Just for fun

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Seit der Erfindung des Buchdrucks plagen Druckteufel und Fehlerteufel uns Menschen. Wer glaubt, sie seien dank neuester Technologie ausgerottet, der täuscht sich. Es ist eher schlimmer geworden! Die an sich praktische Handy-Funktion der Autokorrektur z.B. ist noch perfider als Tippfehler, weil sie selbstherrlich agiert:

Ein Freund schrieb bzw. wollte mir schreiben: «Ohne Fleiss kein Preis!» Auf meiner WhatsApp las ich mit Erstaunen: «Ohne Fleisch kein Preis!» Wow!!

Immer wieder kommen ungewollt heitere Texte bei mir an:

«Schaf ist wichtig.» (statt Schlaf)

Übe das Wochenende…

Deine tröstli Worte…

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Soweit Handy-Nachrichten. Immerhin sind schnelle Nachrichten kurzlebiger als Tippfehler auf Schreibmaschine oder im Druck:

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Als ich in einer Personalabteilung arbeitete und Jobgesuche zu beantworten hatte, entdeckte ich später, als der Brief längst verschickt war, den Satz: «Wir legen besonderen Wert auf gute Umfangsformen.» (anstelle der guten Umgangsformen)

Ein damaliger Druckereimitarbeiter berichtete über ebenfalls erst zu spät erkannte Druckfehler. Da erwähnte jemand in einem religiösen Blatt «Jesus mit dem Scheisstuch» (statt Schweisstuch). In einem Architektursekretariat war die Rede von der Breite des Trottoirs, doch das Wort „Trottoir“ hatte sich im öffentlichen Bericht hinterlistig in „Pissoir“ verwandelt.

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Hoffentlich habe ich jetzt gut aufgepasst… Es läuft natürlich immer darauf hinaus, dass man den Text nicht genau durchgelesen hat. Aber wer nimmt sich denn noch Zeit dazu? Es ist nicht mehr so wichtig – nur rasch muss es gehen. Und harmlose Fehler würzen den Alltag, finde ich. Am besten, man lacht herzlich über solcherart Misslungenes!

PS. für Wissbegierige (aus Wikipedia): Mit beweglichen Lettern revolutionierte Johannes Gutenberg den Buchdruck. Plötzlich konnte man Bücher schnell, günstig und massenhaft produzieren. Um den Mann, der Bildung für alle ermöglichte, ranken sich viele Legenden. Ausgerechnet über ihn, der den Druck revolutionierte, sind wenige schriftliche Quellen erhalten. Geboren wurde Gutenberg um das Jahr 1400 – wahrscheinlich zwischen 1394 und 1404 – und mit ziemlicher Sicherheit in Mainz.

Photo: Gutenberg.de.wikipedia.org
Photo: clio.history.org

Viel Glück beim Tippen.
Liebe Grüsse, Elisa
15.09.2021

Séraphine de Senlis

Séraphine Louis,
genannt Séraphine de Senlis,
französische Malerin


DER MANN und ich schauten kürzlich bei ARTE einen Film über die französische Künstlerin Séraphine Louis. Er packte und erschütterte uns. Sie lebte von 1864 bis 1942. Ihre Mutter starb ein Jahr nach ihrer Geburt; als sie sieben war, auch ihr Vater. Im ländlich-kleinstädtischen Senlis verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Schafhirtin, als Putzfrau, zeitweise auch als Laienschwester im dortigen Kloster. Sie liebte Gott und die Natur über alles.

Diese einfache und zutiefst religiöse Frau, die für andere Leintücher und Leibwäsche in den eisigen Gewässern des Flusses waschen und schmutzige Töpfe von reichen Herrschaften reinigen musste, erschuf des Nachts ein wunderbares Universum aus hellen, glänzenden Farben, die sie selbst aus Gemüsesäften, Ton und Metzgereiblut herstellte.

Séraphine: Arbe du paradis
Les Z’Arts de Véronique
Séraphine:
Jardindesprit.
forumgratuit.org

Entdecker und Förderer war der deutsche Kunstsammler und Kunstkritiker Wilhelm Uhde (1874–1947), der 1912 durch Zufall auf die in Armut lebende Frau aufmerksam wurde, als er Urlaub in Senlis machte und dort eines ihrer Bilder entdeckte. Er beschaffte ihr die grossen Leinwände, die sie für ihre Gemälde benötigte. Wenn andere schliefen, malte sie stundenlang bunte, ausdrucksstarke Bilder, auf den Knien kauernd, fromme Lieder singend, wie in Trance.

Séraphine: Perspectiva Newsky

Ab 1930 zeigte sie zunehmend Symptome einer psychischen Erkrankung, die vermutlich bereits länger bestanden hatte. Sie verschleuderte ihr Geld, das sie durch Uhdes Verkauf ihrer Bilder verdient hatte. Schliesslich nahmen ihre Wahnvorstellungen solche Ausmasse an, dass man sie 1932 in die Nervenheilanstalt von Clermont-sur-l’Oise einwies. 10 Jahre blieb sie dort und litt. Sie malte nicht mehr. Während der deutschen Besetzung wurde für «Irrenanstalten» der Versorgungsnotstand angeordnet. Eingesperrt, verhungerte die total vernachlässigte Séraphine 1942 im Alter von 78 Jahren.

Séraphine: Blogspotcome

Zurück blieb das grossartige Werk einer armen, ungebildeten Frau, die sich das Malen selbst beigebracht hatte. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Vertretern der naiven Kunst in Frankreich. Man kennt sie vor allem unter dem Künstlernamen Séraphine de Senlis. Ihre unzähligen Naturbilder sind unverkennbar, voller Kraft und farbenstarker Lebendigkeit.

