Freundliche Menschen

Foto Elisa: Peonie in voller Blüte

Ich bin immer wieder glücklich darüber, wenn ich Freundlichkeit von fremden Menschen erfahre – dies gilt insbesondere auf Reisen. Natürlich komme ich eher in den Genuss, wenn ich allein unterwegs bin/war, denn dann bin ich offener und empfänglicher.  

Es versteht sich von selbst, dass man gerade als allein reisende Frau klare Signale aussendet: Ich bin nicht auf Abenteuer aus! Wie uns allen klar ist, gibt es den einen oder anderen allein reisenden Mann, der wie ein hungriger Bär hinter dem Honig herjagt. Pssst! Wenn ich hungrig bin, dann will ich mir den Bären selbst aussuchen.

Doch zurück zur kleinen Auswahl an Liebenswürdigkeiten:

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– In Mallorca war ich unsicher, von welcher Bushaltestelle aus ich das historische Zentrum Palmas erforschen sollte. Ich fragte einen älteren Herrn, der eben im Begriff war auszusteigen. «Wenn Sie einen Moment Geduld haben, bis ich auf der Bank war», erklärte er auf Englisch, «dann zeige ich Ihnen Palma.» Es wurde ein höchst vergnüglicher Tag. Es ging nicht nur in ein feines Restaurant zum Essen und danach zum Dessert in die älteste Konditorei mit den prächtig bemalten Kacheln, sondern ebenso zu ganz besonderen Sehenswürdigkeiten, so etwa zum Palast einer mit meinem adligen Begleiter befreundeten Marquesa. Es gab Portwein und einen herrlichen Blick aufs Meer, auch auf den Nachbarpark, der zum Feriendomizil von König Juan Carlos gehörte, der damals noch Achtung genoss. Trotz Sonnenschein waren die schönen hohen Zimmer kühl. Die Marquesa sass in einem bequemen Sessel und wärmte ihre Füsse an einem kleinen Kohleöfchen. Die durchgehenden Zimmerfluchten liessen bei geöffneten Türen das Sonnenlicht durch alle Zimmer fluten. Ich stelle es mir erhebend vor, wenn beim morgendlichen Erwachen der Blick vom Bett aus direkt auf die glitzernde Meeresfläche fällt.

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– An der englischen Südküste erkundigte ich mich beim Buschauffeur nach der Haltestelle für ein zum Museum umgestaltetes Landhaus. „No problem, Sweetheart“, lachte er und fuhr trotz des vollbesetzten Buses einen Umweg, so dass ich direkt vor meinem Ziel aussteigen konnte! So früh am Morgen war ich dort die einzige Besucherin. Der freundliche Herr, der die Aufsicht hatte, machte für mich eine private Führung durch das ganze Haus, inkl. Dienstbotenzimmern im Dachgeschoss und Arbeitsräumen im Keller. Er gewährte mir einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit des noblen englischen Landlebens. Ich blieb mehr als drei Stunden!

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– Im gleichen Küstenort begann es auf einem meiner Spaziergänge wie aus Kübeln zu regnen. Es war Samstagmorgen. Ich rettete mich in einen Hauseingang neben einem danebenliegenden Erker, der offenbar als Büro diente. Plötzlich öffnete einer der arbeitenden Gentlemen die Türe: «Sie brauchen doch nicht hier draussen zu stehen! Kommen sie herein ins Trockene, ich mache Ihnen eine heisse Tasse Tee!» Eine Tasse Tee ist für Engländer bei jeder Unbill so etwas wie ein Zaubertrunk.

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– Auf meinem Flug nach New York sass ich in einer Dreier-Reihe mit einem amerikanischen Ehepaar. Während des ganzen Fluges unterhielt ich mich angeregt mit der Dame, die im sozialen Bereich tätig war. Die Familie des Mannes führte ihren Stammbaum auf den Reformator Johannes Calvin in Genf zurück, darum hatten sie die Schweiz besucht. Als wir uns dem Ziel näherten, sagte er: «Setzen Sie sich doch auf meinen Platz am Fenster und geniessen Sie die Aussicht auf Long Island. Es lohnt sich.» Mit diesen Menschen verband mich bis zu ihrem Tod eine jahrelange Freundschaft. Sie besuchten mich in der Schweiz. Mit DEM MANN zusammen übernachtete ich ein paar Jahre später auf unserer dreiwöchigen Fahrt durch die Neuengland-Staaten in ihrem Haus. Wir vier genossen unser Zusammensein mit guten Gesprächen, viel Heiterkeit, spannendem Sightseeing – und natürlich feinem Essen. Wie in den Staaten üblich, wurden dazu auch die Nachbarn eingeladen, um die „Swiss Friends“ vorzuzeigen. Am zweitletzten Tag packte Bob unsere Souvenirs ein und schickte sie per Schiff in die Schweiz, um die Gepäcklast für DEN MANN (!) zu verringern, während Marie unsere auf der Amerika-Reise angefallene Schmutzwäsche wusch und plättete.

