Tulpen

Foto von Freundin Barbara Butscher

Mögt Ihr Tulpen? Mich erfreuen sie jedes Frühjahr neu. Besonders gefallen mir die alten Arten mit ihren eigenwilligen Formen, ihren glühenden Farben und Zeichnungen, wie man sie im Barockgarten des Aargauer Schlosses Wildegg bewundern kann, wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt. Kürzlich besuchten DER MANN und ich auch das jährlich stattfindende Tulpenfest in Morges, wo die herrlichen Blumen im Park am Genfersee unter uralten Bäumen ihre Farbenpracht entfalten. (Danke für den Tipp, liebe Daniela!)

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges
Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Ursprünglich kommen Tulpen aus der Türkei und aus Persien. Konstantinopel, das heutige Istanbul, galt im 16. Jahrhundert als eine der schönsten Städte der Welt. Es war das Zentrum des Handels, des Verkehrs, der Kultur, der Politik – und die Palastgärten der osmanischen Sultane waren verschwenderisch mit Tulpen geschmückt.

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Tulipa ist der lateinische Name für die Tulpe. Dies ist von Tulipan abgeleitet, was Turban bedeutet. Die Form der Tulpen wurde in der damaligen Zeit mit der Form eines Turbans verglichen.

In Persien wurden der Handel und die Kultivierung der Tulpen streng geschützt. Es war verboten, außerhalb der Hauptstadt mit Tulpen zu handeln. Auf Nicht-Befolgen standen schwere Strafen.

Foto Elisa: Tulpenfest Morges

Die Tulpe wurde sehr beliebt und entwickelte sich zum Symbol für Macht und Reichtum. Sultan Ahmed III beschenkte wichtige Gäste seiner Tulpenfeste mit Tulpenzwiebeln. Und so kamen die Tulpen um 1578 über Großbritannien nach Holland.

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Ob das klug war? Von Tulpen kennt man nämlich noch einen völlig anderen, einen kommerziellen Aspekt. Seit der Ausstellung ‚Das Kapital’ im Nationalmuseum in Zürich vor ein paar Jahren erzählt man sich in manchen Büros vom ersten Börsen-Crash der Geschichte, der sich im 17. Jahrhundert in Amsterdam ereignete. Denkt nur, man spekulierte damals mit Tulpenzwiebeln! Tulpen wurden schon kurz nach ihrer Einführung in die Niederlande in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Liebhaberobjekt. Reiche gab es selbstredend schon damals. Man pflanzte die Tulpen vorweg in ihren Gärten, dann auch in jenen von Aristokraten und Gebildeten. Bis Ende des Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Tauschhandel mit den begehrten Zwiebeln der kommerzielle Handel, und das war der erste Schritt auf dem Pfad der Bedrängnis. Denn nun stiegen, wie nicht anders zu erwarten, die Preise munter drauflos. Schliesslich kletterten sie in derart absurde Höhen, dass der Markt um 1637 abrupt einbrach – und die westliche Welt hatte ihre erste Finanzkrise! Und damit all die schlimmen Folgen, wie wir sie ebenfalls kennen und fürchten. Die Tulpenmanie wird in der Tat als die erste, relativ gut dokumentierte Spekulationsblase der europäischen Wirtschaftsgeschichte angesehen!

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Am Beispiel der beiden Wirtschaftsmächte Venedig ab dem 13. Jahrhundert und Amsterdam im 17. Jahrhundert veranschaulichten die Zürcher Ausstellungsmacher, wie die Grundlagen unseres heutigen Wirtschaftssystems entstanden sind. Beide Städte spielten in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Europas eine entscheidende Rolle.

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Können wir etwas lernen aus ihrem Aufstieg, ihrer Blütezeit – und vor allem aus ihrem Niedergang? Schön wär’s, aber ich zweifle daran. Denn schon immer führte grosser Wohlstand zu vermehrter Trägheit und zu Genusssucht. In unseren Bestrebungen, Wünschen und Begehrlichkeiten gleichen wir Menschen einander durch Jahrhunderte, über Länder und Sitten hinweg auf erstaunliche Weise.

