Macht

Ich liebe die scharfsinnigen Gedanken des Berner Pfarrers und Schriftstellers Kurt Marti (1921 bis 2017). Zwei Beispiele gefällig?

Die Machtlosen
machen
die Mächtigen

Foto von Freundin Heidi Wildi

Gott? Jener Grosse, Verrückte,
der noch immer an Menschen glaubt.

Foto Patentochter Sandra Romano

 „Futter“ zum Nachdenken, oder nicht? Liebe Grüsse, Eure Elisa
17.04.2022

Gebet

Eindrückliches Foto aus dem Internet

Im Februar 2014 nahm ich an einem Schreibkurs unserer Kirchgemeinde teil. Es ging ums Psalmenschreiben. Der Kurs war in die Themen Bitte, Dank, Klage, Zuversicht, Lob eingeteilt. Sehr abgekürzt nur so viel: Die Psalmen haben Vorbilder in der altorientalischen Literatur, sind jedoch in ihrer Dramatik und persönlich-geschichtlichen Aussage ohne Parallele. Die ältesten Psalmen der Bibel stammen wohl aus der Zeit vor dem babylonischen Exil und aus der israelitischen Königszeit. Sie zeigen die typische Technik der hebräischen Versdichtung.

Der Kurs bescherte mir tiefschürfende Erfahrungen, die ich jedes Mal verarbeiten musste, bevor ich schreiben konnte. Erst zu Hause flossen die Worte aus meiner Feder. Den folgenden Klage-Psalm schrieb ich nicht für den jetzigen Krieg, doch passt er erschreckend gut, und deswegen widme ich ihn heute der UKRAINE:

Klage-Psalm
JAHWE, Heiliger, Barmherziger
Wir schreien zu DIR aus den tiefsten Tiefen
unserer menschlichen Seele
schreien hinauf zu DIR in die höchsten Höhen
DEINES unendlich weiten Himmels

Bitte vergib, dass unsere Kriege
Erde und Herzen verwüsten
dass Hass sich ausbreitet wie eine stinkende Flut

DU weißt, dass wir Menschen leiden
DU siehst, dass wir weinen
Doch DU hörst auch, wie wir streiten
und erlebst unser bitteres Versagen
Ach, lass nicht zu,
dass auf Erden mehr Hölle als Himmel ist!

Oh Herr, wir brauchen DICH!
Bitte erbarme DICH, lehre uns Frieden
gib uns DEINE göttliche Freiheit

Verbreite DEINEN Frieden auf Erden
wie einen lieblichen Duft
Verströme DEINEN geheimnisvollen Zauber
Lass DEIN goldenes Licht zur Erde fallen,
dass es selbst unsere dunkelsten Winkel erhellt

Wir flehen DICH an,
JAHWE, Heiliger, Barmherziger:
Erhebe segnend DEINE Hände über uns
und erhöre liebevoll unsere Bitten
SO SEI ES

(Geschrieben von mir am 13.2.2014)

Foto von Patentochter Sandra Romano

Ich wünsche uns allen Frieden auf der Welt und im Herzen.
Elisa, 30.03.2022

In Harmonie mit sich und dem Universum

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In einem kürzlichen Interview zitiert Lotti Latrous (die in Afrika wirkende Schweizer ‘Mutter Theresa’) den persischen Mystiker Rumi: «Gestern war ich klug und wollte die Welt verändern, heute bin ich weise und möchte mich verändern».

Diese Einstellung nimmt dem Alt-Werden den Stachel, denn es bleibt uns immer noch mehr als genug zu tun – und sich zu verändern ist eine höchst ehrenvolle Arbeit.

Kennt Ihr Rumi? Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī (1207-1273) ist einer der bedeutendsten persischen Dichter des Mittelalters. Er war auch ein berühmter Gelehrter seiner Zeit. Krieg und Frieden, stellte er fest, folgen in dieser Welt endlos aufeinander, obwohl fast alle Menschen einen ewigen Frieden wünschen. Dieser sei aber nicht irdisch, sondern nach langem Kampf der Seele mit dem «inneren Löwen» in einer Wandlung durch den Geist zu finden. Liebe betrachtete er als die Hauptkraft des Universums. Der Mensch könne die Harmonie mit sich selbst und dem Universum nur erreichen, wenn er lerne, Gott – und damit alles von Gott Geschaffene – zu lieben. Fein ausgedrückt, um eine so essentielle Wahrheit auf den Punkt zu bringen, nicht? Wenn die ganze Menschheit Rumis Wahrheit verinnerlichen würde, hätten wir das Paradies auf Erden. Das vollkommene Paradies indessen wartet, so glaube ich, erst jenseits des Vorhangs.

Einer von Rumis Übersetzern, der Engländer Andrew Harvey, war nicht nur verzaubert vom Gedankengut, sondern auch von der sprachlichen Schönheit in Rumis Gedichten. In Bezug auf seine Arbeit meinte er: «Jede Übersetzung ist natürlich mit gewissen Enttäuschungen verbunden. Doch zumindest ist das Englische ausdrucksstark genug, um Rumis Bildsprache gebührend aufzufangen. Und ich hoffe, dass ich einen Teil dieser Schönheit und einen Schatten des großen Lichts aus dem Original erhalten konnte.»

Und im Deutschen? Bitte lest diese Gedichte – ich finde sie wunderschön. Ihr auch?

Sieh, das ist Liebe: himmelwärts zu fliegen,
In jedem Nu die Schleier zu besiegen,
Im ersten ganz den Atem anzuhalten,
Im letzten dann den Fuss zurückzuhalten,
Die Welt als Unsichtbares zu betrachten,
Das eig’ne Seh’n als Sehen nicht zu achten.
«Oh Herz», so sprach ich, «möge es dir frommen
Im Kreis der Liebenden nun anzukommen,
Von jener Richtung aus die Welt zu sehen,
Tief in die Winkel deiner Brust zu gehen!
Was für ein Hauch rührt, Seele, dich mit Schmerzen?

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist pexels-photo-1105389.jpeg.

Wenn sie am Tage des Todes
tief in die Erde mich senken,
dass mein Herz dann noch auf Erden
weile, darfst du nicht denken….
Siehst meine Bahre du ziehen,
lass‘ das Wort Trennung nicht hören,
weil mir dann ewig ersehntes
Treffen und Finden gehören!
Klage nicht‚ Abschied, ach Abschied!‘
wenn man ins Grab mich geleitet:
Ist mir doch selige Ankunft
hinter dem Vorhang bereitet.

Elisabeth, 22.4.2020