Séraphine: blogspotcome

Sie ruht auf dem Friedhof von Senlis in einem Massengrab. Ja, Ihr habt richtig gelesen: in einem Massengrab. Da die Bestattung eines Menschen auf einem Friedhof mit Kosten und Arbeitsaufwand verbunden war, wurden Verstorbene ohne ausreichende Mittel in Massengräbern beerdigt.

Séraphine: Chen Gai France

Von Séraphines Bildern bin ich begeistert und fasziniert. Ihre traurige Geschichte geht mir nahe. Schaut Euch Farben und Motive an: Sie leuchten beinahe überirdisch.

Liebe Grüsse, Elisa
08.09.2021

Séraphine: by Birdie
Séraphine: Musée-ville-senslis.fr


Séraphine: Pinterest

Der Schlaf des Gerechten

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Früher geriet ich beim Anblick eines Hundes, und war er noch so klein, in fürchterliche Panik: Mein Herz begann zu rasen, meine Knie wurden weich, die Hände zitterten, ich konnte kaum mehr atmen. Allzu oft passierte es auf Wanderungen, dass ein Hofhund mir knurrend und bellend entgegenlief, um sein Heim zu verteidigen. Du liebe Güte, als hätte ich es ihm streitig machen wollen!!

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Natürlich hatte meine übermässige Angst einen Grund. Auf meinem langen Weg zur Schule wurde ich als Kind von einem aggressiven Schäferhund von hinten angefallen, umgeworfen und grausam gebissen. Da sein Besitzer Arzt war, lag es nahe, dass meine Mutter mit mir zu ihm ging. Bevor er meine blutende Wunde versorgte, holte er den Hund. Bäuchlings lag ich auf dem Schragen, als er das Tier ganz nah zu mir hin führte und ihn schalt: «Schau, du Böser, was du angerichtet hast.» Dann schlug er mit einem Lederriemen heftig auf den Kopf des Hundes ein. Die Schläge fand ich schlimm. Doch der verschlagene, hasserfüllte Blick, mit dem das Tier mich bedachte, während es sich unter den Hieben duckte, liess mich erschauern, und ich begann heftig zu zittern. Nicht lange danach musste der Schäferhund auf Grund einer polizeilichen Anordnung getötet werden, weil er weitere Menschen aus dem Nichts angegriffen hatte.

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Noch immer gehe ich nicht gerne über einsame Gehöfte. Aber nach zahlreichen guten Erlebnissen mit feinen Hunden habe ich begonnen sie zu lieben. Unvergesslich bleibt mir, wie ein grosser Hund mich vor seinem zähnefletschenden «Kollegen» abschirmte und beschützte, so dass ich unversehrt vorbeikam. Ich kann gut verstehen, warum ein Hund zu einem geliebten Familienmitglied wird. Wessen Herz wird nicht weich, wenn ihn treue Hundeaugen ansehen? Wie anrührend ist es doch, wenn ein Hund seinen Menschen stürmisch begrüsst, wenn er jedes Wort von ihm versteht und ganz selbstverständlich gehorcht. Er spürt auch dessen Traurigkeit und leidet mit.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Kürzlich wurden wir Zeuge einer heiteren kleinen Episode:

Foto von Freundin Heidi Wildi

DER MANN und ich sitzen gemütlich beim Kaffee in einem lauschigen Parkcafé und geniessen das warme Wetter. Ich blicke um mich: Büsche, blühende Blumen, uralte, mächtige Bäume – oh, wie wohltuend.

Foto von Freundin Heidi Wildi

Eine Frau kommt auf einem der Wege entlang. Hinter ihr trottet ein grosser Hund. In seinem Maul schleppt er ein dickes Kissen mit sich. Sie nähern sich dem Café, und sie setzt sich denn auch auf eines der Lounge-Canapés. Fürsorglich breitet sie neben sich eine Hundedecke aus. Statt Kaffee bekommt der Hund Fleisch, das er auf dem angrenzenden Rasenstück verzehrt. Ich bin neugierig, gehe zum Tisch der Frau und komme mit ihr ins Gespräch. «Wessen Kissen trägt Ihr Hund mit sich herum? Das ist wohl kaum Ihres?» frage ich und erfahre, dass das kuschelige Stoffding eine Art Plüschtier für den Hund sei. «Er schläft nachts auf dem Kissen, dann ist er zufrieden», erzählt die Besitzerin.

Bevor wir das Café verlassen, sehe ich, dass es sich der Hund inzwischen auf der Hundedecke neben seinem Frauchen gemütlich gemacht hat. Zu unserer Erheiterung schläft er selig – der grosse Kopf ist mitten auf das Kissen gebettet!

Photo by Christian Domingues on Pexels.com

Bin ich froh, dass ich mein eigenes Kopfkissen nicht überall hin mitschleppen muss…

Photo by Engin Akyurt on Pexels.com

Liebe Grüsse, Elisa
01.09.2021

Mutig?

Foto Elisa: Romantisch, nicht?

Kürzlich haben DER MANN und ich etwas (für unser Alter) Mutiges getan: Wir übernachteten im Freien, im Schlosspark eines historischen Hotels! Würden wir der Versuchung, im dazu gehörigen Pavillon in ein «sicheres» Bett zu schlüpfen, widerstehen können?

