Wunder

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Kürzlich bin ich beim Aufräumen von Schubladen auf einen lange vergessenen Text gestoßen, der mich berührt und den ich mit Euch teilen will. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen des Autors oder der Autorin.

Der Mensch ist ein Wunder des Lebens:
Schon mit zehn Wochen besitzt das Kind im Mutterleib alle Organe, mit denen es auf die Welt kommen wird. Das Herz schlägt seit sieben Wochen und setzt das im Embryo entstandene Blut in Zirkulation. Der Blutkreislauf ist von der Mutter unabhängig. Sein Gehirn steuert und regelt die lebhaften Körperbewegungen. Wie ein Astronaut bewegt sich das Kind schwerelos in der Flüssigkeit der Kapsel. Es macht Greif- und Schwimmbewegungen, lutscht Daumen, schläft und wacht. Es misst vom Scheitel bis zum Gesäß 5,4 cm.

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Da wir aus jenem Sperma entstanden sind, das bei der Zeugung beim Wettlauf zum Ei siegte, beginnen alle Menschen ohne Ausnahme ihre Existenz als GEWINNER.
Der Mensch ist ein Wunder der Liebe!

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Wunderschön, nicht?

Elisabeth, 23.1.2020

Winterliche Eskapade

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Es war Januar und bitterkalt an diesem Samstagmittag. Überall lag Schnee, die strahlende Sonne verwandelte ihn in ein glitzerndes Märchen. Fröhlich machten wir uns auf, um der Aare entlang zu spazieren. Das entpuppte sich als ein etwas mühsames Unterfangen: Fast der ganze Weg dem Fluss entlang war mit Eis bedeckt und glatt, so dass wir mehr Zeit brauchten als vorgesehen. Wir waren froh, als wir im Flugplatz-Restaurant an die Wärme kamen. Doch es hatte kaum Platz, also fragten wir ein Paar, ob wir uns zu ihnen setzen dürften.

Kaum hatten wir die bestellten heissen Getränke bekommen, begann die Frau am Tisch mit uns zu plaudern. Ein paar Minuten später fragte sie, ob wir gerne gratis mit ihnen nach Beromünster fliegen würden. DER MANN und ich schauten einander fragend an. Etwas wie Übermut regte sich in uns. Spontan nickten wir. «Dann müssen Sie aber rasch austrinken», mahnte die Frau. «Es ist wird heute früh dunkel.»

Auf dem Flugfeld führten sie uns zu einem kleinen Hochdecker mit nur 4 Plätzen. Wir sassen hinten, die beiden vorne, der Mann am Steuerknüppel, und schon ging’s los. Der gut 100km lange Flug unter wolkenlosem Winterhimmel war herrlich. Keine Flügel behinderten die Sicht auf die verschneiten Emmentaler Hügel, auf schneebedeckte Felder, Wälder und Dörfer, über die unser kleines Flugzeug in nicht allzu grosser Höhe hinweg glitt. Bald verwandelte das Abendlicht die Welt in Gold und Rosa, während die Sonne langsam am Horizont versank.

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Als wir Beromünster erreichten, begann es zu dämmern. Neben einem kleinen Bach führten zwei Räderspuren durch den Schnee einer beängstigend schmalen Graspiste. Im vor uns liegenden Flughafen brannte kein einziges Licht. Ein Tower mit Fluglotsen war ebenfalls nicht auszumachen. Ob das wohl gut ausging? Inzwischen wussten wir nämlich, dass die Frau Fluglehrerin war und der Pilot ihr Schüler, der heute anspruchsvolle Landungen üben sollte. Jetzt verstand ich auch, warum er vor dem Abflug erwähnt hatte, seine Frau bleibe lieber zu Hause, sie fürchte sich im Flugzeug. Wir waren dem Boden recht nahe, als die Fluglehrerin in scharfem Ton rief: «So nicht! Nochmals durchstarten!!» Der Pilot gehorchte sofort und zog das Flugzeug steil in die Höhe. Nach längerem Kreisen und einem erneuten Versuch wurde es uns dann doch ein wenig mulmig zumute. Wie geübt war der Flugschüler eigentlich? War dies etwa gar sein erster Flug in der Dämmerung – mit Landung auf einer schmalen Graspiste? Unsere Fragen kamen etwas spät…  

Am Ende landeten wir, holprig und rumpelnd zwar, aber ansonsten gesund und munter. Wir rollten auf den kleinen, inzwischen dunklen Flugplatz. Nachdem wir ausgestiegen waren, forderte uns die Fluglehrerin auf, ihnen zu helfen, das Flugzeug in den Hangar zu schieben und dort einzustellen. Es war unerwartet schwer und drohte ständig zu kippen. Ob sie uns zu diesem Zweck mitgenommen hatten?

