Nostalgisches aus Cornwall

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Das British Museum und das Victoria & Albert Museum in London bergen einzigartige Kunstschätze mit starker, internationaler Strahlkraft. Doch von diesen soll hier nicht die Rede sein, sondern von meiner nostalgischen Sicht auf kleinere, eher unbekannte Museen.

Photo Jamaica Inn: Das alte Wirtshausschild

Seit beinahe drei Wochen herrscht trübes Wetter, als DER MANN und ich Cornwall besuchen – so richtig passend fürs Bodmin Moor, über das in mondlosen Nächten unheilschwangere Nebel streichen. Rasch durchqueren wir mit dem Auto das einsame, windgepeitschte Moor. Kein Wunder, gehört es zu den unheimlichen Schauplätzen Cornwalls! An seinem Rande steht der Jaimaica Inn, ein durch Mord und Totschlag in Daphne du Maurier’s gleichnamigem Roman in Verruf geratener Gasthof. Ein düsterer Ort – einst Treffpunkt von allerlei Gesindel wie Schmugglern, Dieben und Mördern – heute von Touristen heimgesucht. An den morschen Balken ist flächendeckend Geld aufgeklebt. Daphne du Maurier erkor Cornwall zu ihrer Wahlheimat und war bis zu ihrem Tod 1989 oft zu Gast im Jamaica Inn, den sie in einem packenden Roman gleichen Namens verewigt hat. Uns fehlt jedoch die Lust, um unter diesen dunklen, bedeutungsschwangeren Balken Lunch zu essen.

Photo Jamaica Inn: Hof und Pub

Das dem Gasthof angeschlossene Museum von Mr. Potter wurde 1861 gegründet und, wie könnte es in Grossbritannien anders sein, enthält ein schier unglaubliches Sammelsurium an abenteuerlichem Krimskrams, der auf eine morbide Art fasziniert. Wunderliche Gegenstände und vergilbte Fotos, die von längst verblassten Sitten aus fernen Ländern zeugen, liegen neben kuriosem Tand. Man entdeckt vorsintflutliche elektrische Apparate und verschrobene Reiseandenken aus den entlegensten Teilen der Erde, so einen echten menschlichen Skalp, ein altes, blutverkrustetes Schwert aus Borneo oder eine Menschenfresser-Gabel aus Neu Guinea. Mr Potter’s Spezialität waren Tierpräparate, vom imposanten Löwen bis zur winzigen Maus. DER MANN schaut sich das nicht gerade begeistert an…

Inzwischen sind die Gegenstände versteigert worden. An ihrer Stelle gibt es jetzt ein Schmugglermuseum, und der Inn bietet Übernachtungen im romantischen Himmelbett (mit Gespenst?) an.  

Photo Jaimaica Inn: Wandbild im Pub, Spukender Schmuggler

Natürlich kann man selbst in Cornwall ganz normale Museen besuchen. Mit der 150jährigen Looe-Valley-Bahn tuckern wir an einem der nächsten Tage durch eine unberührte Landschaft, die uns durch Wälder, über einen Damm und zwischen zwei Seen hindurch bis ans Meer bringt. Kurz nach Beginn der Fahrt hält der kleine Zug, und wegen des Gefälles steigen Kondukteur und Lokführer aus, stellen von Hand die Weiche, steigen am andern Ende des Zuges wieder ein und meistern so elegant die scharfe Kurve.

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Im kleinen Weiler von St. Keyne, der aus etwa vier Häusern besteht, unterbrechen wir unsere Fahrt für 1 ½ Stunden und lassen uns von Paul Corin in seinem Musikautomaten-Museum in andere Sphären entrücken. Zwar riecht es im alten Gebäude muffig. Die Mauern bröckeln und sind in den Ecken von Schimmel befallen. Doch Pauls humorvolle Geschichten, mehr noch das lange, nostalgische Konzert auf seinen 100jährigen mechanischen Kirchen- und Jahrmarkt-Orgeln, den elektrischen Pianos und Wurlitzern, halten DEN MANN und mich gefangen. In dieser zauberhaften Welt steht die Zeit still. Fast können wir uns nicht losreißen – wäre da bloß nicht der wartende Zug.

