Albrecht Dürer (1471-1528)

Foto Wikipedia

Ich nehme an, Ihr kennt die «Betenden Hände» von Albrecht Dürer. Sie sind gut 500jährig, von Meisterhand gezeichnet, und immer noch allgegenwärtig, obwohl das Original lediglich eine Bleistiftskizze ist, eine Studie als Vorarbeit an einem Altarbild. Habt Ihr gewusst, dass das Motiv sogar Andy Warhols Grabstein schmückt?

Foto DER MANN, Bernies Grab mit Engeln

«Es gibt sie in Holz, Metall, Wachs, auf Papier, Karton Plastik und, als Tattoo-Motiv, sogar auf Menschenhaut – diese «Betenden Hände» von Albrecht Dürer (1471-1528), einem der grössten Renaissance-Künstler nördlich der Alpen. Das Original befindet sich im Albertina-Museum in Wien.

In diesen schön geformten, schlanken, andächtig aneinander gelegten Händen, fast engelsgleich aus dem Nichts kommend und von einer meditativen blauen Fläche umgeben, zeigen sich die ganze Intimität, Innigkeit und Mystik des Betens…» (Zitat aus REFORMIERT, Nr. 9 vom September 2021).

Wie habt Ihr’s mit dem Beten? Betet Ihr zu einer höheren Macht, zu unserem christlichen oder jüdischen Gott? Macht Ihr Exerzitien? Meditiert Ihr? Mag sein, dass Ihr in schwieriger Situation ein Stossgebet zum Himmel schickt. Oder dass Ihr bei Gefahr ein inbrünstiges Versprechen gebt, z.B. «Lieber Gott, wenn du mich rettest und ich hier heil herauskomme, dann verspreche ich Dir…»

Photo by Rodolfo Clix on Pexels.com

Ich finde Stossgebete im Alltag hilfreich. Für mich ist Beten jedoch vor allem ein Danken, ein stilles Zwiegespräch mit Gott, eine Hinwendung zu einer Quelle, wo ich Kraft finde. Wie die meisten von euch kenne ich zermürbende Hindernisse. Ich habe Schicksalsschläge erlitten, lasse mich aber auch aufrichten durch Schönes und Gutes in meinem Leben. Aber ohne Gebet? Da wären mir Lebensfreude und Hoffnung im Laufe der Zeit bestimmt abhanden gekommen. Beten macht mich dankbar, gibt mir Mut, wenn ich am Verzagen bin. Dann kann ich mich auch wieder meinen lieben Mitmenschen zuwenden, die mich ebenfalls stützen und die ich zu stützen versuche. Ich spüre, dass mein Gebet Negatives in Positives wandelt. Das ist wertvoll, oder nicht? Kurz und bündig, das Gebet möchte ich keinesfalls missen! Es stärkt den Glauben, transzendiert die menschliche Zuversicht.

Photo by BECCA SIEGEL on Pexels.com

Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es vergeblich, sie anderswo zu suchen. (François de la Rochefoucauld, 1613-1680).

Foto Elisa: Statue im Pavillon Le Corbusier, Zürich

Wahr oder nicht wahr? Was meint Ihr? Wie auch immer: Von Herzen wünsche ich Euch Ruhe und Gewissheit im Herzen. Vermutlich habt Ihr den für Euch stimmigen Weg längst gefunden!

Foto Elisa: Im Chinesischen Garten Zürich
Foto Elisa: Im Chinesischen Garten Zürich

Liebe Grüsse, Elisa
20.10.2021

Philosophie

Photo by Taryn Elliott on Pexels.com

In einem Interview wurde Solange Ghernaouti, Professorin und Expertin für Cybersicherheit, gefragt, was oder wer sie inspiriere. Ihre Antwort:

  • Nelson Mandela mit seiner Fähigkeit, Widerstand zu leisten und sich zu entwickeln;
  • Vögel mit ihrer scheinbaren Zerbrechlichkeit und ihrer Art, die Welt von oben zu sehen;
  • die Natur mit der Lebenskraft und dem Glück, das sie vermittelt, und mit dem Respekt, den sie uns abverlangt.
Photo by Magda Ehlers on Pexels.com

Dies sind für mich erstaunliche Aussagen, klug, unerwartet, tiefgründig. Was ist Euch beim Lesen dieser Sätze durch den Kopf gegangen? Ich finde, es lohnt sich, darüber nachzudenken und gewonnene Einsichten in seinem Innern nachhallen zu lassen.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Murmeltier auf dem Stanserhorn

Was inspiriert Euch? Denn, nicht wahr: «Jeder Vogel fliegt anders». (Peter Handke)

Photo by Pixabay on Pexels.com

Liebe Grüsse, Elisa
06.10.2021


Reichtum

Bei weisen Erzählungen wird mir ganz warm ums Herz – umso besser, wenn sie darüber hinaus mit Humor gewürzt sind. Geht es Euch auch so? Was meint Ihr zu dieser rabbinischen Geschichte?