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Vielleicht könnte man die Menschen und sich selbst ändern, wenn man genug Geduld und Gelassenheit aufbrächte. Geduld ist allerdings nicht mein Ding. Zum Glück bin ich da nicht der Maßstab.

Denn es gibt überall geduldige Leute. Lasst mich aus dem Buch „Afrika Afrika“ von David Lamb zitieren: In Afrika leben die Menschen nicht nach der Uhr. Sie haben immer Zeit, denn Zeit ist das einzige, was im Überfluss zu haben ist. Unsere Ungeduld verwundert sie. „Ich weiss nicht, warum Sie sich so aufregen,“ sagte der Angestellte einer afrikanischen Fluglinie zu einem europäischen Passagier, der an einem Mittwoch im kleinen Flughafen ‚gestrandet’ war. „Am Samstag geht doch wieder ein neuer Flug.“

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Nun wünsche ich Euch viel Geduld und jedes Frühjahr einen neuen leuchtenden Tulpen-Segen! Aber bitte nicht damit spekulieren!

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Foto Elisa: Tulpenfest in Morges

Unwiderstehlich, oder nicht? Elisa
17.05.2022

Vergesslichkeit

Ein Arzt, den ich zum ersten Mal aufsuchte, vergass im Laufe der Konsultation meinen Namen. «Ich werde langsam alt», meinte der vermutlich fast 20 Jahre jüngere Mann entschuldigend. «Es wird noch schlimmer», platzte ich heraus. «Vielen Dank für die freundliche Information», entgegnete er trocken.

Übersetzung: Der Arzt wünscht eine Stuhl-, eine Urin und eine Sperma-Probe. – Was hat sie gesagt? – Sie brauchen Deine Unterhose.

Ach, alt werden ist nicht immer lustig. Wie oft vergesse ich, kaum, dass ich ins Zimmer getreten bin, was ich eigentlich hier holen oder tun wollte. Noch öfter vergesse ich, wo mein Smart-Phone oder der Hausschlüssel liegt. Schusselig bin ich geworden! Ein Dialog zwischen mir und DEM MANN könnte z.B. so ablaufen: «Wenn du schon ins Schlafzimmer gehst, könntest du mir das Dings mitbringen, das ich kürzlich gekauft habe – wie heisst es doch gleich – es steht auf der Kommode?» Er, etwas später: «Ich weiss nicht, was du meinst. Es hat eine Menge Dingsbums auf der Kommode.» Glücklicherweise hat’s bisher noch nie handgreifliche Missverständnisse zwischen uns gegeben!

Klar, ich übertreibe, aber nur ein bisschen…

Übersetzung: Weisst du, was sie übers Älterwerden sagen? – Nein. – Tja, ich erinnere mich auch nicht mehr.

Bei Professoren und Künstlern gilt Zerstreutheit als normal. Sie können noch so alt sein: Von ihnen wird gesagt, dass sie abwesend seien, weil sie an etwas Genialem herumstudieren würden. Habt Ihr diesen Witz auch schon einmal gehört? Zwei Professoren gehen zum Bahnhof, der ältere begleitet den jüngeren Kollegen zum Zug. Als dieser einfährt, umarmen sich die beiden herzlich. Dann steigt der eine ein. Nachdem sich der Zug in Bewegung gesetzt hat, lässt sich der Professor in einem Abteil, in dem bereits eine Dame sitzt, auf den äußersten Sitzplatz plumpsen, mit allen Anzeichen größter Verzweiflung. Teilnahmsvoll sagt sie: «Ihr Kollege ist wohl ein besonderer Freund? Seien Sie nicht traurig. Wie ich gesehen habe, konnten Sie sich ausgiebig von ihm verabschieden.» «Ja, aber das ist nicht das Problem! Ich habe ihn nur zum Bahnhof begleitet. Er hätte in den Zug einsteigen sollen, nicht ich!»

Übersetzung: Das Alter hat seine Vorteile. Zu blöd, dass ich mich nicht erinnere, welche.