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– Auf Mauritius musste ich mittags das Hotelzimmer verlassen, wurde aber erst abends mit dem Bus zum Flughafen abgeholt. Das war unbequem, vor allem, weil ich den Strand noch ein wenig geniessen wollte. Dort kam ich ins Gespräch mit einem Flugbegleiter der South African Airways. Charmant bot er mir gegen Abend sein Zimmer an, um zu duschen und mein Badekostüm gegen Reisekleidung einzutauschen. Er winkte mir zum Abschied, als wären wir alte Freunde – was wir später denn auch geworden sind.  

Na Pali Coast Kauai’i, Foto: Hawaii Tourism Authoritiy/Tor Johnson

– Nach unseren Hawai’i-Ferien kamen der DER MANN und ich auf der Rückreise bereits kurz vor 06.00h morgens im Hotel Hilton Airport in Los Angeles an. Der Nachtportier, dem ich unser Schlafdefizit schilderte, erbarmte sich unser. Obwohl wir laut Reiseprogramm erst ab 14.00h ein Zimmer gehabt hätten, machte er es möglich, dass wir nach einem reichlichen, gratis offerierten Frühstück schon um 08.00h in herrlich weiche Betten sinken konnten, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen – notabene ohne Mehrkosten, trotz des zusätzlichen Tages. Unbezahlbar! Ausgeschlafen, verbrachten wir den Nachmittag gutgelaunt mit Flanieren, Shoppen und anschliessendem Apéro an der durch Filme berühmten Meerespromenade von L.A., bevor nachts unser Flugzeug zurück in die Schweiz abhob.

Foto: Venice Beach by iStock-638340372

Dies sind nur ein paar meiner Erlebnisse. Gewiss erlebt Ihr auch immer wieder solch uneigennützige Herzenswärme. Das Schöne ist, dass wir uns bei solchen Begegnungen Fremden auf einmal sehr nahe fühlen, und oftmals werden Adressen ausgetauscht. Was für ein erfrischender Beitrag zur Völkerverständigung!

Selbstverständlich habe ich das Empfangene an Besucher unseres Landes weitergegeben und manche bewirtet – bis, ja, bis es einmal schief ging.

Aber das ist eine andere Geschichte…

Liebe Grüsse, Elisa
07.07.2021

Unser Planet

Photo by Chris Czermak on Pexels.com

Für mich ist der blaue Planet ein liebreizender Garten Eden, mehr noch, ein wahres Wunderwerk! Je mehr ich über ihn erfahre, desto grösser wird meine Ehrfurcht. Er ruht in sich in seiner atemberaubenden Pracht, seinem blauen Glanz und seiner Stärke. Seine Souveränität bahnt sich einen Weg durch unser menschliches Welt-Getöse. Ich glaube, dass eher wir als er das Leben lassen müssen, wenn wir ihn weiterhin lieblos behandeln. Hat GOTT ihn uns einst nicht deshalb anvertraut, damit wir ihm Sorge tragen?

Ich habe keine Zweifel, dass Ihr im nachfolgenden Vulkan-Video wie ich die ungebrochene Kraft, die geballte Energie unserer Erde spürt. Gewaltig – oder nicht? Es läuft einem kalt über den Rücken.


Geldingadalur-Eruption in Island, Aufnahmen Léon Frey, März/April 2021 für FocusTerra, ETH Zürich, Schweiz

Im Video ist das focusTerra-Museum der Eidg. Technischen Hochschule in Zürich erwähnt. Dieses beherbergt brillante, erdwissenschaftliche Ausstellungen. Die Besucher sind eingeladen, die Schönheit, Faszination und Dynamik der Erde hautnah zu erleben, unter anderem mit Erdbeben, hervorgerufen durch einen Erdbebensimulator, der Erdbeben bis Magnitude 8 simulieren kann. Die Simulation mit dem über 3 Tonnen schweren Gerät soll ein Bewusstsein für die Gefahr wecken und zeigen, wie man sich bei einem Beben richtig verhält.

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Erinnert Ihr Euch an das schreckliche Erdbeben der Stärke 7 in Haiti im Jahre 2010? Damals kamen mehr als 230’000 Menschen ums Leben, 300’000 wurden verletzt. Zusammen mit den obdachlos Gewordenen war ein Drittel der haitianischen Bevölkerung von der Naturkatastrophe betroffen. Die Haitianer leben auf einem gefährlichen Untergrund. Unter der Karibikinsel verlaufen Bruchkanten der Erdkruste. Das führt immer wieder zu Erdbeben und damit zu Tragödien.

Genau diesem Erdbeben der Stärke 7 wurden wir zusammen mit 8 anderen Personen im speziellen Raum ausgesetzt. Das Ganze dauerte nur wenige Minuten, erschreckte mich aber fast zu Tode. Ich empfand eine riesige Angst und ein Gefühl völliger Hilflosigkeit. Glücklich, wer das nie in der Wirklichkeit erleben muss!

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Mich beeindruckt folgende Aussage des Dalai Lama: «Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Art.»

