Seidenfaden…

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Während der ersten Ehejahre lebten meines Vaters Eltern hoch oben im Dachgeschoss einer imposanten Häuserzeile. Im Erdgeschoss befand sich das Coiffeurgeschäft Schwarz. Der Herren-Coiffeur handelte nebenbei mit Knallfröschen und anderem Feuerwerk. Solch branchenfremde Nebengeschäfte waren damals durchaus üblich.

An diesem Morgen Ende Februar 1912 hantierte ein Kunde, in der einen Hand eine brennende Zigarre, in der anderen einen Knallfrosch, so ungeschickt mit dem begehrten Artikel, dass nicht nur dieser explodierte, sondern in der darauffolgenden Panik der ganze Schrank, in dem eine geballte Ladung Knallfrösche lagerte. Ohrenbetäubend machten die Frösche ihrem Namen alle Ehre, und blitzartig setzte die Explosion das Haus von unten her in Brand, frass sich mit Flammen und Rauch durchs Treppenhaus hoch – während sich unten der lukrative Nebenverdienst von Herrn Schwarz buchstäblich in Luft auflöste. Verständlich, dass sich in der Folge im Coiffeurladen dramatische Szenen abspielten.

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Aber auch im Dachgeschoss kam es zu Angst und Verzweiflung. Meine Grossmutter war im vierten Monat schwanger. Weil es noch früh am Morgen war, hatte sie ihre vier Kinder bei sich, jedoch nicht ihren Mann. Hustend floh die älteste Tochter mit dem Kleinsten im Arm aufs steile Dach hinaus, ihr Mutter rannte kopflos hin und her, und durch Rauchschwaden keuchten und schrien hysterisch die übrigen Kinder. Glücklicherweise kam die Feuerwehr gerade noch rechtzeitig, um die Grossfamilie auf und unterm Dach zu retten. Der gaffenden Menschenmenge, die sich in Windeseile unten auf der Strasse gebildet hatte, wurde ein unterhaltsames Schauspiel geboten, besser als jeder Wanderzirkus es vermocht hätte.

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„Gottseidank konnten auch die Menschen aus den übrigen Wohnungen und dem Coiffeurgeschäft gerettet werden. Es lief nicht ohne ein paar Verletzungen ab, die aber nicht lebensgefährlich waren. Nur Coiffeur Schwarz zog sich bei seinen mutigen Rettungsversuchen schwerste Brandwunden zu,» erzählte mir meine Grossmutter viele, viele Jahre später. Und fuhr fort: «Ich fühlte mich danach nie mehr sicher in der Dachwohnung. Gottseidank konnten wir schliesslich in ein eigenes Haus umziehen, wo wir uns glücklicher fühlten.»

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Mein Schwager fand bei Recherchen zum Familien-Stammbaum unter anderem einen abgegriffenen Zeitungsbericht mit der Schilderung des Brandes. Darin hiess es, der bedauernswerte Coiffeur sei zwei Tage, nachdem sich sein Nebenverdienst endgültig verflüchtigt hatte, im Spital gestorben.

Als Jüngster kam mein Vater erst drei Jahre nach den dramatischen Ereignissen zur Welt. So kam es, dass ich meine Existenz letztendlich der tüchtigen Feuerwehr meines Heimatstädtchens verdanke.

Was zur Schlussfolgerung führt, dass unser Leben bereits lange vor unserer Geburt an einem seidenen Fädchen hängt…

Elisa, 13.01.2021

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Emoticons, Emojis

Wir alle benutzen sie: die Emojis, [eˈmodʑi], die ihren Ursprung in Japan haben. Es war Ende der 1990er Jahre, als Shigetaka Kurita, Mitarbeiter eines dort ansässigen Mobilfunkanbieters, die Symbole zur Traffic-Reduktion (Filtern der Besucherströme nach Interessensgruppen) entwarf. Es sind Bildschriftzeichen, also Piktogramme, was ursprünglich: e (絵, «Bild») + moji (文字, «Zeichen») bedeutet.

Die Urform des Emoticons fand auch bei uns im Westen rasch Anhänger. Es war die Zeichenfolge eines Gesichts ( = :-)), d.h. eine Art Strichmännchen). Der Begriff ist ein Zusammenzug von «Emotion» und «Icon». Damit kann ein Gesicht in den verschiedensten Kombinationen gezeigt werden. Ein Smiley ist die grafische Darstellung dazu. Er ist meist gelb. Mit Emoticons untermauern wir den Inhalt des geschriebenen Wortes, unseren Stimmungs- und Gefühlszustand.