Bei einem festlichen Bankett sitzen ein Rabbiner und ein katholischer Prieser nebeneinander. Bei der grossen Schlacht am kalten Buffet verweigert der Rabbi die Speisen mit Schweinefleisch. Der Priester rühmt seine Freiheit und isst mit Genuss davon. Dabei meint er zum Rabbiner: «Religiöse Vorschriften, die ihren Sinn verloren haben, muss man fallen lassen. Schauen Sie diesen herrlichen Schinken an, welch eine Gabe Gottes! Wann endlich werden Sie ihn kosten?» Der Jude lächelt: «Auf Ihrer Hochzeit, Hochwürden, werde ich ihn probieren!»

Aus: «Voller Witz und Weisheit» von Axel Kühner

Havah Nagilah (hebräisch הבה נגילה) ist ein hebräisches Volkslied, das traditionell bei jüdischen Feiern gesungen wird. Navah Nagilah bedeutet so viel wie: Lasst uns glücklich sein.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Seerose

Oder gefällt Euch diese weise Geschichte aus der Türkei besser?

Hodja ruderte einen berühmten Philosophen über einen See. Der Mann fragte ihn, ob er etwas von Philosophie verstünde. Hodja: «Nein, dafür habe ich nie Zeit gehabt.»

Darauf der Philosoph: «Ach, das tut mir leid für Sie. Da fehlt Ihnen ja Ihr halbes Leben.»

Nach einer Weile fragt Hodja den Philosophen: «Können Sie schwimmen?» Der Philosoph: «Nein, dafür hatte ich nie Zeit.»

Hodja: «Dann wird Ihnen bald Ihr ganzes Leben fehlen. Der Kahn hat ein Loch. Wir sinken.»

Aus: Türkische Sammlung von Hodja-Geschichten, Marlene Fritsch, «Weisheit kommt nicht von allein, das Herz muss ihr Begleiter sein.» Nasreddin Hodja war ein bekannter, weiser Türke, der im 13. Jahrhundert gelebt hat.

Der türkische Sänger heisst Tarkan und wurde in den 90er Jahren mit «Kiss Kiss» berühmt.

Geniesst die Musik! Sie verbreitet Freude und Wohlbefinden. Ausserdem haben Neurologen in wissenschaftlichen Studien bestätigt gefunden, dass Musik frühgeborenen Babies bei ihrer Entwicklung hilft, sowie Verunfallten bei der medizinischen Rehabilitation. Auch auf Demente haben Musik und Tanz eine sichtbar gute Wirkung. Es wird wieder gelächelt, und Erinnerungen kommen zurück. Ist Musik nicht etwas Wunderbares für uns alle?

Liebe Grüsse, Elisa
21.09.2021

Just for fun

Photo by Anastasia Golubeva on Pexels.com

Seit der Erfindung des Buchdrucks plagen Druckteufel und Fehlerteufel uns Menschen. Wer glaubt, sie seien dank neuester Technologie ausgerottet, der täuscht sich. Es ist eher schlimmer geworden! Die an sich praktische Handy-Funktion der Autokorrektur z.B. ist noch perfider als Tippfehler, weil sie selbstherrlich agiert:

Ein Freund schrieb bzw. wollte mir schreiben: «Ohne Fleiss kein Preis!» Auf meiner WhatsApp las ich mit Erstaunen: «Ohne Fleisch kein Preis!» Wow!!

Immer wieder kommen ungewollt heitere Texte bei mir an:

«Schaf ist wichtig.» (statt Schlaf)

Übe das Wochenende…

Deine tröstli Worte…

Photo by Anna Nekrashevich on Pexels.com

Soweit Handy-Nachrichten. Immerhin sind schnelle Nachrichten kurzlebiger als Tippfehler auf Schreibmaschine oder im Druck:

Photo by Pixabay on Pexels.com

Als ich in einer Personalabteilung arbeitete und Jobgesuche zu beantworten hatte, entdeckte ich später, als der Brief längst verschickt war, den Satz: «Wir legen besonderen Wert auf gute Umfangsformen.» (anstelle der guten Umgangsformen)

Ein damaliger Druckereimitarbeiter berichtete über ebenfalls erst zu spät erkannte Druckfehler. Da erwähnte jemand in einem religiösen Blatt «Jesus mit dem Scheisstuch» (statt Schweisstuch). In einem Architektursekretariat war die Rede von der Breite des Trottoirs, doch das Wort „Trottoir“ hatte sich im öffentlichen Bericht hinterlistig in „Pissoir“ verwandelt.

