Hundeleben

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Kürzlich fiel mir ein alter, gebeugt gehender Mann auf. Er schlurfte zur Bushaltestelle und setzte sich auf die Wartebank. An der Leine führte er einen kleinen Hund, augenscheinlich ein Mischling, Typ Rehpinscher. Der mürrisch dreinblickende Mann trug keine Maske, obwohl dies momentan an den Haltestellen verlangt wird – doch das freundlich wedelnde Hündchen hatte einen Drahtmaulkorb an! Dieser wollte so gar nicht zu seiner schmalen Schnauze und seinem treuherzigen Blick passen.

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Ist da jemand, ungerechterweise, «auf den Hund gekommen»?

Euch, liebe Blog-Freunde, und mir selbst wünsche ich, dass wir in dieser anspruchsvollen Zeit zur Ruhe kommen. Alles Liebe, Elisa

Foto Elisa: geweihte Kerze für Bernie

Immer und ewig

Foto Fabienne: Bernie , bereit und hochmotiviert an einer der geliebten Messen

Vorgestern Montag, 23. November 2020, war es 6 Monate her, seit Sohn Bernie mitten aus seiner intensiven Lebendigkeit heraus und von unserer Seite gerissen wurde. Wir vermissen ihn und seine lustigen Einfälle mehr denn je!

Einen Tag zuvor, am 22. November, war bei uns Reformierten der Ewigkeitssonntag. Zusammen mit den anderen Menschen der Gemeinde, die im 2020 einen lieben Menschen verloren hatten, wurden wir zur Gedenkfeier eingeladen. Es gab, Corona bedingt, fünf Gottesdienste an diesem Tag. Man musste sich anmelden.

Foto Elisa: Ewigkeitssonntag

Wir besuchten den letzten um 16 Uhr. Er stand unter dem Motto: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens. (Jeremia 29,11)

Nach der Besinnung wurde der Name des/der Verstorbenen abwechselnd vom einen Pfarrer aufgerufen mit den Worten: «Geborgen in Gott, bleibende Erinnerung in unseren Herzen.» Gleichzeitig entzündete der andere Pfarrer an der Osterkerze die entsprechende Kerze, die wir nachher mitnehmen durften.

Auf dem Friedhof, bei den vielen brennenden Kerzen auf den Gräbern, fand die friedliche Stimmung ihre Fortsetzung.

Foto Elisa: Auf dem Friedhof am Ewigkeitssonntag

Trostgedicht von Hilda Domin (1909-2006)
Die schwersten
Wege werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.

Stehenbleiben und sich umdrehen
hilft nicht. Es muß
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne tritts
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt
und in deinem Haus
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen –
und du ihre Stimme wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

Wunderbar tröstlich, dieser Ausdruck „die unverlierbaren Toten“. Der Pfarrer ergänzte: Um diese Liebsten müssen wir uns fortan weder ängstigen noch sorgen.

Das feine lyrische Gedicht der Jüdin Hilde Domin und das Zitat aus Jeremia 29,11 können wir als Trost in unser aller Herz hereinnehmen – ist doch dieses Jahr ein schwieriges für beinahe jedes von uns. Weihnachten – so sehr ein Fest für grosse, fröhliche Familientreffen – wird mit Sicherheit einsamer sein als in den Jahren zuvor.

Die Liebe aber hallt in uns wider – als Echo im Herzen. Diese Stimme, gespeist von göttlicher Quelle, besteht nicht nur aus unseren eigenen, zartesten Empfindungen, zu ihr gesellt sich nun auch die Stimme der «unverlierbaren Toten». Die Liebe ist in der Tat unverlierbar, selbst den Schmerz durchdringt sie. In stillen Träumen und schönen Erinnerungen an Verstorbene und Abwesende leuchtet sie hell auf. Das ist wahrhaftig gebündelte Hoffnung.

Horchen wir also auf diese Stimme ganz nah bei unseren Herzen! Sie ist es doch, die uns durchs Leben und durch den Tod trägt.

Elisa, 25.11.2020

Foto Elisa: am Thunersee mit „Niesen“

Nostalgisches aus Cornwall

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Das British Museum und das Victoria & Albert Museum in London bergen einzigartige Kunstschätze mit starker, internationaler Strahlkraft. Doch von diesen soll hier nicht die Rede sein, sondern von meiner nostalgischen Sicht auf kleinere, eher unbekannte Museen.

