Von Zimt und Tempeln – und von Nachhaltigkeit

Foto Elisa: Gewürze aus Sri Lanka

Um den Pandemie-bedingten Einschränkungen etwas zu entrinnen, krame ich mit Vorliebe in früheren Reiseerinnerungen. Ich lasse Euch gerne teilhaben. Wie wär’s mit Sri Lanka? Seid Ihr dabei? Also denn:

Nach unserer Ankunft auf dem dortigen Flughafen fahren wir nachts beim bekannten Zimtkanal vorbei – einer Hinterlassenschaft aus der Hochblüte der holländischen Kolonialherrschaft. Mit ihren 100 km Länge führt die Wasserstrasse von Negombo nach Colombo, dann nach Puttalam. Negombo war zu jener Zeit ein bedeutender Handelsplatz, da der Zimtkanal dem Transport des beliebten Zimts und anderer Gewürze diente.

Trotz der überraschenden nächtlichen Geschäftigkeit auf dem daneben liegenden Strässchen sind die kleinen Buden der Händler nur spärlich beleuchtet, aber man kann das Lächeln, das in den dunklen Gesichtern mit den weissen Zähnen aufleuchtet, dennoch gut erkennen. Die Szene ist zauberhaft. Sie hat etwas Meditatives und zugleich Geheimnisvolles, Träumerisches. Ein wunderbarer Ferienstart!

Der Zimtkanal bei Negombo

Sri Lanka, die Gewürzinsel mit den weiten Teefeldern gefällt DEM MANN und mir auf Anhieb: Schöne Landschaften, liebenswürdige Menschen, viele, viele Elefanten, holprige, von hohen Palmen gesäumte Strassen, alte Kulturdenkmäler.

Unsere erste Woche ist Tagesbesichtigungen gewidmet – in einer bloss 5köpfigen Reisegruppe, was ideal ist. Geführt wird sie durch Asanga, einen weisen, unkonventionellen Mann.

Foto Elisa: Die buddhistischen Höhlen von Dambulla

Unser einfaches Hotel liegt in der Nähe von Dambulla. Dambulla ist berühmt für das größte Rosenquarz-Vorkommen in Südasien und den Eisenholz-Wald, besonders aber für seine buddhistischen Höhlentempel, die das Leben Buddhas erzählen.

Die Höhlen in Dambulla sind ein Kunstwerk sondergleichen: Sogar die Decken und Wände sind bemalt,

Seitdem sich eine australische Touristin einem der Buddhas für ein Foto auf den Schoss gesetzt hat, ist Fotografieren verboten. Buddhastatuen gelten als heilig, weder darf man sie berühren, noch ihnen den Rücken zukehren. Man entfernt sich, indem man rückwärts weggeht. Heute, am ersten Besichtigungstag, sind wir eigens wegen der fantastischen Höhlen da, in denen wir 153 grosse und kleine, bunt bemalte Buddhas und farbenfrohe Wand- und Deckenmalereien bestaunen können, die knapp vorchristlich entstanden sind. Wegen der Pfützen auf dem Höhlenboden sind unsere Socken bald durchnässt und schmutzig. Wir vergessen aber bald, dass es draussen regnet. Besonders beeindruckt uns in der ersten der fünf Höhlen der 15m lange, liegende Buddha – die in Stein gemeisselte Ruhe. Kein Wunder, soll die Statue doch den Übergang Buddhas ins Nirwana darstellen.