Durch die frühe Nacht fuhr uns die Frau mit dem Auto ins nächste Dorf und ins einzige Restaurant. Sie hatte es eilig, der Feierabend wartete. Deshalb liess sie sich nur auf einen Kaffee einladen. Beim Wirt erkundigten wir uns dann nach Zugsverbindungen. Es überrascht wohl niemanden, dass der Weg zurück viel aufwändiger war als das Herfliegen! Erst nach 23 Uhr langten wir zu Hause an. Am nächsten Tag holten wir unser an der Aare parkiertes Auto ab, teils mit dem öffentlichen Verkehr, teils zu Fuss, in sicherem Abstand vom Flughafen. Von den beiden Piloten haben wir nie wieder etwas gehört, nicht einmal das Erinnerungsfoto ist bei uns eingetroffen. Bereut haben DER MANN und ich unsere kleine Eskapade jedoch nie. Noch manches Mal haben wir deswegen geschmunzelt.

Sagt, Ihr Lieben, tut es nicht gut, «mit leichtem Sinn» dem gleichförmigen Alltag hin und wieder ein Schnippchen zu schlagen?  

Elisabeth, 15.1.2020

Kindermund

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Kinder rühren uns an. Sie sind süss und machen viel Freude. Kleine Engel sind sie hingegen nicht.

Immer mal wieder realisiere ich, dass wir Erwachsenen bisweilen Dinge sagen oder besprechen und dabei die anwesenden Kinder vergessen, die die Diskussionen (oder den Streit) gar nicht zu Gehör bekommen sollten. Ich war auch so ein Kind, das den Anschein machte, total ins Spiel vertieft zu sein, obwohl ich nur deshalb mucksmäuschenstill war, weil ich es aufregend fand, den Erzählungen der Erwachsenen zu lauschen.

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Vor einiger Zeit wurde ich in einem Café Zeugin eines peinlichen Zwischenfalls. Am Nebentisch sass eine ältere Frau. Kurz darauf gesellte sich eine andere Frau mit ihrem kleinen Enkel dazu. Nachdem sich die Ankömmlinge gesetzt hatten, gratulierte die zweite Frau der bereits Anwesenden aufs herzlichste zum Geburtstag. Als Kaffee und Sirup auf dem Tisch standen, sagte sie zum Geburtstagskind: «Hier sind ein paar Pralinen und das hier» (sie überreichte mit grosser Geste einen Umschlag) «ist ein Geschenk von meinem Mann und mir». Der Junge schien beschäftigt. Still vergnügt schob er Spielzeugautos zwischen den Kaffeetassen hin und her. Doch jetzt hob er den Kopf und krähte unvermittelt: «Ich weiss, was da drin ist.» Seine Grossmutter wollte ihn zum Schweigen bringen und mahnte: «Sei doch still. Sie wird es dann zu Hause selbst sehen.» Doch der Bub liess sich nicht bremsen. Nun kam er erst richtig in Fahrt. Wichtigtuerisch rief er: «Es sind 50 Franken im Umschlag! Grossvater wollte zwar 100 Franken geben, aber du sagtest, 50 seien genug.» Das darauffolgende Schweigen der beiden Frauen hatte etwas Mitleid Erregendes. Beide sassen bestürzt da, die eine mit brennend roten Wangen, die andere kreidebleich. Als ich bald darauf das Café verliess, sprachen sie noch immer kein Wort miteinander, während der Kleine ungerührt und geräuschvoll weiterspielte und vor sich hinplapperte.

Soll man ein solches Kind bestrafen? Wohl kaum!