Photo Jamaica Inn: Das alte Wirtshausschild

Seit beinahe drei Wochen herrscht trübes Wetter, als DER MANN und ich Cornwall besuchen – so richtig passend fürs Bodmin Moor, über das in mondlosen Nächten unheilschwangere Nebel streichen. Rasch durchqueren wir mit dem Auto das einsame, windgepeitschte Moor. Kein Wunder, gehört es zu den unheimlichen Schauplätzen Cornwalls! An seinem Rande steht der Jaimaica Inn, ein durch Mord und Totschlag in Daphne du Maurier’s gleichnamigem Roman in Verruf geratener Gasthof. Ein düsterer Ort – einst Treffpunkt von allerlei Gesindel wie Schmugglern, Dieben und Mördern – heute von Touristen heimgesucht. An den morschen Balken ist flächendeckend Geld aufgeklebt. Daphne du Maurier erkor Cornwall zu ihrer Wahlheimat und war bis zu ihrem Tod 1989 oft zu Gast im Jamaica Inn, den sie in einem packenden Roman gleichen Namens verewigt hat. Uns fehlt jedoch die Lust, um unter diesen dunklen, bedeutungsschwangeren Balken Lunch zu essen.

Photo Jamaica Inn: Hof und Pub

Das dem Gasthof angeschlossene Museum von Mr. Potter wurde 1861 gegründet und, wie könnte es in Grossbritannien anders sein, enthält ein schier unglaubliches Sammelsurium an abenteuerlichem Krimskrams, der auf eine morbide Art fasziniert. Wunderliche Gegenstände und vergilbte Fotos, die von längst verblassten Sitten aus fernen Ländern zeugen, liegen neben kuriosem Tand. Man entdeckt vorsintflutliche elektrische Apparate und verschrobene Reiseandenken aus den entlegensten Teilen der Erde, so einen echten menschlichen Skalp, ein altes, blutverkrustetes Schwert aus Borneo oder eine Menschenfresser-Gabel aus Neu Guinea. Mr Potter’s Spezialität waren Tierpräparate, vom imposanten Löwen bis zur winzigen Maus. DER MANN schaut sich das nicht gerade begeistert an…

Inzwischen sind die Gegenstände versteigert worden. An ihrer Stelle gibt es jetzt ein Schmugglermuseum, und der Inn bietet Übernachtungen im romantischen Himmelbett (mit Gespenst?) an.  

Photo Jaimaica Inn: Wandbild im Pub, Spukender Schmuggler

Natürlich kann man selbst in Cornwall ganz normale Museen besuchen. Mit der 150jährigen Looe-Valley-Bahn tuckern wir an einem der nächsten Tage durch eine unberührte Landschaft, die uns durch Wälder, über einen Damm und zwischen zwei Seen hindurch bis ans Meer bringt. Kurz nach Beginn der Fahrt hält der kleine Zug, und wegen des Gefälles steigen Kondukteur und Lokführer aus, stellen von Hand die Weiche, steigen am andern Ende des Zuges wieder ein und meistern so elegant die scharfe Kurve.

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Im kleinen Weiler von St. Keyne, der aus etwa vier Häusern besteht, unterbrechen wir unsere Fahrt für 1 ½ Stunden und lassen uns von Paul Corin in seinem Musikautomaten-Museum in andere Sphären entrücken. Zwar riecht es im alten Gebäude muffig. Die Mauern bröckeln und sind in den Ecken von Schimmel befallen. Doch Pauls humorvolle Geschichten, mehr noch das lange, nostalgische Konzert auf seinen 100jährigen mechanischen Kirchen- und Jahrmarkt-Orgeln, den elektrischen Pianos und Wurlitzern, halten DEN MANN und mich gefangen. In dieser zauberhaften Welt steht die Zeit still. Fast können wir uns nicht losreißen – wäre da bloß nicht der wartende Zug.

Leider ist das Museum inzwischen geschlossen.   