Eine der farbig bemalten Buddha-Statuen in Dambulla

Im Gewürzgarten am nächsten Tag werden uns sämtliche einheimischen Gewürze gezeigt, auch wie sie wachsen. Bisher war mir unbekannt, dass unsere Zimtstengel von der Rinde des Zimtbaumes stammen und darum gerollt zu uns kommen. Jetzt weiss ich auch, warum es verschiedenfarbige Pfefferkörner gibt: grün=unreif, rot=reif und sehr scharf, weiss=roter Pfeffer ohne Häutchen, schwarz=verdorrt und trotzdem gut. Muskatnüsse haben ebenfalls eine rote Haut, die aber separat gemahlen und verwendet wird. Kokainblätter sehen ganz harmlos aus. Curryblätter wirken zierlich im Vergleich zu den länglichen, fleischigen Blättern und Kapseln des Vanillestrauches, der eine Orchideen-Gattung ist. Aus den grünen, dann fermentierten Kapselfrüchten werden die schwarzen Vanilleschoten gewonnen, die bei uns so begehrt sind.

Im Gewürzgarten: So gewinnt man Kautschuk, nur die Rinde einschneiden

Die anschliessende 20minütige, ayurvedische Arm-/Genick-/Schulter-Massage sowie der Gewürztee sind das Tüpfelchen auf dem I unseres Rundgangs. So richtig zum Beneiden, oder nicht?

Foto vom MANN: Ich werde mit Tee und Massage verwöhnt
Foto: AP_1_t715: Eichenholzbaum Hochstamm

Das war’s für heute, Fortsetzung folgt.

Bis zum nächsten Mal mit lieben Grüssen, Elisa

06.04.2021

Frühling

Thurgauer Frühling: Apfelblüten

Oh welch ein Wachsen und ein Grünen
ein Knospen und ein Blühen:
Der Frühling ist aus Winternacht
im blütenreinen Kleid erwacht

Hellblau, glatt wie Seide
wölbt sich hoch das Himmelszelt
weisse, zart-belad’ne Zweige
träumen in die heitre Welt

Inmitten all dem emsig‘ Weben
erwach‘ auch ich zu neuem Leben:
Der Frühling ist aus Winternacht
im blütenreinen Kleid erwacht


(Elisa)

Blütenzauber: Foto von Freundin Heidi Wildi
Traum in Weiss: Foto von Freund Fritz Reimann
Glyzinien im Garten von Freund Andy
Palmsonntagsfreude: Foto von Freundin Heidi Wildi
Eine Wonne! Thurgauer Frühling
Erholung: Foto von Freund Fritz Reimann

Birnbaumblüten, Foto von Freund Fritz Reimann

Herzliche Frühlings- und Ostergrüsse! Geniesst das junge Leben und die erwachende Natur, Elisa

31.03.2021

Was ich wirklich brauche

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Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben immer alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge,
Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe
zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

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Erinnere mich daran, dass das Herz oft
gegen unseren Verstand streikt.
Schick mir im rechten Augenblick jemand,
der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

//Antoine de Saint-Exupéry, lebte vom 29 Juni 1900 bis zum 31 Juli 1944

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Elisa, 24. März 2021

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Haben wir Schweizer Humor?

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Schön, wenn jemand mit Humor gesegnet ist! Humor ist rundum entspannend und deshalb das beste Mittel gegen Stress. Humorvolle Menschen gehen leichter durchs Leben, nicht wahr? Es gibt sie weltweit, nur ist die humorvolle Ausprägung landestypisch gefärbt. Worüber lacht der Mensch? Schwer zu sagen. Humor kann fein, derb, primitiv, geistreich, witzig, komisch, befreiend daherkommen. Er führt vielleicht zu Schenkelklopfen oder stiller Belustigung, zu Grinsen, Glucksen, Kichern, Lächeln, Lachen – immer aber spricht er uns auf der Gefühlsebene an. Wichtiger noch als die Art des Humors ist die Stimmung. Wir haben’s alle schon erlebt: Sind wir in fröhlicher Gesellschaft und ist die Stimmung empfänglich, verschmelzen die Beteiligten zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die sich gegenseitig anregt und ein wahres Feuerwerk an Witzen und Anekdoten explodieren lässt. Gelächter ist die Zündschnur dazu. Ach, wie sehr vermissen wir dies in Zeiten von Corona!

