon in der Antike befestigt war. Sie diente ab 1209 der Sperrung zwischen Dauphiné und der Provence. In der heutigen Form wurde die Zitadelle 1599 unter König Henri IV ausgebaut. Erst im Jahr 1920 wurde sie vom französischen Staat als Militärstützpunkt aufgegeben. Im zweiten Weltkrieg war sie ein Internierungszentrum. Sie ist so imposant, dass man ganz vergisst, dass sie militärischen Zwecken diente. Das Städtchen selbst liegt auf der Höhe und ist sehr gemütlich. Jetzt wird Sisteron das «Tor zur Provence» genannt.

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Foto DER MANN: Felsen Stadtseite, neben der Festung
Foto Tumbir: Sisteron, Felsen Landseite

Heute fanden wir unser Ziel mühelos, dabei lag es etwa 12 km ausserhalb von Sisteron, fast unsichtbar auf einem Hügel, wohin man nur auf einem steilen, einspurigen Schotterweglein hinaufgelangte. Das liebenswürdige Ehepaar, das uns als Feriengäste erwartete, hatte sichtlich Freude, als wir eintrafen. Sofort zeigten sie uns das hübsche Haus und den biologischen Garten mit dem gepflegten Biotop. Ein entzückendes Kleinod! Da wir die einzigen Gäste waren, durften wir uns frei bewegen und so tun, als ob uns das Anwesen gehörte. Wir suchten ein Schattenplätzchen auf Liegestühlen, an der Sonne war es zu heiss.

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Foto Elisa: Bei unseren Zimmervermietern

Foto Elisa: das gastliche Haus

Fürs Abendessen gab’s vom Hausherrn eine Empfehlung, und er reservierte uns auch gleich einen Tisch im Restaurant «Oppidum». Bevor wir uns auf den Weg machten, fragte ich: «Bis wann müssen wir zurück sein wegen dem Hausschlüssel?» «Das spielt keine Rolle. Das Haus ist Tag und Nacht offen.» Was?? Stellt Euch vor, wir würden das in unseren Städten machen. Da befände sich am Morgen wohl nicht mehr viel in der Wohnung!

Foto Elisa: Im Zentrum von Sisteron, das auf der Höhe liegt

Im Zentrum des Städtchens, in einer dunklen Nebengasse, wurden wir bald fündig. Hier war das Essen ausgesprochen fein, und auch hier war das allerdings eher kleine Lokal sehr bald vollständig besetzt. Mit dem Zertifikat nehmen’s die Franzosen übrigens sehr genau.

Foto Elisa: Die Kirche mit dem typischen Turm im Zentrum von Sisteron

Am nächsten Morgen erwachten wir im eisigen Zimmer, in der Nacht hatte es einen Temperatursturz mit bisigem Mistral gegeben. Im Badezimmer war’s geschätzte null Grad! «Da dusche ich nicht», meinte DER MANN. «Ich auch nicht», beschied ich schlotternd. «Schade nur, dass wir gestern den Whirlpool in unserem Badezimmer nicht benutzten.» Der Whirlpool? Das war’s doch! Es hatte bestimmt genügend Warmwasser. Gesagt, getan. Ich liess bis obenhin heisses Wasser einlaufen und glitt geniesserisch in die wohlige Wärme. Die vielen sprudelnden Düsen und der Dampf waren ein Riesen-Vergnügen! Gewärmt und gutgelaunt liessen wir uns hierauf an der Sonne im Garten frisches Baguette und dicke französische Croissants mit Butter und Lavendelhonig servieren.

Foto Elisa: Au Revoir, Sisteron

Zum Abschied erhielt jedes von uns ein duftendes Lavendelsäckli mit biologischem Lavendel aus dem eigenen Garten. Schön war’s in Sisteron!

Foto Elisa: Schöne Platanen in Digne-les-Bains

In Digne-les-Bains, einem hübschen Ferienort, den man auch die Hauptstadt des Lavendels nennt, flanierten wir an eleganten Läden vorbei, doch um diese Zeit am Mittag waren die meisten bis 14.30 Uhr geschlossen. Besser für mein Portemonnaie! In den Bistrots schienen die Einheimischen ihre Mittagspause ebenso in die Länge zu ziehen.

Photo by u5149u66e6 u5218 on Pexels.com: Duftender Lavendel

Auf einer Restaurant-Terrasse sass am Nebentisch eine Gruppe Feuerwehrleute, Frauen und Männer, in ihren Uniformen. Heiter ging’s zu und her, es wurde viel gelacht. Auf einmal brachen sie ziemlich abrubt auf, sie hatten wohl auf die Uhr gesehen. Dabei blieb neben einem der leeren Teller ein dicker Schlüsselbund liegen. Unsere Rufe blieben ungehört. Etwas später kam einer der Männer, er schien der Hauptmann zu sein, verlegen grinsend zurück. Was, wenn in der Zwischenzeit „Not am Mann“ bzw. „Not am Schlüssel“ entstanden wäre?