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Ich muss gestehen, nicht immer lohnt sich ein Museumsbesuch. In einem malerischen Küstenort hat’s ein Witchcraft-Museum. Beim Eingang steht ein Schirmständer für Hexenbesen, was DER MANN und ich noch witzig finden, doch schon bald wird uns in der düsteren Sammlung unheiliger Hexenkunst mulmig zumute. In der Tat merken wir enttäuscht, dass es hier nicht, wie erwartet, um eine schräge und etwas schrille Ausstellung geht. Der verstorbene Museumsgründer war vielmehr stolz darauf gewesen, ein schwarzer Magier zu sein. Zauberlitaneien und magische Anleitungen zu dunklen Untaten lassen uns das Blut in den Adern gefrieren. Beim Anblick durchstochener Voodoo-Puppen, vertrockneter menschlicher Hände, toter Kröten und anderer abscheulicher Gegenstände regt sich tiefe Abscheu. Was für ein unflätiger Ort! DER MANN und ich brechen den Rundgang schleunigst ab, verfolgt von höhnischem Hexengelächter ab Band und den argwöhnischen Blicken der merkwürdigen Frau an der Kasse. Würde mich wundern, wenn das Museum noch existierte…

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Reizvoll hingegen ist, dass in Cornwall noch immer Legenden um König Artus und seine Ritter, das versunkene Avalon und den Zauberer Merlin gewoben werden. Auf Grund der Erzählungen über Sagengestalten taucht man kopfüber ins europäische Mittelalter ein, das hier nach wie vor lebendig zu sein scheint. Auf Schritt und Tritt entdeckt man vermeintliche Spuren. Entsprechende Museen, Ausstellungen und Burgruinen regen die Fantasie mächtig an.

Photo pinterest:
Burgruine Tintagel, wo der Legende nach König Artus geboren wurde

In Wäldchen versteckt gibt’s unzählige ‚Wunschbrunnen’, um die es des Nachts spuken und irrlichtern soll. Allein schon die Lage dieser Brunnen in Grotten oder feuchtem, dunklem Unterholz sorgt für eine gruselige Stimmung. Ich würde mich hüten, dort etwas zu wünschen. Obwohl sonst allem Englischen zugetan, habe ich nicht den Wunsch, in dieser huschenden und raunenden Spukwelt heimisch zu werden.

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Nicht einmal Sir Simon, dem harmlosen Gespenst aus Oscar Wilde’s Erzählung «The Canterville Ghost», möchte ich nachts auf dem Flur begegnen!

Elisa, 18.11.2020

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Kleine Freude

Machen Euch die folgenden Bilder auch froh? Es ist erstaunlich, wie viele Wiesenblumen man Mitte November noch finden kann, wenn man die Augen offen hält! Ich habe sie heute offen gehalten. Der Herbst ist keineswegs grau…

Fotos Elisa, 15. November 2020

Foto und Katze: Sandra Vincenzo, eine meiner Patentöchter

Bleibt gesund in diesem farbenfrohen Herbst. Liebe Grüsse, Elisa, 15.11.2020

Geisterstunde

Geht Ihr nachts über einen Friedhof, spaziert durch dunkle Gässlein oder besucht im Nebel einen einsamen Park? Ich sicher nicht! Ich beschleunige den Schritt, sobald es dunkel wird. Wovor ich mich fürchte? Weniger vor Spukgestalten als vor Menschen aus Fleisch und Blut. Man weiss ja nie…

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Liebt Ihr das Gruseln? Im nebelverhangenen November gedenken wir unserer Verstorbenen auf besondere Weise. DER MANN und ich finden die zahlreichen brennenden Kerzen auf den Friedhofgräbern beim Einnachten zauberhaft. Vielerorts herrscht auch der Brauch, im kleinen Kreis um ein knisterndes Kaminfeuer zu sitzen und einander Gespenstergeschichten zu erzählen.

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Wie kommt es aber, dass gerade die Briten mit Gespenstern «auf Du und Du» sind? Es ist gewiss kein Geheimnis, dass Engländer Übersinnliches geradezu hätscheln, und dass in ihren Schlössern die Gespenster ein- und ausgehen. Aus dem Magazin des «British Shop» erfahre ich die mutmasslichen Gründe:

Es gibt auf den britischen Inseln unzählige uralte Häuser, Schlösser und Burgruinen, wie geschaffen für umherirrende lichtscheue Gestalten. Dazu neblige Landschaften, insbesondere die düsteren Moore. Glaube und Aberglaube verschiedener Völker haben sich über die Jahrhunderte vermischt, so dass sich neben spukenden Kelten oder einem axtschwingenden Wikinger vielleicht ein normannisches Burgfräulein um einen kreischenden Schädel oder einen kopflosen Römer in Sandalen kümmert, während sich ein einäugiger Pirat feige von dannen schleicht.