Foto schlosshuenigen.ch: Ansicht vom Park her
Foto Elisa: Alles bereit fürs Abenteuer

Kaum hatten wir uns im romantischen Himmelbett unter dem Mückenschutz-Netz, auf dem muntere Käfer krabbelten, verkrochen, begann eine Nacht wie noch nie eine zuvor, und an Schlaf war nicht zu denken, obwohl es bereits gegen elf Uhr ging. Mit den verschiedenen Decken und dem überlangen Netz rundum, war bei der flexiblen Boxspring-Matratze an enges Kuscheln nicht zu denken, wir wären vermutlich sogleich gemeinsam vom Bett gerollt. Vier Meter neben uns plätscherte ein kleines Bächlein, auf dem Pfad daneben strebten säumige Paare auf ihrem Abendspaziergang eilig heimwärts. Sahen sie uns?

Photo by Sunsetoned on Pexels.com

Winzig kleine Insekten fanden Gefallen an meiner Nachtcrème und kitzelten mich im Gesicht, denn das Netz liess sich nicht ganz schliessen. Es kreuchte und fleuchte rundherum. Was zwackte hier am Bein, was pikste dort am Fuss? Juckten mich Ameisen? Hoffentlich keine Flöhe! Nachtvögel schrien schrill oder krächzten heiser. Zwischen den Blättern «unseres» Baumes erhaschte mein Blick einzelne Sterne, die von einem klaren Himmel blinkten; eine Sternschnuppe befand sich leider nicht darunter. Von Zeit zu Zeit irrlichterte der Scheinwerfer eines über uns hinweg fliegenden Flugzeugs, in dem ich mich in diesem Moment lieber befunden hätte. Und immer wieder raschelnde Geräusche, die ich nicht einzuordnen vermochte! Hatte es etwa Ratten in der Nähe? Waldgespenster? Einen Fuchs, einen putzigen Waschbären – oder gar einen kräftigen Biber, der den Baum über unseren unschuldigen Häuptern zum Einsturz bringen würde?

Photo by Kat Wood on Pexels.com: Biber
Photo by David Selbert on Pexels.com: Waschbär

Ich horchte und horchte, verscheuchte kleine Plagegeister, bis ich schliesslich eindöste – und wieder erwachte, als DER MANN auf dem Weg zur Toilette auf eine lange, rote Nachtschnecke auf unserem Holzboden trat. Er schimpfte leise, weil er auf dem armen Tier beinahe ausgerutscht wäre. Auf Sensor-Kommando ging auf dem schmalen Balkon unseres Pavillons das Licht an. Jetzt war ich wieder hellwach. So stieg auch ich die kleine Treppe ins Zimmer hinauf. Das weisse Bett leuchtete uns einladend entgegen. Tapfer gingen wir wieder nach draussen. Schliesslich hatten wir dieses Naturerlebnis selber ausgesucht.

Foto DER MANN: Das Innere des Pavillons

DER MANN hatte noch kein Auge zugetan, während ich langsam wegdriftete.

Plötzlich ging ohne unser Zutun das Licht auf dem Balkon an. DER MANN starrte angestrengt ins Dunkel, konnte aber nichts erkennen. War es ein unerwünschter Eindringling? Oder ein huschendes Tier? Nun konnte der Arme definitiv nicht mehr schlafen. Fürsorglich, wie er ist, dachte er wohl, er müsse mich beschützen. Klar, ohne ihn an meiner Seite hätte ich dieses Abenteuer ja auch gar nicht gewagt…

Photo by Frank Cone on Pexels.com

Mein naiv-schwärmerisches Bild von Naturnähe war ins Wanken geraten. Die Natur, überlegte ich, ist absolut souverän. Seit jeher lebt sie unerschütterlich nach ihrem gewohnten Pulsschlag, ob mit oder ohne uns. Hier draussen wollte sie uns keineswegs übel, kümmerte sich aber auch nicht um uns. Wir waren doch die Eindringlinge.

Mit diesen Gedanken liess es sich getrost ein paar Stunden schlummern.

Foto Elisa: Der Balkon des Pavillons

Gegen fünf Uhr morgens weckten mich unbekannte Tierlaute. Ich schaute in die schwache, fast unmerklich beginnende Morgendämmerung, die man mehr ahnen als sehen konnte. Geniesserisch stellte ich mir vor, wie morgens um sieben im Rosengarten des Hotels ein feines Frühstück auf uns wartete – und heisser Kaffee, dies vor allem! Inzwischen war es nämlich kühl geworden, trotz der vielen Decken, die wir um uns gewickelt hatten. Genüsslich sog ich die herrliche, reine Nachtluft in meine Lungen und liess mich treiben, zurück ins Traumland. Gegen halb acht erwachte ich und sah DEN MANN rauchend auf dem Balkon sitzen. Der Gebeutelte hatte überhaupt nicht geschlafen! Immerhin hatte er sich im Zimmer einen kräftigen Nespresso zubereitet.

Foto Elisa: Guten Kaffee hat’s genug!

Nach dem köstlichen Frühstück schlüpfte ich erneut ins Bett, das ich inzwischen am liebsten nicht mehr verlassen hätte. Ich lag bis halb elf faul darin, mitten in der grünen Wiese, und träumte vor mich hin.

Wetten, dass wir in einer zweiten Nacht besser geschlafen hätten? Es muss alles gelernt sein, oder etwa nicht?

DER MANN aber hatte genug. Wahrscheinlich hätte er stattdessen lieber nochmals im Militär campiert…

Foto DER MANN: Ein paar Meter neben unserem Himmelbett
Foto Elisa: Die Welt ist noch in Ordnung!

Schlaft heute Nacht gut und träumt süss.

Liebe Grüsse Elisa
25.08.2021

Rettung

Jungle Animal Sounds: http://www.freeanimalsounds.org

Wie herrlich ist es doch, dass wir uns wieder mit Freunden treffen, Gesellschaft geniessen und unbeschwert lachen können! In froher Runde gut essen! Erst jetzt wird DEM MANN und mir bewusst, wie sehr wir das in den letzten Monaten vermisst haben.