Foto Elisa: auf einem der Plätze in Digne-les-Bains

Wir näherten uns dem Reiseziel. Noch ein letzter Halt! Etwa 80 Kilometer nordwestlich von Cannes, in den Bergen der Haute-Provence, liegt Castellane, ein ebenfalls reizendes Städtchen. Es liegt am Fluss Verdon, am Anfang der bekannten Verdon-Schlucht. Überragt wird Castellane vom 1626 m hohen Berg Cadière, wo die Kirche «Notre Dame du Roc» aus dem 12. Jahrhundert eindrücklich über der Stadt thront.

Postkarte: Notre-Dame du Roc bei Nacht
Foto Elisa: Rathaus von Castellane
Foto Elisa: Die Kirche „Notre Dame du Roc“ am Tag

Ein eindeutig friedlicheres Wahrzeichen als die Zitadelle in Sisteron! Imponiergehabe, Säbelrasseln, Drohungen sind dem Frieden natürlich nicht dienlich – auch im zivilen Leben nicht. Da lob ich mir «Unsere Felsendame», obwohl sie ein steinernes Herz hat.

Amitiés, Elisa

(Forts.)

Auf den Spuren Napoléons

(1769 – 1821)

Seid Ihr auch schon einmal über die berühmte alte Route Napoléon gefahren, die in Grenoble beginnt? (Nicht zu verwechseln mit der Autobahn gleichen Namens). Diesen Herbst nahmen wir die wilde, reizvolle Bergstrecke «unter die Räder», um ein paar Tage in Südfrankreich zu verbringen.

Foto Wikipedia: Alte Route Napoléon, RN85, Bergstrecke

Was hat es mit dieser Strecke auf sich? Weshalb ihr Name? Das ist spannend. Die «Route Nationale 85», gebaut 1927, folgt nämlich der ehemaligen Marschroute von Napoléon. Von der Insel Elba kommend, wohin er nach seiner Abdankung von den Siegermächten verwiesen worden war, wollte er mit rund 1000 Getreuen sein Land von Süden her unblutig zurückerobern. Die Route führte ihn von Golfe-Juan bei Antibes über Grasse, Digne, Sisteron, Gap bis nach Grenoble, wo er gestoppt wurde. Die Gesamtlänge von 335 Kilometern bewältigten er und seine Truppe in einem siebentägigen Gewaltmarsch ab dem 1. März 1815. Die Blasen an ihren Füssen hätte ich nicht sehen wollen!

Foto True Riders.it: Alte Route Napoléon, Bergstrecke
Photo by Mikhail Nilov on Pexels.com: Ville de Grenoble

Bereits am 5. März erreichte Napoléon Sisteron, die erste grössere Stadt auf seinem Weg, wo ihm die Bewohner freundlich gesinnt waren.  

Am 7. März kamen sie kurz vor Grenoble ins Dorf Laffrey. Der Befehlshaber von Grenoble, der Napoléon keinen freien Durchzug gewähren wollte, sandte ein Regiment aus, das dem Eroberer in einem Engpass vor Laffrey auflauerte. Als Napoléon auf sie traf, befahl er seinen Soldaten, das Gewehr unter den linken Arm zu nehmen. Wagemutig trat er dem feindlichen Regiment allein und schutzlos entgegen. Das machte bestimmt Eindruck, denn nach einer kurzen Rede gewann er die Gegner für sich. Noch am selben Tag lief eine weitere Einheit zu ihm über. Und am Abend zog er in Grenoble ein.

Photo by Lauro Laureano on Pexels.com: La Ville de Grenoble

Ab Grenoble hatte Napoléon bereits gewonnen. Unter den Triumphrufen des Volkes, für das er bereits wieder der Kaiser war, marschierte der Haudegen weiter nach Paris. Am 20. März 1815 zog er in den Tuilerien-Palast ein, die Residenz der meisten französischen Könige und Kaiser.

Hélas, der Triumph war kurz. Nach nur drei Monaten endete seine Herrschaft mit der Niederlage in der grausamen Schlacht von Waterloo.

Foto Wikipedia: Die Preussen greifen ein, gemalt von Adolph Northen

Danach wurde Napoléon, als Kriegsgefangener der Briten, auf die Atlantikinsel St. Helena deportiert, wo er am 5. Mai 1821 starb, also vor 200 Jahren. Man munkelt, er sei vergiftet worden. Als Todesursache wird zwar meistens Magenkrebs angegeben. Aber der Historiker und Napoleon-Experte Thomas Schuler ist auf Grund von Untersuchungen überzeugt, dass der Kaiser der Franzosen mit Arsen vergiftet wurde.

Foto Klatsch_Tratsch.de: Insel St. Helena

DEM MANN und mir lauerte niemand auf; niemand hat uns, friedliebend wie wir sind, daran gehindert, nach Grenoble zu gelangen. Man hätte allerdings auf diese Idee kommen können! Denn das gebuchte Hotel «Mercure» in Meylan nahe Grenoble fanden wir trotz elektronischer Unterstützung erst nach langem Suchen. Die Anweisungen waren in schlechtem Französisch gesprochen, und das Gewirr von Gassen, Strassen, Nebengässchen, Kreiseln, Plätzen, tat sein übriges.