Auch Einstein war bisweilen abwesend. Wieder einmal saß er im Zug. Als der Schaffner kam, konnte Einstein seine Fahrkarte nicht finden. Er suchte in seinen Taschen, sah in seine Brieftasche und war sehr verwirrt. Der Schaffner wollte ihn beruhigen. «Herr Einstein, machen Sie sich keine Sorgen. Ich weiß, wer Sie sind. Sie müssen mir Ihre Fahrkarte nicht zeigen.» Zwanzig Minuten später kam der Schaffner den Gang zurück und sah, dass Einstein immer noch suchte. Noch einmal beugte sich der freundliche Mann zum Gelehrten und sagte: «Bitte sorgen Sie sich nicht, ich weiß, wer Sie sind.» Daraufhin erhob sich Einstein und sagte barsch: «Junger Mann, ich weiß auch, wer ich bin, aber ich versuche meine Fahrkarte zu finden, weil ich herausfinden möchte, wohin ich fahre.»

Ist das ein Trost für DEN MANN und mich? Nicht wirklich. Ich weiss gar nicht, soll ich nun lachen oder weinen?

Kurz und (un)gut: Das Alter kommt im dümmsten Moment. Wenn man endlich alles weiss, fängt man schon wieder an, es zu vergessen.

Von wegen «alt und weise» – was war es schon wieder, was ich noch sagen wollte? Hab’s leider vergessen… Macht nichts, vielleicht erinnere ich mich beim nächsten Blog… Vergesst nicht, ihn dann zu lesen!

Eure zerstreute Elisa
11.05.2022

„Moments“

Foto von Freundin Heidi Wildi: Orchideen

Kürzlich sagt ein Bekannter während eines Gedankenaustausches: „Jeder bekommt im Leben immer wieder Momente, wo er absolut frei beschliessen kann, wie sein weiterer Weg sich entwickelt. In diesem kurzen Moment musst du dich für das Richtige, d.h. für das für dich wirklich Passende entscheiden. Versäumst du es, gibt es unnötige und zum Teil sehr schmerzliche Umwege.“ „Das ist hochinteressant“, erwidere ich. „Nur, wie machst du das konkret?“ „Ich gebe dir ein einfaches Beispiel. Du gehst in eine Kleiderboutique. Dort siehst du unter vielen DAS Kleid, das du willst und das zu dir passt. Du spürst es, noch bevor du es anprobiert hast. Dann kaufst du es doch, oder?“ Das tönt simpel, ist es jedoch kaum!

Ein vollkommenes, erfülltes Leben, das wünschen wir uns alle. Oder doch nicht? Ich denke nach. Ehrlich gesagt, habe ich durch Umwege, durch Fehlentscheide am meisten gelernt; zugegeben, nicht immer freiwillig und schon gar nicht frohen Herzens. Aber möglicherweise brauchen wir solche Herausforderungen – und sind wir nicht auf dieser Erde, um zu lernen und zu reifen?

Doch dann kommt mir dieser abscheuliche, sinnlose Krieg in den Sinn. Mit Sicherheit gibt es Fehlentscheide, die nie gemacht werden dürften. Solche nämlich, die andere ins Verderben stürzen. Beschlüsse, die aus persönlicher Machtgier, Menschenverachtung, Hass, schreiendem Unrecht und purem Egoismus heraus gefällt werden und unermessliches Leid hervorrufen. Sie lassen uns erstarren und machen in aller Deutlichkeit klar, dass Entscheide, ob für uns selbst oder für andere, unbedingt der Ethik, der Achtung, dem Mitgefühl und der Verantwortung unseres innersten Wesenskerns entspringen müssen.

Foto Freundin Heidi Wildi: Die Sonne und der Saharastaub

Mögen die Verantwortlichen dieses Krieges wenigstens einen Zipfel ihrer verschütteten Menschlichkeit wieder entdecken und ausgraben, und mögen ihre Kontrahenten mit der Weisheit König Salomos gesegnet sein!

Photo by Pixabay on Pexels.com

Dafür bete ich in diesen Wochen von ganzem Herzen.
Eure Elisa
04.05.2022

Sex and more

Photo by Gotta Be Worth It on Pexels.com

Hallo, Ihr Lieben,

Stellt Euch vor, DER MANN durfte mich nach meinem Spitalaufenthalt für zwei Wochen als „Kurschatten“, pardon als Erholungsgast, in die Rehabilitations-Klinik (REHA) begleiten. Praktisch, nicht?