Snoopy, Copyright. Charles M. Schulz

Fragt Ihr Euch manchmal: Haben auch wir Schweizer Humor? Gewiss doch, aber Schweizer sind diskret – auf Grund unserer Entwicklung (oder unseres Charakters?) tragen wir das Herz nicht auf der Zunge. Es ist uns mehr oder weniger egal, wenn man uns im Ausland bisweilen für humorlos hält. Denn warum sollen wir unsere kleinen Geheimnisse jedermann auf die Nase binden? Zum Beispiel, dass die Appenzeller fluchen wie die Fuhrknechte, dass die Thurgauer stehlen wie die Elstern, die Berner laaangsaaam sind. Das sind sowieso Verleumdungen… Zwei typische Witze gebe ich dennoch preis. Psst! Nicht weitererzählen!

Ein Appenzeller steht vor seinem Auto, das eine Panne hat. Nach unzähligen Versuchen, es wieder in Gang zu bringen, schlägt er auf Motor und Haube ein, er flucht, dass der Teufel vor Freude hüpft. Da kommt der Dorfpfarrer des Weges. „Aber, aber“, tadelt er, „Gott ist nicht bei den Fluchenden. Fluchen bringt doch nichts, beten Sie lieber.“ Der Mann faltet gehorsam die Hände, schaut zum Himmel hoch, murmelt leise. Da plötzlich, wundersamerweise, springt der Motor wieder an. „Huere Herrgott Sakrament“, ruft der Pfarrer verblüfft. „Ich hätte nicht gedacht, dass es funktioniert!“

Ein Friburger will Schuhe kaufen. Im Schuhgeschäft zieht er die alten aus. Da verbreitet sich ein scheusslicher Gestank im Laden, die übrigen Kunden verlassen ihn fluchtartig. Selbst die Verkäuferin hält es kaum mehr aus. In der Verzweiflung nimmt sie die eleganten Lederstiefel, die der Friburger auch noch anprobieren will, und drückt sie ihm in die Hand mit den Worten: „Nehmen Sie dieses Paar gratis mit, aber bitte verlassen Sie rasch das Geschäft.“ Kaum ist der Mann weg, reisst sie die Fenster auf, sprüht Raumduft in Nischen und Ecken. Nach einer Viertelstunde steht der Friburger wieder im Laden. Diesmal furzt er laut und ausdauernd. Dann fragt er schelmisch: „T’schuldigung, liegt vielleicht noch ein Paar Gratis-Pantoffeln drin?“    

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Es ist uns allen klar, dass Witze über Menschen oder Nationalitäten stets stark übertrieben sind, meist bis an die Grenze des guten Geschmacks. Aber wie gesagt, wir sind verschwiegen. Lieber lachen wir offen über die Österreicher, die angeblich morgens das Gesicht mit „Eau de Toilette“ erfrischen, indem sie den Kopf in die WC-Schüssel tauchen. Oder wundern uns über den trockenen britischen Humor, den nur Insider komisch finden, wie z.B. bei diesem Witz: Zwei Männer sitzen mit ihren Angelruten am Meer. Lange tut sich nichts, bis einer von ihnen eine wunderschöne Meerjungfrau an Land zieht. Er betrachtet sie nachdenklich, dann löst er sie vom Haken und wirft sie zurück ins Meer. Sein Kollege fragt: „Aber warum denn? (But why?)“ Die knappe Antwort lautet: „Aber wie denn? (But how?)“

Englische Witze erzähle ich weniger gerne, denn öfters als nicht bin ich die Einzige, die dabei lacht. Und das wiederum ist ja nun wirklich zum Lachen!!

