Träfe Sprüche

„Pfaffen sollen beten und nicht regieren.“
Der dies sagte, war kein Geringerer als der Reformator Martin Luther, 1483-1546

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Ägyptisches Schild vor Spital:

  • Wenn Sie mehr über Lungenkrebs erfahren wollen, dann rauchen Sie weiter.

Jeanne Moreau, 1928-2017:

  • Weisheit stellt sich nicht immer mit dem Alter ein. Manchmal kommt das Alter ganz allein.

Hermann Hesse, 1877-1962:

  • Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkel kennt.
Schwertlilie im Park von Vuillerens

Das geht ganz schön unter die Haut, finde ich. Habt Ihr ebenfalls Gefallen an kernigen Aussagen, die einen Schuss (oder mehr) Weisheit enthalten? Und hättet gerne ein paar weitere? Et voilà!

Meister Eckhart, 1260-1328:

Biografie: Eckhart von Hochheim war ein einflussreicher spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph. Schon als Jugendlicher trat er in den Orden der Dominikaner ein, in dem er später hohe Ämter erlangte. Mit seinen Predigten erzielte er nicht nur bei seinen Zeitgenossen eine starke Wirkung, sondern beeindruckte auch die Nachwelt.

Buchumschlag Orell Füssli-Verlag
  • Gott ist immer in uns, nur wir sind so selten zu Hause.
  • Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht. Das notwendigste Werk ist stets die Liebe.
  • Etliche Leute wollen Gott mit Augen schauen, so wie sie eine Kuh betrachten, und wollen Gott genauso lieben, wie sie eine Kuh liebhaben.
  • Es weiss ein Esel immer einen anderen zu schätzen.  
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Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832:

Biografie: Goethe, der größte deutsche Dichter und Denker, war, wie wir wissen, ein Universalgenie. Als Naturforscher kam er zu bedeutenden Erkenntnissen. Der Dichterfürst war zudem Staatsmann und beeinflusste die Kunst seiner Zeit. Berühmt ist auch seine Farbenlehre. 

Foto: Bilder und Fotos WELT
  • Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken.
  • Es fällt dem Menschen mehr auf, was ihm fehlt, als das, was er besitzt.
  • Gerne der Zeiten gedenk‘ ich, da alle Glieder gelenkig – bis auf eins. Doch die Zeiten sind vorüber, steif geworden alle Glieder – bis auf eins.

Gut gebrüllt, (alter) Löwe! Unser Mitleid ist Dir sicher – kommen wir doch allmählich auch in dieses Alter… Allerdings hoffe ich, dass unser aller Alter nicht „ganz allein» kommt.

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Liebe Grüsse, Elisa
23.11.2022

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Monte Verità (Forts.)

Foto Elisa: Blick zwischen den Büschen hindurch auf den Lago Maggiore

Der «Berg» wurde rasch zu einem Mythos. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte er sich für Wahrheitssuchende aus ganz Europa zu einem bekannten Treffpunkt.

Foto de.Wikipedia.org.Wiki: Henri Oedenkoven und Ida Hofmann, 1903

Damals so bekannte Menschen wie Hans Arp, Hugo Ball, Ernst Bloch, Hans Richter, Gerhart Hauptmann, Bruno Goetz, Else Lasker-Schüler, Paul Klee, Käthe Kruse und viele andere Berühmtheiten verbrachten Zeit auf dem Berg. Ein weiterer Prominenter war Hermann Hesse, der einige Male länger zu Gast war. Er gehörte zu jenen, die sich aufmachten, um das Für und Wider alternativer Lebensformen zu erproben. «Hermann Hesse war gleich Feuer und Flamme und zog eilenden Fußes nach Ascona», heisst es in einem historischen Bericht von 1906.

Foto Elisa: Palmenstudie

Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam beschrieb die Szenerie in seinen „Unpolitischen Erinnerungen“ so: „Vegetarier mit teils ernsten Lebensauffassungen, teils höchst spleenigen Erlösungsideen hatten sich an den Abhängen des Lago angesiedelt, bauten Obst an, lebten von Rohkost, lobten den Herrn und sich selbst.“ Und weiter: „Von früh bis spät kaute ich nun Äpfel, Pflaumen, Bananen, Feigen, Wal-, Erd- und Kokosnüsse. Es war schauderhaft!“ (Textquelle: Bericht von Ulrich Neumann, Magazin „Spiegel“)

Foto Elisa: Die Trauben reifen

Zeitgenossen nannten die frühen Bewohner Sandalen-Träger, barfüssige Propheten und Kohlrabi-Apostel. Sie waren nicht nur eine Gruppe von Aussteigern, sondern eine illustre Schar von Intellektuellen, Künstlern, Schriftstellern, Malern, Kommunisten, Anarchisten, Pazifisten, russischen Adligen, Gesundheits- und Ernährungsfanatikern, Asketen, Nacktkulturanhängern, Traumtänzern, Mystikern… und natürlich hatten sie keineswegs alle die gleichen einheitlichen Lebensvorstellungen!