Emoji ist der Oberbegriff. Emoji (mojis) sind jedoch nicht auf Gesichter und Emotionen beschränkt, zu ihnen zählen auch Symbole für Pflanzen (🌴), Tiere (🐫), Essen (🍇), Getränke (🍸) oder Wetterlagen (🌂). Es ist also möglich geworden, unsere Aussagen mit digitaler Mimik und Gestik zusätzlich und sogar in Farbe zu verstärken, denn mit fortlaufender Technik sind sie zu winzigen Grafiken geworden.   

Manche Symbole, wie z.B. das Herz, bedürfen keiner Deutung. Die Auswahl der Grafiken wird laufend erweitert. Ich muss gestehen, ich verwende sie manchmal lediglich aus Freude, oder weil sie am Ende eines Chats hübsch aussehen. Da sie jedoch auf dem Handy sehr klein sind, asiatische Wurzeln haben und es teilweise unterschiedliche Darstellungsformen gibt, können einige zu Missverständnissen führen. Kürzlich erzählte jemand am Radio von einem solchen, wahren Beispiel:

Eine Grossmutter gratulierte ihrem Enkel über «What’s App» zum 23. Geburtstag. Am Schluss fügte sie 23 «Stinkefinger» an. Auf die erstaunte Frage des jungen Mannes kam heraus, dass die alte Dame, deren Sehkraft vermutlich stark eingeschränkt war, den «Stinkefinger» für eine Kerze gehalten hatte!

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Naja, zu einer guten Kommunikation gehören schliesslich auch das Nachfragen, Klarstellungen, Verständnis für Fehler und – dies vor allem – jederzeit eine grosse Prise Humor. Dann kann letzten Endes nichts schief gehen.

Elisa, Dreikönigstag, 6.1.2021

Ich danke allen meinen Followern, sowohl den bisherigen, als auch den neuen! 😍😀🎈

Raunächte

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Pflegt Ihr Sylvester-Bräuche? Feuerwerk? Tischbomben? Bleigiessen? Spielrunden? Unfug anstellen? Ich erinnere mich, dass ich als Kind den 31. Dezember fast so mochte wie den «Samichlaus-Besuch» und die Geschenke an Heiligabend. Nach dem Gottesdienst sass die Familie mit anderen befreundeten Kirchgängern bei uns zu Hause zusammen. Wir spielten ausgelassene Gesellschaftsspiele, erzählten Anekdoten aus dem vergangenen Jahr… Was ich als Kind besonders liebte, waren die zahlreichen Spukgeschichten, die ältere Erwachsene zum Besten gaben – angeblich wahre, wohl aber eher erfundene. Die gruseligen Schauer, die mir dabei über den Rücken liefen, waren unbezahlbar. Noch heute lese ich hin und wieder atemlos englische Spukgeschichten.  

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Woher kommen eigentlich Altjahresbräuche? Sie sind zum Teil sehr, sehr alt.

Die besonderen 12 Tage und Nächte zwischen der westlichen Weihnacht am 24./25.12. und der orthodoxen am Dreikönigstag wurden im europäischen Volksglauben als Raunächte gefeiert (von unheimlichem «Raunen»). Man nahm sie auch als «Zeit zwischen den Jahren» wahr und glaubte, dass dann die Gesetze der Natur ausser Kraft gesetzt und daher die Grenzen zu anderen Welten leichter passierbar seien. (Marianne Vogel).

Um die Raunächte ranken sich viele Mythen. Ihren Ursprung haben sie in vorchristlicher Zeit. Die Menschen glaubten damals, dass in den oft stürmischen und kalten Winternächten böse Mächte wirkten, die ihnen schaden wollten.

Foto Elisa: Am Schwarzsee

Raunächte wurden/werden als eine heilige Zeit angesehen, ausgehend von der Wintersonnenwende, dem Tag, an dem die Sonne ihren tiefsten Stand hat – also am 21. Dezember mit der längsten Nacht des Jahres. In manchen Regionen ist dies der Auftakt zu den Raunächten. In anderen Regionen starten die Raunächte in der Nacht von Heiligabend, 24. Dezember, und gehen bis zum Heiligen-Drei-Königs-Tag am 6. Januar. Es ist eine kraftvolle Zeit erhöhter Energien – in alten Volksbräuchen eine Zeit der Wahrsagungen, des Gedenkens an Verstorbene, des Orakelns und schützenden Räucherns. Auch das eigene Gewissen sollte einer Prüfung unterzogen werden. Es ist der Übergang ins neue Jahr – in einen neuen Zyklus – ein Übergang, der idealerweise bewusst vorzubereiten ist.