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Macht Ihr mit? Ich fange mit Geschichtenerzählen an, das fällt mir leicht…

Mit der Liebe – wage ich zu behaupten – kennen wir uns alle aus, wissen, wie sehr Geben und Nehmen uns zu beflügeln vermag. Bis zum nächsten Mal, mit liebem Gruss, Elisa

30.06.2021

Foto Elisa: Auf dem Brünig

Flieg, Vogel, flieg!

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Mein Sohn konnte mit grösstem Vergnügen Unmengen von Essen vertilgen. Kürzlich wurde ich auf der Strasse unvermittelt an ihn erinnert. Schon von weitem gewahrte ich einen winzigen Spatzen, der ganz versunken war in den Genuss eines anscheinend delikaten Fundes. Ich ging vorsichtig näher und blieb zwei Schritte vor ihm auf dem Trottoir stehen. Er bemerkte mich gar nicht, pickte eifrig weiter. Jetzt sah ich, was es war, das ihn derart beschäftigte: ein für ihn viel zu grosses weisses Brötchen, das jemandem wahrscheinlich zu Boden gefallen war. Dann entdeckte ich, dass es nicht das Brötchen selbst war, das er sich so hastig einverleibte, sondern dessen Füllung aus – Kräuterfrischkäse! Da hatte ein kleiner Überlebenskünstler einen mächtigen Wolfshunger! Jedenfalls war er kein Veganer…

Ich liebe die frechen Spatzen. Ob sie deshalb überall überleben, weil sie sich selbst wichtig genug nehmen, um nach ihrer wahren Natur zu leben?

Foto Grand Palace Hotel in Riga (Lettland): Der Jugendstil-Speisesaal, eine Art Lichthof

Nicht so der gefangene Vogel, von dem ich Euch erzählen will: In unserem Ferienhotel in Riga befand sich, im opulenten Jugendstil-Speisesaal etwas versteckt, ein grosser Vogelkäfig. Der grüne Papagei darin hiess Micha. Er war sanft und stets ruhig. Bevor DER MANN und ich nach dem Frühstück ins Zimmer zurückkehrten, blieb ich immer bei Micha stehen und redete leise mit ihm. Auf die Zuwendung reagierte er mit ebenso leisen, zärtlichen Lauten. Nur, wenn nachts zuvor im gleichen, gleissend hellen Speisesaal eine stundenlange Sitzung mit vielen Personen stattgefunden hatte, schien er am Morgen völlig übermüdet und öffnete mit schrägem Köpfchen nur eins seiner Augen. Einmal beobachteten wir, wie die Serviceangestellte den Käfig öffnete. Sie scheuchte den Vogel hinaus, ermutigte ihn zum Fliegen. Das sei gut für ihn, erklärte sie uns. Ja natürlich! Gehorsam flog Micha ein, zwei Runden durch den leeren Speisesaal. Es war jedoch ein zaghafter, niedriger Flug, der schon nach kurzer Zeit freiwillig wieder auf dem Käfig endete. Micha wollte partout nicht mehr fliegen! Die spärlich bemessene Freiheit flösste ihm wohl eher Furcht und Schrecken ein. Er fühlte sich offensichtlich nur im Käfig sicher.

Foto Grand Palace Hotel: Der Speisesaal bei Nacht

Als ich vor 40 Jahren glaubte, in einer unglücklichen Ehe ausharren zu müssen, klagte ich einem Psychologen: «Ich fühle mich wie ein Tier in einem Käfig.» Trocken antwortete dieser: «Du bist kein Tier, Du kannst den Käfig jederzeit selbst öffnen.» Das tat ich denn auch, mit viel Gewinn.

Foto Grand Palace Hotel: Das ist der sanfte Micha

Ich vermute, dass nicht nur Micha in einem Käfig sitzt. Es ist natürlich möglich, dass gewisse Käfige auch Menschen Geborgenheit vermitteln können. Bitte versteht mich recht: Ich rede nicht von schmerzlichen, krankheitsbedingten Einschränkungen. Mir geht es um Käfige, die wir uns selbst basteln – Käfige aus Sorgen, aus Angst, aus Schuldgefühlen…, ja, auch goldene Käfige. Sind die nötig? Wie denkt Ihr darüber?

Vergessen wir nie: Wir können einen uns einengenden Käfig zu unserem Wohl sprengen! Ist das leicht? Ich finde nicht. Schon Shakespeare wusste: „Wir ertragen lieber die uns altbekannte Hölle, als den Flug in unbekannte Höhen zu wagen.“ Ja, es ist eine Anstrengung und – zumindest für mich – eine immer wiederkehrende. Es braucht Mut. Doch dafür werden wir belohnt: Die Freiheit lehrt uns, wie wir wieder richtig fliegen!!

Photo by Frank Cone on Pexels.com
Foto Leonardo: Unsere gemütliche Hotel-Bar in Riga

Für mich persönlich ist Gottvertrauen hilfreich – und auch, dass ich der Lebensfreude genügend Platz einräume. Womit wir wieder zum Anfang des Beitrags zurückkehren und damit zu meinem Sohn Bernie, der ein Geniesser und Lebenskünstler war. Und der das „Fliegen“ liebte!

