Im Orient: Marokko (2.Teil)

Westwing: Marokkanischer Innenhof

Schwelgt Ihr auch gerne in vergangenen Sinneseindrücken? Man kann sie jederzeit aus dem Gedächtnis hervorzaubern, darin versinken und die Zeit vergessen – etwas, das ich in diesen Tagen besonders schätze.

Westwing: Jardin Majorelle

Lebhaft erinnere ich mich an so vieles in Marokko: eine Fahrt über den Hohen Atlas mit Landschaften wie aus dem Bilderbuch; ein neugieriger Bummel durch die Souks; Dösen unter hohen, sich im Wind wiegenden Dattelpalmen; Essen unter duftenden Jasmin-Büschen inmitten eines blühenden Gartens; sich vom süßen Gesang der Vögel im Garten betören lassen; die Freundlichkeit der Menschen spüren; am Hotelpool bewegt dem Song von John Lennon lauschen: „Imagine all the people living life in peace“; dem kleinen Pariser Hund mit dem seltsamen Namen „Saint-Pierre“ (Heiliger Petrus) zuschauen, der sich genüsslich von seinen zwei Herrchen kraulen lässt; den Worten André Hellers nachsinnen: „Marokko ist die große Liebesgeschichte meines Lebens, seit ich 1972 erstmals hierhergekommen bin“. Sein bezauberndes Gartenparadies „Anima“ eröffnete 2016, etwas ausserhalb von Marrakesch.

Im älteren Jardin Majorelle schweifen die Augen begeistert über das berühmte Kobaltblau, das der Künstler Jacques Majorelle entwickelte. Tief und leuchtend ist es. In der Stille des 4000m2 großen botanischen Gartens, den Yves Saint-Laurent vor dem Verfall rettete, strahlt es überall. Es spiegelt sich im Wasser, kontrastiert mit leuchtendem Gelb, üppig grünen Pflanzen, exotischen Blüten und schattigen Bäumen.

Westwing: Jardin Majorelle

Außerhalb der roten Stadtmauern von Marrakesch herrscht ein anderer Rhythmus, leben andere Farben als im geschäftigen Stadtzentrum. Die Blätter rauschen sanft im Wind, ein Wohlgeruch von Jasmin und Geißblatt und der allgegenwärtige Duft der berühmten Rosen von Marrakesch liegen in der Luft.

Ein paradiesischer Ort, der mit Hilfe eines jahrhundertealten ausgeklügelten Brunnen- und Kanalisationssystems erblüht, ist auch der berühmte Palmenhain von Marrakesch. Er besteht aus 13’000 Hektar Grünflächen und 180’000 Palmen, beherbergt zudem einen Golfplatz. Ein Stück weiter, hinter dem Königspalast, liegt die Gartenanlage Agdal, in welcher prachtvolle Feste gefeiert werden. Je nach Jahreszeit tragen die Bäume gleichermaßen schöne wie erlesene Früchte, Orangen, Feigen, Granatäpfel, Oliven…. Wer hätte da nicht Lust, einmal Gast zu sein an einem dieser Feste? Könnte Bauchtanzen zur Vorbereitung vielleicht nützlich sein?  

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Jeden Tag ertönen am Hotelpool orientalische Melodien. Dann ist es Zeit für die morgendliche Bauchtanz-Lektion. Orientalische Rhythmen bringen schon bei den ersten Klängen mein Blut in Wallung. Obwohl im Tanzen eher unbegabt, kann ich schließlich nicht widerstehen und schließe mich der kleinen Gruppe am vorderen Ende des Pools an. Bei der Instruktorin – natürlich einer Marokkanerin – sieht alles so mühelos aus. Mit den Händen aufreizend wedeln, die Handgelenke, Schultern und Hüften kreisen und immer schneller rotieren lassen, die Beine von oben bis unten zum Zittern bringen, und erst noch all diese Bewegungen gleichzeitig ausführen, aber so, als wären die einzelnen Körperteile völlig losgelöst voneinander – Du liebe Zeit! Es dauert nicht lange, da bin ich hilflos überfordert, habe plötzlich Dutzende von Gliedern, die sich samt und sonders zu verwickeln drohen. Ich stehe genau im Blickfeld der Instruktorin, und zuerst ruft sie mir noch zu: „Non! Pas comme ça! Regardez!“, doch schon bald überlässt sie mich meinem linkischen Schicksal, um am Schluss trocken zu bemerken: „Das haben Sie nie zuvor gemacht, oder?“ Erraten!! Na ja, in der Schweiz tanzt man eben etwas anders… Ach, aus mir wird wohl nie eine geschmeidige, verführerische Bauchtänzerin.

Ade, prachtvolle Feste!

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Elisabeth, 6.5.2020 – (Forts.folgt)