17.03.2021 Elisa 😂😃🤣

Charlie Brown and Snoopy, Copyright: Charles M. Schulz

Musik klingt in meinen Ohren

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Von Kindsbeinen an waren meine Schwestern und ich in unserem Elternhaus von Musik umgeben. Als ich acht war, bekam ich meine erste Geige. In Sommernächten wiegte uns Hausmusik in den Schlaf. Später gaben wir in kleinerer oder grösserer Besetzung Konzerte, wir spielten an Altersnachmittagen, an Sommerkonzerten im Schloss, an Weihnachtsfeiern im Spital, an Festtagen in der Kirche, und einmal sogar im Gefängnis, wo ich mich ein wenig fürchtete. Als Jugendliche durfte ich in zwei Orchestern spielen: im Erwachsenen- und im Jugendorchester. Das Jugendorchester bestand erst wenige Jahre, doch wir befanden uns auf stetem Höhenflug. Der Leiter, ein schwarzlockiger Berufsmusiker, entzündete in uns das Feuer für die Musik.

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Der Frühlingsball war für unsere beiden Orchester der Höhepunkt des Jahres. Mitreissend das Programm – eine gekonnte Abfolge neckisch-leichter Liebeslieder und beschwingter Walzer, die zum Tanzen einluden – üppiger Blumenschmuck auf den weiss gedeckten Tischen, festliche Stimmung, heitere Menschen, es war ein bezauberndes Vergnügen für alle.

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Von den Ereignissen, die völlig unerwartet in unsere schöne Welt platzten und uns aus dem Takt warfen, will ich Euch heute erzählen. Dazu nehme ich Euch mit, zurück in die späten 50er Jahre des letzten Jahrhunderts:

Tatsächlich wird im Spätsommer der Traum jäh zerstört. Unsere Familie sitzt beim Abendessen, als das Telefon klingelt. Papa nimmt im Korridor das Gespräch entgegen. Als er an den Tisch zurückkommt, ist er ganz blass. „Stellt euch vor, der Präsident des Orchestervereins, X.Y., ist gestern Abend bei seiner Rückkehr aus den Sommerferien vor seinem Haus verhaftet worden. Er soll bei seinem Arbeitgeber massiv Geld unterschlagen haben. Während er in Spanien am Strand lag, hat eine Buchhaltungsrevision den Betrug ans Tageslicht gebracht.“ Er wendet sich an Mama: „Du hast ihm nie vertraut, gelt? Warum hast du gewusst, dass bei ihm etwas nicht stimmt?“ „Er konnte einem nicht in die Augen schauen,“ antwortet sie schlicht.

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Nach und nach wird die ganze leidige Geschichte bekannt. X.Y. hat als Buchhalter bei einer florierenden Unternehmung in weniger als 10 Jahren mehr als 700’000 Franken veruntreut, indem er jeden Monat zusätzlich Löhne an ein paar von ihm erfundene Personen auszahlte – das erschwindelte Geld auf raffinierte Weise zu sich lenkend. 700’000 Franken! In den 50er Jahren eine Unsumme Geldes, die ihm mehrere Jahre Gefängnis eintragen wird. Vom Geldsegen profitiert haben nicht nur seine Familie und sein Freund, der schwarzlockige Dirigent. Auch der Orchesterverein war Nutzniesser, wenn auch ungewollt. Immerhin verdanken ihm die beiden Orchester die schönsten Konzerte, die himmlischsten Bälle, die unvergesslichsten Stunden ihrer Geschichte. Leider hinterlässt Y.X. dem Verein auch einen riesigen Stapel unbezahlter Rechnungen, so dass in den nächsten Jahren jeder Franken umgedreht werden muss, bevor man ihn ausgeben kann. Als erstes fällt das beliebte Jugendorchester dem ‚Streichkonzert’ zum Opfer. Wie schade! Und erst noch nach einem Konzert keine feinen Fleischplatten und Torten mehr als Belohnung nach einem Konzert!