Foto Fabienne Griessen: Bernie mit Freund Jan Griessen, Freut Euch des Lebens!

23. Juni 2021
Herzlichst, Eure Elisa

Alles was gut ist

Fly Geyser, Foto von Majeczky1

Alles, was gut ist
alles, was still ist und stark
alles, was wärmt und weitet
was den Leib erfreut
das Herz bezaubert
und die Seele birgt
alles, was die Liebe stärkt
und das Recht stützt
komme über
und durch uns
in die Welt

(Jacqueline Keune)

Blumen für die Seele: Foto von Freundin Sissy

Jedes von uns bemüht sich auf seine Art, alles was gut ist, umzusetzen. Eine grosse, reiche Vielfalt, die uns letzten Endes stark macht! Ich bin glücklich darüber.

Das Lied: Asimbonanga hat als Anti-Apartheid-Hymne mit dazu beigetragen, die Politik der Rassentrennung in Südafrika zu überwinden. Der südafrikanische Sänger und Songwriter Johnny Clegg feierte damit Ende der 80er-Jahre auch international den Durchbruch.

Freut Euch mit mir über dieses wunderschöne Lied!

Foto Freundin Heidi Wildi

PS. zum ersten Bild, aus Wikipedia: Der Fly Geyser, auch Fly Ranch Geyser, ist ein von Menschenhand geschaffener Geysir in Nevada. Er ist die Folge einer fehlerhaft durchgeführten Bohrung. In der Gegend wurden 1964 auf der Suche nach geothermaler Energie mehrere Bohrungen durchgeführt. Das Bohrloch wurde nicht sachgerecht verschlossen. Wasser stieg auf und förderte Mineralien nach oben, die sich am Ausgang des Bohrloches ablagerten. Durch diesen fortwährenden Prozess wachsen der Kegel und das Gestein um den Geysir immer weiter an. Ablaufendes Wasser formte im Laufe der Jahre eine Terrassenlandschaft.

Die unterschiedlichen Farben sind eine Folge der vielen Mineralien. Die Besitzer haben kleine Fische in die entstandenen Terrassen ausgesetzt, so dass sich ein kleines Ökosystem gebildet hat.

15.06.2021, Liebe Grüsse, Elisa

Peinlichkeiten

  • (Foto Elisa: Appenzeller Zwerge)

Unsere Mama hatte Charakter, Charme und Intelligenz. Trotzdem konnte mein fantasievoller Sohn, als er klein war, ihr fast jeden Bären aufbinden. Für ihn war es ein Gaudi, wenn sie darauf hereinfiel. Sie kostete es Nerven.

Immer mal wieder tappte sie auch in Fettnäpfchen. Da legte sie doch tatsächlich in einem Café das schwere Telefonbuch auf den offenen Dessertwagen, mitten in die appetitliche Rahmpâtisserien – die hierauf nicht mehr so appetitlich aussah…

Pexels.com

Hin und wieder trat sie als beliebte Sopranistin auf. Dies tat sie stets im gleichen schwarzen Kleid, mit einer schlichten Goldkette um den Hals. Das Kleid hatte einen braven «Bünzli»-Kragen. Vor einem Konzertauftritt herrschte gewöhnlich Hektik bei uns zu Hause. So auch kurz vor einem bevorstehenden Weihnachtsoratorium in der Kirche. Beim letzten Blick in den Spiegel stellte sie nervös fest, dass der kleine Kragen nicht perfekt gebügelt war. Um das Kleid nicht noch einmal ausziehen zu müssen, bat sie Papa, den Kragen auf ihrem Hals mit dem heissen Bügeleisen zu plätten. Zuerst weigerte er sich, aber Mama liess nicht locker, und Papa liebte sie über alles. Er konnte gut mit defekten Webmaschinen in unserer Weberei umgehen – mit dem (funktionstüchtigen) Bügeleisen leider weniger, da fehlte es ihm schlicht an Übung. Und so kam es, wie es kommen musste: Er verbrannte Mama den Hals oberhalb des Kragens. Sie nahm es mit Humor – erst recht, als meine ältere Schwester entdeckte, dass bei der Prozedur mit dem Dampfbügeleisen das unschöne Hautknötchen an Mamas Hals regelrecht verdampft war. Ohne mit der Wimper zu zucken, begab sie sich mit verbranntem Hals und zerknittertem Kräglein in die Kirche – dafür ohne das hässliche Hautknötchen.

  • (Foto Patentochter Sandra Romano: Kirchlein in der Ostschweiz)

In mancher Hinsicht habe ich Eigenschaften unserer Mama geerbt. Wie ihr, passieren mir Missgeschicke, die auffallen. Wie sie, handle ich des Öftern überstürzt und denke erst nachher nach. Wollt Ihr bei ein paar Müsterchen mitschmunzeln?

