Im Kaukasus – an der alten Seidenstrasse

Es war der legendäre König Wachtang I. Gorgassali («Wolfskopf», 440-502 n.Chr.), der Tiflis (Tbilissi) auf unterirdischen, heissen Schwefelquellen erbauen liess, in deren Heilbädern man noch heute baden kann. Die wechselvolle Geschichte der Stadt mit einer ganzen Reihe fremder Eroberer hat in diesen eineinhalbtausend Jahren eindrückliche Spuren hinterlassen.

Das Reizvolle sind die Gegensätze: hübsch restaurierte Häuser mit Rundbögen und Wendeltreppen, schmiedeeisernen oder geschnitzten Holz-Balkonen – wunderbar filigrane Bauten in Pastellfarben – daneben verfallende Häuser aus Holz oder Stein mit verblassten, bröckelnden Fassaden, die gestützt werden müssen.

(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)
(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)
(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)
(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)

Dann wieder prachtvolle Jugendstilhäuser, moderne imposante Bauten aus der Sowjetzeit oder ganz spezielle zeitgenössische, die Präsident Saakaschwili in Auftrag gab, wie die Friedensbrücke oder die langen Konzerthallen (zwei überdimensionierte Glasröhren, die heute leer stehen).

(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)

Die musische Seite der Tbilisser offenbart sich in Kunstgalerien, feinen Läden, Opern- und Konzertsälen, Museen. Sie wechseln mit Shisha-Cafés, Bauern- oder Flohmärkten, Restaurants mit vielseitigen, kreativen Gerichten, überschäumendem Nachtleben in Bars und Clubs, farbig illuminierten Gebäuden, wilden Konzerten und ausgelassenem Tanzen. In der Altstadt gibt es ein noch immer geöffnetes Amphitheater zu bewundern, eine ehemalige Karawanserei sowie einen alten zoroastrischen Feuertempel aus dem 5. Jahrhundert. Und über allem die vielen alten, schattenspendenden Bäume!

Man schaut und schaut und wird nie satt. Dazu ein paar Zeilen aus dem Internet: «Die alten Wohnhäuser im sogenannten „Tbilisser Stil“ bilden eine bunte Mischung aus traditionellen Formen und Jugendstilelementen. Um die Häuser winden sich großzügige Treppenaufgänge sowie breite, ornamentreiche Holzbalkone, die vom lebensfrohen Alltag der Menschen im 18. und 19. Jahrhundert zeugen».

(Foto aus Monikas und Stefans Reiseblog)

Wie Euch inzwischen sicher klar geworden ist, zeigt die Stadt ein so vielfältiges Erscheinungsbild, dass es kein Leichtes ist, sie zu beschreiben. Ich nehme Euch deshalb noch kurz mit auf einen 3stündigen illustrierten Abendspaziergang. Stadtführerin Kati ist ein geduldiger, liebevoller Mensch, der uns mit viel Professionalität, Herzenswärme und ausgezeichnetem Deutsch durch den Abend führt.

(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)

Nach einem Gang durch den Rike-Park und über die Friedensbrücke schweben wir in der Seilbahn über den Fluss Kura (Mtkvari) und die Altstadt hinweg zur wichtigsten mittelalterlichen Festung Narikala hinauf, die an der engsten Stelle der Kura-Schlucht errichtet wurde, und wo man an den Hängen Häuser baute. Sie liegt 727m ü.M. auf dem Gipfel des Sololaki-Gebirgskamms, seit 1827 als Ruine. Dort erwartet uns ein atemberaubender Blick auf das inzwischen eingedunkelte Tbilissi.

(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)
(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)

Zu Fuss steigen wir langsam den steilen Bergpfad hinunter, wieder auf 380m ü.M., was seine Zeit braucht. Wie Adlerhorste hocken ganze Häuserzeilen auf den steilen Felsen über der Schlucht. Man wundert sich, dass sie nicht hinunterstürzen. Am Schluss gibt’s noch eine schwindelerregende Wendeltreppe zu überwinden, dann sind wir am Fluss unten und spazieren über die Liebesbrücke zum Wasserfall, der überraschend mitten in der Stadt liegt.

(Bild aus Monikas und Stefans Reiseblog)

Nach einem Halt in einem idyllisch am Fluss gelegenen Gartenrestaurant bummeln wir noch weiter bis ins Bäder-Quartier Albanotubani. Doch davon nächstes Mal mehr!

Übrigens: Abenteuerlustige fahren auf der von Russland gebauten Hauptstrasse in
30 Std. und 20 Minuten mit dem Bus die 1237 km von Tiflis über Armenien nach Teheran, das soll gefährlich sein – also lieber im Bus als im Privatauto…

Elisabeth, 25.9.2019