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Als Vizepräsident hat auch Papa eine Mitverantwortung am Debakel, ebenso der Kassier Ulrich, wie Papa ein äusserst gutmütiger Mann. Die Buchhaltung samt Kassabuch ist nämlich schon seit fast drei Jahren bei X.Y. zu Hause, wo sie eigentlich nichts zu suchen hätte. X.Y. hat seiner Kreativität auch hier alle Ehre gemacht: nämlich als Meister im Erfinden immer neuer Ausreden, warum sich der Jahresabschluss Jahr um Jahr hinauszögern müsse. Alle, ausser unserer Mama, hat er eingelullt, indem er, absichtlich beiläufig, von einem stillen Gönner geschwärmt hat, der die grossartigen Anlässe des Orchesters voller Freude finanziere. Es ist ihm sogar gelungen, den beiden leichtgläubigen Vorstandsmitgliedern Blankoschecks abzuluchsen.

Nach der Verhaftung von X.Y. bekommt der Orchesterverein einen neuen Präsidenten und einen neuen Kassier. Letzterer ist ein flotter junger Mann, der soeben eine 14 Jahre ältere Witwe mit vier schulpflichtigen Kindern geheiratet hat, was allgemein als noble Tat gewertet wird. Als der Orchesterverein nach ein paar spartanischen Jahren alle Schulden abbezahlt und wieder ein nettes Sümmchen Geld gespart hat, verschwindet der feine Herr samt Kasse bei Nacht und Nebel – eine ratlose Familie sowie einen gebeutelten Verein hinterlassend. Beide sind gleichermassen untröstlich, aber natürlich aus ganz unterschiedlichen Gründen…

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Zu allem Übel wird kurz darauf auch noch die Gattin des neuen Präsidenten beim Griff in die Kasse ihres Arbeitgebers erwischt. Dieser ist ein Ladeninhaber, der weder Spass noch etwas von Musik versteht. Oh weh, man stelle sich vor: Kleptomanie, bei einer solchen Dame mit einem gutverdienenden Ehegatten! Nach diesen neuerlichen (Pauken)-Schlägen bemüht man sich redlich, weiterhin gute Musik zu machen. Das Orchester ist glücklicherweise nicht am Ende: noch ist es kein Schwanengesang. Doch wen erstaunt es, dass nach so viel Pech sein guter Ruf flöten gegangen ist? Und dies, obwohl seine Mitglieder bereits nach der Verhaftung von X.Y. die Rossini-Operette ‚Die diebische Elster’ aus ihrem Repertoire verbannt haben…

Musik beflügelt und beglückt uns Menschen. Dem Himmel sei Dank, bleibt das auch so, wenn die Harmonie dann und wann durch falsche Töne gestört wird.

Wunderbar, nicht? Musik klingt in unseren Ohren… Herzlichst, Elisa
10.03.2021

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Orangen, Orangen, Orangen!

Foto: Ellen Levy Finch: Orangen mit Blüten

Kommen wir einen Moment zur Ruhe und lassen uns in Gedanken umhüllen von südlicher Wärme – und vom Duft frischer Orangenblüten. Herrlich! Er ist intensiv-süss, sinnlich, wirkt entspannend, ja geradezu betörend! Kein Wunder, aromatisierten und schmückten maurische Fürsten ihre Paläste mit Orangenbäumen. Das aus getrockneten Blüten gewonnene Destillat (das teure Neroliöl) findet heutzutage auf vielfältige Weise in der Parfümindustrie Verwendung, sowie in der Medizin, z.B. als Beruhigungsmittel. Den gesundheitlichen Nutzen erwähnte der deutsche Gelehrte Bischof Albertus Magnus, der Entdecker des Arsens, bereits 1250.

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Kennt Ihr die Sevilla-Orangen? Dies sind Bitterorangen, roh absolut ungeniessbar, sie haben einen bitter-sauren Geschmack. Ihr Aussehen ist rundlich, etwas platt. Im reifen Zustand ist die orange Schale dicker und unebener als die der süssen Orangen. Schön anzuschauen sind sie nicht. Und doch lässt sich daraus die schmackhafteste Marmelade machen.

Bitterorangen haben ihren Ursprung im nordöstlichen Indien und den angrenzenden Teilen Burmas und Chinas. Sie erreichten Europa erst etwa im 10. Jahrhundert. Dass wir es den Mauren, die Andalusiens Kultur massgeblich beeinflussten, zu verdanken haben, dass die Bitterorangen nach Sevilla kamen, scheint am wahrscheinlichsten.

