Nachtrag zu: Der Satz

Foto von Freundin Heidi Wildi: Wie genau meinst du das?

Liebe alle,
Ich möchte nochmals auf meinen gestrigen Blog zurückkommen, da mir durch Reaktionen, mündliche und schriftliche, klar geworden ist, dass ich mich etwas klarer ausdrücken sollte. Die Aussage im Satz: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ ist für mich gleichbedeutend wie: „Du hoffst bis zum Schluss, grundlos, und so lange, bis auch noch die Hoffnung stirbt.“ Vom Krebs bin ich längst geheilt und sehr dankbar dafür. Da ich diesen Satz jedoch immer wieder, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten, zu hören bekomme, wollte ich meinen Ärger loswerden. Außerdem habe ich mir gedacht, dass ich nicht die Einzige bin, die durch die sprachlich missratene Formulierung verletzt wird, gerade dann, wenn man in einer belastenden Situation steckt und sich verletzlich „wie ein rohes Ei“ fühlt.

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Klar ist, dass ich die Hoffnung an sich keineswegs missen möchte. Sie ist für mich etwas eminent Wichtiges, vor allem die Hoffnung auf einen liebenden Gott, denn sie vermag Berge zu versetzen!

Foto von Freundin Heidi Wildi: Hoffnungsstrahl

Liebe Grüsse, Elisa
13.10.2022

Der Satz

Foto Elisa

Kürzlich hörte ich ihn wieder, diesen unseligen Satz, der viel zu häufig in Gesprächen auftaucht. Zutiefst zuwider ist er mir, doch aus unerfindlichen Gründen ist er beliebt, scheint auf rätselhafte Weise unausrottbar zu sein: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Was genau will man damit ausdrücken? Ich kann ihn nicht ausstehen. Das hat natürlich seinen Grund.

Während meiner schweren Krebserkrankung musste ich wander- und reisebegeisterte Person das Gehen von Grund auf neu lernen, weil ich so schwach geworden war. Das war schwer. Als ich nach Wochen wieder zu Hause sein durfte, bat ich die Onkologie-Begleiterin eines öffentlichen Gesundheitsdienstes, mich auf einem kleinen Rundgang durch unser Quartier zu begleiten, da ich mich ziemlich unsicher fühlte. Es wurde ein enttäuschend kurzer Spaziergang, und auf dem Rückweg sagte ich, sicher auch, um mir selbst Mut zu machen: „Ich werde bald wieder gesund und stark sein, dann kann ich überall hin gehen, wo ich will.“ Die Dame antwortete: „Jaa, jaa! Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Ich glaubte, mich verhört zu haben. Die Bemerkung traf mich wie ein Faustschlag. Sie kam mir zynisch, ja geradezu höhnisch vor, so dass mir die eigenen Worte im Halse stecken blieben. Kaum waren wir wieder in der Wohnung, holte sie ihre Unterlagen und fragte: „Und, wie fühlen Sie sich jetzt? Nennen Sie mir eine Zahl zwischen 1 und 10.“ Wenn ich die Kraft gehabt hätte, hätte ich sie in diesem Moment hochkant hinausgeschmissen!

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Gewiss, es passiert uns Menschen leider immer wieder, dass wir einander ohne Absicht verletzen. Aber dass eine Gesundheitsmitarbeiterin, die für die Begleitung krebskranker Menschen psychologisch ausgebildet ist, derart unsensibel agiert, ist für mich keine Lappalie. Ich bedaure nur, dass ich ihr dies nicht ins Gesicht sagte, sondern ihr einfach telefonisch mitteilen liess, dass ich sie nicht mehr brauchen würde.  Merkwürdig, niemand wollte den Grund wissen.

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Das ist lange her, doch der Satz verfolgt mich buchstäblich, laufend begegne ich ihm. Bitte verwendet ihn nicht. Er ist gefühllos, und vor allem gedankenlos! Soll er Hoffnung machen? Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Wenn schon, müsste man doch sagen: Gut so, Hoffnung dürfen wir immer haben!

Mit hoffnungsvollen Grüssen, Elisa
12.10.2022