Photo by Leah Kelley on Pexels.com

Hoffentlich habe ich jetzt gut aufgepasst… Es läuft natürlich immer darauf hinaus, dass man den Text nicht genau durchgelesen hat. Aber wer nimmt sich denn noch Zeit dazu? Es ist nicht mehr so wichtig – nur rasch muss es gehen. Und harmlose Fehler würzen den Alltag, finde ich. Am besten, man lacht herzlich über solcherart Misslungenes!

PS. für Wissbegierige (aus Wikipedia): Mit beweglichen Lettern revolutionierte Johannes Gutenberg den Buchdruck. Plötzlich konnte man Bücher schnell, günstig und massenhaft produzieren. Um den Mann, der Bildung für alle ermöglichte, ranken sich viele Legenden. Ausgerechnet über ihn, der den Druck revolutionierte, sind wenige schriftliche Quellen erhalten. Geboren wurde Gutenberg um das Jahr 1400 – wahrscheinlich zwischen 1394 und 1404 – und mit ziemlicher Sicherheit in Mainz.

Photo: Gutenberg.de.wikipedia.org
Photo: clio.history.org

Viel Glück beim Tippen.
Liebe Grüsse, Elisa
15.09.2021

Séraphine de Senlis

Séraphine Louis,
genannt Séraphine de Senlis,
französische Malerin


DER MANN und ich schauten kürzlich bei ARTE einen Film über die französische Künstlerin Séraphine Louis. Er packte und erschütterte uns. Sie lebte von 1864 bis 1942. Ihre Mutter starb ein Jahr nach ihrer Geburt; als sie sieben war, auch ihr Vater. Im ländlich-kleinstädtischen Senlis verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Schafhirtin, als Putzfrau, zeitweise auch als Laienschwester im dortigen Kloster. Sie liebte Gott und die Natur über alles.

Diese einfache und zutiefst religiöse Frau, die für andere Leintücher und Leibwäsche in den eisigen Gewässern des Flusses waschen und schmutzige Töpfe von reichen Herrschaften reinigen musste, erschuf des Nachts ein wunderbares Universum aus hellen, glänzenden Farben, die sie selbst aus Gemüsesäften, Ton und Metzgereiblut herstellte.

Séraphine: Arbe du paradis
Les Z’Arts de Véronique
Séraphine:
Jardindesprit.
forumgratuit.org

Entdecker und Förderer war der deutsche Kunstsammler und Kunstkritiker Wilhelm Uhde (1874–1947), der 1912 durch Zufall auf die in Armut lebende Frau aufmerksam wurde, als er Urlaub in Senlis machte und dort eines ihrer Bilder entdeckte. Er beschaffte ihr die grossen Leinwände, die sie für ihre Gemälde benötigte. Wenn andere schliefen, malte sie stundenlang bunte, ausdrucksstarke Bilder, auf den Knien kauernd, fromme Lieder singend, wie in Trance.

Séraphine: Perspectiva Newsky

Ab 1930 zeigte sie zunehmend Symptome einer psychischen Erkrankung, die vermutlich bereits länger bestanden hatte. Sie verschleuderte ihr Geld, das sie durch Uhdes Verkauf ihrer Bilder verdient hatte. Schliesslich nahmen ihre Wahnvorstellungen solche Ausmasse an, dass man sie 1932 in die Nervenheilanstalt von Clermont-sur-l’Oise einwies. 10 Jahre blieb sie dort und litt. Sie malte nicht mehr. Während der deutschen Besetzung wurde für «Irrenanstalten» der Versorgungsnotstand angeordnet. Eingesperrt, verhungerte die total vernachlässigte Séraphine 1942 im Alter von 78 Jahren.

Séraphine: Blogspotcome

Zurück blieb das grossartige Werk einer armen, ungebildeten Frau, die sich das Malen selbst beigebracht hatte. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Vertretern der naiven Kunst in Frankreich. Man kennt sie vor allem unter dem Künstlernamen Séraphine de Senlis. Ihre unzähligen Naturbilder sind unverkennbar, voller Kraft und farbenstarker Lebendigkeit.