Der Silvesterbrauch des Bleigiessens (Orakeln) geht ebenfalls auf die vorchristlichen Bräuche der Raunächte zurück. Tiere im Stall sollen um Mitternacht mancher Raunächte die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen – allerdings, hiess es, wer die Tiere sprechen höre, werde unmittelbar danach sterben. Mancherorts galt die Zeit zwischen den Jahren als so gefährlich, dass besondere Regeln eingehalten werden mussten. Zum Beispiel war es verboten, Wäsche zu waschen und aufzuhängen. Die Menschen fürchteten, dass weiße Wäsche von wilden Reitern gestohlen und als Leichentücher verwendet werden könnten. Frauen und Kinder durften nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf der Straße sein.

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Für uns heutige Menschen haben die Raunächte ihre Schrecken verloren und sind nicht mehr abergläubischen Regeln unterworfen. Gut so! Ich halte mich auch an den dunkelsten Wintertagen lieber an Licht und Mut verströmendes, christliches Gedankengut:

Komme, was mag, Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine grosse segnende Kraft gibt, die Gott heisst. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln. (Martin Luther King)

Der Mensch muss lernen, seine wahre Natur sich entfalten zu lassen: In ihm ist ein Licht, das nur darauf wartet zu leuchten. (Tseng Tse)

Ich meine, das ist der göttliche Funken, der in uns allen ist. Wohlan denn, lasst uns leuchten!

Ich danke Euch für Eure Treue. Mit den herzlichsten Wünschen für ein frohes, gelingendes und gesundes 2021, Eure Elisa und DER MANN, 1.01.2021

Foto Heidi Wildi: Raureif

Winterdämmern

Foto Elisa: Weihnachtsstimmung im Wohnzimmer

Liebe Freundinnen und Freunde,
Für die kommende Festzeit wünsche ich Euch Mut, Zuversicht, Glück, Segen – und trotz Corona viel Licht und Freude. Danke fürs Mitlesen, Mitfühlen, Kommentieren, Liken, Followen in den vergangenen Monaten – danke auch den Bloggern unter Euch, dass Ihr Euer eigenes «Schatzkästlein» ebenfalls regelmässig öffnet. Empfangene Freundlichkeit und Wertschätzung sind für alle Menschen etwas Beglückendes.

Manchmal, wenn die Trauer mich übermannen will, beschwichtigt mich ein Blick in die Stille und Unendlichkeit des Himmelszeltes, aus dem uns Sterne entgegen funkeln und den Glauben verstärken, dass wir alle in etwas Grösserem eingebunden und geborgen sind.

Bleibt gesund, und bis ins neue Jahr! Herzlichst, Elisa
Sonnenwende 2020

Winterdämmern
Manchmal legt Schnee
Eine Decke über das, was war.

In der Dämmerung leuchten die Fenster,
Kristalle glitzern unter Laternen.

Manchmal, in blauen Stunden ist mir,
als räume mich einer auf.

Altes darf enden. Sanft.
Neues kommt.

//Tina Wilms

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Requiem

Freundlich, lustig, stets zu kleinen Streichen aufgelegt, gelenkig wie eine Katze: Das war Jakob, mein Cousin und liebster Spielgefährte meiner Kindheit. Ich nenne ihn Köbi, wie ich ihn immer genannt hatte. Mit ihm ging ich zum ersten Mal in den Kindergarten – ich war dort zwar lediglich zu Besuch, während er schon täglich hingehen durfte. Er war klein, knuddelig, mit grossen dunklen Augen, sah allerliebst aus in seinen Spielhöschen mit dem hellblau/weissen Kölsch-Muster. Wir hatten kaum die erste Geschichte gehört, da machte er in die hübschen Höschen – und beide mussten wir zurück nach Hause.

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Am Ende des ersten Schuljahres sagte der Lehrer zum aussen rechts sitzenden Buben: «Jakobli, Ich habe eine gute Nachricht für dich. Du darfst noch ein Jahr länger bei mir bleiben.» Mir schien, als sei nur ich traurig darüber!

Doch in der Freizeit waren wir fast täglich zusammen. Im Frühling bauten wir Oster Nestchen und legten sie voller Erwartung an einen trockenen Ort, wir stauten Nachmittage lang den etwa zwei Kilometer entfernten, idyllischen Bach, pflückten Blumen, sammelten im Herbst im Wäldchen Laub für den Gärtner, der uns pro steinhart gefüllten Sack nur ungern 10 Rappen aushändigte. Wir liefen im Winter Schlittschuh auf dem nahen Weiher und dem Bach. Aufregend fand ich auch die Ball- und Seilspiele auf der Strasse, die Schnitzeljagden und ‚Räuber und Police’ durch den halben Ort, die Spiele ‚Der böse Wolf’, ‚Der schwarze Mann’, derer wir nie überdrüssig wurden. Immer waren dann mehr als ein Dutzend Kinder aus der Nachbarschaft beteiligt. Oh, und eh ich’s vergesse: Die Versteckspiele auf dem weitläufigen Grundstück meiner Eltern – Köbi wohnte im gleichen Haus wie wir – hatten es uns Kindern ebenfalls angetan. Ich versteckte mich liebend gern in einer leeren Kiste im Garn-Magazin, wo man mich nie fand und das Kunststück darin bestand, mit lautem Herzklopfen, doch unbemerkt, im richtigen Augenblick zum Anschlagspunkt zu laufen.