Alte Postkarte, das ehemalige Haus: Man trug weite, bequeme Kleidung
Textquelle: Bericht von Ulrich Neumann, Magazin „Spiegel“

So kam es, dass das Motto «Freie Liebe statt Salami» nicht nur bei Erich Mühsam auf keine freudige Zustimmung stiess, denn nicht alle wollten auf Fleisch, Kaffee, Tabak, Alkohol, Käse und andere Milchprodukte verzichten. Sogar Salz und Pfeffer waren untersagt. Schliesslich musste das strikte Nahrungs-Regime gelockert werden.

Alte Postkarte: Eurythmie-Tanz

Um das Siedlungsprojekt zu finanzieren, gründeten Oedenkoven und Hofmann die Naturheilstätte Sonnen-Kuranstalt, auf die wenig später das Sanatorium Monte Verità folgte. Die Freikörperkultur war auf dem Monte Verità allgegenwärtig. Zum naturnahen Lebenskonzept gehörte, dass man sich ohne Hüllen der heilenden Kraft der Luft und des Sonnenlichts aussetzen sollte.

Foto de.Wikipedia.org.Wiki: Eisenbett in einer der Luft-Hütten

Dafür hatten Oedenkoven und Hofmann in einem Teil des Geländes zwei nach Geschlechtern getrennte „Licht-Luft-Parks“ mit sog. «Luft-Hütten» errichten lassen, wo die Kurgäste „frei von allerlei lästiger Kleidung im Grase ruhen, laufen, turnen, spielen, Garten- und andere Arbeiten verrichten.“ So steht es in einem Prospekt aus dem Jahr 1904. Daneben wurden auch wallende weisse Gewänder oder kurze weisse Hosen getragen.

Foto Krenn: Im Damenbad, vermutlich 1907
Villa Semiramis heute, ohne Türmchen


Die Villa Semiramis, in der wir dieses Mal unser Zimmer hatten, wurde 1909 im Jugendstil vom turinischen Architekten Anselmo Secondo erbaut, damals komplett mit Türmchen. Der Panoramablick von der Villa über den Lago Maggiore ist einmalig. Das Türmchen brachte jedoch Unruhe auf den Berg. Ob neugierige Einwohner von Ascona früher tatsächlich gegen Gebühr auf das Dach der Villa stiegen, um einen Blick auf nackte Sanatoriumsgäste zu erhaschen, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, aber immerhin ein hartnäckiges Gerücht. Denn das Türmchen wurde bald abgebrochen, und auf dem Berg kehrte wieder Ruhe ein.

Alte Postkarte: Ackerarbeit ohne lästige Kleidung

Durch die Experimente des Tanzreformers Rudolf von Laban und seiner Münchner Tanztruppe erwarb sich der Monte Verità auch den Ruf als Zentrum des Ausdruckstanzes. Der freie Tanz, vorzugsweise an der frischen Luft geübt, erfolgte ebenfalls unbekleidet oder teilweise in leichten Gewändern, lediglich zu Trommelschlägen, ohne Musik. Leitmotiv war stets der Aufbau einer Verbindung zum Innersten der Tanzenden.

Foto Wienerzeitung.at: Ausdruckstanz
Alte Postkarte mit Hotel

Nach dem ersten Weltkrieg knickte die Blütezeit ein, die finanzielle Situation wurde prekär, der Elan von einst erlahmte. Henri Oedenkoven und Ida Hofmannun hatten sich auseinandergelebt (selbst eine wilde Ehe ist keine Treue-Garantie!) und verliessen die Schweiz. Ida Hofmann starb 1926 nach schwerer Krankheit in São Paulo. 1920 wurde der Monte Verità verpachtet. Der deutsche Bankier Eduard Von der Heydt erwarb ihn 1926 und liess ein Hotel erstellen. Erst nach 1940 verlor der Ort an Bedeutung und an Anziehungskraft.

1964 ging der Besitz aufgrund einer testamentarischen Verfügung Von der Heydts in den Besitz des Kantons Tessin über. Heute ein Ferienort und Seminarhotel, bietet er noch immer eine bezaubernde Auszeit. Auch Ausstellungen, u.a. von Harald Szeemann, können bewundert werden.

Foto: Wikipedia: Das Hotel heute

Nackt läuft heute dort niemand mehr herum! Oder doch? Als ich am Ende der Ferien nochmals in den Zen-Garten hinauf ging, war mir, als bewegten sich zwischen den Bäumen Gestalten – nackte, tanzende, leichtfüssige. Eine Halluzination? Eine Fata Morgana? Oder der schemenhafte Geist der Wahrheit?

Eines ist sicher: Eine besondere Atmosphäre herrscht auf diesem besonderen Berg, der Besucher aus aller Welt immer wieder herbeilockt und in seinen Bann zieht.

Foto Elisa:
Die stark duftende Pflanze Osmantus fragrans.
Sie hüllt ganze Dörfer mit ihrem Duft ein
Foto Elisa: Foroglio im Bavona-Tal

Liebe Grüsse, Elisa
26.01.2022