Noch heute liefert Andalusien, vor allem Sevilla, den Briten und ihrem Königshaus das Rohmaterial für die berühmte, heissgeliebte «Bitter Orange Marmelade». Sie unterscheidet sich klar von der bei uns im Supermarkt erhältlichen Orangen-Konfitüre. Meine englische Freundin erzählte mir, dass sich einst ein englischer Reisender über die vielen faulenden Orangen in den Strassengräben Sevillas wunderte. Da man sie nicht essen kann, werden Bitterorangen ja kaum je gestohlen… Der Engländer jedoch ruhte nicht eher und pröbelte so lange, bis er herausfand, dass sie sich zum Kochen von Konfitüre bestens eigneten. Wie auch immer, ich finde die bittersüsse, feingeschnittene britische Marmelade aus Sevilla-Orangen wunderbar. Habt Ihr sie schon einmal (zweimal, dreimal…) gekostet? Einige Tropfen des Destillats ergeben zudem eine feine Zutat für viele orientalische und europäische Süßigkeiten.

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Wegen ihrer gänzlich unterschiedlichen Verwendung darf man Bitterorangen nicht mit den bekannteren Süssorangen verwechseln. Im 15. Jahrhundert tauchte die süsse Variante dann ebenfalls in Europa auf. Es ist nicht gesichert, aber man nimmt an, dass der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama sie von einer seiner Weltumsegelungen nach Portugal brachte. Jedenfalls wurden sie – im Gegensatz zu heute – zunächst fast ausschliesslich in Portugal angebaut und von Lissabons Hafen aus in die weite Welt verschickt. Doch waren sie lange vor allem der Oberschicht vorbehalten und galten auch bei uns bis ins 20. Jahrhundert hinein als kostbare, alles andere als selbstverständliche Frucht.

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Möchtet Ihr zum Schluss noch eine jüdische Anekdote lesen?
Ein deutscher Jude wanderte während des zweiten Weltkriegs nach Amerika aus. Sein Englisch war anfangs natürlich eher mangelhaft. Eines Tages wollte er in einem Früchteladen Orangen kaufen. Dabei sah er zum ersten Mal Bitter-Orangen, billig zwar, aber ziemlich hässlich. Der Händler erklärte ihm: «For juice only» (nur für Saft). Der Jude zuckte zusammen. Der Ärmste hatte verstanden: «For Jews only» (nur für Juden). Bitter enttäuscht erzählte er einem Freund: «Auch die Amerikaner sind Antisemiten. Stell Dir vor, für uns Juden gibt es nur die schäbigsten Orangen.»

Foto: Fruchtknall.de – Süssorangen, alles andere als schäbig…

Jetzt wäre es herrlich, in einen saftigen Süssorangen-Schnitz zu beissen! Oder sich an einem frischen Orangensalat mit feingeschnittenen Datteln und einem Schuss Grand Marnier zu erlaben. Bekanntlich sind Orangen (und andere Zitrusfrüchte) köstliche Vitaminbomben. Am liebsten mag ich frischgepressten Orangensaft. Mmhh! Läuft Euch auch das Wasser im Mund zusammen?
Herzlich zum Wohl!
03.03.2021, Elisa

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Foto Marco Schicker: Orangenbäume

PS. Kumquats, ovale, sehr kleine Zwerg-Orangen aus Asien, sind roh und gekocht geniessbar.

Währt ehrlich am längsten?

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Die Engländer sind nicht nur auf eine originelle Art eigenwillig – sie sind auch hilfsbereit. Jedes Mal, wenn ich in England bin, kann ich mich daran freuen. Doch nicht immer ist Hilfsbereitschaft willkommen, wie die kleine Begebenheit zeigt, die mir ein englischer Freund erzählte.

