Im Orient, Teil III: Von Weihrauch, Nomaden und rosa Felsen

Foto naturalbeauty.de:
Brennender Weihrauch

(Forts.)

Habt Ihr schon einmal vom alten Volk der Nabatäer gehört, die 169 vor Chr. die legendäre rosarote Felsenstadt Petra im Süden Jordaniens gründeten? Man vermutet, dass sie von den Urenkeln Abrahams abstammten. Jedenfalls befindet sich auf einem der hohen Felsen ein uralter Altar, auf dem Abraham seinen Sohn Isaac hätte opfern sollen. (Wie merkwürdig: In Jerusalem hörten wir dieselbe Geschichte, allerdings war dort der Tempelberg Ort des Geschehens!) Auch das Grab Aarons, Moses‘ älterem Bruder, wird in dieser Gegend vermutet und durch einen weißen, weitherum sichtbaren Schrein auf einer Bergkuppe gekennzeichnet. Immerhin gelten die Nabatäer als das erste Volk, das sich geschlossen zum Christentum bekannte.

Photo by Tomu00e1u0161 Malu00edk on Pexels.com

Sie wurden nach langen Jahren des Nomadenlebens dort sesshaft. Unfruchtbare Landstriche verwandelten sie in blühende Gärten. Ihre Karawanen brachten Weihrauch, Myrrhe und andere Schätze aus dem Süden Arabiens und verhalfen ihnen zu unermesslichem Reichtum. Auch ein von ihnen geschaffenes raffiniertes Wassersystem mit Dämmen und Kanälen trug wesentlich dazu bei.

Nicht weniger Staunen weckt ihr bildhauerisches Können. Anstatt die Gebäude ihrer Stadt zu errichten, schlugen und meißelten sie sie aus dem Felsen, wobei sie geschickt die natürliche farbenprächtige Schönheit des Gesteins, von rosa bis tiefrot, von beige, braun bis Purpur und Ocker, und seine marmorartigen Muster ausnutzten. Die sogenannten Fassaden, durch die man in die Gebäude gelangte, stehen meist auf hohen Felsvorsprüngen, und die größte ist von dort aus nochmals etwa 50m hoch und breit.

Seit jeher geheimnisvoll, versteckt sich Petra an einem noch heute verborgen anmutenden Ort hinter den Bergen, und man kann es nur zu Fuß durch eine enge Schlucht erreichen; es war wohl deshalb während mehr als 300 Jahren verschollen, bis es ein Schweizer Forscher, Johann Ludwig Burckhardt, 1812 wiederentdeckte.

Seid Ihr bereit? Denn nun wandern wir gemeinsam durch diese Schlucht, den Siq. DER MANN, verlässlich und ruhig, ist mit dabei. Der Siq ist 1,2 km lang, aber auf weichem Sand gut zu durchqueren, obwohl der Pfad nur ein paar Meter schmal ist. Schaut hinauf, in das spärliche Stück blauen Himmels und staunt darüber, wie sich die Wände bis zu 200 Metern steil emporschwingen! Da kommen wir uns auf einmal ganz klein vor, nicht? Am Wegrand bewundern wir die Überreste des genialen Wassersystems, sie sehen ähnlich aus wie bei uns in den Walliser Bergen die sog. Bissen.

Und jetzt, da wo die Schlucht am engsten ist, erwartet uns ein Höhepunkt: Nach einer Wegbiegung ragt es plötzlich auf, prächtig und dominant, das sogenannte Schatzhaus! Es ist ein unvergesslicher Anblick. Ich bekomme nach wie vor Gänsehaut, wenn ich unten stehendes Foto betrachte.

Foto REUTERS/Muhammad Hamed: Das „Schatzhaus“ am Ende der Schlucht

Wir gehen weiter. Kurz darauf wird das Tal weit, und ich glaube, dass jeden, der diesen besonderen Ort durchwandert, ehrfürchtiges Staunen ergreift. Seine Schönheit, sagt man, kommt beim Blick von den hohen, das ausgedehnte Tal umgebenden Felsgebirgen sogar noch besser zur Geltung. Und blindlings, fast wie dem Rattenfänger von Hamel, würde man den stolzen Beduinen auf ihren Kamelen kilometerweit durch die rosaroten Ruinen und auf schmalen Pfaden hinauf auf die Felsen folgen, würden sie einen dazu auffordern…

Photo by Emma Bosley- Ritchie on Pexels.com

Immerhin hindert uns niemand daran, dass wir nun selbst ein wenig klettern, wenigstens einen einzigen der steilen Zugänge hinauf, um von dort, vom Vorplatz eines mächtigen Palastes, die Aussicht auf das Tal zu genießen. So können wir uns vorstellen, wie riesig die Stadt war.