Séraphine: blogspotcome

Sie ruht auf dem Friedhof von Senlis in einem Massengrab. Ja, Ihr habt richtig gelesen: in einem Massengrab. Da die Bestattung eines Menschen auf einem Friedhof mit Kosten und Arbeitsaufwand verbunden war, wurden Verstorbene ohne ausreichende Mittel in Massengräbern beerdigt.

Séraphine: Chen Gai France

Von Séraphines Bildern bin ich begeistert und fasziniert. Ihre traurige Geschichte geht mir nahe. Schaut Euch Farben und Motive an: Sie leuchten beinahe überirdisch.

Liebe Grüsse, Elisa
08.09.2021

Séraphine: by Birdie
Séraphine: Musée-ville-senslis.fr


Séraphine: Pinterest

Der Schlaf des Gerechten

Photo by Adrianna Calvo on Pexels.com

Früher geriet ich beim Anblick eines Hundes, und war er noch so klein, in fürchterliche Panik: Mein Herz begann zu rasen, meine Knie wurden weich, die Hände zitterten, ich konnte kaum mehr atmen. Allzu oft passierte es auf Wanderungen, dass ein Hofhund mir knurrend und bellend entgegenlief, um sein Heim zu verteidigen. Du liebe Güte, als hätte ich es ihm streitig machen wollen!!

Photo by Pixabay on Pexels.com

Natürlich hatte meine übermässige Angst einen Grund. Auf meinem langen Weg zur Schule wurde ich als Kind von einem aggressiven Schäferhund von hinten angefallen, umgeworfen und grausam gebissen. Da sein Besitzer Arzt war, lag es nahe, dass meine Mutter mit mir zu ihm ging. Bevor er meine blutende Wunde versorgte, holte er den Hund. Bäuchlings lag ich auf dem Schragen, als er das Tier ganz nah zu mir hin führte und ihn schalt: «Schau, du Böser, was du angerichtet hast.» Dann schlug er mit einem Lederriemen heftig auf den Kopf des Hundes ein. Die Schläge fand ich schlimm. Doch der verschlagene, hasserfüllte Blick, mit dem das Tier mich bedachte, während es sich unter den Hieben duckte, liess mich erschauern, und ich begann heftig zu zittern. Nicht lange danach musste der Schäferhund auf Grund einer polizeilichen Anordnung getötet werden, weil er weitere Menschen aus dem Nichts angegriffen hatte.

Photo by Lucas Andrade on Pexels.com

Noch immer gehe ich nicht gerne über einsame Gehöfte. Aber nach zahlreichen guten Erlebnissen mit feinen Hunden habe ich begonnen sie zu lieben. Unvergesslich bleibt mir, wie ein grosser Hund mich vor seinem zähnefletschenden «Kollegen» abschirmte und beschützte, so dass ich unversehrt vorbeikam. Ich kann gut verstehen, warum ein Hund zu einem geliebten Familienmitglied wird. Wessen Herz wird nicht weich, wenn ihn treue Hundeaugen ansehen? Wie anrührend ist es doch, wenn ein Hund seinen Menschen stürmisch begrüsst, wenn er jedes Wort von ihm versteht und ganz selbstverständlich gehorcht. Er spürt auch dessen Traurigkeit und leidet mit.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Kürzlich wurden wir Zeuge einer heiteren kleinen Episode:

Foto von Freundin Heidi Wildi

DER MANN und ich sitzen gemütlich beim Kaffee in einem lauschigen Parkcafé und geniessen das warme Wetter. Ich blicke um mich: Büsche, blühende Blumen, uralte, mächtige Bäume – oh, wie wohltuend.

Foto von Freundin Heidi Wildi

Eine Frau kommt auf einem der Wege entlang. Hinter ihr trottet ein grosser Hund. In seinem Maul schleppt er ein dickes Kissen mit sich. Sie nähern sich dem Café, und sie setzt sich denn auch auf eines der Lounge-Canapés. Fürsorglich breitet sie neben sich eine Hundedecke aus. Statt Kaffee bekommt der Hund Fleisch, das er auf dem angrenzenden Rasenstück verzehrt. Ich bin neugierig, gehe zum Tisch der Frau und komme mit ihr ins Gespräch. «Wessen Kissen trägt Ihr Hund mit sich herum? Das ist wohl kaum Ihres?» frage ich und erfahre, dass das kuschelige Stoffding eine Art Plüschtier für den Hund sei. «Er schläft nachts auf dem Kissen, dann ist er zufrieden», erzählt die Besitzerin.