Elisabeth, 8.1.2020

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Happy New Year!

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Peter Ustinov hat einst gesagt: Jeder Mensch macht Fehler. Das Kunststück liegt darin, sie dann zu machen, wenn keiner zuschaut. So, jetzt wissen wir, wie’s geht!

Während dies für Schlitzohren wahrscheinlich ein Leichtes ist, tut sich unsereins damit schwerer. Dem Gewieften können aber auch äussere Vorkommnisse einen Strich durch die Rechnung machen. Ich erinnere mich an eine Episode im indischen Pushkar. Pushkar ist ein kleiner, malerische Ort, bekannt für seinen jährlich stattfindenden Kamelmarkt, seinen heiligen, künstlich angelegten See und vor allem für den Brahma-Tempel, der einzige bedeutende in ganz Indien. Dem Vernehmen nach datiert er aus dem Mittelalter. Brahma, der Gott der Schöpfung, wird von den Hindus verehrt und gehört zum Dreigespann Brahma, Vishnu und Shiva. Um den Brahma-Tempel in Pushkar zu besuchen, mussten wir trotz Regen unsere Schuhe und Socken ausziehen und durch den heruntergespülten Schmutz tappen. Wir wollten unbedingt das Heiligste, die grosse Statue der Gottheit, sehen. Es wimmelte von indischen Pilgern. Unserem Reiseführer hörte ich nur mit halbem Ohr zu, sein Englisch war miserabel. Da gewahrte ich aus dem Augenwinkel eine Gestalt, die sich mir, auf den Knien rutschend, erstaunlich behände näherte. Es war ein jüngerer Mann, der, als er dicht vor mir kniete, den Oberkörper ein wenig aufrichtete, seine Hand ausstreckte und mich mit schwarzen, flehenden Augen anblickte. Während ich meinen Geldbeutel aus der Bauchtasche klaubte, versammelten sich rund 8 Leute um ihn, die mich ebenfalls mit bittendem Blick anstarrten. Was tun? Einen Moment überlegte ich, ob ich allen Anwesenden etwas geben sollte oder nur dem Behinderten. Plötzlich klingelte ein Mobiltelefon. Der gehbehinderte Bettler griff in seine Tasche, beförderte das schwarze «(Un)Ding» ans Licht und hielt es sich ans Ohr. «Was», rief ich empört, «Sie haben ein Mobiltelefon? Dann sind Sie ja gar nicht so arm! Ich selbst besitze noch keines.» Es dauerte kaum eine Minute, bis die ganze Gesellschaft wieselflink verschwunden war, der auf den Knieen Rutschende war der schnellste, denn er konnte, oh Wunder, auf einmal laufen!

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Ich wünsche Euch ein geglücktes, gesundes, fröhliches Neues Jahr – aber keineswegs ein fehlerloses!

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Elisabeth, 1.1.2020

Christmas

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Verlass dich auf dein Herz, es schlug schon, bevor du denken konntest. Mit diesem Rat, den ich in einem kreativen Zentrum gelesen habe, grüsse ich Euch zu den Festtagen und wünsche Euch Einklang und Frieden. Verstärken möchte ich diesen Wunsch noch mit «Shalom!», denn gemäss Pfarrerin Katharina Hoby drückt das hebräische Wort für Frieden viel mehr als Waffenlosigkeit aus. Es beinhaltet eine tiefe innere Zufriedenheit, ein mit sich und seinen Umständen im Reinen sein, ein Heilsein im Sinne von Ganzheit, von Liebe-Geben und Liebe-Empfangen. Ist das nicht ein lohnenswertes Ziel?