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Unser Garten war, wohl nicht zuletzt wegen Köbi, ein grosser Anziehungspunkt im Quartier. Einmal traf er mit einem Gummigeschoss die elektrischen Drähte, die unter dem Dach in unser Haus führten. Zwei Drähte berührten sich, Funken sprühten, es zischte, knallte und «räuchelte». Augenblicklich führte der Kurzschluss zu einem Stromausfall im gesamten Gebäude und der angrenzenden Weberei. Papa kam angerannt und war ziemlich wütend. Als er sah, dass wir alle verdattert waren, ein Kind (nicht Köbi!) sogar weinte, hörte er auf zu schimpfen und sorgte für Abhilfe.

Eines Tages fiel der gehbehinderte Grossvater in seiner Parterrewohnung im engen Abort zu Boden und blockierte die Türe, so dass ihn selbst mein Papa nicht befreien konnte. „Köbi, du bist schmal genug, um durchs Abtritt-Fensterchen hineinzuklettern. Du musst ihm helfen,“ verlangte Papa. Vor dem gestrengen Großvater lief Köbi sonst immer davon… Die Kletterpartie zur kleinen Fensteröffnung dauerte seine Zeit. Kurz, bevor Köbi seinen schmalen Bubenkörper endlich durchgezwängt hatte, wendete er den Kopf zu uns und – grinste. Nach der Rettungsaktion prustete er los: „Großvater sah grotesk aus, wie er zwischen Toilette und Türe auf dem Boden lag, ausgestreckt wie ein Frosch, über und über bedeckt mit Waschpulver, halb versteckt unter Frottierwäsche und Schmierseife. Er hatte beim Fallen das Gestell neben der Tür mit sich umgerissen.“

In seinen Jugendjahren interessierte sich Köbi fürs Kunstturnen. Auch aufs Autofahren war er erpicht und erwarb den Führerschein schon mit 18. Für meine ältere Schwester und mich wurde er mit seiner rassigen Fahrweise ein willkommener, gefreuter Begleiter beim Samstagabend-Ausgang. Dann fuhr er uns mit dem Auto irgendwohin auf einen «Hoger» (Hügel) im Appenzellerland, wo wir dann im Bergrestaurant ein Dessert assen, uns köstlich über seine Sprüche und Witze amüsierten und den ganzen Abend lachten. Ich erinnere mich auch, dass er, weil er klein geblieben war, beim Bremsen halb aufstehen musste und manchmal von der Polizei angehalten wurde, weil sie dachten, es sitze ein Bub am Steuer. Köbi löste das Problem, indem er Vaters Hut aufsetzte, so war dann Ruhe, obwohl ihm der grosse Hut manchmal über die Augen rutschte. Zum Glück hatte er in brenzligen Situationen ein fantastisches Reaktionsvermögen.

Köbi, der Ehemann einer tollen Frau, der liebevolle Vater und Grossvater, ist nicht mehr. Vor ein paar Tagen hat er nach langer schwerer Krankheit die Augen für immer geschlossen. Er hinterlässt eine vielköpfige Familie, die sehr um ihn trauert. Für Kinder hatte er sein Leben lang ein grosses Herz und viel Liebe übrig. Ruhe in Frieden, Köbi, mein toller Cousin und bester Freund aus Kindheitstagen. Ihm widme ich diese Erinnerungen.

Photo Wikipedia: Grabkreuz mit dem Christusmononogramm
IHS und der Inschrift Requiescant In Peace, RIP

Ihr Lieben, wenn uns etwas bedrückt, beruhigt es, dass wir zur Feder greifen können – wir als schreib-affine Menschen wissen das aus Erfahrung, oder nicht? Schreiben hat etwas Heilendes. Die Seele kann wieder freier atmen. Danke fürs Lesen.

In schreibender Verbundenheit, Elisa, 16.12.2020

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Gastfreundschaft, Φιλοξενία

Photo by Valdemaras D. on Pexels.com: Weiss und Blau, Griechenlands typische Farben!