Foto Heidi Wildi: Liebevolles Teilen

Nach der wieder gewonnenen Freiheit schwemmt es nun aber ein anderes, fast noch dringenderes Thema als die Pandemie an die Oberfläche: Unser Klima. Gerade in diesem Sommer, der keiner ist, wird es uns mehr denn je bewusst: Der blaue Planet schreit um Hilfe.

Foto Bernie Ambühl, kurz vor seinem Tod: Wallabi

Machen wir es nicht wie Madame de Pompadour (1721-1764), die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. Das Bonmot, das sie hinterliess, gereicht ihr nicht zur Ehre: «Après moi le déluge!» (Nach mir die Sintflut!)

Foto Heidi Wildi: Orang Utan – Was fällt Ihnen ein, Madame?!!

Die grösste Gefahr für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn rettet. (Robert Swan)

Foto Heidi Wildi: Auf der Insel La Réunion

Fahren wir fort mit unseren Bemühungen, intensiver noch, beharrlich, zuversichtlich. Es kann sich nur lohnen!

Regenwald Sound Entspannung, Film von Dr. C. Neumann
Foto Heidi Wildi: Auf der Insel Sumatra

Liebe Grüsse, Elisa
18.8.2021

Schnarchen

Foto Freundin Heidi Wildi: Sonnenuntergang an der Nordsee

Ist es Euch auch schon passiert, dass Euch im Gespräch eine unbedachte, peinliche oder gar verletzende Bemerkung herausgerutscht ist, so dass Ihr Euch am liebsten unsichtbar gemacht hättet? Mein Sohn war ein äusserst redegewandter Mensch. Nicht so ich. Deshalb bin ich eine Anhängerin des geschriebenen Wortes. Da kann ich meine Aussagen besser formulieren und länger überlegen.

Foto Patentochter Sandra Romano: Sonnenuntergang über dem Bodensee

Ein Referat ist eine Art Mittelding. Es bietet beides: schreiben und reden. Einmal, da mussten wir in einem Seminar zum Erlernen erfolgreichen Referierens ganz zu Beginn ein Kurzreferat mit einem frei wählbaren Thema halten, für dessen Vorbereitung wir Teilnehmenden nur 10 Minuten (!) Zeit bekamen. Wahrscheinlich war ich frühmorgens noch etwas schläfrig, denn der Inhalt meines Referats drehte sich um schnarchende Ehemänner – das, obwohl DER MANN ein ganz ruhiger Schläfer ist. (Ich bin ein richtiger Glückspilz!) Aber hört zu:

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„Lachen Sie, und die Welt lacht mit Ihnen – schnarchen Sie, und Sie schlafen allein.“ Der dies gesagt hat, war der bekannte irische Komiker Dave Allan. Nun weiss ich nicht, ob er geschieden oder (noch) verheiratet war, aber ganz bestimmt sprach er aus Erfahrung.

Liebe Ladies, habt Ihr auch schon stundenlang schlaflos neben Eurem schnarchenden Ehemann gelegen und ihn ins Pfefferland gewünscht? Da muss man sich schon die Frage stellen: ‚Schadet Schnarchen der Ehe? ’ Meine These dazu lautet: ‚Nein, im Gegenteil, es tut der Ehe gut’.

Wie komme ich zu einer solch kühnen Behauptung? Wir alle kennen Paare, die wegen der schnarchenden (meist männlichen) Ehehälfte arg zerstritten sind. Das Problem kann sofort wesentlich entschärft werden, wenn sich die Ehefrau von den positiven Auswirkungen überzeugen lässt, die Schnarchen auf ihre Ehe hat.  

Foto Timmy Fryar: Geisterstunde

Ich nenne hier drei der wichtigsten Punkte:

  • Schnarchen macht die Ehe zu einem Abenteuer, denn die Nächte bleiben spannend. SIE fragt sich nämlich ständig: Hört ER endlich auf zu schnarchen – oder schnarcht ER weiter?
  • Schnarchen fördert die Treue. Man stelle sich die ernüchterte Geliebte vor, wenn der feurige Liebhaber nach dem Schäferstündchen erschöpft einschläft und – plötzlich laut zu schnarchen beginnt! Das erträgt nur eine liebende Ehefrau.
  • Schnarchen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl! Denn die Ehefrau weiss stets, wo ER ist!

Darum, liebe Männer, schnarcht ruhig weiter!

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Soweit mein Referat, das natürlich alles andere als ernst gemeint war. Die Lacher hatte ich auf meiner Seite, die Ärzte bestimmt nicht. Denn Schnarcher (ob Mann oder Frau) leiden meist an einer Schlaf-Apnoe, die nicht nur ein lästiges Übel, sondern ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem anzeigt. Bei Schnarch-Beschwerden also bitte raschestmöglich einen Arzt aufsuchen und die Schlafstörung untersuchen lassen!

Ich wünsche Euch eine ungestörte Nachtruhe.

Liebe Grüsse, Elisa
04.08.2021

Foto Patentochter Sandra Romano: Schwan im Bodensee

Die Verwandlung

Photo: Freundin Heidi Wildi

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.
(Hermann Hesse)

Foto von Patentochter Sandra Romano
Foto Heidi Wildi

Liebt Ihr Schmetterlinge? Mich entzücken diese überaus zarten Insekten mit ihren kunstvollen Mustern und intensiven Farben, die uns so anmutig umflattern! Sie erinnern an Freiheit und Kreativität, an Leichtigkeit, Neubeginn und Freude. Sie leben nur für den Moment, tanzen durch den Sommer, flügeln von Blume zu Blume, wie wenn es nichts Schöneres gäbe.