Photo by JKY on Pexels.com: Ville de Grenoble

Hungrig und durstig, wie wir waren, freuten wir uns auf ein feines Abendessen. Fehlanzeige! Das Hotelrestaurant war sonntags geschlossen. Im Zimmer lagen ein paar Vorschläge für gute Restaurants in der Nähe, ich rief sie alle an, doch sie waren ausgebucht, oder wir hätten frühestens um 21.30 einen Tisch bekommen können. Ganz Grenoble schien ausgehungert zu sein! Schade um die verschwendete Zeit, ein Abendspaziergang hätte uns bei diesem sonnigen Wetter besser getan. Der Rezeptionist reservierte uns schliesslich einen Tisch um 19 Uhr – wo? – («Ich bin nicht sicher, ob es Ihnen da gefällt») – und bestellte ein Taxi. Hatten wir denn eine Wahl?

Später stand dann ein Tesla vor der Türe. Es wurde eine lange Fahrt mit einem wortkargen Chauffeur, doch hatten wir Spass daran, weil es eine Art Stadtrundfahrt durch das attraktive, abendliche Grenoble war. Als wir ankamen, war das Restaurant noch geschlossen. Nachdem wir die happige Taxi-Rechnung bezahlt hatten, überliess uns der Fahrer an der Strassenecke der inzwischen aufgekommenen Bise, er fuhr sofort weg. Ich hatte ihm gerade noch eine Visitenkarte für die Rückreise entlocken können.

Foto DER MANN: Im savoyardischen Restaurant Casse-Croûte

Das savoyardische Restaurant, das wir etwa eine Viertelstunde später betreten konnten, gefiel uns auf Anhieb. Wir waren die ersten Gäste und durften den Platz auswählen. Es war als eine Art Alphütte eingerichtet, rustikal, voll kitschiger Gegenstände und alter Werkzeuge, mit einem Meer von rot/weiss gewürfelten kleinen Vorhängen. Auf der Speisekarte standen vor allem Raclette, Bauernwürste und Fondue. Fast wie in einem Fondue-Chalet in der Schweiz! Im ersten Moment glaubte ich, ich sei im «falschen Film», wie damals in Johannesburg, als wir uns beim Nachtessen im vornehmen Hotel-Speisesaal unerwartet inmitten eines Bayerischen Oktoberfestes wiederfanden, umgeben von blauweissen Fahnen, Bierhumpen, bayerischer Volksmusik und einem Südafrikaner in Lederhosen, der sich im Jodeln versuchte. „Bayern live“ nach einem 10stündigen Flug über ganz Afrika!

Hier war das indes mehr als eine billige Imitation, denn Fondue und Raclette sind in Savoyen und Franche-Comté sehr beliebt, werden aber womöglich mit etwas anderen Zutaten serviert!

Photo by Matheus Bertelli on Pexels.com
Photo by Selim u015eendal on Pexels.com

Auf Empfehlung des gemütlichen, kugelrunden Kellners bestellten wir Pouletschenkel, die mit Gratin Dauphinois und einer Rahm-Morchelsauce serviert wurden. Das Gratin war deftig und schmackhaft, mit viel Butter und Käse angereichert, die Pouletschenkel ziemlich zäh, die frischen, feinen Morcheln in der dicken Rahmsauce eingekocht. Sie klebten am Boden der Creuset-Pfanne. Doch was soll’s. Nach dem Essen waren wir jedenfalls nicht mehr hungrig, und kalt war uns auch nicht mehr. Als wir das Taxi für die Rückfahrt bestellten, war das grosse Restaurant bis auf den letzten Platz besetzt, und die Fröhlichkeit der übrigen Gäste war trotz gläserner Trennwände auf uns übergesprungen.

Ungeachtet unserer schweren Bäuche, schliefen wir gut im ruhigen, geräumigen Zimmer auf den herrlich bequemen französischen Matratzen.  

Übrigens: Das Essen hatte weniger gekostet als die beiden Taxifahrten hin und zurück! (Forts. folgt)

Amitiés, Elisa
08.11.2021

Freundliche Menschen

Foto Elisa: Peonie in voller Blüte

Ich bin immer wieder glücklich darüber, wenn ich Freundlichkeit von fremden Menschen erfahre – dies gilt insbesondere auf Reisen. Natürlich komme ich eher in den Genuss, wenn ich allein unterwegs bin/war, denn dann bin ich offener und empfänglicher.  

Es versteht sich von selbst, dass man gerade als allein reisende Frau klare Signale aussendet: Ich bin nicht auf Abenteuer aus! Wie uns allen klar ist, gibt es den einen oder anderen allein reisenden Mann, der wie ein hungriger Bär hinter dem Honig herjagt. Pssst! Wenn ich hungrig bin, dann will ich mir den Bären selbst aussuchen.