Eine Frau in einem vornehmen Londoner Vorort bemerkte beim Blick aus dem Fenster, wie zwei Männer in weissen Overalls die wertvollen Orientteppiche ihrer Nachbarn aus dem Haus trugen und in einen bereitstehenden Lieferwagen luden. Da die Nachbarn für zwei Wochen nach Frankreich verreist waren, rannte die Frau auf die Strasse und die beiden Männer zu, um sie zur Rede zu stellen: „Was machen Sie denn da? Meine Nachbarn sind doch in den Ferien!“ „Eben,“ antwortete einer der Männer, „deshalb haben sie uns gebeten, sämtliche Teppiche im Haus während ihrer Abwesenheit zu reinigen. Sehen Sie,“ und er wies auf die Seitenwand des Lieferwagens, „hier steht es schwarz auf weiss: TEPPICHREINIGUNGEN.“ „Ach so,“ meinte die Frau erleichtert. „Moment mal, könnten Sie dann auch gleich meine vier Seidenteppiche zum Reinigen mitnehmen?“ „Natürlich, gerne,“ erwiderten die Männer, hilfsbereit lächelnd. Eine Viertelstunde später fuhren sie mit ihrer wertvollen Fracht davon.

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Fast haben wir’s geahnt: sie verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Bei so viel Dreistigkeit schluckt man erst einmal trocken: Kriminelle, wie sie im Buche stehen!

Schon als Kinder haben wir gelernt: «Ehrlich währt am längsten.» Vertrauen gründet auf Ehrlichkeit. Es betrübt mich, dass wir mit Mauscheleien allüberall leben müssen, von Sport, Politik bis in die Finanzwelt. Das Leben ist ungerecht. Doch Hand aufs Herz: Wie steht es bei uns selbst mit kleinen Schummeleien? Setzen wir uns da Grenzen?

Kolkrabe – Porträt

Als junge Mutter arbeitete ich samstags in einem Warenhaus, um noch etwas hinzu zu verdienen. Man teilte mich bei der Herrenbekleidung ein. Dort gab’s viele Stammkunden. Dementsprechend oft wechselte das Sortiment. So boten wir an einem heissen Julisamstag neben den eher langweiligen Standard-Modellen auch einen grossen Posten topmoderner Badehosen an. Dank den glänzenden Pastellfarben und ihrem rassigen Schnitt verkauften sie sich wie frische Küchlein. Doch dann kamen die ersten Reklamationen, die sich rasch häuften. Und alle erzählten sie dasselbe. Sobald die gutsitzende Badehose mit Wasser in Kontakt kam, weitete sie sich dramatisch aus. Daher fanden sich die badenden Herren nach ein paar Schwimmzügen zu ihrem Entsetzen im Adamskostüm wieder und mussten eiligst – und vor allem diskret, wenn dies denn noch möglich war – aus dem Pool in die Kabine fliehen.

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Als ich zwei Wochen später wieder im Warenhaus stand, war an prominenter Stelle unseres Rayons eine Kartonschachtel mit ebendiesem Badehosenmodell aufgestellt – doch nun prangte daneben ein grosses Schild, das verkündete: Sonderangebot! Solange Vorrat! Greifen Sie zu – nur drei Franken! Im Gegensatz zum Schild war die Schachtel nicht sehr gross. Um den Eindruck eines beschränken Restpostens zu erwecken, wurde sie von der Rayonchefin fleissig nachgefüllt. Das empörte mich. Wenn ich einen Kunden hatte, der das Schnäppchen kaufen wollte, versuchte ich, es ihm auszureden. («Die Farben der Badehosen passen nun wirklich nicht zu Ihren Augen»…) – meistens natürlich vergebens. Was ist das für ein Impuls, der uns Menschen dazu bringt, etwas vor allem deshalb zu kaufen, weil es billiger ist? Am Ende ist es wahrscheinlich meist zu teuer, weil man es gar nicht braucht, oder weil die Qualität minderwertig ist wie in meinem wahren Beispiel.