Da kommt mir in den Sinn: Einmal, vor etwa dreissig Jahren, hatte ich einen echten Kurschatten. Dieser überredete mich charmant dazu, an meinem Austrittstag noch rasch mit ihm per Sessellift einen Berg hinauf zu schaukeln. Man glaubt es kaum und doch ist’s wahr: Auf der Rückfahrt blieb unser Sessel einfach in der Luft stehen, hoch über der sommerlichen Bergwiese, und zwar eine geschlagene Stunde lang – um dann nach dieser Zeit wieder anzuzuckeln, als wäre nichts geschehen. Zuerst witzelten wir: War vielleicht Mittagspause? Denn alle anderen Sessel rund um uns waren leer. Doch dann wurde die Situation leicht ungemütlich. Da war die Ungewissheit, was los war, und ausserdem wusste ich, dass mein damaliger Freund im Auto vor der Klinik vergebens auf mich warten und bestimmt nicht gerade erbaut sein würde.

Bild R. Wallis

Bereits mit dem „Kurschatten“ anzureisen, ist natürlich um einiges netter und erst noch komplikationslos. Aber so weit war es noch nicht. Zwei Tage vor der Hinreise bekam DER MANN einen Anruf der REHA-Klinik in Oberried: Bei ihnen sei der Covid-Virus ausgebrochen. Selbstverständlich könnten wir trotzdem kommen, aber nur für die REHA.

Foto Elisa: Blick auf den Brienzersee oberhalb Oberried

Was genau hiess denn das? Wir rätselten. Wofür sonst sollten wir uns dort aufhalten, wenn nicht für Rehabilitation? Dann, auf einmal, erinnerte ich mich an den Hochglanzprospekt für richtiges Verhalten nach der Operation, den ich vor dem Spitalaufenthalt vom Arzt erhalten hatte. Dort war u.a. auf geradezu rührende Art beschrieben (siehe Illustration weiter unten), wie man selbst nach einer Hüftoperation nicht auf sinnliches Vergnügen verzichten müsse.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Im Rausch der Blüten

War Sex pandemiebedingt inzwischen vielleicht verboten? Oh weh! Doch dann dämmerte mir, dass „nur für die REHA“ wohl eher hiesse: ohne auswärtige Besucher zum Essen oder zum Kaffee einzuladen. 

Gut so! Jeder Mensch braucht zärtlichen Trost, besonders nach einer Operation, besonders in reiferen Jahren. Alt genug sind wir ja – wenn nicht jetzt, wann dann?

Früher ging das geflügelte Wort: „Hoch das Bein, die Liebe winkt“. Doch das geht nun leider doch nicht. Aus der Broschüre erfahren wir es nämlich Schwarz auf Weiss: Das operierte Bein muss unten bleiben!

Tant pis pour l’amour!!

Illustration Spitalbroschüre. (Das „Rundumeli“ illustriert das Hüftimplantat)
Foto Elisa: Goldene Polsterblümlein

Mit einem Augenzwinkern, Eure Elisa
27.04.2022

Frühlingshauch

Der Frühling ist eine besondere Zeit. Spüren wir dank des Aufbruchs in der Natur nicht auch so etwas wie eine Erneuerung, eine Leichtigkeit im Gemüt? Sie tut uns gut, die Zeit des Wachsens, des Blühens, der frischen Energie.

Foto von Patentochter Nadia Lutz

Was weckt Eure Lebensgeister, was bringt Euch in Frühlingsstimmung? Liebesgefühle? Hyazinthenduft, die sich entfaltende Natur? Oder vielmehr das Zwitschern der Vögel am Morgen? Oder ein laues Lüftchen? Für mich sind es die ersten duftenden Veilchen, die ich im noch zart begrünten Wald finde.

Photo by Dids on Pexels.com

Das Veilchen gibt es in ganz Europa in gemässigten Zonen, aber nicht nur. Auch in Japan, Australien, in Nord- und Südamerika ist es bekannt. Bestimmt wisst Ihr, dass es, je nach Art, ganz unterschiedliche Farben trägt: von hellblau, tiefblau, violett bis rosa, weiss und gelb. Veilchen lieben feuchte Böden und den Halbschatten. Ich halte die ganz kleinen, dunkelvioletten für die «richtigen». Sie riechen lieblich, sind aber wegen der kurzen Stilchen eher anspruchsvoll zu pflücken. Bei ihnen spricht man von den echten Veilchen (Viola odorata); sie haben violette Blüten mit zwei Blütenblättern oben und drei Blütenblättern unten.