Bevor wir das Café verlassen, sehe ich, dass es sich der Hund inzwischen auf der Hundedecke neben seinem Frauchen gemütlich gemacht hat. Zu unserer Erheiterung schläft er selig – der grosse Kopf ist mitten auf das Kissen gebettet!

Photo by Christian Domingues on Pexels.com

Bin ich froh, dass ich mein eigenes Kopfkissen nicht überall hin mitschleppen muss…

Photo by Engin Akyurt on Pexels.com

Liebe Grüsse, Elisa
01.09.2021

Mutig?

Foto Elisa: Romantisch, nicht?

Kürzlich haben DER MANN und ich etwas (für unser Alter) Mutiges getan: Wir übernachteten im Freien, im Schlosspark eines historischen Hotels! Würden wir der Versuchung, im dazu gehörigen Pavillon in ein «sicheres» Bett zu schlüpfen, widerstehen können?

Foto schlosshuenigen.ch: Ansicht vom Park her
Foto Elisa: Alles bereit fürs Abenteuer

Kaum hatten wir uns im romantischen Himmelbett unter dem Mückenschutz-Netz, auf dem muntere Käfer krabbelten, verkrochen, begann eine Nacht wie noch nie eine zuvor, und an Schlaf war nicht zu denken, obwohl es bereits gegen elf Uhr ging. Mit den verschiedenen Decken und dem überlangen Netz rundum, war bei der flexiblen Boxspring-Matratze an enges Kuscheln nicht zu denken, wir wären vermutlich sogleich gemeinsam vom Bett gerollt. Vier Meter neben uns plätscherte ein kleines Bächlein, auf dem Pfad daneben strebten säumige Paare auf ihrem Abendspaziergang eilig heimwärts. Sahen sie uns?

Photo by Sunsetoned on Pexels.com

Winzig kleine Insekten fanden Gefallen an meiner Nachtcrème und kitzelten mich im Gesicht, denn das Netz liess sich nicht ganz schliessen. Es kreuchte und fleuchte rundherum. Was zwackte hier am Bein, was pikste dort am Fuss? Juckten mich Ameisen? Hoffentlich keine Flöhe! Nachtvögel schrien schrill oder krächzten heiser. Zwischen den Blättern «unseres» Baumes erhaschte mein Blick einzelne Sterne, die von einem klaren Himmel blinkten; eine Sternschnuppe befand sich leider nicht darunter. Von Zeit zu Zeit irrlichterte der Scheinwerfer eines über uns hinweg fliegenden Flugzeugs, in dem ich mich in diesem Moment lieber befunden hätte. Und immer wieder raschelnde Geräusche, die ich nicht einzuordnen vermochte! Hatte es etwa Ratten in der Nähe? Waldgespenster? Einen Fuchs, einen putzigen Waschbären – oder gar einen kräftigen Biber, der den Baum über unseren unschuldigen Häuptern zum Einsturz bringen würde?

Photo by Kat Wood on Pexels.com: Biber
Photo by David Selbert on Pexels.com: Waschbär

Ich horchte und horchte, verscheuchte kleine Plagegeister, bis ich schliesslich eindöste – und wieder erwachte, als DER MANN auf dem Weg zur Toilette auf eine lange, rote Nachtschnecke auf unserem Holzboden trat. Er schimpfte leise, weil er auf dem armen Tier beinahe ausgerutscht wäre. Auf Sensor-Kommando ging auf dem schmalen Balkon unseres Pavillons das Licht an. Jetzt war ich wieder hellwach. So stieg auch ich die kleine Treppe ins Zimmer hinauf. Das weisse Bett leuchtete uns einladend entgegen. Tapfer gingen wir wieder nach draussen. Schliesslich hatten wir dieses Naturerlebnis selber ausgesucht.

Foto DER MANN: Das Innere des Pavillons

DER MANN hatte noch kein Auge zugetan, während ich langsam wegdriftete.

Plötzlich ging ohne unser Zutun das Licht auf dem Balkon an. DER MANN starrte angestrengt ins Dunkel, konnte aber nichts erkennen. War es ein unerwünschter Eindringling? Oder ein huschendes Tier? Nun konnte der Arme definitiv nicht mehr schlafen. Fürsorglich, wie er ist, dachte er wohl, er müsse mich beschützen. Klar, ohne ihn an meiner Seite hätte ich dieses Abenteuer ja auch gar nicht gewagt…

Photo by Frank Cone on Pexels.com

Mein naiv-schwärmerisches Bild von Naturnähe war ins Wanken geraten. Die Natur, überlegte ich, ist absolut souverän. Seit jeher lebt sie unerschütterlich nach ihrem gewohnten Pulsschlag, ob mit oder ohne uns. Hier draussen wollte sie uns keineswegs übel, kümmerte sich aber auch nicht um uns. Wir waren doch die Eindringlinge.