Doch zurück zur kleinen Auswahl an Liebenswürdigkeiten:

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– In Mallorca war ich unsicher, von welcher Bushaltestelle aus ich das historische Zentrum Palmas erforschen sollte. Ich fragte einen älteren Herrn, der eben im Begriff war auszusteigen. «Wenn Sie einen Moment Geduld haben, bis ich auf der Bank war», erklärte er auf Englisch, «dann zeige ich Ihnen Palma.» Es wurde ein höchst vergnüglicher Tag. Es ging nicht nur in ein feines Restaurant zum Essen und danach zum Dessert in die älteste Konditorei mit den prächtig bemalten Kacheln, sondern ebenso zu ganz besonderen Sehenswürdigkeiten, so etwa zum Palast einer mit meinem adligen Begleiter befreundeten Marquesa. Es gab Portwein und einen herrlichen Blick aufs Meer, auch auf den Nachbarpark, der zum Feriendomizil von König Juan Carlos gehörte, der damals noch Achtung genoss. Trotz Sonnenschein waren die schönen hohen Zimmer kühl. Die Marquesa sass in einem bequemen Sessel und wärmte ihre Füsse an einem kleinen Kohleöfchen. Die durchgehenden Zimmerfluchten liessen bei geöffneten Türen das Sonnenlicht durch alle Zimmer fluten. Ich stelle es mir erhebend vor, wenn beim morgendlichen Erwachen der Blick vom Bett aus direkt auf die glitzernde Meeresfläche fällt.

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– An der englischen Südküste erkundigte ich mich beim Buschauffeur nach der Haltestelle für ein zum Museum umgestaltetes Landhaus. „No problem, Sweetheart“, lachte er und fuhr trotz des vollbesetzten Buses einen Umweg, so dass ich direkt vor meinem Ziel aussteigen konnte! So früh am Morgen war ich dort die einzige Besucherin. Der freundliche Herr, der die Aufsicht hatte, machte für mich eine private Führung durch das ganze Haus, inkl. Dienstbotenzimmern im Dachgeschoss und Arbeitsräumen im Keller. Er gewährte mir einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit des noblen englischen Landlebens. Ich blieb mehr als drei Stunden!

Photo by Oleg Magni on Pexels.com

– Im gleichen Küstenort begann es auf einem meiner Spaziergänge wie aus Kübeln zu regnen. Es war Samstagmorgen. Ich rettete mich in einen Hauseingang neben einem danebenliegenden Erker, der offenbar als Büro diente. Plötzlich öffnete einer der arbeitenden Gentlemen die Türe: «Sie brauchen doch nicht hier draussen zu stehen! Kommen sie herein ins Trockene, ich mache Ihnen eine heisse Tasse Tee!» Eine Tasse Tee ist für Engländer bei jeder Unbill so etwas wie ein Zaubertrunk.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Photo by Roberto Vivancos on Pexels.com

– Auf meinem Flug nach New York sass ich in einer Dreier-Reihe mit einem amerikanischen Ehepaar. Während des ganzen Fluges unterhielt ich mich angeregt mit der Dame, die im sozialen Bereich tätig war. Die Familie des Mannes führte ihren Stammbaum auf den Reformator Johannes Calvin in Genf zurück, darum hatten sie die Schweiz besucht. Als wir uns dem Ziel näherten, sagte er: «Setzen Sie sich doch auf meinen Platz am Fenster und geniessen Sie die Aussicht auf Long Island. Es lohnt sich.» Mit diesen Menschen verband mich bis zu ihrem Tod eine jahrelange Freundschaft. Sie besuchten mich in der Schweiz. Mit DEM MANN zusammen übernachtete ich ein paar Jahre später auf unserer dreiwöchigen Fahrt durch die Neuengland-Staaten in ihrem Haus. Wir vier genossen unser Zusammensein mit guten Gesprächen, viel Heiterkeit, spannendem Sightseeing – und natürlich feinem Essen. Wie in den Staaten üblich, wurden dazu auch die Nachbarn eingeladen, um die „Swiss Friends“ vorzuzeigen. Am zweitletzten Tag packte Bob unsere Souvenirs ein und schickte sie per Schiff in die Schweiz, um die Gepäcklast für DEN MANN (!) zu verringern, während Marie unsere auf der Amerika-Reise angefallene Schmutzwäsche wusch und plättete.

Photo by Lelani Badenhorst on Pexels.com

– Auf Mauritius musste ich mittags das Hotelzimmer verlassen, wurde aber erst abends mit dem Bus zum Flughafen abgeholt. Das war unbequem, vor allem, weil ich den Strand noch ein wenig geniessen wollte. Dort kam ich ins Gespräch mit einem Flugbegleiter der South African Airways. Charmant bot er mir gegen Abend sein Zimmer an, um zu duschen und mein Badekostüm gegen Reisekleidung einzutauschen. Er winkte mir zum Abschied, als wären wir alte Freunde – was wir später denn auch geworden sind.  

Na Pali Coast Kauai’i, Foto: Hawaii Tourism Authoritiy/Tor Johnson

– Nach unseren Hawai’i-Ferien kamen der DER MANN und ich auf der Rückreise bereits kurz vor 06.00h morgens im Hotel Hilton Airport in Los Angeles an. Der Nachtportier, dem ich unser Schlafdefizit schilderte, erbarmte sich unser. Obwohl wir laut Reiseprogramm erst ab 14.00h ein Zimmer gehabt hätten, machte er es möglich, dass wir nach einem reichlichen, gratis offerierten Frühstück schon um 08.00h in herrlich weiche Betten sinken konnten, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen – notabene ohne Mehrkosten, trotz des zusätzlichen Tages. Unbezahlbar! Ausgeschlafen, verbrachten wir den Nachmittag gutgelaunt mit Flanieren, Shoppen und anschliessendem Apéro an der durch Filme berühmten Meerespromenade von L.A., bevor nachts unser Flugzeug zurück in die Schweiz abhob.