Leider ist das Museum inzwischen geschlossen.   

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Ich muss gestehen, nicht immer lohnt sich ein Museumsbesuch. In einem malerischen Küstenort hat’s ein Witchcraft-Museum. Beim Eingang steht ein Schirmständer für Hexenbesen, was DER MANN und ich noch witzig finden, doch schon bald wird uns in der düsteren Sammlung unheiliger Hexenkunst mulmig zumute. In der Tat merken wir enttäuscht, dass es hier nicht, wie erwartet, um eine schräge und etwas schrille Ausstellung geht. Der verstorbene Museumsgründer war vielmehr stolz darauf gewesen, ein schwarzer Magier zu sein. Zauberlitaneien und magische Anleitungen zu dunklen Untaten lassen uns das Blut in den Adern gefrieren. Beim Anblick durchstochener Voodoo-Puppen, vertrockneter menschlicher Hände, toter Kröten und anderer abscheulicher Gegenstände regt sich tiefe Abscheu. Was für ein unflätiger Ort! DER MANN und ich brechen den Rundgang schleunigst ab, verfolgt von höhnischem Hexengelächter ab Band und den argwöhnischen Blicken der merkwürdigen Frau an der Kasse. Würde mich wundern, wenn das Museum noch existierte…

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Reizvoll hingegen ist, dass in Cornwall noch immer Legenden um König Artus und seine Ritter, das versunkene Avalon und den Zauberer Merlin gewoben werden. Auf Grund der Erzählungen über Sagengestalten taucht man kopfüber ins europäische Mittelalter ein, das hier nach wie vor lebendig zu sein scheint. Auf Schritt und Tritt entdeckt man vermeintliche Spuren. Entsprechende Museen, Ausstellungen und Burgruinen regen die Fantasie mächtig an.

Photo pinterest:
Burgruine Tintagel, wo der Legende nach König Artus geboren wurde

In Wäldchen versteckt gibt’s unzählige ‚Wunschbrunnen’, um die es des Nachts spuken und irrlichtern soll. Allein schon die Lage dieser Brunnen in Grotten oder feuchtem, dunklem Unterholz sorgt für eine gruselige Stimmung. Ich würde mich hüten, dort etwas zu wünschen. Obwohl sonst allem Englischen zugetan, habe ich nicht den Wunsch, in dieser huschenden und raunenden Spukwelt heimisch zu werden.

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Nicht einmal Sir Simon, dem harmlosen Gespenst aus Oscar Wilde’s Erzählung «The Canterville Ghost», möchte ich nachts auf dem Flur begegnen!

Elisa, 18.11.2020

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Auf Entdeckungsreise

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Photo Elisa: Ritterrüstung (Da steckt hoffentlich kein Mann drin!)

Wie ich letztes Mal bereits geschrieben habe, gehe ich wahnsinnig gerne in Museen und Schlösser aller Art, auch Häuser berühmter Menschen finde ich aufregend. Ihr könnt es sicher bestätigen: Es findet sich auf der ganzen Welt Sehenswertes, das der Entdeckung harrt! Hoffentlich kommen bald Pandemie-freie Zeiten, damit wir uns wieder unbeschwert bewegen dürfen.

Wart Ihr schon einmal im Charles Dickens House in London, in dem der Dichter wohnte, als er erst 12jährig war und eine Zeitlang in der Fabrik arbeiten musste, weil sein Vater im Schuldgefängnis sass? Oder im hübschen weissen Haus des früh verstorbenen, englischen Poeten John Keats – habt gar lauschend unter dem Pflaumenbaum gesessen, unter dem die «Ode an die Nachtigall» entstand? Oder im «Hagenauer Haus» in Salzburg, wo Mozart seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte, wenn er nicht gerade auf strapaziöser Reise in einer holprigen, den Hintern beutelnden Kutsche sass? Vielleicht seid Ihr bewundernd in der Wohnung von Albert Einstein gestanden, wo er zwei Jahre mit Milena Maric in Bern verbrachte, habt anhand von Briefen die schwierige Ehe der beiden mitfühlend verfolgt?  