Im Bemühen, meinen nassen Regenschirm im engen Kleintheater unter dem Sitz zu verstauen, schlug ich der vor mir sitzenden Dame den Hut vom Kopf. Ich glaube nicht, dass sie mir verzieh… Gut nur, trug sie nicht auch noch eine Perücke! – Im Beauty Studio brachte ich beim Stöbern nach etwas Glitzerndem einen grossen Ständer mitsamt den hübsch eingereihten Zierkämmen zum laut scheppernden Einsturz und löste damit fast einen Polizeieinsatz aus… – Auf einer Pariser Ausstellung hängte ich mich bei einem Mann ein und plauderte munter auf ihn ein. Erst, als ich zu ihm aufschaute, weil er nicht antwortete, sah ich, dass er mir wildfremd war und nicht der vermutete Freund. – Als uns auf Mauritius beim Gang zum festlichen Piloten-Dinner am Strand ein plötzlicher Kurzschluss in völlige Dunkelheit riss, rief mein Begleiter, der um meine Schwäche wusste, lachend in die finstere Runde: «Achtung, Elizabeth is coming!» Könnt Ihr Euch das belustigte Gelächter vorstellen?

  • (Foto Freundin Heidi Wildi: Es sticht nicht alles, was brummt!)

Mitunter kann’s richtig peinlich werden. Erst kurz verheiratet, ging ich mit meinem damaligen Mann in eine Apotheke, um Hustensirup zu kaufen. Es war Samstag, und viele Menschen warteten im grossen Geschäft auf Bedienung, so auch wir. Aus Langeweile betrachtete ich die zum Verkauf auf dem Tresen ausgebreiteten Produkte. Ein unscheinbares Schächtelchen erregte meine Aufmerksamkeit. Neugierig nahm ich es in die Hand. «Du, schau mal», wandte ich mich an meinen Mann und rief in meiner weittragenden Stimme, «was ist denn das? Da steht «Gummischutz für den Herrn» drauf!» Im gleichen Moment dämmerte es mir, so dass ich ebenso laut nachschickte: «Jesses Gott!» und das Schächtelchen auf den Tresen zurückwarf. Geistesgegenwärtig packte mich mein Ehemann am Arm und zog mich hinter sich aus der Apotheke. Draussen zischte er: «Ist Dir eigentlich klar, wie sehr du mich soeben blamiert hast?»

Naja, es gibt Schlimmeres, findet Ihr nicht auch?

  • (Foto Patentochter Sandra Romano: Abendstimmung über dem Bodensee)

09.06.2021: Mit einem Augenzwinkern grüsst Euch Eure Elisa

Stilles Staunen

Foto von Freundin Sylvia Kopp

Menschen leiden an Menschen, im Leben, in der Liebe, im Sterben.

Fast scheint es, als seien wir auf der Erde um zu leiden.

Auf das Glück ist kein Verlass. Es kommt unerwartet und bleibt nie lange genug.

Doch Glück ist wie ein Lockruf aus dem fernen Paradies.

In einem Menschen, den es mit seiner Seligkeit berührt,
erweckt es etwas Wunderbares zum Leben: die Hoffnung.

Er begreift: nicht einem finstern Schicksal ist er preisgegeben;
nicht das Leiden hat das letzte Wort.

Wie der Regenbogen inmitten eines Wolkenbruchs,
so taucht die Hoffnung mitten im Schmerz auf – und bricht ihm sacht die peinigende Spitze.

(Elisa)

Foto von Freundin Eugenia di Renzo
Foto von Freundin Heidi Wildi
Musik, vom Sohn eines ehemaligen Freundes komponiert und gespielt
Foto von Freundin Eugenia di Renzo

Staunt Ihr mit mir? Liebe Grüsse, Elisa
26.05.2021

Blumenfreude, Foto von Freundin Doris Dätwyler

Todestag

Foto Fabienne Griessen: Dein Lächeln bleibt für immer in meinem Mutterherzen

Übermorgen Pfingstsonntag, also am 23. Mai 2021, ist es ein Jahr her, dass das strahlende Lebenslicht unseres innigst geliebten Bernies einsam, in aller Stille erloschen ist. Schmerzlicher denn je vermissen wir ihn und seine Lebensfreude. Der Schock sitzt tief. Dieses «Vor einem Jahr» würde ich am liebsten aus meinem Gedächtnis verbannen.

Pein (ein Schmerzensgedicht von Elisa)

Ach – ein Stein sein
starr am Boden liegend
gefühllos
unempfindlich

Ach – ein Staubkorn sein
vom Winde erfasst
weggetrieben
fort, nur fort von hier

Ach – ein Tropfen sein
von der Sonne entdeckt
aufgesogen
aufgelöst in Nichts

Foto Elisa: Orchideen für Bernie

Noch weitere Daten von erinnerungsschwerer Bedeutung ranken sich rund um den Todestag vom 23. Mai 2020:

21. Mai 2020: Letzter Besuch von Bernie – also heute – bei uns. Es ist Auffahrt.
22. Mai 2020: Letztes abendliches Telefongespräch mit Bernie, ohne jede Vorahnung bei uns allen.
23. Mai 2020: Der schlimmste Tag meines Lebens
26. Mai bis 2. Juni 2020: Aufbahrung des Leichnams in der Friedhofkapelle. Es ist Pfingsten.
29. Juni 2020: Kirchliche Abdankung
30. Juni 2020: Beisetzung der Urne

Only Time, by Enya
Foto Elisa: Pfingstrosen, letzter Gruss von Cousin Stephan

Nein, die Trauer lässt sich nicht einfach so vertreiben. Es braucht Willenskraft, um sich nicht in ihrem dunklen Sog zu verlieren. Manchmal ist es eine Versuchung. Denn die Rückkehr ins Leben gelingt nur zögernd, kleinmütig, mit winzigen Schritten – vorwärts, dann wieder zurück – und wieder von vorne.

DER MANN steht mir bei. Danke, danke, lieber MANN, für Deine Fürsorge und Liebe! Danke auch all meinen lieben Verwandten, meinen treuen Freundinnen und Freunden für ihre wärmende Unterstützung. Ich habe grosses Glück, dass ich so viele einfühlsame und gütige Menschen in meinem Umfeld haben darf. 🤍🧡💛💚💙

Eine Erkenntnis bleibt: Nur wenn wir ganz unten sind, öffnet sich der Blick ungehindert hinauf in die ferne Bläue. Die stille Erhabenheit des Himmelszelts verweist den Kummer auf seinen Platz: Er ist endlich – genauso wie wir.

Auf Wiedersehen, mein liebster Bernie, auf Wiedersehen, unser lieber Ambi.

Liebe Grüsse, Elisa
21. Mai 2021

Foto Fabienne Griessen: Bernie liebte das Leben!

Von Tuk-Tuk und von Arrak – und von einem brechend vollen Bus

Foto DER MANN: Feine Früchte kann man am Strassenrand kaufen

Forts.: Unsere Sri Lanka-Geschichte geht dem Ende zu!

Am Swimming Pool hält’s uns schliesslich nicht mehr. Mit einem offenen, dreirädrigen Tuk-Tuk lassen wir uns vom strahlenden Fahrer ausfahren. Der Alltag ist so anders als bei uns: Mönche spazieren in ihren safrangelben Gewändern und unter leuchtend gelben Sonnenschirmen anmutig auf der Strasse, fröhliche Schulkinder folgen in Reih und Glied lachend ihrer Lehrerin, Kokosnüsse werden von der Hausfrau im Freien geraspelt, gefärbte Stoffe sind am Strassenrand zum Trocknen aufgehängt. Es wird geackert, Reis geerntet, hart gearbeitet, getrauert, gebaut und verkauft, vor allem Früchte und Gemüse – alles entlang der Strasse oder unweit daneben, so dass ein guter Einblick in das einfache Leben der Bewohner möglich ist.

Foto DER MANN: Färberei am Wegrand

Unser Ziel ist der Markt in einem kleinen Dorf, wo’s lauter Einheimische hat. Das Angebot – Alltagsgegenstände, Stoffe, Pfannen, Geschirr – alles ist auf dem Boden ausgebreitet. An einem der Stände entdecke ich schon von weitem knallige Farben, die mich sofort anziehen. Bei näherem Hinsehen bin ich enttäuscht: Die Kessel und Becken in allen Grössen und Formen sind samt und sonders aus Plastik.

Foto Elisa: Marktauslage, bunte Stoffe am Boden

Die Menschen machen einen zufriedenen Eindruck. Sie sind ausgesprochen freundlich zu uns. Die Armut erkennt man nicht leicht. Beim Anblick eines Betrunkenen, der am helllichten Tag unter einer Brücke oder am Strassenrand schläft, wird jedoch auch Elend offenbar. Der Arrak, eine ziemlich süsse, aus Palmsaft oder Zuckerrohr und Reisemaische destillierte Spirituose, ist vielseitig verwendbar und gilt als Volksgetränk Sri Lankas – nicht zu verwechseln mit dem arabischen Anisbranntwein Arak.

Foto Elisa: Laden für Haus und Hof

Auf meinen Vorschlag hin kauft sich DER MANN einen bodenlangen blauen Wickelrock. Wow! Dank seiner grossen, schlanken Figur sieht er darin noch attraktiver aus als sonst. Selbstverständlich trägt er ihn nur auf Sri Lanka. Schade! Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie wir im Sommer in Bern über den Bundesplatz flanieren, er im Wickelrock, ohne T-Shirt, ich in einem Sari, einen zierlichen Sonnenschirm über uns haltend…

Postkarte: Mönche mit ihren gelben Sonnenschirmen – sie sind Welten von uns entfernt!

Am nächsten Tag fahren wir mit dem öffentlichen Bus, um einen berühmten kleinen Tempel zu besichtigen. Der Bus ist zum Bersten voll – nicht nur von Menschen, auch von Federvieh, Körben, Waren aller Art. Ob das Marktfahrer sind, die zu einem Bauernmarkt wollen?