Foto von Shinzao: Echte Veilchen

Viele romantische Dichter haben in schwärmerischer Weise die unscheinbaren Veilchen besungen. Von Theodor Storm stammt dieses hübsche Gedicht: «Die Kinder haben die Veilchen gepflückt / All, all, die da blühten am Mühlengraben. / Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest / in ihren kleinen Fäusten haben.» Ende des 19. Jahrhunderts war es Mode, Blumen im Haar, an Hüten, Muffs, Schleppen und Kleidern zu tragen. Besonders die Veilchen waren gefragt, man trug sie als ganze Sträusschen. Das brachte Dichterherzen zum Überfliessen. Da liest man z.B.: «…dies Veilchen, für die schönste Brust gepflückt…» oder «Mein Veilchen… dich soll ein schöner Los beglücken, den schönsten Busen sollst du schmücken…» Ein Veilchensträusschen im Dekolleté der Liebsten brachte das Blut des Verehrers in Wallung. Was für romantische Zeiten… Ein paar bescheidene Veilchen vermögen heute wohl keinen Mann mehr herbeizulocken!

Vintage lady wearing gloves by The British Library is licensed under CC-CC0 1.0

Nicht nur ich mag den wohlriechenden und beruhigenden Duft: Seinetwegen wurde das Veilchen schon von den Griechen und Ägyptern zu verschiedenen Ritualen und Götterverehrungen genutzt. Auch als Heilpflanze dient das winzige Gewächs. Aber Achtung, zu oft sollte man es nicht verwenden, da ein Zuviel Magenbeschwerden verursachen kann.

Ich liebe Veilchen-Sirup, wie ihn die Franzosen herstellen. Im Internet habe ich ein Rezept gefunden, es aber noch nicht selbst ausprobiert, ebenso wenig dasjenige für Konfitüre. Wer wagt sich an die beiden Rezepte? Es versteht sich von selbst, dass es keine gezüchteten, gespritzten Blüten sein dürfen. Es steht also Kleinstarbeit an!

– Etwas ausgefallen ist die Veilchenmarmelade:

  • 75 g Veilchen
  • 250 ml Wasser
  • 200 g Puderzucker
  • Saft einer halben Zitrone

Das Wasser, der Zitronensaft und der Puderzucker werden zusammen gekocht. Anschliessend gibt man die entstielten Veilchenblätter hinzu. Das Ganze lässt man eine halbe Stunde kochen, bis alles eingedickt ist. Nun füllt man die heisse Masse in Einmachgläser und lässt sie abkühlen.

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– Ebenfalls nicht alltäglich ist Veilchen-Sirup:

Nimm eine Handvoll frischer Veilchenblüten und lasse sie in 300ml Wasser mit 300gr Zucker einen Tag lang ziehen. Dann werden die Blüten abgeseiht und das «aromatisierte Zuckerwasser» wird ca. 1 Stunde lang im Wasserbad verkocht und eingedickt. Den entstandenen Sirup giesst man anschliessend in eine Flasche und hebt ihn gut verschlossen im Kühlschrank auf. Der Sirup eignet sich auch als Hustensirup.

Natürlich bedient sich auch der Volksmund des Veilchens:

  • Blau wie ein Veilchen – sturzbetrunken sein
  • Ein Gemüt wie ein Veilchen haben – naiv sein
  • Wie ein Veilchen im Verborgenen blühen – trotz grosser Vorzüge unentdeckt bleiben
  • Ein Veilchen haben – ein blaues Auge haben
  • To be a shrinking violet – sehr schüchtern sein

Nun hoffe ich, dass Ihr weder «ein Veilchen habt» noch «blau wie ein Veilchen» seid, damit Ihr den Frühling riechen und geniessen könnt.

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Mit duftigen Grüssen, Elisa
20.04.2022

Macht

Ich liebe die scharfsinnigen Gedanken des Berner Pfarrers und Schriftstellers Kurt Marti (1921 bis 2017). Zwei Beispiele gefällig?