Foto: Venice Beach by iStock-638340372

Dies sind nur ein paar meiner Erlebnisse. Gewiss erlebt Ihr auch immer wieder solch uneigennützige Herzenswärme. Das Schöne ist, dass wir uns bei solchen Begegnungen Fremden auf einmal sehr nahe fühlen, und oftmals werden Adressen ausgetauscht. Was für ein erfrischender Beitrag zur Völkerverständigung!

Selbstverständlich habe ich das Empfangene an Besucher unseres Landes weitergegeben und manche bewirtet – bis, ja, bis es einmal schief ging.

Aber das ist eine andere Geschichte…

Liebe Grüsse, Elisa
07.07.2021

Von Linsen und Filzläusen – und von nächtlichen Schrecken

Foto DER MANN: Der alte Mann sitzt den ganzen Tag beim Hoteleingang

(Forts.):

Ihr Lieben, seid Ihr bereit für ein weiteres Stück Sri Lanka? Also denn:

Im nachhaltigen Hotel steht unser Bungalow etwas abseits, am Rande eines Wäldchens, hinter dem die Strasse ins Dorf liegt. Auch hier herrscht grosse Ruhe, und so schlafen wir in der ersten Nacht sofort ein. Mit einem Ruck erwache ich. Schritte tappen ums Häuschen, Flaschengeklirre, flüsternde Männerstimmen sind zu hören, Taschenlampen blinken an den Wänden hinauf- und hinunter, leuchten zum Fenster herein. Ist eine Einbrecherbande am unseligen Werk? Ängstlich wecke ich DEN MANN.

Foto DER MANN: Vor unserem Bungalow

Der hört sich das eine Weile an, dann steht er entschlossen auf. Ganz furchtloser Held, öffnet er trotz meiner Sorge abrupt die eher baufällige Türe des Bungalows. «Wow, so mutig!» denke ich bewundernd. Draussen wird er Gottlob weder niedergeschlagen noch gefangen genommen, im Gegenteil. Freudig begrüsst ihn eine etwa 10köpfige Männerrunde mit den Worten: «Do you have cigarettes, Sir?» Des Rätsels Lösung: die Nachtwächter des Hotels treffen sich bei unserem am Ende gelegenen Bungalow mitten in der Nacht zu einer gemeinsamen Arbeitspause. DER MANN schenkt ihnen zwei Päckchen Zigaretten und raucht gleich eine mit… Von nun an fühlen wir uns zu nächtlicher Stunde mindestens 10fach bewacht.  

Foto DER MANN: Unser freundlicher Kellner, der die Getränke serviert

Im Open Air Restaurant geht’s zur Essenszeit emsig zu und her. Es gibt morgens und abends ein vielfältiges, mehrheitlich fleischloses Buffet. Die Speisen sind wunderbar gewürzt und sagen mir zu, während DER MANN leicht die Nase rümpft. Schon zum Frühstück hole ich mir eine Schale des feinen Linsengerichts «Dal». Die Getränke werden vom freundlichen Personal serviert.

Foto Dishmaps: Dal, feines Linsengericht

Jedes Mal, wenn DER MANN mit seinem Teller ans Buffet geht, taucht ein blutjunger Kellner auf, der mit der Bedienung unseres Tisches nicht das Geringste zu tun hat (zum Glück!). Er steht dann neben mir und kratzt sich durch den Lungi, den lokalen langen Wickelrock, kräftig im Schritt. «Oh du Schande, der hat bestimmt Filzläuse!» denke ich und kann nicht mehr weiteressen. Er beginnt eine ungeschickte Konversation, weiss hingegen bald, aus welchem Land ich komme. Das Buffet lässt er nicht aus den Augen. Sobald sich DER MANN dem Tisch wieder nähert, verschwindet der Junge blitzschnell im hinteren Teil des Restaurants. Dies wiederholt sich. Als ich ihn frage, weshalb er nur dann erscheine, wenn mein Mann weg sei, antwortet er treuherzig, er wolle allein sein mit mir. In Tat und Wahrheit hat er es natürlich auf etwas ganz anderes abgesehen. Er träumt von einem Job in einem Restaurant in der Schweiz. Den glaubt er sich nur über das Herz einer älteren Frau erobern zu können.

Erfolgversprechender wäre es, er machte zuerst seinen Filzläusen den Garaus.

Nachhaltig? Höchstens in Bezug auf die Filzläuse…

Elisa, 05.05.2021 (Forts. folgt)

Foto Elisa: Die arme Kuh muss sich ihr Fressen zusammensuchen

Von Schlangen und Schildkröten – und von Tourist Helpers

Foto: http://www.fotografierenundmehr.de: Unwiderstehliche, rätselhafte Stimmung

Habt Ihr wieder Lust auf Sri Lanka und seine Besonderheiten? Hier die Forsetzung:

Forts.: Der folgende Tag sieht uns an einem schattigeren Ort. Dennoch ist unsere Wanderung bei dieser Luftfeuchtigkeit ebenfalls kräftezehrend. Wir keuchen durch ein trockenes Bachbett eine bewaldete Schlucht hinauf, um Mönchshöhlen und einen alten, einsamen Tempel zu besuchen. Der Schweiss fliesst in Strömen.