Foto Elisa: Es geht hoch hinauf
Photo by Valdemaras D. on Pexels.com

(Forts.folgt)

Eure in Weihrauchduft schwelgende Elisa
01.02.2023

Der Orient, Teil I: von Datteln, Goldsand und lieblichen Düften

Liebt Ihr Datteln? Ich schon. Doch welche? Da scheiden sich die Geister. Die eher trockenen Deglet Nour finde ich fein, während mir die dicken, frischen aus Israel fast zu süss sind. Die weltweit besten Datteln, sagte man uns in Dubai, seien die Bateel-Datteln. Sie gelten in der verrückten Wüstenstadt als Delikatesse und sind z.B. mit Nüssen, Ingwer, kandierten Zitronen- oder Orangenschalen gefüllt.

Habt Ihr gewusst, dass Palmen richtige Überlebenskünstler sind? Dank ihrem cleveren Wasserhaushalt gedeihen sie in der kargsten Wüste. Denkt Euch, sie wachsen seit 79 Millionen Jahren auf unserer Erde, haben also selbst die Dinosaurier überlebt. Nicht auszudenken, wenn’s umgekehrt wäre!

So, nun noch rasch eine Dattel in den Mund gesteckt – und ab geht’s in die Wüste!

Erinnerungen an Erlebtes locken mich immer wieder in die Wüste mit ihrer Ursprünglichkeit. Begleitet Ihr mich? Das könnt Ihr getrost tun, denn ich nehme Euch mit auf eine Reise der Sinne – ohne Hitze oder Durst, ohne brennende Augen, mühelos, einer Fata Morgana gleich, und sie löst Freude aus! Ich sehe endlose Sanddünen, weich und glatt, Welle um Welle wie in Gold getaucht. Heißer Wüstenwind streicht über ihre Flanken, wirbelt Staub auf in einer Landschaft, die sich durch Verwehungen laufend wandelt. Eine Kamelkarawane zieht gemächlich ihres Wegs. In einer Senke blitzt das dunkle Grün einer Oase mit schlanken Palmen auf. Hier ist das Licht klar, sind die Konturen scharf. Kaum hörbar, blubbert ein frisches Gewässer. Eine Brise fährt raschelnd durch Palmwedel, unter denen verheißungsvoll üppige Büschel reifender Datteln leuchten. Schön, nicht?

Foto von Freundin Heidi Wildi: Dattelpalme

Ihr merkt es: Der Orient hat etwas stark Anziehendes für mich. Doch sind es nicht nur Gedanken an die Wüste – nein, an orientalische Gegenden überhaupt – die mich schwelgen lassen und mich stets aufs Neue dorthin ziehen. Ich rieche schweres Parfum, sehe würzige Weihrauchdüfte aufsteigen, schlendere durch enge Bazars, bewundere die Anmut der Frauen und die Geschmeidigkeit der Männer, sehe kräftige Farben und Gold aufblitzen, höre Trommeln, die das Herz höherschlagen lassen, kurz, ich erlebe beglückt die ganze Mystik dieser Orte, als hätte ich sie erst gestern besucht.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi
Foto von Freundin Heidi Wildi: Die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi
Foto von Freundin Heidi Wildi:
Kostbare Details in der Scheich-Zayid-Moschee

So viel kraftvolle Schönheit und Eleganz! Ob ich Euch mit meiner Begeisterung anzustecken vermag? So oder so, hier als Ergänzung zu unserer virtuellen Reise noch ein paar handfeste Tatsachen:

Wahrscheinlich ist Euch bekannt, dass die ornamentreiche, islamische Baukunst bis nach Indien getragen wurde. Dort erlebte sie als indo-islamische Mogul-Architektur zwischen 1526 und 1858 ihre Blüte. So stammen einige der bedeutendsten Baudenkmäler des indischen Subkontinents aus jener Zeit, u.a. der Taj Mahal, der zu den „Neuen Sieben Weltwundern“ gehört. Noch heute können wir die islamischen Spuren überall in Indien bewundern, in Moscheen, Mausoleen, an Palästen, in Gärten. Denn tatsächlich prägte die Epoche der Moguln die indische Kunst und Kultur nachhaltig, auch in den Bereichen Malerei, Sprache und Literatur – bis der letzte Großmogul von den Briten 1858 entmachtet wurde. (Forts. folgt)

Träumerisch, Eure Elisa
18.01.2023