Bei diesem Wetter täte uns eine Reise in den warmen Süden gut, oder nicht? Also erzähle ich Euch heute von einer Episode im sonnigen Griechenland. Es ist lange her, doch in meiner Erinnerung scheinen die Wanderferien erst vor kurzem stattgefunden zu haben. Wir waren etwa 25 wandererprobte Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Viel erlebten wir in diesem Spätsommer, landschaftliche Schönheit, friedliche Hirten, kulturelle Sehenswürdigkeiten, heimelige Tavernen.

Photo by Freute: Chania bei Nacht

In der ersten Woche übernachteten wir in Chania an Kretas Nordküste und unternahmen von dort aus täglich mehrstündige Wanderungen. Meine Wanderschuhe waren die rauen Pfade mit den vielen Steinen nicht gewohnt. Gegen Ende der Woche begannen sich die Sohlen zu lösen. So trug ich die Schuhe am Ruhetag zu einem der Schuhmacher im Schuhmachergässlein. Er versprach, sie bis zum Abend zu reparieren, damit ich sie am Samstag für die Wanderung durch die Samaria-Schlucht wieder benutzen könne. Eine Verständigung war indes schwierig, ich war nicht ganz sicher, ob wir einander auch richtig verstanden hatten; doch als ich sie abends abholte, händigte er mir strahlend meine Wanderschuhe aus, die glänzten wie neu. Er verlangte wenig Geld für die Reparatur. Ich war zu einem griechischen Tanzabend eingeladen. Um nicht zu spät zu kommen, stellte ich die Schuhe rasch und unbesehen ins Zimmer.

Photo by Pixabay on Pexels.com: Im Schuhmachergässlein

Am Samstagmorgen mussten wir früh aus den Federn. Beim Versuch, in meine Wanderschuhe zu schlüpfen, erschrak ich: Die Innensohlen von beiden Schuhen waren über und über mit spitzen Nägeln gespickt! Der Schuhmacher hatte die zu langen Nägel einfach von unten her in die Sohlen gehämmert! Ich traute meinen Augen kaum. Du meine Güte! Ein Fakir hätte sich womöglich gefreut, aber eine 7stündige Wanderung in solchen Schuhen war klar ein Ding der Unmöglichkeit. Meine liebe Zimmerkollegin half mir aus der Patsche. In weiser Voraussicht hatte sie zwei Paar Wanderschuhe mitgenommen und lieh mir spontan eines aus. Leider waren sie mindestens eine Grösse zu gross. Doch vorerst war ich guten Mutes.

Nach dem Frühstück fuhr uns der Bus zum Eingang der berühmten Samaria-Schlucht (griechisch Φαράγγι της Σαμαριάς) im Südwesten der Insel. Mit 17 Kilometern Länge ist sie eine der längsten Schluchten Europas. Aus über 1200m Höhe führt sie fast von der Mitte der Insel bis zum Libyschen Meer hinunter. Im kleinen, isolierten Hafenort Agia Roumeli würde uns ein Schiff erwarten, um uns der Südküste entlang für die zweite Ferienwoche nach Chora Sfakion zu bringen. Eine andere Transportart gab es nicht.  

Photo by: Photo Travellers, Samaria Schlucht von oben

Es war ein strahlend schöner Sommertag, als wir in die eindrückliche Schlucht mit den imposanten Felsen einstiegen. Am Anfang ging’s mit den fremden Schuhen soso lala, doch mein Abstand zur Gruppe wurde immer länger. Ich tat, was ich konnte, aber es war nicht genug. Denn auf einmal war ich allein auf weiter Flur. Ich ging etwas mühsam weiter. Auf einmal ertönte in der morgendlichen Stille eine wohlklingende Männerstimme. Nach einer Wegbiegung sah ich etwa 10 Meter vor mir einen jungen, sehr gemächlich gehenden Griechen, der seinem Glücksgefühl singend Ausdruck verlieh. Das bewegte mich. Beim Einholen lächelte ich ihn an und sagte: «Kalimera.» Er lächelte zurück. Als ich an ihm vorbeigehen wollte, erkannte er auf einen Blick meine unbequeme Schuh-Situation und bot mir seine Hand an. Ganz selbstverständlich wanderten wir Hand in Hand weiter. Mit seinem starken Arm half er mir an steilen Stellen, über Bächlein und Felsbrocken hinweg. Ich war sehr dankbar für diese Hilfe, die umso erstaunlicher war, als wir uns kaum unterhalten konnten. Seine spärlichen Englischkenntnisse waren immerhin etwas besser als mein rudimentäres Griechisch. Ich war froh, dass ich wenigstens das Wort «Efcharistó» für «Danke» kannte. Wenig später lernte ich auch seine vorangegangene Familie kennen: Eltern, Tanten, Onkel und sein Bruder, der heute Geburtstag hatte. Sie hiessen mich lachend und gestenreich willkommen.