Foto Heidi Wildi

In der Antike wurde der Schmetterling, nach langer äusserer Ruhe und durch das Verpuppen und Schlüpfen aus dem anscheinend leblosen Kokon, zum Sinnbild für Wiedergeburt, Auferstehung ja gar Unsterblichkeit. In der griechischen und römischen Mythologie erscheint die Seele oft mit Schmetterlingsflügeln. Vom Tod erlöst, kann sie sich von ihrer Hülle entfernen und frei in die Höhe erheben.

Selbst in christlichen Ländern wie der Schweiz stehen Puppe und Schmetterling für die Auferstehung. Und so findet man ihn auf zahlreichen Grabsteinen oder als Grabschmuck. Vielleicht habt Ihr diesen Gedanken in Todesanzeigen auch schon gelesen? «Es ist das Ende, sagte die Raupe. Es ist erst der Anfang, sagte der Schmetterling.»

Foto Heidi Wildi

Das Erstaunlichste ist tatsächlich die Morphose, die Schmetterlinge während ihres Lebens erfahren. Die Veränderung ihrer Gestalt ist gewiss ungewöhnlich: Aus den Eiern werden Raupen, die nicht fliegen können, sich aber durch Formveränderung fortbewegen und viel, viel fressen, damit sie rasch wachsen. Dabei häuten sie sich mehrfach, um grösser zu werden. Ist das Raupenstadium abgeschlossen, werden sie unter Bildung einer festeren Hülle zur Puppe. Äusserlich scheinen sie monatelang in einem Ruhezustand, doch innerhalb der Puppe pulst Leben, sie verändern sich enorm. Sie bilden Flügel aus und wandeln sich zum sogenannten Falter.

Foto Heidi Wildi: Die „dicke Banane“

Die Falter nehmen durch den Saugrüssel Nahrung auf. Sind sie gesättigt, rollen sie ihn zu einer kleinen Spirale auf. Zwei Dinge habe ich mit ihnen gemeinsam: meinen Übernamen «Sommervögeli» und die Vorliebe für Süsses.

Foto Heidi Wildi

«Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.» (Hans Christian Andersen)

Wart Ihr schon einmal in einem Papiliorama? In unserem Nachbarkanton Freiburg ist das ein ausgedehnter Tropengarten, der besonders für die Haltung von Schmetterlingen berühmt ist. Gleichzeitig gibt es auch eine Vielzahl von nachtaktiven Tieren und farbigen Vögeln zu entdecken. In der tropischen Landschaft, die schon beim Eintreten wohlige Erinnerungen bei mir wachruft, bilden Orchideen, Fächerpalmen, Feigenbäume, Muskatnüsse – kurz, etwa 120 Pflanzenarten – eine wunderbare Einheit mit der Fauna.

Foto Heidi Wildi

Kürzlich besuchte ich das Papiliorama mit Freundin Heidi. Kaum hatten wir den schwül-warmen Ort betreten, machte mein Herz einen Freudensprung. Es wimmelte von Schmetterlingen, die uns umgaukelten. Gemäss der Broschüre waren es über 1000! Die einen flogen hoch hinaus, andere flatterten knapp über unsere Köpfe oder setzten sich auf nahe Pflanzen; wieder andere naschten an den Futterschalen auf unserer Augenhöhe, ohne sich stören zu lassen. Es war ein farbenfrohes, tief entspannendes Schauspiel, die bunt-schimmernden Wesen erschienen mir wie fröhliche Boten aus einer anderen Welt. Freundin Heidi, eine passionierte Natur- und Tierfreundin, war begeistert, dass sich so viele bestens fotografieren liessen. Die Fotos in diesem Beitrag stammen von ihr.

Foto Heidi Wildi

Völlig unerwartet setzte sich ein grosser Schmetterling auf meine Schulter. Die leuchtend blaue Farbe war mir bereits beim Betreten der Halle an den besonders hoch fliegenden Exemplaren aufgefallen. Ich erlebte wahrhaftig «ein blaues Wunder»! Darob geriet ich ganz aus dem Häuschen. Heidi reagierte rasch mit der Kamera. Auch fremde Leute wollten ein Foto. Ich ging vorsichtig weiter, und der blaue Morphofalter begleitete mich eine ganze Weile.

Foto Heidi Wildi: Blauer Morphofalter
oder Himmelsfalter aus der Familie der Edelfalter

«Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihn, und er entflieht dir. Halte still, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.» (Unbekannt)

Foto Heidi Wildi

Wie freuten wir uns, als Heidi ebenfalls beglückt wurde – von einem wunderbar gezeichneten, braunen Schmetterling! Doch nur einen Moment lang. Denn ein Mann «stahl» ihn kurzerhand von ihrer Schulter, um ihn auf dem Arm seines kleinen Jungen zu platzieren – ohne Bitte um Erlaubnis, ohne Erklärung – und weg war er. Wie ein dreister Raubvogel! Wir schauten verblüfft wie diese Schildkröte…

Foto Heidi Wildi
Foto Heidi Wildi

Ich wünsche Euch viel Freude an Schmetterlingen und, auch im Alltag, zahlreiche Glücksmomente, die Euch immer wieder zufliegen.