Photo: Elisa, beim Eingang von Schloss Wartensee

Kein historisches Gebäude ohne Hausgespenst! In Schloss Windsor soll es gar 25 sogenannte Untote geben. Bestimmt zollen sie der Königin den nötigen Respekt – sozusagen im Austausch zur Gratis-Beherbergung … Ist ein Hotel oder Pub «haunted», d.h. heimgesucht, wird das nicht etwa schamhaft verschwiegen – im Gegenteil, es ist beste Werbung, selbst wenn die Geisterwesen nachts unsanft ihr gruseliges Unwesen treiben! Briten lieben ihre Gespenster! Was aufgeklärte Menschen und die Wissenschaft als Aberglaube und Sinnestäuschung abtun, hat auf den britischen Inseln eine Vielzahl von begeisterten Anhängern.

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Der US-amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe (1809–1849) prägte die zu seiner Zeit eher neuen Genres der Kriminal-, der Horror- und der Schauerliteratur. Er war ein Virtuose des Grauens. Kennt Ihr seine Kurzgeschichte «Der Untergang des Hauses Usher?» Darin zieht er alle Register des Grauens mit den passenden Ingredienzien: Ein einsames, heruntergekommenes Haus, an einem unheilschwangeren Tümpel gelegen, eine von Blitz und Donner zerrissene Sturmnacht… Kein Wunder, druckte und las man in England seine Geschichten. Doch ein Honorar bekam Edgar Allan Poe von dort nie…

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Selbst in Bern haben wir ein Gespensterhaus. Es ist seit Jahren unbewohnt. Laut Touristenwerbung können Unerschrockene abends einen «gruseligen Streifzug durch Berns Schattenwelten und Geistergeschichten» machen. Die Führung startet beim Einnachten. Hier der Originalton von Bern Tourismus:

Unterwegs werden Spuk-Orte der Altstadt besucht, denen Begegnungen mit Teufeln, Gefangenen, Mörderinnen und unerlösten Seelen nachgesagt wird. Der Weg führt vorbei an Plätzen furchtbarer Verbrechen: Ecken und Gässchen sind stumme Zeugen scheusslicher Vorfälle und unheimlicher Legenden. Der Rundgang verbindet auf gekonnte Weise Sagen und Schauergeschichten mit historischen Geschehnissen.

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Ich selbst glaube nicht an Gespenster. Paradoxerweise fühle ich mich trotzdem zu unerklärlichen Phänomenen hingezogen und mag es, wenn mir gelegentlich eine Gänsehaut über den Rücken jagt – natürlich nur, wenn ich nicht allein bin. Es war ein eiskalter, finsterer Dezember-Abend, als wir vor mehreren Jahren von unserer grosszügigen Chefin zu einem Stadtrundgang «Gespenstisches Bern» eingeladen wurden. Es gelang dem grossartigen Stadtführer sogar, uns in dunklen Ecken und auf steilen Treppen unerwartet zu erschrecken. Inzwischen ist er gestorben. Die Führungen gibt’s aber immer noch. Ob er dabei Pate steht?  

Wieder Bern Tourismus: Als Grundlagen für den Rundgang dienen Überlieferungen und Aufzeichnungen dreierlei Autoren, die durch Berns schaurige Kapitel führen. Da ist die Geschichte des skrupellosen Metzgerburschen, der in der Gestalt eines Kalbes für seine grausamen Taten sühnt (ein sprichwörtlich dummes Kalb). Bei der Junkerngasse 54 ist die Rede von düstern Mythen rund um das verlassene Geisterhaus, welches seit dem Tod zweier Liebender nicht mehr bewohnt werden kann (wozu brauchen die beiden so viel Platz?)