Mit diesen Gedanken liess es sich getrost ein paar Stunden schlummern.

Foto Elisa: Der Balkon des Pavillons

Gegen fünf Uhr morgens weckten mich unbekannte Tierlaute. Ich schaute in die schwache, fast unmerklich beginnende Morgendämmerung, die man mehr ahnen als sehen konnte. Geniesserisch stellte ich mir vor, wie morgens um sieben im Rosengarten des Hotels ein feines Frühstück auf uns wartete – und heisser Kaffee, dies vor allem! Inzwischen war es nämlich kühl geworden, trotz der vielen Decken, die wir um uns gewickelt hatten. Genüsslich sog ich die herrliche, reine Nachtluft in meine Lungen und liess mich treiben, zurück ins Traumland. Gegen halb acht erwachte ich und sah DEN MANN rauchend auf dem Balkon sitzen. Der Gebeutelte hatte überhaupt nicht geschlafen! Immerhin hatte er sich im Zimmer einen kräftigen Nespresso zubereitet.

Foto Elisa: Guten Kaffee hat’s genug!

Nach dem köstlichen Frühstück schlüpfte ich erneut ins Bett, das ich inzwischen am liebsten nicht mehr verlassen hätte. Ich lag bis halb elf faul darin, mitten in der grünen Wiese, und träumte vor mich hin.

Wetten, dass wir in einer zweiten Nacht besser geschlafen hätten? Es muss alles gelernt sein, oder etwa nicht?

DER MANN aber hatte genug. Wahrscheinlich hätte er stattdessen lieber nochmals im Militär campiert…

Foto DER MANN: Ein paar Meter neben unserem Himmelbett
Foto Elisa: Die Welt ist noch in Ordnung!

Schlaft heute Nacht gut und träumt süss.

Liebe Grüsse Elisa
25.08.2021

Rettung

Jungle Animal Sounds: http://www.freeanimalsounds.org

Wie herrlich ist es doch, dass wir uns wieder mit Freunden treffen, Gesellschaft geniessen und unbeschwert lachen können! In froher Runde gut essen! Erst jetzt wird DEM MANN und mir bewusst, wie sehr wir das in den letzten Monaten vermisst haben.

Foto Heidi Wildi: Liebevolles Teilen

Nach der wieder gewonnenen Freiheit schwemmt es nun aber ein anderes, fast noch dringenderes Thema als die Pandemie an die Oberfläche: Unser Klima. Gerade in diesem Sommer, der keiner ist, wird es uns mehr denn je bewusst: Der blaue Planet schreit um Hilfe.

Foto Bernie Ambühl, kurz vor seinem Tod: Wallabi

Machen wir es nicht wie Madame de Pompadour (1721-1764), die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Das Bonmot, das sie hinterliess, gereicht ihr nicht zur Ehre: «Après moi le déluge!» (Nach mir die Sintflut!)

Foto Heidi Wildi: Orang Utan – Was fällt Ihnen ein, Madame?!!

Die grösste Gefahr für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn rettet. (Robert Swan)

Foto Heidi Wildi: Auf der Insel La Réunion

Fahren wir fort mit unseren Bemühungen, intensiver noch, beharrlich, zuversichtlich. Es kann sich nur lohnen!

Regenwald Sound Entspannung, Film von Dr. C. Neumann
Foto Heidi Wildi: Auf der Insel Sumatra

Liebe Grüsse, Elisa
18.8.2021

Schnarchen

Foto Freundin Heidi Wildi: Sonnenuntergang an der Nordsee

Ist es Euch auch schon passiert, dass Euch im Gespräch eine unbedachte, peinliche oder gar verletzende Bemerkung herausgerutscht ist, so dass Ihr Euch am liebsten unsichtbar gemacht hättet? Mein Sohn war ein äusserst redegewandter Mensch. Nicht so ich. Deshalb bin ich eine Anhängerin des geschriebenen Wortes. Da kann ich meine Aussagen besser formulieren und länger überlegen.