Elisa
28.07.2021

Foto Heidi Wildi

Der Heiratsantrag Teil II

Photo by: Freundin Doris Dätwyler

Es ist schön, auf sein Leben zurückzuschauen und die Dinge als Lernschritte zu sehen –
und nicht als Ereignisse, die es zu bedauern gilt.»
(Zitat Kally, Blog MiddleMe)

Mit diesen weisen Gedanken wage ich mich an die Fortsetzung meiner Geschichte. Begleitet Ihr mich erneut ins Paris der 60er Jahre, mitten ins quirlige Zentrum? Also:

Zum Umsteigen in St. Lazare blieb genügend Zeit, so dass Monsieur X und ich oft zusammen noch einen Kaffee tranken und uns rasch ein «Croque Monsieur» schmecken liessen, Pariser Kellner sind bekanntlich wieselflink. Manchmal promenierten wir lediglich in der grossen Bahnhofhalle, in ein anregendes Gespräch vertieft. Er erzählte mir, dass er fleissig für eine höhere Buchhalterprüfung arbeite, damit er beruflich vorwärtskomme. Darum habe er keine Zeit, mich an den Wochenenden zu sehen.

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Ich verschwieg ihm, dass mich das nicht weiter störte. Ich hatte einen kleinen, aber guten Freundeskreis. Eines Tages – ich glaube, es war an einem Donnerstagabend Anfang März, mein Praktikumsjahr neigte sich langsam dem Ende zu – da ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Wie gewohnt, schlenderten wir durch die Bahnhofhalle, als mir Monsieur X freudestrahlend berichtete, dass er die anspruchsvolle Prüfung geschafft habe. Natürlich gratulierte ich ihm herzlich. Hierauf fragte er mich, ob mir «Holiday on Ice» gefalle und ich Lust auf eine Aufführung am kommenden Samstagabend hätte, zwei Billette seien bereits in seinem Besitz. Nach meiner erfreuten Zusage fuhr er fort: «Am Morgen könnten Sie mit mir per Métro an den Stadtrand fahren, ich würde Ihnen gerne etwas zeigen.» «Was denn?» fragte ich neugierig. «Ich habe ein hübsches kleines Haus mit blühendem Garten in fast schon ländlicher Umgebung gekauft», erklärte er stolz. Dass er mir sein Haus zeigen wollte, fand ich etwas eigenartig, versprach ihm aber zu kommen. Waren wir nicht Freunde?

Photo by: Freundin Heidi Wildi

Dann geriet er ins Stocken. «Was wäre, wenn, wenn… ich will sagen…» Ich schaute ihn von der Seite an. Er war rot im Gesicht vor Verlegenheit, wirkte unsicher. Ich wunderte mich und wartete. Schlussendlich platzte er heraus: «Was meinen Sie dazu, wenn wir unser Leben lang so wie heute miteinander weitergingen, Seite an Seite?»

Ich fiel aus allen Wolken. Ratlos starrte ich ihn an, wusste nicht, wie reagieren. War das ein Heiratsantrag? Eines war mir jedoch mit Sicherheit klar: ich war keineswegs in ihn verliebt. Warum schien er das zu glauben? Ich fühlte mich auf einmal schuldig und rief: «Habe ich Ihnen je den geringsten Anlass gegeben, Liebe bei mir zu vermuten?» Ungeschickter hätte man es nicht sagen können! Der verhängnisvolle Satz war raus, bevor ich mir etwas Freundlicheres überlegen konnte. Er wurde leichenblass. Abrupt machte er kehrt und entfernte sich wortlos. Ein Stich durchfuhr mein Herz. Ich ahnte, dass ich soeben seine Freundschaft verloren hatte.

Photo by Margerretta on Pexels.com

Die Diktate bei Monsieur X wurden mühsam. Er äusserte nie mehr ein freundliches Wort, sagte nur noch das, was für die Arbeit absolut nötig war. Die Kälte, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte, machte es mir unmöglich, ihm im Nachhinein meine Absage einfühlsam zu begründen. Nach etwa 10 Tagen meinte er mit zusammengepressten Lippen: «Ich habe das hübsche Haus verkauft, da Sie es ja nicht haben wollen.» Es klang sehr bitter.

An einem Abend im April kam eine rundliche, dunkelhaarige Frau zu uns ins Büro. Die Tür stand offen. Mein Pult war das vorderste. Sie pflanzte sich vor mir auf. Böse Blicke schossen aus ihren schwarzen Augen. Am liebsten hätte ich mich geduckt. Sie sagte nichts, musterte mich nur von Kopf bis Fuss. Nachdem sie sich umgedreht hatte, fragte ich meine Kolleginnen: «Wer war denn das?» Die älteste von ihnen verkniff sich ein Lachen, als sie antwortete: «Das ist die griechische Tante von Monsieur X, er ist bei ihr aufgewachsen. Wir haben längst gemerkt, dass er in Sie verliebt ist. Sie ist sicher gekommen, um Sie zu begutachten.» Begutachten? Wohl eher das Gegenteil.

Ende April war mein Jahr um. Während Kolleginnen und Kollegen mich mit Geschenken und guten Wünschen verabschiedeten, sagte mir Monsieur X nicht einmal «Adieu». Und in einer Vorstellung von «Holiday on Ice» bin ich bis heute nicht gewesen. Die Lust darauf ist mir vergangen.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mit Charme auf einen Heiratsantrag zu reagieren – doch inzwischen bekomme ich keinen mehr…

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Liebe Grüsse, Elisa
21.07.2021


Der Heiratsantrag, Teil I

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Eine Episode aus meiner Pariser Zeit vor vielen, vielen Jahren passt zum heutigen französischen Nationaltag. Der 14 juillet erinnert an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789. In meinem Beitrag geht es allerdings etwas weniger stürmisch zu und her. Obwohl die Liebe, wie wir wissen, tatsächlich stürmisch sein kann…

Machen Euch, liebe Ladies, Heiratsanträge glücklich? Vielleicht erwartet Ihr gar in diesem Jahr einen von Eurem Liebsten. In Filmen ist es meist der Höhepunkt, wenn er um ihre Hand anhält. Allerdings braucht es dazu den Richtigen, nicht wahr?

