Krimi-Wochenende

Copyright Peter Denlo: Nachts hinter dem Schloss – huuhuu!

Kürzlich waren DER MANN und ich an einem dreitägigen Spiel-Ereignis – einem Krimi-Wochenende, das im historischen Schloss Hünigen aus dem 16. Jahrhundert stattfand, umgeben von einem nebelverhangenen Park mit uralten Bäumen. Am Tage krächzten die Krähen, des Nachts fehlten auch die Käuzchen nicht. Huuhuu! Wie unheimlich – und wie passend! Eine Teilnehmerin verriet mir, dass sie kein Auge zu tun könne und sich wie ein Wachhund fühle.

Copyright Peter Denlo: Wer kann da noch ruhig schlafen?

Wir hatten das Ehepaar Affentranger aus dem Thurgau zu mimen – wir, seit 60 Jahren ein harmonisches Ehepaar, mit einem vielköpfigen, leider ziemlich missratenen Familiennachwuchs, dessen Benehmen uns Eltern bzw. Grosseltern immer wieder das Blut in die Wangen trieb.  

Copyright Peter Denlo: Trudi und Karl Affentranger mit Tochter Ursi!

Es war ein Genuss, für einmal in einer anderen Haut zu stecken… Man hat dabei eine gewisse Narrenfreiheit. Wobei ich natürlich nicht vergessen durfte, dass ich mich als 17jähriges Trudi einst in Karl Affentranger, alias DEN MANN, verliebte, weil er dem rebellischen James Dean aufs Haar glich. Zwar fehlt Karl heutzutage die rote Bomberjacke, doch sein Haarschopf ist noch immer rassig und voll, oder nicht?

Copyright Peter Denlo: Unsere Tochter Erika
Copyright Peter Denlo: Braut Romina, unsere Enkelin

Zu unserem Schreck mussten wir in diesen drei Tagen mehrere Morde über uns ergehen lassen! Schlimmer noch: Wie uns das Bundesamt für Polizei fedpol vorgängig mitgeteilt hatte, waren die ermittelnden eidgenössischen Beamten per sofort aus Spargründen an den Wochenenden freigestellt, so dass wir, die rund 60 Teilnehmenden, bei den Ermittlungen so ziemlich auf uns allein gestellt waren. Die ersten zwei Todesfälle ereigneten sich bereits während der Trauung von Romina und Lino, dem Hochzeitspaar, das zu feiern wir gekommen waren. Was jetzt?

Copyright Peter Denlo: Bald wird die Hochzeitstorte angeschnitten

Da unsere vorlaute «Tochter Ursi» viel Geld für die drei Feiertage zu Ehren von Romina und Lino ausgegeben hatte, wurde die Hochzeit weitergefeiert, als wäre nichts (oder zumindest nicht viel) geschehen. Dabei fehlte jetzt nicht nur der Bräutigam! Das Spiel wurde immer turbulenter, die Toten immer zahlreicher, und die Krimi-Fan-Gemeinde traf sich regelmäßig im extra eingerichteten Ermittlungsraum, wo Briefe, Postkarten, E-Mails, verdächtige Gegenstände, Zeitungsartikel, anonyme Drohungen viel Stoff für Spekulationen lieferten.

Copyright Peter Denlo: Der Nebel schafft eine unheilvolle Stimmung. Wird er sich bald lichten?

Copyright Peter Denlo: Was wird da wohl ausgeheckt?
Copyright Peter Denlo: Aber, aber Erika, und erst noch in Mamas Nachthemd!
Copyright Peter Denlo: Ist die Sache ernst – oder stinkt da etwas?
Foto Elisa: Zwei, die bereit sind für die italienische Party
Foto Elisa: Nochmals zwei schöne „italienische“ Festteilnehmer

Ein Höhepunkt war der Samstagabend mit dem Kostümfest «Bella Italia», wo nach dem Essen zu schmissigen italienischen Schlagern aus den 70er und 80er Jahren getanzt und gesungen wurde. „Zwei kleine Italiener“ von Conny Froboess und „Arrividerci Hans“ von Rita Pavone klingen noch immer in meinen Ohren nach. Die beste, originellste, schönste, verrückteste oder aussergewöhnlichste Kostüm-Idee werde prämiert, hiess es. Zu meiner Überraschung wurde ich dank meinem Tricolore-Kleid mit einem Trostpreis ausgezeichnet – einer Packung Rösti! Warum eigentlich nicht eine Büchse Tomaten-Ravioli? 

Foto Elisa: Oh, welch bezaubernde Venezianerin!
Foto Elisa: Wer ist wohl dieses attraktive, geheimnisvolle Paar?
Copyright Peter Denlo: Das „Bella-Italia“-Fest ist in vollem Gange, selbst die „Gondolieri“ haben heute frei
Copyright Peter Denlo: Unbeschwerte Stimmung – oder lauert im Hintergrund erneut Unheil?

Foto Elisa: Oh nein! Aus der Traum?