Foto DER MANN: einer der weissen Tempel, die man häufig sieht

Natürlich müssen wir, wie manch andere auch, im Mittelgang stehen bleiben. DER MANN trägt unseren Rucksack in seiner rechten Hand, hält sich mit der linken fest. Plötzlich reckt sich vom Sitz vor uns eine schwielige Hand in die Höhe, zerrt wortlos am Rucksack. Die schwielige Hand gehört einem älteren Mann, offensichtlich einem schwer arbeitenden Bauern, der grimmig dreinschaut. Brüsk lässt er den schweren, mühelos eroberten Gegenstand in seinen Schoss plumpsen. Verblüfft wechseln DER MANN und ich einen Blick. Was will er damit? Ich bin leicht beunruhigt, sind doch Geld, Kreditkarten, Sonnenschutz, eine Tagesration Mineralwasser, Traubenzucker etc. im Rucksack. Als wir uns schliesslich anschicken auszusteigen und entsprechende Gesten machen, landet der Rucksack schwungvoll beim ursprünglichen Besitzer: in den ausgestreckten Händen DES MANNES. Wir bedanken uns lächelnd und verabschieden uns aufs freundlichste. Wieder sagt der Bauer kein Wort, schaut uns kaum an. Dennoch verstehen wir nun seine liebenswürdige Geste: Er wollte DEM MANN im rumpelnden Bus das Gewicht abnehmen, das Gepäckstück vielleicht sogar vor Diebstahl schützen.

Es ist diese stumme Hilfsbereitschaft, die uns beeindruckt und die für uns etwas wahrhaft Nachhaltiges hat.

Foto Elisa: Laden in Dambulla

Damit, meine Lieben, verabschieden wir uns vom schönen Sri Lanka. «Wer je Zeit auf einer tropischen Insel verbracht hat», pflegte meine schottische Freundin zu sagen, «der hat eine Sehnsucht mehr im Leben.» Stimmt!

Foto DER MANN: Tuk-Tuk mit dem herzlichen Fahrer, Endstation für uns zwei vor dem Hotel

Liebe Grüsse, jetzt aus der Schweiz, Elisa

18.05.2021


Von Moskitos und Ayurvedik – und von einer „nachhaltigen“ Ölsardine

Heute sind wir bei meinem zweitletzten Beitrag über Sri Lanka angelangt.

Zum Glück brauchen wir bei uns keine Moskito-Netze. Forts.:

Photo by Jimmy Chan on Pexels.com

Reiseleiter Asanga hat uns vor Moskitos gewarnt – merkwürdigerweise während der Wanderung durch den Schlangenwald. Zurück im Hotel, kontrollieren wir unseren Bungalow. Weil die Eingangstüre unten nicht dicht abschliesst, dort sogar eine Öffnung von etwa 6 cm klafft, bitten wir an der Rezeption um ein Moskitonetz. Nach langem Herumkramen bekommen wir schliesslich eins, als wir es jedoch über den Betten aufhängen, sehen wir, dass es überall grosse Löcher hat. So müssen wir uns auf das Insektenspray und unser Glück verlassen – was nicht das Schlechteste ist. Langsam aber sicher werden wir so richtig nachhaltig! Oder doch nicht??

Foto nl.Pinterest.com:
Schützt dieses Moskitonetz wirklich?

Nach einer Woche Besichtigungen habe ich mich am späten Sonntagnachmittag im angegliederten «Ayurveda Spa for Ladies and Gentlemen» zu einer entspannenden Behandlung angemeldet. Es hat nur eine einzige Angestellte im Spa. In einem offenen Raum massiert sie mich kräftig auf einem groben, harten Holztisch, auf dem lediglich ein kleines Frottiertuch liegt. Es fühlt sich komisch feucht und irgendwie fettig an. Vielleicht das Klima?

Photo by Anete Lusina on Pexels.com

Danach schickt sie mich in einen engen düsteren Raum. Dort steht ein grosser Holzbottich, auf dessen ölig glänzender Wasseroberfläche verschiedene nicht mehr sehr frische Kräuter schwimmen. Gehorsam steige ich in den Bottich und muss trotz drückender Aussentemperaturen einen Moment den Atem anhalten: Das Wasser ist ganz kalt. Als mir die Masseuse das gleiche Wasser auch noch literweise über den Kopf platschen lässt, wehre ich mich vehement. Da erklärt sie entschuldigend, dass im Hotel das warme Wasser ausgegangen sei. So harre ich eine Viertelstunde in der kalten, unappetitlichen Brühe aus, von Entspannung keine Spur. Von Kopf bis Fuss schlüpfrig wie eine Ölsardine, laufe ich zu unserem Bungalow zurück. Es dauert ziemlich lange, bis das ganze Öl weggeschrubbt ist. Zum Glück ist das Duschwasser im Bungalow richtig warm.  