Photo by Pixabay on Pexels.com

Damals, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, war ich noch nicht ganz 21, ziemlich schüchtern und naiv, und dachte an alles andere als ans Heiraten. Erstaunlich, dass ich trotzdem zwei Jahre später bereits Ehefrau war.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Der Frühling in Paris hat etwas Unwiderstehliches: Ein Meer von Tulpen und duftender Blüten, zartes Grün und Vogelgezwitscher, die breiten Avenues und Boulevards gesäumt von einer Vielzahl lichtgrüner Alleebäume, die zartflauschigen rosa Blüten der Japanischen Zierkirsche der wahr gewordene Traum von «La vie en rose»! Damals war Catherina Valentes Song «Ganz Paris träumt von der Liebe» in aller Ohren. Er drückte das spritzige Lebensgefühl der frühen 60er Jahre auf unvergleichliche Weise aus. (Seufz!)

Photo by Kristina Paukshtite on Pexels.com

Im Mai 1964 trat ich bei einer Rückversicherungsgesellschaft in Paris eine Stelle als Praktikantin an. Anfangs verzehrte ich mich nach meiner Familie und der Schweiz, aber nicht lange, Paris war zu aufregend.

Als ich das erste Mal ins Diktat zu einem jungen Kollegen musste, warnten mich die Frauen in meinem Büro: «Bei dem musst du aufpassen. Der hat lockere Hände, wenn er allein ist mit einer hübschen Praktikantin.» Mit klopfendem Herzen ging ich zu ihm und setzte mich auf den äussersten Rand meines Stuhls, um gegebenenfalls sofort fliehen zu können. Der junge Mann war gutaussehend und gebildet, er stammte von einer griechischen Mutter und einem englischen Vater ab, was seinen Charakter auf etwas ungewohnte Art beeinflusst hatte.

Photo by jimmy teoh on Pexels.com

Sein rassiges Aussehen war südländisch, sein Temperament auch, es wurde jedoch von einem leicht ungelenken, ja sogar steifen sozialen Umgang gebremst. So, wie er meist seine Gefühle verbarg, erinnerte er an einen Engländer mit «stiff upper lip». Nachdem der verhasste Vizedirektor ihn einmal in meiner Gegenwart gedemütigt hatte, schmiss er nachher in stiller Wut einen Riesenstapel dicker Dossiers zu Boden, sie schlitterten bis ans Ende des langen Korridors. Hierauf sammelte er das Blätter-Chaos beherrscht und stumm wieder auf, bevor jemand anderes es bemerkte.

Photo by Chris Schippers on Pexels.com

Dieser Mann sollte unanständig sein? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich nahm ihn täglich als freundlichen, hilfsbereiten Kollegen wahr. Meine Kolleginnen befragten mich, quittierten meinen entlastenden Bericht aber mit einem besserwisserischen Lächeln, worauf ich den Mund hielt. Warum glaubten sie mir nicht, dass es ausser Händeschütteln nie auch nur die kleinste Berührung gab?

Mit der Zeit entwickelte sich zwischen Monsieur X und mir so etwas wie Freundschaft. Abends begleitete er mich oft bis zum Gare St. Lazare, wo ich die Métro wechseln musste, um meine Abendkurse zu besuchen. Bei der «Alliance Française» war mir der Kunstunterricht bei Monsieur Cusse am liebsten, der, wenn er uns ein Frauengemälde vorstellte, schwärmerisch zu seufzen pflegte: «Comme elle est bääälle! Schaut euch die weichen Linien an, die Vollkommenheit des Körpers, die weiss-schimmernde Haut!» Einmal erzählte er, dass er einst Farah Diba in Architektur geschult habe. Das war, bevor der persische Schah Mohammed Reza Pahlevi sie Ende 1959 zur Frau nahm und berühmt machte.

Foto Wikipedia: Die schöne Farah Diba Pahlevi

Fortsetzung folgt!

Träumt inzwischen von der Liebe! Liebesträume sind weder an den 14 juillet noch an Paris gebunden.
Herzlichst, Elisa
14.07.2021

Freundliche Menschen

Foto Elisa: Peonie in voller Blüte

Ich bin immer wieder glücklich darüber, wenn ich Freundlichkeit von fremden Menschen erfahre – dies gilt insbesondere auf Reisen. Natürlich komme ich eher in den Genuss, wenn ich allein unterwegs bin/war, denn dann bin ich offener und empfänglicher.  

Es versteht sich von selbst, dass man gerade als allein reisende Frau klare Signale aussendet: Ich bin nicht auf Abenteuer aus! Wie uns allen klar ist, gibt es den einen oder anderen allein reisenden Mann, der wie ein hungriger Bär hinter dem Honig herjagt. Pssst! Wenn ich hungrig bin, dann will ich mir den Bären selbst aussuchen.

Doch zurück zur kleinen Auswahl an Liebenswürdigkeiten:

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– In Mallorca war ich unsicher, von welcher Bushaltestelle aus ich das historische Zentrum Palmas erforschen sollte. Ich fragte einen älteren Herrn, der eben im Begriff war auszusteigen. «Wenn Sie einen Moment Geduld haben, bis ich auf der Bank war», erklärte er auf Englisch, «dann zeige ich Ihnen Palma.» Es wurde ein höchst vergnüglicher Tag. Es ging nicht nur in ein feines Restaurant zum Essen und danach zum Dessert in die älteste Konditorei mit den prächtig bemalten Kacheln, sondern ebenso zu ganz besonderen Sehenswürdigkeiten, so etwa zum Palast einer mit meinem adligen Begleiter befreundeten Marquesa. Es gab Portwein und einen herrlichen Blick aufs Meer, auch auf den Nachbarpark, der zum Feriendomizil von König Juan Carlos gehörte, der damals noch Achtung genoss. Trotz Sonnenschein waren die schönen hohen Zimmer kühl. Die Marquesa sass in einem bequemen Sessel und wärmte ihre Füsse an einem kleinen Kohleöfchen. Die durchgehenden Zimmerfluchten liessen bei geöffneten Türen das Sonnenlicht durch alle Zimmer fluten. Ich stelle es mir erhebend vor, wenn beim morgendlichen Erwachen der Blick vom Bett aus direkt auf die glitzernde Meeresfläche fällt.