Als wir etwa zur Mitte der Schlucht gekommen waren, erschien schwer atmend meine Reiseleiterin. Kaum erblickte sie mich, schnaubte sie wütend: «Ich bin extra wegen dir zurückgelaufen – und was machst du? Du lachst dir einen fremden Kerl an. Jetzt werde ich mich nicht mehr um dich kümmern. Wir sehen uns am Hafen.» Damit machte sie abrupt kehrt und liess mich stehen, ohne mir Gelegenheit für eine Erklärung zu geben. Ich war baff – was unterstellte sie mir da, ohne nachzufragen? Gute Kommunikation ist immer und immer wieder ein Kunststück!

Foto by: Foto Travellers Samaria Schlucht: So viele Steine!

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich wunderbar wohl und unbekümmert. Nun brauchte ich mich nicht mehr zu beeilen. Kurze Zeit später machte «unsere griechische Gruppe» auf flacheren Felsen einen Picknick-Halt. Unsere schweizerische Wandergruppe hatte kein Picknick mitnehmen können. Die Wanderleiterin hatte uns beschieden, wir könnten überall Quellwasser trinken und bekämen dann im Fischerdorf etwas zu essen.

Beim appetitlichen Duft der Speisen, die nun ausgepackt wurden, bekam ich natürlich Kohldampf. Ganz so als wäre ich ein Familienmitglied, teilten die liebenswürdigen Griechen fröhlich ihr Essen und Trinken mit mir, und es schmeckte vorzüglich!

Foto by: Foto Travellers Samaria Schlucht

Als wir Agia Roumeli erreichten, merkte ich, dass ich, statt knapp sieben Stunden, fast neun für die Wanderung (inkl. Picknick) gebraucht hatte. 10 Minuten waren noch übrig bis zur Abfahrt des Bootes! Doch es reichte ja, und es war es mehr als wert gewesen. Mit viel Herzlichkeit verabschiedete ich mich von den freundlichen, grosszügigen Menschen, die mir mit ihrer Wärme das echte Griechenland und seine Gastfreundschaft näher gebracht hatten.

Der Empfang bei meiner Reisegruppe am Hafen war im Gegensatz kühl bis frostig. Was hatte die Reiseleiterin den anderen wohl erzählt?

Die glückliche Stimmung in meinem Herzen konnten sie mir jedoch nicht nehmen.

Elisa, 9.12.2020

Foto by: Rental-center-crete:
Von Chania nach Chora Sfakion, zum Glück nicht gar alles zu Fuss!

Hundeleben

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Kürzlich fiel mir ein alter, gebeugt gehender Mann auf. Er schlurfte zur Bushaltestelle und setzte sich auf die Wartebank. An der Leine führte er einen kleinen Hund, augenscheinlich ein Mischling, Typ Rehpinscher. Der mürrisch dreinblickende Mann trug keine Maske, obwohl dies momentan an den Haltestellen verlangt wird – doch das freundlich wedelnde Hündchen hatte einen Drahtmaulkorb an! Dieser wollte so gar nicht zu seiner schmalen Schnauze und seinem treuherzigen Blick passen.

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Ist da jemand, ungerechterweise, «auf den Hund gekommen»?

Euch, liebe Blog-Freunde, und mir selbst wünsche ich, dass wir in dieser anspruchsvollen Zeit zur Ruhe kommen. Alles Liebe, Elisa

Foto Elisa: geweihte Kerze für Bernie

Immer und ewig

Foto Fabienne: Bernie , bereit und hochmotiviert an einer der geliebten Messen

Vorgestern Montag, 23. November 2020, war es 6 Monate her, seit Sohn Bernie mitten aus seiner intensiven Lebendigkeit heraus und von unserer Seite gerissen wurde. Wir vermissen ihn und seine lustigen Einfälle mehr denn je!

Einen Tag zuvor, am 22. November, war bei uns Reformierten der Ewigkeitssonntag. Zusammen mit den anderen Menschen der Gemeinde, die im 2020 einen lieben Menschen verloren hatten, wurden wir zur Gedenkfeier eingeladen. Es gab, Corona bedingt, fünf Gottesdienste an diesem Tag. Man musste sich anmelden.

Foto Elisa: Ewigkeitssonntag

Wir besuchten den letzten um 16 Uhr. Er stand unter dem Motto: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens. (Jeremia 29,11)

Nach der Besinnung wurde der Name des/der Verstorbenen abwechselnd vom einen Pfarrer aufgerufen mit den Worten: «Geborgen in Gott, bleibende Erinnerung in unseren Herzen.» Gleichzeitig entzündete der andere Pfarrer an der Osterkerze die entsprechende Kerze, die wir nachher mitnehmen durften.