Ein paar Gassen weiter, so erzählte uns der Stadtführer, wohnte ein Henker, der seine eigene Tochter köpfte – nicht aus einem ehrenhaften Grund heraus, sonst würde sie nicht herumspuken…

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Zahlreiche Gruselgeschichten kamen ans Licht und liessen uns die Haare zu Berge stehen. Das Gruseln dauerte ganze 90 Minuten!

Ich konnte in dieser Nacht kaum schlafen, obwohl ich vorher natürlich unters Bett geguckt hatte. «Typisch Frau, total unlogisch», werdet Ihr Männer denken, «Gespenster können doch mühelos durch jede Wand schlüpfen. Die verstecken sich wohl kaum unter Betten.»

Liebe Ladies, schaut heute Nacht trotzdem unters Bett!

11.11.2020, Elisa

Photo: Geisterufo2

Schmerz

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Schmerz
Wartend sass ich im Korridor des Spitals. Da taumelte ein kleiner älterer Mann an mir vorbei, sank auf eine Liege ohne Decken und krümmte sich dort zusammen. Dann brach er in herzzerreissendes Schluchzen aus, unterbrochen von lauten Schreien. Ich ging zu ihm hin und fragte: «Kann ich Ihnen helfen? Haben Sie Schmerzen?» Es kam keine Antwort. Er verstand mich offenbar nicht und weinte weiter. Da niemand sonst da war, suchte ich nach einer Pflegefachfrau und bat sie, dem verzweifelten Mann, der augenscheinlich unter entsetzlichen Qualen leide, zu helfen. Lächelnd entgegnete sie: «Er hat gar keine Schmerzen. Er erholt sich nur vom Schrecken, in den ihn eine MRI-Untersuchung versetzt hat. Es war das erste Mal für ihn.»

Es gibt eben Leute, die empfindlicher sind als der Durchschnitt. Ausserdem erleben nicht alle Menschen Schmerz oder Angst gleich heftig, ebenso wie Gefühle der Freude und des Glücks nicht bei allen identisch sind. So wird die Pandemie ebenfalls seelisch von den einen weniger schlimm empfunden als von den anderen. Wahr aber ist auch, dass es Bevölkerungskreise gibt, die schwer betroffen sind, sei es durch den Tod und die Krankheit selbst, sei es dadurch, dass ihre Existenz auf dem Spiel steht. Wer nicht «nur» am Entzug von mitmenschlicher Nähe leidet, sondern auch finanzielle Einbussen oder sonstige Unbill erleidet, der hat natürlich auch mehr Grund zur Klage.

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Als Rentner müssen DER MANN und ich wegen Corona glücklicherweise nicht mit wirtschaftlichen Nachteilen rechnen. Dennoch beginnt selbst unser Optimismus zeitweise zu bröckeln. Die Pandemie dauert schon zu lange. Die Angst verbreitet sich. In ganz Europa leiden die Menschen, unser Alltag scheint nur noch auf das eine Thema fokussiert zu sein. Ein beträchtlicher Teil unserer Unbeschwertheit ist verlorengegangen.

Je länger die Krise anhält, umso anspruchsvoller wird es, nicht den Mut zu verlieren. Sooft sind wir schon vertröstet worden… Es braucht Kraft, sich gegen Entmutigung zu stemmen. Immerhin weiss ich, was für mich von entscheidender Bedeutung ist: Ich lasse das Negative, wenn immer möglich, in Seele und Geist nicht anschwellen, versuche im Gegenteil, das Gute stärker zu gewichten, mein Herz mit dem Schönen zu füllen, das ich habe und erlebe – und es ist erstaunlich viel! Die Engländer nennen dies: Count your blessings / Zähle Deine Segnungen. Hat nicht der Reformator Martin Luther ebenfalls etwas sehr Kluges gesagt? Man kann sich nicht wehren, daß einem die Vögel über den Kopf herfliegen, aber wohl, daß sie auf dem Kopfe nisten. Das Gleiche gilt für schwarze Gedanken. Lasst sie ziehen, und nicht «einwurzeln»! Es bleibt uns überall noch eine Freude!

