Nachtrag zum Thema Schenken

Über Eure zahlreichen Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Dadurch angeregt, sind mir weitere Geschichten rund ums Schenken eingefallen. Wollt Ihr sie hören?

Geschenke für Männer sind, zumindest für mich, besonders schwierig. Nicht so bei meinem Sohn. Schon als Teenager war er kompromisslos ehrlich. So sagte er zum Beispiel einmal: «Ich habe keine Freude an einem T-Shirt aus einem Land, das ich nicht kenne. Kauf mir nach einer Reise lieber hier ein paar feine Pralinen, da hab ich mehr davon.» Durch seine Offenheit war mir bald klar, worüber er sich freute. Im Gegenzug wusste auch er ganz genau, was ich mir insgeheim wünschte, oder von dem ich noch gar nicht wusste, dass ich es mir wünschte. Seine Geschenke trafen immer ins Schwarze und sind mir noch heute sehr lieb. Einander Nahestehende haben es mit Sicherheit leichter.  

Nach meiner Scheidung kaufte ich während Kurzferien im Tessin in einer Kunstgalerie ein Bild. Auf dem Postweg nach Bern ging das Glas zu Bruch, was ich dem Galeristen mitteilte. Kurz darauf erhielt ich einen prächtigen Strauss Rosen: 21 Stück, alle in verschiedenen Farben. Angeheftet war eine kurze Notiz: «Natürlich bekommen Sie ein neues Bild. Aber diesmal liefere ich es persönlich ab. In 21 Tagen bin ich bei Ihnen.» Das war der romantische Beginn einer besonderen Freundschaft.

Photo by Jess Bailey Designs on Pexels.com

Eine Freundin schenkte mir eine Silberkette mit einer stilisierten Inuit-Frau aus massivem Silber. Der aparte Schmuck stammte von ihrem jungen Schwager, der kurz zuvor mit dem Flugzeug tödlich abgestürzt war. Er hatte für eine Hilfsorganisation als Heli-Pilot gearbeitet. «Ich weiss, er hätte gewollt, dass du diese Kette bekommst», erklärte sie. Das war das stumme, bestürzende Ende einer scheuen Zuneigung.

Foto von Ansgar Walk: Inuit People

Auf einer Wanderung mit Mann und Kind blieb ich bei einem Bauerngarten stehen, um die herbstlichen Blumen zu bewundern, die in allen Farben um die Wette leuchteten. «Haben Sie einen wunderschönen Garten», sagte ich zur Bäuerin. Als ich weitergehen wollte, rief sie: «Warten Sie!» und pflückte mir einen herrlichen Dahlien-Strauss, der fast zu gross war für mich. Sorgsam trug ich ihn für den Rest der Wanderung in den Armen und nach Hause. Das war ein unvergessliches Erlebnis, das mich tief beglückte.

Foto by Localflowers.org.: Dahlien

Solch unerwartete Glücksmomente wünsche ich Euch im 2023 immer wieder! Liebe Grüße, Elisa
Dreikönigstag, 06.01.2023  

Ist Geben (Schenken) seliger denn Nehmen?

Weihnachten ist vorbei, und mancherorts sind Geschenke ausgetauscht worden. Hoffen wir, dass sie nicht bereits wieder umgetauscht worden sind!

Macht Ihr auch so gerne Geschenke? Was macht Ihr für Erfahrungen? Nur positive? Vor Jahren merkte ich, dass es einem Kollegen nicht so gut ging. Daraufhin kaufte ich ein paar Flaschen mit gesunden Bio-Früchte- und Gemüse-Säften für ihn und brachte sie ins Büro. Er schien wenig begeistert. «Magst Du keine Säfte?» fragte ich erstaunt, denn ich liebe Säfte über alles und glaube daran, dass sie gut tun. «Nein!» war die Antwort. «Weißt Du, meine Mutter nötigte mir während meiner Kindheit diese Art Säfte dauernd auf: War ich müde oder aber munter, war ich krank oder aber gesund, immer musste ich einen Bio-Saft trinken, ob ich wollte oder nicht. Seither hasse ich sämtliche ach so gesunden Säfte!» Ich muss gestehen, ich war enttäuscht, es war doch wirklich ein freundlicher Einfall gewesen. Gleichzeitig schätzte ich seine Ehrlichkeit. Wer weiss, wie viele Geschenkpannen uns im Laufe des Lebens passieren, ohne dass wir je erfahren, dass unsere Gabe gar nicht gefällt.