Am Sonntagmittag kam dann die überraschende Entlarvung – wobei es während der Erläuterungen zu weiteren höchst dramatischen Szenen kam.

Copyright Peter Denlo: Wer zuletzt lacht…

Copyright Peter Denlo: Die Spannung steigt und steigt…

Todmüde und zugleich beschwingt kehrten wir nach Hause zurück. Eines ist sicher: Das ganze Spiel war raffiniert und klug aufgebaut, gewürzt mit unglaublicher Komik, gutem Essen, ausgezeichneter Stimmung und temporeichen Überraschungen. Mit anderen Worten: Mir war, als hätte ich lange nicht mehr so gelacht!

Foto Elisa: Wird sie „Ja“ sagen?
Copyright Peter Denlo: Ende gut – alles ungut!

Schlaft gut und träumt weder von Käuzchen noch von Nebel,
Eure Elisa
16.11.2022

Schubladen

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«Ein Mann – ein Wort. Eine Frau – ein Wörterbuch.» Diese etwas boshafte Qualifizierung schubladisiert sie beide, die Frau wie den Mann.

Weshalb machen wir das? Menschen, Dinge, Geschehnisse etikettieren? Verleiht uns das Sicherheit? Ist es Ordnungssinn? Oder Mangel an Fantasie? Angst vor Ungewöhnlichem? Vielleicht gar Neid?

Ich weiss es nicht. Ich finde Schubladisieren überhaupt nicht gut und mache es trotzdem, wie Ihr wahrscheinlich auch…

In Paris hörte ich, wie man dort einen knauserigen Menschen nennt: Elle mange en Suisse. Il boit en Suisse. (Sie isst/ Er trinkt in der Schweiz.) Das ist offenbar ein gängiger Ausdruck für Leute, die nicht teilen und alles allein für sich haben wollen. Ich fühlte mich sehr gekränkt für mein Land.

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Als junge Mutter arbeitete ich samstags in einem Warenhaus, um noch etwas dazu zu verdienen. Ein schlanker, eher kleiner Italiener wollte bei mir einen Pullover kaufen, der ihm bis Mitte Oberschenkel hinunter reichte. «Der ist viel zu gross für sie, nehmen sie ihn zwei Nummern kleiner», riet ich ihm, während ich das Kleidungsstück vor seinen Körper hielt. Eine kräftige, vollbusige Dame stand neben uns. Auf Italienisch meinte sie energisch: «Der passt doch.» Der Mann: «Wirklich?» «Si, si», erwiderte sie, «der ist perfekt.» Wie befohlen, tippte ich den Preis in die Kasse. Wenn seiner Ehefrau derart lange Pullover gefielen, dann konnte mir das egal sein. Nachdem er bezahlt hatte, wandte er sich lächelnd an die Dame. «Danke vielmals für Ihre Hilfe, Signora. Das war sehr freundlich von Ihnen.» Dieses kleine Vorkommnis schubladisierte ich unter «Italiener halten durch dick und dünn zusammen».  

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 Kurz vor der Müllabfuhr in der Hauptgasse unserer Stadt, nach einem Fest-Wochenende: Ungläubig betrachtet ein chinesisches Pärchen die unschöne Kulisse grosser und kleiner himmelblauer Abfallsäcke, überquellender Abfallkörbe, sperriger Schachteln und Kartons, die sich unübersehbar vor den Restaurants und Einkaufsgeschäften türmen. Dann zücken sie ihre Mobile Phones und knipsen eifrig. Was werden sie wohl ihren Freunden in China über die Schweiz erzählen?

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In Kenia hatte ich im Naturreservat einen schwarzen Butler, der mir allmorgendlich einen heissen Tee mit Biskuits ins Zelt und ans Bett brachte. Ich kam mit ihm ins Gespräch. Er wollte partout nicht glauben, dass ich als weisse Lady in meinem Heimatland arbeitete und keinen Butler hatte, der mich von morgens bis abends bediente. Ich meinerseits hatte damals keine Ahnung, wie unglaublich reich und vielfältig der afrikanische Kontinent an Rassen, Kulturen, Gebräuchen und wunderbarer Kunst ist.

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Zwei Freundinnen sitzen im Café. Sagt die eine: «Siehst du das Knochengestell dort drüben? Die sitzt nun schon seit mindestens dreiviertel Stunden vor einer Tasse Tee. Kein Wunder, ist die so dünn.» Die Freundin: «Bestimmt ist sie magersüchtig.» Tatsächlich? Es könnte doch sein, dass sie krank ist?

Foto: Elisa

Mich dünkt, Schubladisieren hat mit Vorurteilen zu tun. In unserem Leben gibt es überall randvolle Schubladen. Wahrscheinlich wäre es eine Erleichterung, sie wieder einmal zu leeren und zu entstauben, besonders jene, auf denen «Nationalitäten», «Rassen» oder «Politik» steht.

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Elisa, 3.2.2021