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Unsere Pfarrerin hat am Reformationssonntag vom 1. November in ihrer Kurzpredigt unter anderem von den vier «V’s» gesprochen, die ihr einst als Rat für eine gelingende Ehe mitgegeben wurden, die aber ebenso gut zur jetzigen Situation passen:

v-erstehen, v-ertrauen, v-erzichten, v-ergeben

Probieren wir es aus: So schwer kann es eigentlich nicht sein!

Viel Zuversicht und Vertrauen wünscht Euch Elisa

4.11.2020

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Danke

Photo Elisa: Waldspaziergang

Liebe Blog-Freunde,

Unser Kantonsarztamt ist in diesen schwierigen Pandemie-Tagen völlig überlastet! Nach diversen widersprüchlichen Infos betreffend „Kontakt mit infizierter Person“ haben wir uns entschieden, der neuesten Auskunft zu vertrauen: Wir können die Quarantäne abbrechen! Ich trug zum Glück einen Schutzanzug samt Brille. Ausserdem könne das Virus nicht über streichelnde Hände übertragen werden. Jedenfalls geht es uns nach wie vor gut. Herzlichen Dank für Euer Mitgefühl und Euer Daumendrücken. Es hilft bestimmt!

Photo Elisa: Waldspaziergang

Inzwischen ist Freundin Marianne bereits kremiert und wir sind auf dem Weg zum „geheimen Blumengarten“ der Erinnerungen. In den vergangenen Monaten haben wir die betagte Freundin immer wieder verletzt angetroffen, weil sie regelmässig mit dem Rollator stürzte. Doch ob sie eine genähte Kopfwunde, ein blaues Auge oder eine eingegipste Hand hatte, immer antwortete sie: „Mir geht es gut.“ Das letzte Mal, als wir mit ihr Kaffee tranken, fragte DER MANN: „Sonst bist du gesund?“ Die Antwort kam prompt: „Und wie geht’s dem Hund?“ DER MANN schaute fragend und sagte: „Ich habe doch gar keinen Hund. Ich will wissen, ob du gesund bist.“ Sie schwieg. Doch sekundenlang huschte ein belustigtes Lächeln über ihr Gesicht, weil sie ihn „erwischt“ hatte.

Dieser unverwüstliche Humor, gepaart mit Mariannes Ideenreichtum, wird besonders stark in unserer Erinnerung bleiben.

31.20.2010, Elisa

Photo Elisa:
Trinkt oh Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt (Gottfried Keller)
Photo Elisa:
Auch wenn Fliegenpilze giftig sind: Sie leuchten wunderschön

Nachruf

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RUHE IN FRIEDEN, liebste Marianne, ich danke Dir.

Heute Nachmittag hast Du Dich auf die Reise gemacht, zu der ich Dir gestern alles Gute gewünscht habe. In diesem Jahr bist Du nun der sechste geliebte Mensch, von dem ich Abschied nehmen muss.

Ja, ich habe Dich sehr geliebt. In ein paar Wochen wärest du 99 geworden! Wie eine Mutter warst Du zu mir. Mit Deiner Klugheit und Deiner Lebenslust hast Du mein Leben enorm bereichert – Kindergärtnerin, Montessori- und Orff-Musik-Lehrerin, Graphologin, Psychologin und Englisch-Dozentin – dank Deiner vielseitigen Ausbildung, Deinem Kunstsinn und Deiner Lebenserfahrung konnte ich viel von Dir lernen. Ich sehe Dich noch, wie Du strahlend getanzt und gesungen hast. Immer hattest Du ein Lachen auf den Lippen, einen Scherz auf der Zunge, den Schalk in den blitzenden Augen, obwohl Dein Leben alles andere als leicht war. Ich erinnere mich an unsere unterhaltsamen Wanderungen, wo Du bereits im Zug das ganze Abteil unterhieltest und ich mir den Bauch vor Lachen halten musste über Deinen Mutterwitz, der jede Situation in Komik und spontane Fröhlichkeit zu verwandeln wusste. Bis zum 80. Lebensjahr bist Du um die ganze Welt gereist. Spiritualität hat Dich von Kindsbeinen an interessiert und Dein Leben lang begleitet.

