Ist Geben (Schenken) seliger denn Nehmen?

Weihnachten ist vorbei, und mancherorts sind Geschenke ausgetauscht worden. Hoffen wir, dass sie nicht bereits wieder umgetauscht worden sind!

Macht Ihr auch so gerne Geschenke? Was macht Ihr für Erfahrungen? Nur positive? Vor Jahren merkte ich, dass es einem Kollegen nicht so gut ging. Daraufhin kaufte ich ein paar Flaschen mit gesunden Bio-Früchte- und Gemüse-Säften für ihn und brachte sie ins Büro. Er schien wenig begeistert. «Magst Du keine Säfte?» fragte ich erstaunt, denn ich liebe Säfte über alles und glaube daran, dass sie gut tun. «Nein!» war die Antwort. «Weißt Du, meine Mutter nötigte mir während meiner Kindheit diese Art Säfte dauernd auf: War ich müde oder aber munter, war ich krank oder aber gesund, immer musste ich einen Bio-Saft trinken, ob ich wollte oder nicht. Seither hasse ich sämtliche ach so gesunden Säfte!» Ich muss gestehen, ich war enttäuscht, es war doch wirklich ein freundlicher Einfall gewesen. Gleichzeitig schätzte ich seine Ehrlichkeit. Wer weiss, wie viele Geschenkpannen uns im Laufe des Lebens passieren, ohne dass wir je erfahren, dass unsere Gabe gar nicht gefällt.

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Die Bundesrätin, zu deren Mitarbeiterstab ich einst gehörte, war sehr beliebt. Wohl deshalb wurde sie mit Geschenken regelrecht überhäuft: Von wertvollen Staatspräsenten wie hochwertigen Büchern, Bildern, Kunstwerken, bis hin zu viel Selbstgestricktem, Selbstgebasteltem und hausgemachtem Gebäck war alles dabei. Die getrockneten Pilze eines Pilzliebhabers durfte sie natürlich nicht essen, sie hätten ja giftig sein können. Und die vielen Strickwaren passten ihr kaum. Was also machen mit diesen aus warmem Herzen gespendeten Dingen? Sie löste das Problem mit Erfindergeist: Einmal im Jahr bekamen wir die Gelegenheit, auf einfache Weise einen Teil der «Schätze» zu ersteigern, was wir jeweils mit Begeisterung taten, denn immer waren da auch ganz besondere «Perlen» eines Kenners dabei. Ich will hier mein Glanzstück nicht verraten… Den Erlös der Versteigerung spendete sie einer sozialen Institution.

Was macht Ihr, wenn Ihr von einer freudigen Geberin, einem grosszügigen Geber etwas Unpassendes bekommt, das Euch nicht gefällt? Schenkt Ihr es einfach weiter, frei nach dem Motto: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“? Sagt Ihr die Wahrheit wie mein Kollege und nehmt allfällige Kränkungen in Kauf, oder seht Ihr dahinter eher die liebevolle Geste, die aufgewendete Mühe beim Ausdenken und Aussuchen des Geschenkes? Es ist und bleibt ein Dilemma, dünkt mich. Immerhin gibt ein «missratenes» Geschenk einen wichtigen Hinweis für Gegengeschenke. Denn wer schenkt schon etwas, das ihm missfällt? Es ist also mit Sicherheit etwas, das man im Grunde genommen selbst gerne hätte.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

Mit einem geschenkten Lächeln, Eure Elisa
04.01.2023