Photo by Anna Tarazevich on Pexels.com

Die Bundesrätin, zu deren Mitarbeiterstab ich einst gehörte, war sehr beliebt. Wohl deshalb wurde sie mit Geschenken regelrecht überhäuft: Von wertvollen Staatspräsenten wie hochwertigen Büchern, Bildern, Kunstwerken, bis hin zu viel Selbstgestricktem, Selbstgebasteltem und hausgemachtem Gebäck war alles dabei. Die getrockneten Pilze eines Pilzliebhabers durfte sie natürlich nicht essen, sie hätten ja giftig sein können. Und die vielen Strickwaren passten ihr kaum. Was also machen mit diesen aus warmem Herzen gespendeten Dingen? Sie löste das Problem mit Erfindergeist: Einmal im Jahr bekamen wir die Gelegenheit, auf einfache Weise einen Teil der «Schätze» zu ersteigern, was wir jeweils mit Begeisterung taten, denn immer waren da auch ganz besondere «Perlen» eines Kenners dabei. Ich will hier mein Glanzstück nicht verraten… Den Erlös der Versteigerung spendete sie einer sozialen Institution.

Was macht Ihr, wenn Ihr von einer freudigen Geberin, einem grosszügigen Geber etwas Unpassendes bekommt, das Euch nicht gefällt? Schenkt Ihr es einfach weiter, frei nach dem Motto: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“? Sagt Ihr die Wahrheit wie mein Kollege und nehmt allfällige Kränkungen in Kauf, oder seht Ihr dahinter eher die liebevolle Geste, die aufgewendete Mühe beim Ausdenken und Aussuchen des Geschenkes? Es ist und bleibt ein Dilemma, dünkt mich. Immerhin gibt ein «missratenes» Geschenk einen wichtigen Hinweis für Gegengeschenke. Denn wer schenkt schon etwas, das ihm missfällt? Es ist also mit Sicherheit etwas, das man im Grunde genommen selbst gerne hätte.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

Mit einem geschenkten Lächeln, Eure Elisa
04.01.2023

Über Wünsche und das Glück

Photo by Pixabay on Pexels.com

Ein paar Tage vor Weihnachten schaute sich ein kleines Mädchen am Fernsehen einen Kinderfilm an. Nach einer unvermeidlichen Werbe-Einschaltung rannte die Kleine zur Mutter und drängte: «Wir müssen sofort in den Supermarkt.» «Wieso denn das?» fragte die Mutter. «Dort werden alle Wünsche wahr», strahlte das Mädchen. Es wusste noch nicht, dass Werber übertreiben, wenn nicht gar schamlos lügen. 

Wären wir tatsächlich immerwährend selig, wenn all unsere Wünsche wahr würden? Wenn wir uns immer das kaufen könnten, was wir uns wünschen? Würden uns die Herausforderungen des Lebens nicht fehlen, sich in unserem Gemüt gar Langeweile breit machen? Gewiss, erfüllte materielle Wünsche können einen kurzen Moment des Glücks hervorrufen, dieser ist jedoch kaum von Dauer. Hat nicht schon Wilhelm Busch gewusst: «Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.»