Foto Patentochter Sandra Romano: Sonnenuntergang über dem Bodensee

Ein Referat ist eine Art Mittelding. Es bietet beides: schreiben und reden. Einmal, da mussten wir in einem Seminar zum Erlernen erfolgreichen Referierens ganz zu Beginn ein Kurzreferat mit einem frei wählbaren Thema halten, für dessen Vorbereitung wir Teilnehmenden nur 10 Minuten (!) Zeit bekamen. Wahrscheinlich war ich frühmorgens noch etwas schläfrig, denn der Inhalt meines Referats drehte sich um schnarchende Ehemänner – das, obwohl DER MANN ein ganz ruhiger Schläfer ist. (Ich bin ein richtiger Glückspilz!) Aber hört zu:

Photo by Pixabay on Pexels.com

„Lachen Sie, und die Welt lacht mit Ihnen – schnarchen Sie, und Sie schlafen allein.“ Der dies gesagt hat, war der bekannte irische Komiker Dave Allan. Nun weiss ich nicht, ob er geschieden oder (noch) verheiratet war, aber ganz bestimmt sprach er aus Erfahrung.

Liebe Ladies, habt Ihr auch schon stundenlang schlaflos neben Eurem schnarchenden Ehemann gelegen und ihn ins Pfefferland gewünscht? Da muss man sich schon die Frage stellen: ‚Schadet Schnarchen der Ehe? ’ Meine These dazu lautet: ‚Nein, im Gegenteil, es tut der Ehe gut’.

Wie komme ich zu einer solch kühnen Behauptung? Wir alle kennen Paare, die wegen der schnarchenden (meist männlichen) Ehehälfte arg zerstritten sind. Das Problem kann sofort wesentlich entschärft werden, wenn sich die Ehefrau von den positiven Auswirkungen überzeugen lässt, die Schnarchen auf ihre Ehe hat.  

Foto Timmy Fryar: Geisterstunde

Ich nenne hier drei der wichtigsten Punkte:

  • Schnarchen macht die Ehe zu einem Abenteuer, denn die Nächte bleiben spannend. SIE fragt sich nämlich ständig: Hört ER endlich auf zu schnarchen – oder schnarcht ER weiter?
  • Schnarchen fördert die Treue. Man stelle sich die ernüchterte Geliebte vor, wenn der feurige Liebhaber nach dem Schäferstündchen erschöpft einschläft und – plötzlich laut zu schnarchen beginnt! Das erträgt nur eine liebende Ehefrau.
  • Schnarchen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl! Denn die Ehefrau weiss stets, wo ER ist!

Darum, liebe Männer, schnarcht ruhig weiter!

Photo by Kampus Production on Pexels.com

Soweit mein Referat, das natürlich alles andere als ernst gemeint war. Die Lacher hatte ich auf meiner Seite, die Ärzte bestimmt nicht. Denn Schnarcher (ob Mann oder Frau) leiden meist an einer Schlaf-Apnoe, die nicht nur ein lästiges Übel, sondern ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem anzeigt. Bei Schnarch-Beschwerden also bitte raschestmöglich einen Arzt aufsuchen und die Schlafstörung untersuchen lassen!

Ich wünsche Euch eine ungestörte Nachtruhe.

Liebe Grüsse, Elisa
04.08.2021

Foto Patentochter Sandra Romano: Schwan im Bodensee

Die Verwandlung

Photo: Freundin Heidi Wildi

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.
(Hermann Hesse)

Foto von Patentochter Sandra Romano
Foto Heidi Wildi

Liebt Ihr Schmetterlinge? Mich entzücken diese überaus zarten Insekten mit ihren kunstvollen Mustern und intensiven Farben, die uns so anmutig umflattern! Sie erinnern an Freiheit und Kreativität, an Leichtigkeit, Neubeginn und Freude. Sie leben nur für den Moment, tanzen durch den Sommer, flügeln von Blume zu Blume, wie wenn es nichts Schöneres gäbe.

Foto Heidi Wildi

In der Antike wurde der Schmetterling, nach langer äusserer Ruhe und durch das Verpuppen und Schlüpfen aus dem anscheinend leblosen Kokon, zum Sinnbild für Wiedergeburt, Auferstehung ja gar Unsterblichkeit. In der griechischen und römischen Mythologie erscheint die Seele oft mit Schmetterlingsflügeln. Vom Tod erlöst, kann sie sich von ihrer Hülle entfernen und frei in die Höhe erheben.

Selbst in christlichen Ländern wie der Schweiz stehen Puppe und Schmetterling für die Auferstehung. Und so findet man ihn auf zahlreichen Grabsteinen oder als Grabschmuck. Vielleicht habt Ihr diesen Gedanken in Todesanzeigen auch schon gelesen? «Es ist das Ende, sagte die Raupe. Es ist erst der Anfang, sagte der Schmetterling.»