Wikipedia: Gillette als Sherlock Holmes

Sehenswert ist auch Mark Twain’s Haus in Hartford (Connecticut), ein «Haus mit einem Herzen und einer Seele», so er selbst. Besuchern der US-Ostküste empfehle ich ausserdem das Gillette Castle mit Blick über den Connecticut River, die ehemals private Residenz des Schauspielers William Gillette (1853-1937). Gillette, bekannt als Bühnendarsteller von Conan Doyle’s Sherlock Holmes, dessen äusseres Erscheinungsbild er nachhaltig prägte, entwarf das kauzige Haus selbst. Zu den Eigentümlichkeiten des Gebäudes, das einer Burgruine nicht unähnlich sieht, gehören spezielle Türknöpfe und Schlösser, ein Geheimgang sowie verborgene Überwachungsspiegel. Die illustren Gäste von Gillette hatten nicht die leiseste Ahnung, dass ihr Gastgeber sie Nacht für Nacht ausspionierte.

Wikipedia: Gillettes verschrobenes Haus

Kurz und gut: Museumsausstellungen sind derart vielfältig und spannend, dass man nur staunen kann: Sie reichen von Ritterrüstungen, Dynosaurier-Skeletten, wissenschaftlichen Themen, Technik, wertvollem chinesischem Porzellan, Mumien, edlen Stoffen, Sitten und Gebräuchen im Lauf der Jahrtausende, über Musikautomaten, kostbare Gemälde, jüdische Eheverträge Ketubah bis hin zu weltumspannenden, völkerkundlichen Sammlungen oder Kuriositäten aller Art.

Wikimedia.com: Jüdischer Ehevertrag

Wer das Äussere eines Museums ebenso schätzt wie sein «Innenleben», wird an der Getty Villa direkt oberhalb der Pazifikküste in Malibu Los Angeles seine helle Freude haben.

Photo Bobak Ha’Er: Getty Villa in Los Angeles

Viel Luft und Raum bietet die nach altrömischer Architektur gestaltete Anlage mit dem langen Wasserbecken, flankiert vom schmucken, weitläufigen Säulengang (Kolonnade), den vier Gärten und dem Gebäude, das der römischen Villa dei Papiri aus Hercunaleum nachempfunden ist. Hercunaleum war eine antike Stadt am Golf von Neapel, die wie Pompej beim Ausbruch des Vesuvs in der zweiten Hälfte des Jahres 79 n.Chr. unterging.

Photo by Michiel Verledens on Pexels.com: Angkor Wat, Haupttempel

Oder wie wär’s mit Angkor Wat, der Khmer-Tempelstadt aus dem frühen 12. Jahrhundert in Kambodscha? Das (nach Landfläche) grösste religiöse Denkmal der Welt hinterlässt beim Besucher unauslöschliche Erinnerungen und ehrfurchtvolles Staunen. Die Bäume, die manche der uralten Tempel täglich mehr durchwachsen, lassen die Ruinen in den Augen des Betrachters beinahe als lebendige Steine erscheinen.

Photo by James Wheeler on Pexels.com: Nicht in den Himmel, in den Tempel wachsen die Bäume!

Sucht man das Skurrile, bieten sich englische Museen und Gespensterschlösser an. Ich denke da speziell an Cornwall. Doch dazu später. In der Fortsetzung geht’s zunächst um die Geisterstunde – sozusagen zur Einstimmung.

21.10.2020, Elisa

Photo von Barbara Butscher: Besuch im Wasserschloss