Photo by Pixabay on Pexels.com

Das interessiert mich: Was ist für Euch Glück? Welches sind Eure persönlichen Erfahrungen? Nun, kaufen können wir es jedenfalls nicht, obwohl gerade die Werbung solches verspricht. Nicht alle Wünsche gleichen sich, denn selbstverständlich ist jeder Mensch anders. Ausserdem, meine ich, kommt es auf die Situation an, in der wir uns befinden. Für einen Flüchtling bedeutet die neue Heimat Glück. Für einen, der auf der Strasse lebt, sind es eigene vier Wände. Für einen Hungrigen ein Teller Suppe. Für einen Wüstenwanderer ein Glas Wasser. Für einen Gefangenen die ersehnte Freiheit. 

Ich selbst unterscheide Glück und Glücklichsein. Für mich gibt es das ekstatische Glück, einem fulminanten Feuerwerk gleich, das alles um mich herum verblassen lässt.

Zwei eigene Beispiele (natürlich gibt es weitere) sollen dies veranschaulichen:

Photo by Daniel Reche on Pexels.com

Die Stunden nach der schmerzhaften Geburt, als ich meinen kleinen Sohn das erste Mal in den Armen hielt, liessen mich vor Ehrfurcht und Glück erbeben. Ich lag die ganze Nacht wach, fühlte mich Gott und dem neugeborenen Geschöpflein so nahe wie keinem Menschen zuvor. Ich hatte einem Menschenkind das Leben schenken dürfen! Es war, als leuchtete die Ewigkeit auf vor mir.

Die Monate nach dem langen, langen Kampf mit dem bösartigen Krebs, als ich endlich als genesen erklärt wurde, verbrachte ich in einem Zustand unbeschreiblicher Seligkeit. Ich hätte die ganze Welt umarmen können, schon ein lindes Lüftchen oder fröhlich tanzende Blütenblätter versetzten mich in tiefste Euphorie.

Photo by Mabel Amber on Pexels.com

Solche fabelhaften Höhepunkte vergisst man nie mehr, sie glimmen stets aufs Neue auf und werfen für immer ihre Wärme, ihr Strahlen in unser Leben zurück. Doch die Intensität schwächt sich mit der Zeit ab, denn gerade diese Gefühlsstürme leben von ihrer spektakulären, aussergewöhnlichen Art.   

Dann gibt es für mich auch ein stilles Glück, das ruhig und dankbar macht. Es wird aus unzähligen Glücksmomenten gespiesen. Manche bezeichnen es einfach als Zufriedenheit. Für mich ist das zu kurz gegriffen.

Photo by Adrienne Andersen on Pexels.com

Hierzu nenne ich ebenfalls ein paar Beispiele:

Nach jahrelangem Alleinsein ist DER MANN ein beständiges Riesenglück für mich!

Und täglich über das Wunder des Lebens zu staunen, zu lieben und geliebt zu werden, gesund zu sein, zu lachen und sich zu freuen mit lieben Menschen, Schönes zu erfahren, glauben und beten zu können, Kraft für Schweres zu bekommen, Zeit fürs Schreiben zu haben, weder Hunger noch Krieg erleiden zu müssen, zu merken, dass das Geld immer reicht, – all dies und noch viel mehr bedeutet Glück für mich. Wenn das keine Gnade ist! Denn diese Dinge sind weder selbstverständlich noch verdient. „Blessings“, Segnungen, bezeichnen sie die Engländer. Sie sind es wert, entsprechend gewürdigt zu werden. Dabei spricht mir der Dalai Lama aus dem Herzen: «Das Bewusstsein der Vergänglichkeit macht uns klar, dass wir jeden kostbaren Moment nutzen müssen.»

Photo by Jill Wellington on Pexels.com

Das neue Jahr ist noch jung. Darum dürfen wir ruhig etwas nachdenklich sein, nicht wahr? In diesem Zusammenhang gefällt mir ein weiteres Zitat des Dalai Lamas: «Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.»

Nicht zuletzt aus Erfahrung kann ich dem voll und ganz zustimmen!