Auf dem Friedhof, bei den vielen brennenden Kerzen auf den Gräbern, fand die friedliche Stimmung ihre Fortsetzung.

Foto Elisa: Auf dem Friedhof am Ewigkeitssonntag

Trostgedicht von Hilda Domin (1909-2006)
Die schwersten
Wege werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.

Stehenbleiben und sich umdrehen
hilft nicht. Es muß
gegangen sein.

Nimm eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne tritts
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt
und in deinem Haus
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen –
und du ihre Stimme wieder hörst
ganz nahe
bei deinem Herzen.

Wunderbar tröstlich, dieser Ausdruck „die unverlierbaren Toten“. Der Pfarrer ergänzte: Um diese Liebsten müssen wir uns fortan weder ängstigen noch sorgen.

Das feine lyrische Gedicht der Jüdin Hilde Domin und das Zitat aus Jeremia 29,11 können wir als Trost in unser aller Herz hereinnehmen – ist doch dieses Jahr ein schwieriges für beinahe jedes von uns. Weihnachten – so sehr ein Fest für grosse, fröhliche Familientreffen – wird mit Sicherheit einsamer sein als in den Jahren zuvor.

Die Liebe aber hallt in uns wider – als Echo im Herzen. Diese Stimme, gespeist von göttlicher Quelle, besteht nicht nur aus unseren eigenen, zartesten Empfindungen, zu ihr gesellt sich nun auch die Stimme der «unverlierbaren Toten». Die Liebe ist in der Tat unverlierbar, selbst den Schmerz durchdringt sie. In stillen Träumen und schönen Erinnerungen an Verstorbene und Abwesende leuchtet sie hell auf. Das ist wahrhaftig gebündelte Hoffnung.

Horchen wir also auf diese Stimme ganz nah bei unseren Herzen! Sie ist es doch, die uns durchs Leben und durch den Tod trägt.

Elisa, 25.11.2020

Foto Elisa: am Thunersee mit „Niesen“

Nostalgisches aus Cornwall

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Das British Museum und das Victoria & Albert Museum in London bergen einzigartige Kunstschätze mit starker, internationaler Strahlkraft. Doch von diesen soll hier nicht die Rede sein, sondern von meiner nostalgischen Sicht auf kleinere, eher unbekannte Museen.

Photo Jamaica Inn: Das alte Wirtshausschild

Seit beinahe drei Wochen herrscht trübes Wetter, als DER MANN und ich Cornwall besuchen – so richtig passend fürs Bodmin Moor, über das in mondlosen Nächten unheilschwangere Nebel streichen. Rasch durchqueren wir mit dem Auto das einsame, windgepeitschte Moor. Kein Wunder, gehört es zu den unheimlichen Schauplätzen Cornwalls! An seinem Rande steht der Jaimaica Inn, ein durch Mord und Totschlag in Daphne du Maurier’s gleichnamigem Roman in Verruf geratener Gasthof. Ein düsterer Ort – einst Treffpunkt von allerlei Gesindel wie Schmugglern, Dieben und Mördern – heute von Touristen heimgesucht. An den morschen Balken ist flächendeckend Geld aufgeklebt. Daphne du Maurier erkor Cornwall zu ihrer Wahlheimat und war bis zu ihrem Tod 1989 oft zu Gast im Jamaica Inn, den sie in einem packenden Roman gleichen Namens verewigt hat. Uns fehlt jedoch die Lust, um unter diesen dunklen, bedeutungsschwangeren Balken Lunch zu essen.

Photo Jamaica Inn: Hof und Pub

Das dem Gasthof angeschlossene Museum von Mr. Potter wurde 1861 gegründet und, wie könnte es in Grossbritannien anders sein, enthält ein schier unglaubliches Sammelsurium an abenteuerlichem Krimskrams, der auf eine morbide Art fasziniert. Wunderliche Gegenstände und vergilbte Fotos, die von längst verblassten Sitten aus fernen Ländern zeugen, liegen neben kuriosem Tand. Man entdeckt vorsintflutliche elektrische Apparate und verschrobene Reiseandenken aus den entlegensten Teilen der Erde, so einen echten menschlichen Skalp, ein altes, blutverkrustetes Schwert aus Borneo oder eine Menschenfresser-Gabel aus Neu Guinea. Mr Potter’s Spezialität waren Tierpräparate, vom imposanten Löwen bis zur winzigen Maus. DER MANN schaut sich das nicht gerade begeistert an…

Inzwischen sind die Gegenstände versteigert worden. An ihrer Stelle gibt es jetzt ein Schmugglermuseum, und der Inn bietet Übernachtungen im romantischen Himmelbett (mit Gespenst?) an.  