Beim Abstieg taucht wie bestellt ein Einheimischer an meiner Seite auf und führt mich schweigend, aber sicher zurück über das vertrackte, mit klobigen Steinen und Felsbrocken übersäte Bachbett hinab – er, der kein T-Shirt, nur ein Lendentuch und ganz leichte Sandälchen trägt. DER MANN sieht das nicht gerne. «Ich bin auch noch da,» schmollt er. «Der will sowieso nur Geld.» «Das gebe ich ihm gerne», lache ich, «er hat es verdient!»

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«Hast du vergessen, wie dich erst kürzlich ein selbsternannter Führer vom Löwenfelsen hinunterbegleitet, äusserst geschickt von der Gruppe weggelotst und dich schlitzohrigen Händlern ausgeliefert hat? Die angeblich echte Korallenkette, ein «Schnäppchen» für 80 (!) Franken, sei aus billigstem Plastik, hat Asanga gesagt.» DER MANN ist mit Recht sauer: ich bin viel zu leichtgläubig.

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Auf einmal drängt uns Asanga, dem es sonst nie eilt. «Es wird Abend», mahnt er. «In diesem Wald hat es unzählige Giftschlangen, und um diese Zeit kriechen sie plötzlich überall hervor.» Hui, jetzt geben wir fünf Touristen aber Fersengeld! Völlig verschwitzt kommen wir im Hotel an.

Foto DER MANN: einheimisches Mädchen

Für unseren Aufenthalt haben wir ein naturnahes Hotel gewählt, das sich nachhaltigen Tourismus auf die Fahne geschrieben hat, der bei näherem Hinsehen allerdings etwas, sagen wir, ungewohnt ist. Dafür sind wir hier in einer echten Idylle.

Die Anlage liegt in einer sanften Talsenke und grenzt an einen stillen kleinen See. Wenn das Abendlicht über das Wasser streicht, schimmert das umliegende Grün samten im letzten warmen Sonnenglanz. Grosse Vögel schwingen sich lautlos in die Höhe. Um diese Tageszeit überstrahlt den Ort viel Frieden und Ruhe.

Foto DER MANN: Damm in der Nähe unseres Hotels

Auch in der Natur kommt der Tod unerwartet. Beim Abendspaziergang entdecken wir eine tote Riesenschildkröte. Was ist ihr zugestossen? Schildkröten, Symbol für langes Leben und Weisheit, werden doch uralt! Als wir am folgenden Abend nochmals hingehen, sehen wir nur noch eine Unzahl durchsichtiger Plättchen vom Panzer und ein kleines Halsrückgrat im Gras liegen. Sonst ist rein gar nichts mehr übrig. Waren das streunende Hunde, Vögel oder…??

Foto DER MANN: Was von der Schildkröte übrig bleibt

Wie auch immer: Die Natur ist nachhaltig. Sie verschwendet nichts.

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Bleibt gesund und träumt Euch an einen schönen Ort. Die Forsetzung folgt in einer Woche.

Liebe Grüsse, Elisa
28.04.2021

Von Tee und Zahn – und von einem Affentheater

Foto Hexenwald 11: Der ganz besondere Baum: Ficus Benjamina

(Forts.): Kommt Ihr wieder mit? Sri Lanka wartet!

Postkarte: Teepflückerinnen bei ihrer harten Arbeit auf den Teefeldern

Auf den Hügeln im zentralen Hochland, wo’s etwa 24ºC kühler ist als in der Ebene, reiht sich Teefeld an Teefeld. Unser heutiges Ziel ist die auf 500m Höhe gelegene Stadt Kandy mit dem Tempel, dessen Heiligtum der obere linke Eckzahn des Buddhas ist, dem eine abenteuerliche (Reise)Geschichte nachgesagt wird. Fotografieren ist verboten. Wir harren geduldig aus im endlosen, andächtigen Zug von Pilgern, die im Tempel einen Blick auf den heiligen Reliquienbehälter erhaschen wollen. Zweimal pro Tag wird der Schrein für 15 Minuten geöffnet. Die Ehrfurcht der vielen Menschen beeindruckt uns.

Postkarte: Der Tempel von Kandy, der Buddhas Zahn beherbergt

Alles in allem ist der Tempel jedoch nicht meine Welt. Buddha’s Zahn lässt mich an einen zahnlosen Mund, an ausgerissene Zähne denken…

Foto Phonsavan: Im Botanischen Garten von Kandy

Ich, die ich Bäume bewundere und liebe, bin denn auch erst im schattigen Botanischen Garten von Kandy mit den uralten, seltenen Bäumen in meinem Element.

Foto: Royal Garden of Kandy: Ebenfalls ein faszinierendes Exemplar

Die antike Stadt Polonnaruwa, die wir am nächsten Tag besuchen, war einst Hauptstadt des mächtigen Königreiches Ceylon. Es lohnt sich, die prächtigen Ruinen aus den Jahrzehnten nach 993 zu besuchen. Das Areal dieses UNESCO-Weltkulturerbes ist riesig und enthält steinerne Tempelfiguren, antike Bewässerungssysteme, Buddha-Statuen und 1000 Jahre alte Stupas. Als künstlerische Blütezeit der Klosterstadt gelten die Jahre 1154 bis 1196.