Photo by Alex Andrews on Pexels.com

Ich wünsche Euch Glück im Doppelpack! Elisa
05.01.2022

Samichlaus

Photo by cottonbro on Pexels.com

In weiten Teilen Europas besucht am 6. Dezember der Heilige Nikolaus mit einem schweren Sack auf dem Rücken eines langsamen, manchmal bockigen Esels die Jüngsten und verteilt Süssigkeiten. Bei uns heisst er bekanntlich «Samichlaus». Als Kinder hatten wir Angst vor ihm, aber die Zeiten, wo als Zugabe erzieherische Strafpredigten vom bärtigen Mann im Schwange waren, sind längst vorbei und bei Kindern und Eltern verpönt.

Auch in England gibt es eine rotgewandete Gestalt, die auf den heiligen Nikolaus aus Myra zurückgeht. Er kommt allerdings nicht am 6. Dezember, sondern erst in der Nacht vor Heiligabend. Im Laufe der Zeit haben sich der britische Father Christmas und der amerikanische Santa Claus stetig angenähert. Beide fliegen sie in einem Rentierschlitten über den stillen Nachthimmel. Von jedem Hausdach aus rutschen sie durch den Schornstein und füllen die von den Kindern aufgehängten Socken mit kleineren oder grösseren Geschenken – sagt man. Ob die Sprösslinge das im 21. Jahrhundert noch glauben? Immerhin gibt’s inzwischen ungeahnte neue Möglichkeiten, die den Glauben an die Legende aufleben lassen. Gestern machte ich eine virtuelle Ausfahrt im Niklaus-Schlitten, liess mich von Rentieren über ein geschmücktes virtuelles Weihnachtsdorf hinaufziehen, knapp an der Kirchturmspitze vorbei, über Schneeberge hinweg, mitten hinein in einen sternklaren Winterhimmel. Unglaublich kitschig – und einfach zauberhaft! Nur der Weihnachtsmann liess sich nicht blicken.

Photo by Lisa Fotios on Pexels.com

Mein Sohn, er mag damals etwa vierjährig gewesen sein, war beim Hören des Märchens vom schenkenden Christkind skeptisch. So fragte er mich: «Mami, wie nur bringt das Christkind alle Weihnachtsgeschenke zusammen? Nachts ist der «Loeb» doch geschlossen und dunkel. Auch die Fenster sind zu, weil es so kalt ist. Wie kommt es da ins Warenhaus? Und wie trägt es die vielen Spielsachen alleine fort?» Wie Ihr Euch denken könnt, brachten mich die Fragen arg ins Schwitzen!

Das lässt mich an meine englische Freundin Margaret denken. Als junge Frau arbeitete sie eine Zeitlang als Journalistin in Kanada. Ein Schweizer lud sie zu einer Autofahrt ein, wobei er einen Unfall verursachte und beide ins gleiche Spital eingeliefert wurden. Noch vor Ort, machte er ihr einen Heiratsantrag, obschon sie einander kaum kannten. «Wohl aus einem schlechten Gewissen heraus», spöttelte Margaret später. Sie wiederum heiratete ihn, weil nach dem zweiten Weltkrieg Mangel an Männern herrschte…

Ein paar Jahre danach, sie hatten bereits einen kleinen Jungen, siedelten sie in die Schweiz über. Am ersten «Samichlaus»-Tag in der Schweiz stand der Knirps am Fenster und hielt ungeduldig Ausschau nach dem bärtigen Besucher. Margaret erklärte ihm: «Weisst du, der Nikolaus muss mit seinen Rentieren über alle Dächer fliegen, bis er uns findet, das dauert ein Weilchen.» «Blödsinn», rief ihr Ehemann. «Der Samichlaus kommt zu Fuss mit einem Esel, und nicht auf dem Rentierschlitten». Der Kleine sagte nichts. Minuten vergingen. Auf einmal wandte er sich um und sagte zu den Eltern: «Ihr habt beide unrecht, der Samichlaus ist mit dem VW gekommen.»

Photo by Rodrigo DelPer on Pexels.com

Elisabeth, 4.12.2019