Photo by Artem Beliaikin on Pexels.com

Tatsächlich griffen die Kunden den ganzen Tag wie verrückt zu. Am Feierabend war der gesamte Bestand der schillernden Badehose verkauft – und ich um eine unschöne Lebenserfahrung reicher.

In der folgenden Woche gab es keine einzige Reklamation mehr.

Sagt, findet Ihr das nicht auch fies?

24.02.2020 Elisa

Seine Krone zu verlieren, kann jedem passieren…

Trauerlied

Foto Fabienne Griessen: Ambi

Heute Abend, punkt 18 Uhr, d.h. in wenigen Minuten, wäre unser geliebter Sohn Bernie 53 Jahre alt geworden. Für alle, die ebenfalls traurig sind, möge das folgende Lied erklingen. Sich der Trauer zu stellen, hilft mit, das Unabänderliche zu akzeptieren.

Songtext
Es ist schwer zu begreifen
dass du fortgegangen bist
jede Minute fehlst du
dein Lächeln dein Gesicht
Die Erinnerung an deine Liebe
deine Freundschaft deinen Trost
gibt mir die Kraft zu glauben
irgendwann sehn wir uns wieder
Im Herzen trag ich dich für jetzt und alle Zeit
dein Weg endet hier nicht
der Himmel trägt dein Licht
der Himmel trägt dein Licht

Foto von Freundin Heidi Wildi:
Mitten im Schnee blüht die Hoffnung

Ich werde wieder Liebe schenken
und meinen Weg hier weiter gehn
Gott wird mich dabei lenken
mich halten und verstehn
Deine Hand wirst du mir reichen
wenn meine Zeit gekommen ist
bis dahin das versprech ich
leb ich jeden Augenblick
Im Herzen trag ich dich für jetzt und alle Zeit
dein Weg endet hier nicht
der Himmel trägt dein Licht
der Himmel trägt dein Licht

Foto Fabienne Griessen: Ambi (Bernard, Bernie)

Liebster Bernie, unsere Liebe wird nie aufhören.

17.02.2021: Elisa und DER MANN

Foto von Freundin Heidi Wildi:
Leben wächst auch unter dem Schnee

Mein Leben hat Sinn

Foto Elisa: Am winterlichen Schwarzsee

Letzte Woche fiel mir einmal mehr ein Gedicht des Schweizers Max Feigenwinter in die Hände. Gerade dieses möchte ich heute mit Euch teilen. Ich schätze seine Gedichte sehr. Denn ich empfinde sie als Ermutigung.
Ihr auch?

Was ich kann
Auch wenn
nicht alles wichtig ist,
was ich denke,
nicht alles gehört wird,
was ich sage,
nicht alles gesehen wird,
was ich mache,
nicht alles wächst,
was ich säe,
nicht alles Frucht bringt,
was ich pflege,
vieles nicht so gerät,
wie ich es für richtig halte,
mein Leben hat Sinn:
Ich will tun, was ich kann,
meine Grenzen annehmen
und mich freuen an dem,
was gelingt.
(Max Feigenwinter, geb. 1943)

Foto Daniel Schwendener: Max Feigenwinter bei sich zu Hause

Es ist mutig, die eigenen Grenzen anzusprechen, nicht wahr? Wie oft machen wir uns selbst Druck, obwohl es gar nicht nötig wäre. Lassen wir uns getrost fallen: Wir dürfen so sein, wie wir sind.

Foto von Freundin Ursula Weber: Mit Blick auf diesen Weiher bin ich aufgewachsen

Wie beruhigend ist es doch, sich diesem Werden und Vergehen des Lebens zu überlassen! Ich stelle mir vor, dass selbst «unreife Früchte» dereinst Vollendung erreichen im überirdischen Glanz der vollkommenen Liebe. Im Hier und Jetzt dürfen wir uns wirklich freuen an dem, was uns gelingt!

Foto Elisa: Früchte in Tiflis, einige weniger perfekt als die anderen

10.2.2021, Elisa