«Häbid Sorg!» Bis im nächsten Jahr, Elisa

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Elisabeth, 18.12.2019

Ehrfurcht

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Das Netz einer Spinne
unsichtbar, zerbrechlich und fein
eine unbedachte Geste, eine brüske Bewegung
kann es zerreissen
Doch sieh:
ein wenig Morgentau, ein Sonnenstrahl –
und ein Wunder der Natur
offenbart sich dir

Die Fäden menschlicher Beziehungen
verborgen, verletzlich und zart
ein hasserfüllter Blick, ein verächtliches Wort
kann sie zerstören
Doch fühle:
ein wenig Zuwendung, ein Augenblick der Wärme –
und das Göttliche selbst
leuchtet auf vor dir

Elisabeth, 11. Dezember 2019

Foto von Lukas Gawenda.de: Aurora borealis (Nordlicht)

Samichlaus

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In weiten Teilen Europas besucht am 6. Dezember der Heilige Nikolaus mit einem schweren Sack auf dem Rücken eines langsamen, manchmal bockigen Esels die Jüngsten und verteilt Süssigkeiten. Bei uns heisst er bekanntlich «Samichlaus». Als Kinder hatten wir Angst vor ihm, aber die Zeiten, wo als Zugabe erzieherische Strafpredigten vom bärtigen Mann im Schwange waren, sind längst vorbei und bei Kindern und Eltern verpönt.

Auch in England gibt es eine rotgewandete Gestalt, die auf den heiligen Nikolaus aus Myra zurückgeht. Er kommt allerdings nicht am 6. Dezember, sondern erst in der Nacht vor Heiligabend. Im Laufe der Zeit haben sich der britische Father Christmas und der amerikanische Santa Claus stetig angenähert. Beide fliegen sie in einem Rentierschlitten über den stillen Nachthimmel. Von jedem Hausdach aus rutschen sie durch den Schornstein und füllen die von den Kindern aufgehängten Socken mit kleineren oder grösseren Geschenken – sagt man. Ob die Sprösslinge das im 21. Jahrhundert noch glauben? Immerhin gibt’s inzwischen ungeahnte neue Möglichkeiten, die den Glauben an die Legende aufleben lassen. Gestern machte ich eine virtuelle Ausfahrt im Niklaus-Schlitten, liess mich von Rentieren über ein geschmücktes virtuelles Weihnachtsdorf hinaufziehen, knapp an der Kirchturmspitze vorbei, über Schneeberge hinweg, mitten hinein in einen sternklaren Winterhimmel. Unglaublich kitschig – und einfach zauberhaft! Nur der Weihnachtsmann liess sich nicht blicken.

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Mein Sohn, er mag damals etwa vierjährig gewesen sein, war beim Hören des Märchens vom schenkenden Christkind skeptisch. So fragte er mich: «Mami, wie nur bringt das Christkind alle Weihnachtsgeschenke zusammen? Nachts ist der «Loeb» doch geschlossen und dunkel. Auch die Fenster sind zu, weil es so kalt ist. Wie kommt es da ins Warenhaus? Und wie trägt es die vielen Spielsachen alleine fort?» Wie Ihr Euch denken könnt, brachten mich die Fragen arg ins Schwitzen!

Das lässt mich an meine englische Freundin Margaret denken. Als junge Frau arbeitete sie eine Zeitlang als Journalistin in Kanada. Ein Schweizer lud sie zu einer Autofahrt ein, wobei er einen Unfall verursachte und beide ins gleiche Spital eingeliefert wurden. Noch vor Ort, machte er ihr einen Heiratsantrag, obschon sie einander kaum kannten. «Wohl aus einem schlechten Gewissen heraus», spöttelte Margaret später. Sie wiederum heiratete ihn, weil nach dem zweiten Weltkrieg Mangel an Männern herrschte…

Ein paar Jahre danach, sie hatten bereits einen kleinen Jungen, siedelten sie in die Schweiz über. Am ersten «Samichlaus»-Tag in der Schweiz stand der Knirps am Fenster und hielt ungeduldig Ausschau nach dem bärtigen Besucher. Margaret erklärte ihm: «Weisst du, der Nikolaus muss mit seinen Rentieren über alle Dächer fliegen, bis er uns findet, das dauert ein Weilchen.» «Blödsinn», rief ihr Ehemann. «Der Samichlaus kommt zu Fuss mit einem Esel, und nicht auf dem Rentierschlitten». Der Kleine sagte nichts. Minuten vergingen. Auf einmal wandte er sich um und sagte zu den Eltern: «Ihr habt beide unrecht, der Samichlaus ist mit dem VW gekommen.»

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Elisabeth, 4.12.2019