Die Machtlosen
machen
die Mächtigen

Foto von Freundin Heidi Wildi

Gott? Jener Grosse, Verrückte,
der noch immer an Menschen glaubt.

Foto Patentochter Sandra Romano

 „Futter“ zum Nachdenken, oder nicht? Liebe Grüsse, Eure Elisa
17.04.2022

Am hellichten Tag

Foto von Patentochter Sandra Romano

Es war ein paar Tage nach der Operation. Früh morgens kam eine Pflegerin ins Zimmer, die ich noch nicht kannte. Robust sah sie aus, und ja, auch etwas grob. Sie half mir beim Aufstehen und setzte mich trotz meiner schmerzenden Operationswunde auf einen unbequemen Stuhl, bevor sie das Zimmer wieder verliess. Nach einer knappen halben Stunde war sie zurück. „Ich möchte nicht, dass sie mich so lange sitzen lassen“, monierte ich. Die schnippische Antwort kam postwendend: „Ich habe noch 37 andere Patienten.“ Mir war durch Erschöpfung hässig zumute: „Das lasse ich mir nicht gefallen. Die ganze Nacht habe ich kein einziges Mal geklingelt.“ „Die Nacht ist vorbei, es ist helllichter Tag“, kam es prompt zurück. Mein Ton wurde lauter: „Ich lasse es mir trotzdem nicht gefallen!“ Nun herrschte längere Zeit Stille zwischen uns. Während sie mir beim Waschen half, entdeckte ich auf ihrem Arm ein Tattoo. Neugierig erkundigte ich mich nach dem Wie und Was, und auf einmal taute sie auf und erzählte.

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Als wir fertig waren, nahm sie wortlos meinen bei den Mahlzeiten fleckig gewordenen Morgenrock und wusch ihn gründlich aus. Dann hängte sie ihn zum Trocknen am Heizkörper auf. Ich traute meinen Augen kaum und sagte verwundert: „Sie sind ja eine sehr freundliche Pflegerin!“ „Und Sie eine sehr freundliche Patientin!“ kam es zurück. Ich schaute sie fragend an. „Wissen Sie, manchmal braucht es zu Beginn ein wenig Zank“, fügte sie bei.

Ja, warum nicht? Wir waren beide schlecht gelaunt gewesen und hatten dies ehrlich gezeigt. Jetzt lächelten wir einander an. Der Tag war auf einmal hell geworden.

Foto von Patentochter Nadia Lutz

Warum können Konflikte zwischen Völkern nicht ebenfalls friedlich gelöst werden? Dann wären alle Tage hell.

Ich wünsche Euch frohe, helle, friedliche Ostertage, Eure Elisa
12.04.2022

Die Zahnbürste

„Sie sitzen da wie ein Frosch“, lächelte der Chirurg, der zwei Tage nach meiner Hüftoperation ein Kontroll-Röntgenbild hatte anfertigen lassen. „Sonst sieht alles wunderbar aus.“ 

Foto von Elisa: Froschkönig?

Ich freute mich, und sein Humor tat mir gut. Noch immer benommen von der Narkose sass ich vor dem Lavabo, um mich ein wenig zu waschen und die Zähne zu putzen. Da fiel mein Blick auf mein Zahnglas. Nanu, wo war denn meine neue Zahnbürste geblieben, die ich extra für den Spitalaufenthalt gekauft hatte? Sie passte, wie ich mich erinnerte, sogar zu meinem Zungenschaber. Es half nichts, es war nicht mein müder Kopf: mein Zahnglas war leer, dafür glänzte im Nachbarglas eine grell violette Zahnbürste, farblich optimal abgestimmt auf meinen Zungenschaber. „Da hat sich meine Bettnachbarin wohl vertan“, dachte ich und putzte meine Zähne mit dem Ding in ihrem Zahnglas.