Photo by Craig Adderley on Pexels.com

Zum Glück? Plötzlich wird mir klar, dass ich einem kleinen Schwindel aufgesessen bin. Weder Frottétuch noch Badewasser waren frisch, sondern an diesem Tag wohl schon öfters bei anderen Hotelgästen zum Einsatz gelangt. Auch eine Art Nachhaltigkeit… Doch selbst Touristen sind nicht blöd. Die Masseuse hat jeweils nur am Wochenende Hochbetrieb, wenn neue Gäste im Hotel eingetroffen sind. In der übrigen Zeit versucht sie unermüdlich, DEN MANN und mich in den Spa zu locken, Tag für Tag, wenn wir gemütlich am Swimming Pool sitzen. Die einheimische Bevölkerung erleben wir mehrheitlich als liebenswürdig und zurückhaltend, im Gegensatz zu dieser aufdringlichen Masseuse. Wenn sie gebückt und mit gekrümmtem Finger vor dem dunklen Spa-Pavillon steht und uns hereinwinkt, schaudert es mich. Keine zehn Pferde könnten mich nochmals dahin bringen.

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Wer steht schon auf kalte, schmutzig-ölige Bäder? Auch wenn sie noch so nachhaltig und sparsam im Verbrauch sind? (Forts.folgt)

Photo by Kanishka Ranasinghe on Pexels.com

Elisa, 11.05.2021


Von Linsen und Filzläusen – und von nächtlichen Schrecken

Foto DER MANN: Der alte Mann sitzt den ganzen Tag beim Hoteleingang

(Forts.):

Ihr Lieben, seid Ihr bereit für ein weiteres Stück Sri Lanka? Also denn:

Im nachhaltigen Hotel steht unser Bungalow etwas abseits, am Rande eines Wäldchens, hinter dem die Strasse ins Dorf liegt. Auch hier herrscht grosse Ruhe, und so schlafen wir in der ersten Nacht sofort ein. Mit einem Ruck erwache ich. Schritte tappen ums Häuschen, Flaschengeklirre, flüsternde Männerstimmen sind zu hören, Taschenlampen blinken an den Wänden hinauf- und hinunter, leuchten zum Fenster herein. Ist eine Einbrecherbande am unseligen Werk? Ängstlich wecke ich DEN MANN.

Foto DER MANN: Vor unserem Bungalow

Der hört sich das eine Weile an, dann steht er entschlossen auf. Ganz furchtloser Held, öffnet er trotz meiner Sorge abrupt die eher baufällige Türe des Bungalows. «Wow, so mutig!» denke ich bewundernd. Draussen wird er Gottlob weder niedergeschlagen noch gefangen genommen, im Gegenteil. Freudig begrüsst ihn eine etwa 10köpfige Männerrunde mit den Worten: «Do you have cigarettes, Sir?» Des Rätsels Lösung: die Nachtwächter des Hotels treffen sich bei unserem am Ende gelegenen Bungalow mitten in der Nacht zu einer gemeinsamen Arbeitspause. DER MANN schenkt ihnen zwei Päckchen Zigaretten und raucht gleich eine mit… Von nun an fühlen wir uns zu nächtlicher Stunde mindestens 10fach bewacht.  

Foto DER MANN: Unser freundlicher Kellner, der die Getränke serviert

Im Open Air Restaurant geht’s zur Essenszeit emsig zu und her. Es gibt morgens und abends ein vielfältiges, mehrheitlich fleischloses Buffet. Die Speisen sind wunderbar gewürzt und sagen mir zu, während DER MANN leicht die Nase rümpft. Schon zum Frühstück hole ich mir eine Schale des feinen Linsengerichts «Dal». Die Getränke werden vom freundlichen Personal serviert.

Foto Dishmaps: Dal, feines Linsengericht

Jedes Mal, wenn DER MANN mit seinem Teller ans Buffet geht, taucht ein blutjunger Kellner auf, der mit der Bedienung unseres Tisches nicht das Geringste zu tun hat (zum Glück!). Er steht dann neben mir und kratzt sich durch den Lungi, den lokalen langen Wickelrock, kräftig im Schritt. «Oh du Schande, der hat bestimmt Filzläuse!» denke ich und kann nicht mehr weiteressen. Er beginnt eine ungeschickte Konversation, weiss hingegen bald, aus welchem Land ich komme. Das Buffet lässt er nicht aus den Augen. Sobald sich DER MANN dem Tisch wieder nähert, verschwindet der Junge blitzschnell im hinteren Teil des Restaurants. Dies wiederholt sich. Als ich ihn frage, weshalb er nur dann erscheine, wenn mein Mann weg sei, antwortet er treuherzig, er wolle allein sein mit mir. In Tat und Wahrheit hat er es natürlich auf etwas ganz anderes abgesehen. Er träumt von einem Job in einem Restaurant in der Schweiz. Den glaubt er sich nur über das Herz einer älteren Frau erobern zu können.

Erfolgversprechender wäre es, er machte zuerst seinen Filzläusen den Garaus.

Nachhaltig? Höchstens in Bezug auf die Filzläuse…

Elisa, 05.05.2021 (Forts. folgt)

Foto Elisa: Die arme Kuh muss sich ihr Fressen zusammensuchen