Photo Jaimaica Inn: Wandbild im Pub, Spukender Schmuggler

Natürlich kann man selbst in Cornwall ganz normale Museen besuchen. Mit der 150jährigen Looe-Valley-Bahn tuckern wir an einem der nächsten Tage durch eine unberührte Landschaft, die uns durch Wälder, über einen Damm und zwischen zwei Seen hindurch bis ans Meer bringt. Kurz nach Beginn der Fahrt hält der kleine Zug, und wegen des Gefälles steigen Kondukteur und Lokführer aus, stellen von Hand die Weiche, steigen am andern Ende des Zuges wieder ein und meistern so elegant die scharfe Kurve.

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Im kleinen Weiler von St. Keyne, der aus etwa vier Häusern besteht, unterbrechen wir unsere Fahrt für 1 ½ Stunden und lassen uns von Paul Corin in seinem Musikautomaten-Museum in andere Sphären entrücken. Zwar riecht es im alten Gebäude muffig. Die Mauern bröckeln und sind in den Ecken von Schimmel befallen. Doch Pauls humorvolle Geschichten, mehr noch das lange, nostalgische Konzert auf seinen 100jährigen mechanischen Kirchen- und Jahrmarkt-Orgeln, den elektrischen Pianos und Wurlitzern, halten DEN MANN und mich gefangen. In dieser zauberhaften Welt steht die Zeit still. Fast können wir uns nicht losreißen – wäre da bloß nicht der wartende Zug.

Leider ist das Museum inzwischen geschlossen.   

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Ich muss gestehen, nicht immer lohnt sich ein Museumsbesuch. In einem malerischen Küstenort hat’s ein Witchcraft-Museum. Beim Eingang steht ein Schirmständer für Hexenbesen, was DER MANN und ich noch witzig finden, doch schon bald wird uns in der düsteren Sammlung unheiliger Hexenkunst mulmig zumute. In der Tat merken wir enttäuscht, dass es hier nicht, wie erwartet, um eine schräge und etwas schrille Ausstellung geht. Der verstorbene Museumsgründer war vielmehr stolz darauf gewesen, ein schwarzer Magier zu sein. Zauberlitaneien und magische Anleitungen zu dunklen Untaten lassen uns das Blut in den Adern gefrieren. Beim Anblick durchstochener Voodoo-Puppen, vertrockneter menschlicher Hände, toter Kröten und anderer abscheulicher Gegenstände regt sich tiefe Abscheu. Was für ein unflätiger Ort! DER MANN und ich brechen den Rundgang schleunigst ab, verfolgt von höhnischem Hexengelächter ab Band und den argwöhnischen Blicken der merkwürdigen Frau an der Kasse. Würde mich wundern, wenn das Museum noch existierte…

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Reizvoll hingegen ist, dass in Cornwall noch immer Legenden um König Artus und seine Ritter, das versunkene Avalon und den Zauberer Merlin gewoben werden. Auf Grund der Erzählungen über Sagengestalten taucht man kopfüber ins europäische Mittelalter ein, das hier nach wie vor lebendig zu sein scheint. Auf Schritt und Tritt entdeckt man vermeintliche Spuren. Entsprechende Museen, Ausstellungen und Burgruinen regen die Fantasie mächtig an.

Photo pinterest:
Burgruine Tintagel, wo der Legende nach König Artus geboren wurde

In Wäldchen versteckt gibt’s unzählige ‚Wunschbrunnen’, um die es des Nachts spuken und irrlichtern soll. Allein schon die Lage dieser Brunnen in Grotten oder feuchtem, dunklem Unterholz sorgt für eine gruselige Stimmung. Ich würde mich hüten, dort etwas zu wünschen. Obwohl sonst allem Englischen zugetan, habe ich nicht den Wunsch, in dieser huschenden und raunenden Spukwelt heimisch zu werden.

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Nicht einmal Sir Simon, dem harmlosen Gespenst aus Oscar Wilde’s Erzählung «The Canterville Ghost», möchte ich nachts auf dem Flur begegnen!

Elisa, 18.11.2020

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Kleine Freude

Machen Euch die folgenden Bilder auch froh? Es ist erstaunlich, wie viele Wiesenblumen man Mitte November noch finden kann, wenn man die Augen offen hält! Ich habe sie heute offen gehalten. Der Herbst ist keineswegs grau…

Fotos Elisa, 15. November 2020

Foto und Katze: Sandra Vincenzo, eine meiner Patentöchter

Bleibt gesund in diesem farbenfrohen Herbst. Liebe Grüsse, Elisa, 15.11.2020