In den frühen 80er Jahren lernten wir uns an einem Kongress für Englisch-Lehrer/innen kennen, als wir beide unterwegs von einem Workshop zum andern waren. Nach meiner Scheidung war ich gerade in einer schwierigen Lage und litt unter grossen Ängsten. Nur einen kurzen Blick hattest Du auf meine Englisch-Notizen geworfen und mich dann gefragt, warum ich in meinem Leben so viel Angst hätte, wo ich doch sonst bereits eine reife Persönlichkeit sei. Mir blieb der Mund offen! Beim späteren Apéro haben wir wieder zusammengefunden und uns sofort bestens verstanden. In Deiner Gegenwart dauerte es nicht lange, bis man in Dein herzliches Lachen einstimmen konnte, das so befreiend wirkte.

Viel haben wir in den beinahe 40 Jahren zusammen erlebt – doch unsere Freundschaft festigte sich noch in den letzten Jahren Deiner zunehmenden Demenz. Ich fand es bewundernswert, wie Du stets eine höfliche Haltung bewahrtest, Dein Essen und Deinen Kaffee immer sorgfältig und langsam zu Dir nahmst, nie zu danken vergassest für einen Besuch. Selbst der Schalk blitzte dann und wann wieder auf. Unvergesslich!

Ich bin froh, dass ich gestern noch von Dir Abschied nehmen durfte und Dir danken konnte – auch wenn DER MANN und ich nun 10 Tage in Quarantäne bleiben müssen.

Photo Elisa: Marianne

Drückt Ihr uns die Daumen?? Dankeschön!

28.10.2020, Elisa

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Wikipedia:
Auguste Renoir, franz. Maler (1841-1919): Bootspartie

Wer mich kennt, weiss, wie gerne ich Museumsräume durchstöbere. «Wer zweimal im Jahr in ein Museum geht, lebt länger», hat eine britische Studie kürzlich herausgefunden. Ob’s stimmt, weiss ich nicht. Spass macht es so oder so!

Dabei entdeckt man des Öfteren auch Heiteres, nicht nur in den Ausstellungen selbst. Ich bin immer wieder entzückt, wenn es sich bestätigt, dass das Leben neben traurigen auch eine Vielzahl schöner Augenblicke und bisweilen komischer Momente bietet. So auch an diesem Tag, an dem beides zusammenfiel – der Museumsbesuch und das Lachen. Die anvisierte hochrangige Kunstausstellung, die mit berühmten Bildern aufwartet, befindet sich in einer Villa am Rand einer schweizerischen Stadt.  

Photo by Pixabay on Pexels.com:
Regieren im antiken Griechenland: Besser als heute?

Um dahin zu gelangen, habe ich am Bahnhof den entsprechenden Mini-Bus bestiegen. Wir sind zu siebt, so dass kein freier Platz mehr übrig ist. Ich sitze neben dem Fahrer, dessen leicht gebrochenes Deutsch den Ausländer verrät. Als wir uns der nächsten Haltestelle nähern, warten zwei Frauen, eine dritte sitzt im Rollstuhl beim Bushäuschen. Da ruft der Chauffeur durchs offene Fenster: „Ich kann nicht mehr! Ich bin voll!“ Ich lache los – und kaum habe ich mich erholt, sagt er zu mir: „Die Frau im Rollstuhl will wahrscheinlich sowieso nicht mitfahren. Die ist nämlich jeden Tag um diese Zeit an der Haltestelle“. Wieder pruste ich los. Dabei ist die Situation für die arme Frau bestimmt alles andere als lustig.

Hoffen wir, der «volle» Chauffeur fährt demnächst einmal halbvoll vorbei und hält an, damit die Dame im Rollstuhl die fabelhafte Ausstellung ebenfalls geniessen kann.

Dabei ging’s ihr noch besser als den Damen im späten 17. und 18. Jahrhundert, d.h. zwischen 1840 und 1910, und in den 1940er- und 1950er-Jahren, als die Wespentaille als Schönheitsideal galt, was fast ebensolche körperlichen Schäden hervorbrachte wie die in China abgebundenen Füsse von Mädchen. In einem idyllisch gelegenen, von prächtigen Parkanlagen umgebenen englischen Landhaus gab’s temporär eine witzige Ausstellung über Unterwäsche und Kostüme aus den vergangenen vier Jahrhunderten. Bin ich froh, dass die Wespentaille heute kein Mode-Trend mehr ist! Als ich ein Teenager war, erzählte unser Literaturlehrer einmal von seiner Tante und dem Schnüren ihres Korsetts, ein Anblick, der ihn, als er ein kleiner Junge war, total verstörte. Die Tante stand am Bettende, umklammerte die zwei Bettpfosten mit beiden Händen, zog tief die Luft ein, während das Dienstmädchen an den Schnüren zog, zog und zog, als wollte es die Herrin erdrosseln. Kein Wunder, fielen Damen früher öfter mal in Ohnmacht!