Foto DER MANN: Tempelruine in der antiken Stadt Polonnaruwa

Als der Regent 1293 wegzog, verlor Polonnaruwa an Bedeutung und verschwand zunehmend unter tropischer Vegetation, bis die Briten die Klosterstadt, ungefähr ab 1890, Stück für Stück vom Dschungel freilegten, der die Ruinen völlig überwuchert hatte. Manchmal wäre ich froh, die vielen «Architektursünden» in unserem Land würden ebenfalls vom Dschungel überwachsen, heisst: unsichtbar gemacht.

Foto DER MANN: Ruine in der alten Klosterstadt Polonnaruwa

Der Besuch der vielen Ruinen ist grossartig. Die alten Gemäuer haben etwas Schattenhaftes, Unerklärliches für uns, strahlen dennoch Kraft und Harmonie aus. Allerdings ist es sehr heiss, das Areal weitläufig. Vor einem der letzten Tempel streikt DER MANN. «Ich will nicht schon wieder in ein dunkles, halbverfallenes Gemäuer gehen, sie sehen alle ähnlich aus. Jedes Mal die Schuhe ausziehen, das Käppi vom Kopf nehmen, die Socken dreckig machen! Ich bleibe draussen im Schatten, da ist es angenehmer.»

Foto Elisa: Buddha in altem Tempel von Polonnaruwa mit frischen Blumen

Dadurch wird er Zeuge eines wahren Affentheaters. Eine asiatische Reisegruppe hat Hüte, Taschen und Schuhe auf einer Steinmauer deponiert. Während wir alle im Tempel sind, turnt eine fröhliche, vielköpfige Affenschar von den Bäumen, fällt kreischend über die Gegenstände her. Flink wird alles ausgeleert, durcheinandergewirbelt, in die Luft geworfen oder stibitzt, und dann blitzschnell «in Sicherheit» gebracht. «Wie ein unwirklicher Spuk», erzählt DER MANN nachher. Ts, ts, ts!! Null Anstand, null Respekt! Ob Buddha darob beleidigt ist? Oder ob er im Gegenteil ein diebisches Vergnügen an der wilden Rasselbande hat?

Eines ist klar: Die beraubten Touristen werden sich kaum freuen.

Foto DER MANN: Uralte Bäume im Botanischen Garten von Kandy, sie müssen gestützt werden

(Forts.folgt)

Liebe Grüsse, Elisa

21.04.2021

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Von Zimt und Tempeln – und von Nachhaltigkeit

Foto Elisa: Gewürze aus Sri Lanka

Um den Pandemie-bedingten Einschränkungen etwas zu entrinnen, krame ich mit Vorliebe in früheren Reiseerinnerungen. Ich lasse Euch gerne teilhaben. Wie wär’s mit Sri Lanka? Seid Ihr dabei? Also denn:

Nach unserer Ankunft auf dem dortigen Flughafen fahren wir nachts beim bekannten Zimtkanal vorbei – einer Hinterlassenschaft aus der Hochblüte der holländischen Kolonialherrschaft. Mit ihren 100 km Länge führt die Wasserstrasse von Negombo nach Colombo, dann nach Puttalam. Negombo war zu jener Zeit ein bedeutender Handelsplatz, da der Zimtkanal dem Transport des beliebten Zimts und anderer Gewürze diente.

Trotz der überraschenden nächtlichen Geschäftigkeit auf dem daneben liegenden Strässchen sind die kleinen Buden der Händler nur spärlich beleuchtet, aber man kann das Lächeln, das in den dunklen Gesichtern mit den weissen Zähnen aufleuchtet, dennoch gut erkennen. Die Szene ist zauberhaft. Sie hat etwas Meditatives und zugleich Geheimnisvolles, Träumerisches. Ein wunderbarer Ferienstart!

Der Zimtkanal bei Negombo

Sri Lanka, die Gewürzinsel mit den weiten Teefeldern gefällt DEM MANN und mir auf Anhieb: Schöne Landschaften, liebenswürdige Menschen, viele, viele Elefanten, holprige, von hohen Palmen gesäumte Strassen, alte Kulturdenkmäler.

Unsere erste Woche ist Tagesbesichtigungen gewidmet – in einer bloss 5köpfigen Reisegruppe, was ideal ist. Geführt wird sie durch Asanga, einen weisen, unkonventionellen Mann.

Foto Elisa: Die buddhistischen Höhlen von Dambulla

Unser einfaches Hotel liegt in der Nähe von Dambulla. Dambulla ist berühmt für das größte Rosenquarz-Vorkommen in Südasien und den Eisenholz-Wald, besonders aber für seine buddhistischen Höhlentempel, die das Leben Buddhas erzählen.