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– An der englischen Südküste erkundigte ich mich beim Buschauffeur nach der Haltestelle für ein zum Museum umgestaltetes Landhaus. „No problem, Sweetheart“, lachte er und fuhr trotz des vollbesetzten Buses einen Umweg, so dass ich direkt vor meinem Ziel aussteigen konnte! So früh am Morgen war ich dort die einzige Besucherin. Der freundliche Herr, der die Aufsicht hatte, machte für mich eine private Führung durch das ganze Haus, inkl. Dienstbotenzimmern im Dachgeschoss und Arbeitsräumen im Keller. Er gewährte mir einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit des noblen englischen Landlebens. Ich blieb mehr als drei Stunden!

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– Im gleichen Küstenort begann es auf einem meiner Spaziergänge wie aus Kübeln zu regnen. Es war Samstagmorgen. Ich rettete mich in einen Hauseingang neben einem danebenliegenden Erker, der offenbar als Büro diente. Plötzlich öffnete einer der arbeitenden Gentlemen die Türe: «Sie brauchen doch nicht hier draussen zu stehen! Kommen sie herein ins Trockene, ich mache Ihnen eine heisse Tasse Tee!» Eine Tasse Tee ist für Engländer bei jeder Unbill so etwas wie ein Zaubertrunk.

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– Auf meinem Flug nach New York sass ich in einer Dreier-Reihe mit einem amerikanischen Ehepaar. Während des ganzen Fluges unterhielt ich mich angeregt mit der Dame, die im sozialen Bereich tätig war. Die Familie des Mannes führte ihren Stammbaum auf den Reformator Johannes Calvin in Genf zurück, darum hatten sie die Schweiz besucht. Als wir uns dem Ziel näherten, sagte er: «Setzen Sie sich doch auf meinen Platz am Fenster und geniessen Sie die Aussicht auf Long Island. Es lohnt sich.» Mit diesen Menschen verband mich bis zu ihrem Tod eine jahrelange Freundschaft. Sie besuchten mich in der Schweiz. Mit DEM MANN zusammen übernachtete ich ein paar Jahre später auf unserer dreiwöchigen Fahrt durch die Neuengland-Staaten in ihrem Haus. Wir vier genossen unser Zusammensein mit guten Gesprächen, viel Heiterkeit, spannendem Sightseeing – und natürlich feinem Essen. Wie in den Staaten üblich, wurden dazu auch die Nachbarn eingeladen, um die „Swiss Friends“ vorzuzeigen. Am zweitletzten Tag packte Bob unsere Souvenirs ein und schickte sie per Schiff in die Schweiz, um die Gepäcklast für DEN MANN (!) zu verringern, während Marie unsere auf der Amerika-Reise angefallene Schmutzwäsche wusch und plättete.

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– Auf Mauritius musste ich mittags das Hotelzimmer verlassen, wurde aber erst abends mit dem Bus zum Flughafen abgeholt. Das war unbequem, vor allem, weil ich den Strand noch ein wenig geniessen wollte. Dort kam ich ins Gespräch mit einem Flugbegleiter der South African Airways. Charmant bot er mir gegen Abend sein Zimmer an, um zu duschen und mein Badekostüm gegen Reisekleidung einzutauschen. Er winkte mir zum Abschied, als wären wir alte Freunde – was wir später denn auch geworden sind.  

Na Pali Coast Kauai’i, Foto: Hawaii Tourism Authoritiy/Tor Johnson

– Nach unseren Hawai’i-Ferien kamen der DER MANN und ich auf der Rückreise bereits kurz vor 06.00h morgens im Hotel Hilton Airport in Los Angeles an. Der Nachtportier, dem ich unser Schlafdefizit schilderte, erbarmte sich unser. Obwohl wir laut Reiseprogramm erst ab 14.00h ein Zimmer gehabt hätten, machte er es möglich, dass wir nach einem reichlichen, gratis offerierten Frühstück schon um 08.00h in herrlich weiche Betten sinken konnten, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen – notabene ohne Mehrkosten, trotz des zusätzlichen Tages. Unbezahlbar! Ausgeschlafen, verbrachten wir den Nachmittag gutgelaunt mit Flanieren, Shoppen und anschliessendem Apéro an der durch Filme berühmten Meerespromenade von L.A., bevor nachts unser Flugzeug zurück in die Schweiz abhob.

Foto: Venice Beach by iStock-638340372

Dies sind nur ein paar meiner Erlebnisse. Gewiss erlebt Ihr auch immer wieder solch uneigennützige Herzenswärme. Das Schöne ist, dass wir uns bei solchen Begegnungen Fremden auf einmal sehr nahe fühlen, und oftmals werden Adressen ausgetauscht. Was für ein erfrischender Beitrag zur Völkerverständigung!

Selbstverständlich habe ich das Empfangene an Besucher unseres Landes weitergegeben und manche bewirtet – bis, ja, bis es einmal schief ging.

Aber das ist eine andere Geschichte…

Liebe Grüsse, Elisa
07.07.2021