Foto Heidi Wildi

Das Erstaunlichste ist tatsächlich die Morphose, die Schmetterlinge während ihres Lebens erfahren. Die Veränderung ihrer Gestalt ist gewiss ungewöhnlich: Aus den Eiern werden Raupen, die nicht fliegen können, sich aber durch Formveränderung fortbewegen und viel, viel fressen, damit sie rasch wachsen. Dabei häuten sie sich mehrfach, um grösser zu werden. Ist das Raupenstadium abgeschlossen, werden sie unter Bildung einer festeren Hülle zur Puppe. Äusserlich scheinen sie monatelang in einem Ruhezustand, doch innerhalb der Puppe pulst Leben, sie verändern sich enorm. Sie bilden Flügel aus und wandeln sich zum sogenannten Falter.

Foto Heidi Wildi: Die „dicke Banane“

Die Falter nehmen durch den Saugrüssel Nahrung auf. Sind sie gesättigt, rollen sie ihn zu einer kleinen Spirale auf. Zwei Dinge habe ich mit ihnen gemeinsam: meinen Übernamen «Sommervögeli» und die Vorliebe für Süsses.

Foto Heidi Wildi

«Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.» (Hans Christian Andersen)

Wart Ihr schon einmal in einem Papiliorama? In unserem Nachbarkanton Freiburg ist das ein ausgedehnter Tropengarten, der besonders für die Haltung von Schmetterlingen berühmt ist. Gleichzeitig gibt es auch eine Vielzahl von nachtaktiven Tieren und farbigen Vögeln zu entdecken. In der tropischen Landschaft, die schon beim Eintreten wohlige Erinnerungen bei mir wachruft, bilden Orchideen, Fächerpalmen, Feigenbäume, Muskatnüsse – kurz, etwa 120 Pflanzenarten – eine wunderbare Einheit mit der Fauna.

Foto Heidi Wildi

Kürzlich besuchte ich das Papiliorama mit Freundin Heidi. Kaum hatten wir den schwül-warmen Ort betreten, machte mein Herz einen Freudensprung. Es wimmelte von Schmetterlingen, die uns umgaukelten. Gemäss der Broschüre waren es über 1000! Die einen flogen hoch hinaus, andere flatterten knapp über unsere Köpfe oder setzten sich auf nahe Pflanzen; wieder andere naschten an den Futterschalen auf unserer Augenhöhe, ohne sich stören zu lassen. Es war ein farbenfrohes, tief entspannendes Schauspiel, die bunt-schimmernden Wesen erschienen mir wie fröhliche Boten aus einer anderen Welt. Freundin Heidi, eine passionierte Natur- und Tierfreundin, war begeistert, dass sich so viele bestens fotografieren liessen. Die Fotos in diesem Beitrag stammen von ihr.

Foto Heidi Wildi

Völlig unerwartet setzte sich ein grosser Schmetterling auf meine Schulter. Die leuchtend blaue Farbe war mir bereits beim Betreten der Halle an den besonders hoch fliegenden Exemplaren aufgefallen. Ich erlebte wahrhaftig «ein blaues Wunder»! Darob geriet ich ganz aus dem Häuschen. Heidi reagierte rasch mit der Kamera. Auch fremde Leute wollten ein Foto. Ich ging vorsichtig weiter, und der blaue Morphofalter begleitete mich eine ganze Weile.

Foto Heidi Wildi: Blauer Morphofalter
oder Himmelsfalter aus der Familie der Edelfalter

«Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihn, und er entflieht dir. Halte still, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.» (Unbekannt)

Foto Heidi Wildi

Wie freuten wir uns, als Heidi ebenfalls beglückt wurde – von einem wunderbar gezeichneten, braunen Schmetterling! Doch nur einen Moment lang. Denn ein Mann «stahl» ihn kurzerhand von ihrer Schulter, um ihn auf dem Arm seines kleinen Jungen zu platzieren – ohne Bitte um Erlaubnis, ohne Erklärung – und weg war er. Wie ein dreister Raubvogel! Wir schauten verblüfft wie diese Schildkröte…

Foto Heidi Wildi
Foto Heidi Wildi

Ich wünsche Euch viel Freude an Schmetterlingen und, auch im Alltag, zahlreiche Glücksmomente, die Euch immer wieder zufliegen.

Elisa
28.07.2021

Foto Heidi Wildi