Die Höhlen in Dambulla sind ein Kunstwerk sondergleichen: Sogar die Decken und Wände sind bemalt,

Seitdem sich eine australische Touristin einem der Buddhas für ein Foto auf den Schoss gesetzt hat, ist Fotografieren verboten. Buddhastatuen gelten als heilig, weder darf man sie berühren, noch ihnen den Rücken zukehren. Man entfernt sich, indem man rückwärts weggeht. Heute, am ersten Besichtigungstag, sind wir eigens wegen der fantastischen Höhlen da, in denen wir 153 grosse und kleine, bunt bemalte Buddhas und farbenfrohe Wand- und Deckenmalereien bestaunen können, die knapp vorchristlich entstanden sind. Wegen der Pfützen auf dem Höhlenboden sind unsere Socken bald durchnässt und schmutzig. Wir vergessen aber bald, dass es draussen regnet. Besonders beeindruckt uns in der ersten der fünf Höhlen der 15m lange, liegende Buddha – die in Stein gemeisselte Ruhe. Kein Wunder, soll die Statue doch den Übergang Buddhas ins Nirwana darstellen.

Eine der farbig bemalten Buddha-Statuen in Dambulla

Im Gewürzgarten am nächsten Tag werden uns sämtliche einheimischen Gewürze gezeigt, auch wie sie wachsen. Bisher war mir unbekannt, dass unsere Zimtstengel von der Rinde des Zimtbaumes stammen und darum gerollt zu uns kommen. Jetzt weiss ich auch, warum es verschiedenfarbige Pfefferkörner gibt: grün=unreif, rot=reif und sehr scharf, weiss=roter Pfeffer ohne Häutchen, schwarz=verdorrt und trotzdem gut. Muskatnüsse haben ebenfalls eine rote Haut, die aber separat gemahlen und verwendet wird. Kokainblätter sehen ganz harmlos aus. Curryblätter wirken zierlich im Vergleich zu den länglichen, fleischigen Blättern und Kapseln des Vanillestrauches, der eine Orchideen-Gattung ist. Aus den grünen, dann fermentierten Kapselfrüchten werden die schwarzen Vanilleschoten gewonnen, die bei uns so begehrt sind.

Im Gewürzgarten: So gewinnt man Kautschuk, nur die Rinde einschneiden

Die anschliessende 20minütige, ayurvedische Arm-/Genick-/Schulter-Massage sowie der Gewürztee sind das Tüpfelchen auf dem I unseres Rundgangs. So richtig zum Beneiden, oder nicht?

Foto vom MANN: Ich werde mit Tee und Massage verwöhnt
Foto: AP_1_t715: Eichenholzbaum Hochstamm

Das war’s für heute, Fortsetzung folgt.

Bis zum nächsten Mal mit lieben Grüssen, Elisa

06.04.2021

Aus dem Alltag eines Reiseleiters

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Ein Reiseleiter aus Südafrika erzählt: Vor einiger Zeit passierte mir ein Missgeschick. Nach dem Teehalt in einem schattigen Garten war ich mit meiner Gruppe ein wenig verspätet. Daher ging ich vor der Abfahrt rasch durch die Busreihen, ohne genau hinzuschauen. Weiter hinten sass eine Dame mit grossem Strohhut. Wie gesagt, ich sah nur flüchtig hin – und, ohne es zu merken, zählte ich eine leere Männerjacke mit. Ich gab dem Chauffeur das Abfahrtszeichen, und los ging die Fahrt, bergauf, bergab, um Kurven, einen Fluss entlang. Nach etwas mehr als einer Stunde meldete sich die Frau mit dem Strohhut und jammerte: „Mein Mann ist immer noch im Restaurant, wo wir Tee getrunken haben.“ Du liebe Güte! Warum sagte die erst jetzt etwas? Den sperrigen Bus auf der schmalen Strasse gewendet, eine Stunde zurück gefahren, den verlorenen Mann an Bord geholt und zum zweiten Mal die gleiche Strecke vorwärts – die Verspätung an diesem Tag war nicht mehr aufzuholen. Peinlicher noch: Die Damen in der Gruppe sahen mich vorwurfsvoll oder gar empört an, ein paar Herren lachten hinter vorgehaltener Hand. Seither zähle ich meine Schäfchen immer ganz genau!

Einmal war der schottische Besitzer einer Whiskyfabrik unter meinen Gästen. Er trug stets eine Flasche seines Getränks in der Jackentasche. Der Whisky floss, zumindest bei ihm, in Strömen, die Landschaft nahm er wahrscheinlich trotz klarem Wetter eher verschwommen wahr. Gegen Ende der Woche meldete er besorgt, dass er nurmehr eine einzige Flasche Whisky übrig habe. Dann legte er sich ganz hinten im Bus auf die Rückbank und begann bald zu schnarchen. Nach einer Weile musste der Busfahrer unvermittelt bremsen – der Schotte plumpste ziemlich heftig auf den Boden. Dabei zerbrach klirrend seine letzte Whiskyflasche. Die kostbare Flüssigkeit rann an ihm herunter, bildete eine kleine schwarze Lache auf dem Boden des Busses. Beim Herunterfallen war der Unglücksrabe natürlich aus seinem Schlummer aufgeschreckt. Beunruhigt richtete er sich auf, tastete sein nasses Hosenbein ab. Dann schrie er entsetzt: „Oh Gott, lass es bitte, bitte Blut sein!“

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Ich wünsche Euch schöne Ferienträume, die sind zum Glück trotz Corona jederzeit möglich…

Elisa, 19.8.2020

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