Wikipedia: Baron de Meyer: Qualvolle Mode
Wikipedia:
Raffael, ital. Maler (1483-1520): Die drei Grazien

Atmet frei, Ihr Lieben, selbst in Corona-Zeiten. Freuen wir uns, dass uns heutzutage lediglich Gesichtsmasken behindern…

14.10.2020, Elisa

Herbstlicher Streifzug

Foto Heidi Wildi: im Südtirol bei Tirolo

Kommt Ihr mit auf einen kleinen herbstlichen Streifzug durch verschiedene hübsche Orte in der Schweiz? Es geht ins Tessin, ins Appenzellerland, ins Bernbiet, ins Welschland, in den Thurgau sowie ins St. Gallische – und auch kurz nach Deutschland, Italien und sogar nach Hawaii. Der Herbst zeigt ein farbiges, schönes Absterben der Natur. Die Augen für dieses Leuchten zu öffnen, macht glücklich, findet Ihr nicht auch?

Foto Elisa, Trauben im Tessin
Foto Elisa: Kürbisverkauf im Bernbiet
Foto Elisa, Pilze im Thurgauischen Naturschutzgebiet
Foto Elisa: Letzte Sommerrosen in Ettenbühl, Deutschland
Foto Elisa: Vogelbeeren im Tessin (das Haus hinten steht zum Verkauf )
Foto Elisa: Letzte Sommerblüten auf dem Monte Verità im Tessin
Foto Elisa: Kirche von Architekt Mario Botta in Mogno, Tessin
Foto Elisa: Kirche von Architekt Mario Botta in Mogno, Tessin
Foto Elisa: Verblühende Geranien im Tessin
Foto Elisa: Farbenfrohe Astern im St. Gallischen
Foto Elisa: Pilze im Thurgauischen Naturschutzgebiet
Foto Heidi Wildi im Südtirol, nahe Tirolo
Foto Elisa: Herbst im Thurgau
Foto Elisa: Gold im Überfluss
Foto Elisa: Sagenweg auf der Sellamatt-Alp im Kanton Appenzell

Fülle
Der Herbst verschenkt verschwenderisch
Des Sommers letzte Blüten
Äste hängen süss und schwer
Voll reifer, runder Früchte

Foto Elisa: Americana-Trauben im Tessin

Sonnenstrahlen tanzen weich
Durch golden-lichte Blätter
In den Gärten schwinden sacht
Des Sommers Abschiedsfarben
Vögel ziehen scharenweise
Und zurück bleibt Kälte, Leere, Stille

Foto Elisa: Paar in Cevio im Tessin

Doch wenn Menschen näher rücken
Wandelt Kälte sich in Wärme
Wächst aus Leere neue Fülle
Reifen Kräfte in der Stille

Foto Elisa: Bauerngarten im Bernbiet
Foto Elisa: Die Bougainvillea im Tessin sind sommermüde

Herbst
Über Nebeln wohnt die Lebensfreude
Feiert Sonne gleissend Fest
Lässt träge Goldstaub niederrieseln –
Leuchtkraft giessend in die Nebelwelt

Photo by Ian Beckley on Pexels.com

Des Jahres Füllhorn ist voll süsser Schwere.
Und mitten in der kühlen Neige
Dem bald’gen Niedergang zum Trotz
Trägt Herbst sein prächtigstes Gewand

Photo by Pixabay on Pexels.com: Indian Summer

Menschen sollen wachsen
In des Lebens Lauf und Kampf.
Wenn die Kräfte schliesslich schwinden
reift es innen – leuchtet still der Ernte Gold.

Auf der Insel Kauai auf Hawaii, goldene Abendstimmung an der Na Pali Coast

Elisa, 7. Oktober 2020

Im Kanton Waadt: Dem Fluss Orbe entlang