Bei der Abendtoilette wiederholte sich das Ganze. Als meine Nachbarin zum Lavabo geführt wurde, brach unvermittelt ein Gezeter los. „Meine Zahnbürste ist wieder nass!! Die da putzt sich tatsächlich ihre Zähne damit!!“ kreischte sie. Ich erschrak. Was, wie, wo?? Könnte es am Ende sein, dass ich…? Ich rief die Pflegerin, um in meinem Toilettenbeutel nachzusehen. Und wirklich: Kurz darauf förderte sie meine nigelnagelneue Zahnbürste zu Tage, die sie wahrscheinlich vergessen hatte nach der Operation wieder ins Glas zu stellen. Doch jetzt kommt’s: Meine prangte in schönstem Pink, das ja ebenfalls zu Violett passt!

Es versteht sich von selbst, dass Ich meine Nachbarin in aller Form um Entschuldigung bat. Ich erhielt jedoch keine Antwort. Stattdessen rief sie die Pflegerin zu sich: „Holen Sie mir sofort eine neue Zahnbürste“, befahl sie. „Und dann verstecken Sie sie gut in meinem Toilettenbeutel, sonst klaut die da sie wieder.“ (Sie sagte tatsächlich „klaut“.) Danach sprach sie nicht mehr mit mir, und ich hatte ebenfalls keine grosse Lust, mich mit ihr zu unterhalten.

Photo by Ron Lach on Pexels.com

Ich war erleichtert, als sie das Spital verliess, um in eine REHA zu fahren. Als sie an meinem Bett vorbeiging, wünschte ich ihr freundlich eine gute Reise und rasche Besserung. Wieder kam kein Wort über ihre schmalen, zusammengepressten Lippen.

Da rief ich ihr frech hinterher: „Ich hoffe, Sie haben Ihre Zahnbürste gut eingepackt!“

Natürlich erhielt ich auch diesmal keine Antwort.

Foto von Freundin Doris Dätwyler: Schachbrettblume (zwischen pink und violett?)

Mit frisch geputzten Zähnen, Eure Elisa
06.04.2022

Gebet

Eindrückliches Foto aus dem Internet

Im Februar 2014 nahm ich an einem Schreibkurs unserer Kirchgemeinde teil. Es ging ums Psalmenschreiben. Der Kurs war in die Themen Bitte, Dank, Klage, Zuversicht, Lob eingeteilt. Sehr abgekürzt nur so viel: Die Psalmen haben Vorbilder in der altorientalischen Literatur, sind jedoch in ihrer Dramatik und persönlich-geschichtlichen Aussage ohne Parallele. Die ältesten Psalmen der Bibel stammen wohl aus der Zeit vor dem babylonischen Exil und aus der israelitischen Königszeit. Sie zeigen die typische Technik der hebräischen Versdichtung.

Der Kurs bescherte mir tiefschürfende Erfahrungen, die ich jedes Mal verarbeiten musste, bevor ich schreiben konnte. Erst zu Hause flossen die Worte aus meiner Feder. Den folgenden Klage-Psalm schrieb ich nicht für den jetzigen Krieg, doch passt er erschreckend gut, und deswegen widme ich ihn heute der UKRAINE:

Klage-Psalm
JAHWE, Heiliger, Barmherziger
Wir schreien zu DIR aus den tiefsten Tiefen
unserer menschlichen Seele
schreien hinauf zu DIR in die höchsten Höhen
DEINES unendlich weiten Himmels

Bitte vergib, dass unsere Kriege
Erde und Herzen verwüsten
dass Hass sich ausbreitet wie eine stinkende Flut

DU weißt, dass wir Menschen leiden
DU siehst, dass wir weinen
Doch DU hörst auch, wie wir streiten
und erlebst unser bitteres Versagen
Ach, lass nicht zu,
dass auf Erden mehr Hölle als Himmel ist!

Oh Herr, wir brauchen DICH!
Bitte erbarme DICH, lehre uns Frieden
gib uns DEINE göttliche Freiheit

Verbreite DEINEN Frieden auf Erden
wie einen lieblichen Duft
Verströme DEINEN geheimnisvollen Zauber
Lass DEIN goldenes Licht zur Erde fallen,
dass es selbst unsere dunkelsten Winkel erhellt

Wir flehen DICH an,
JAHWE, Heiliger, Barmherziger:
Erhebe segnend DEINE Hände über uns
und erhöre liebevoll unsere Bitten
SO SEI ES

(Geschrieben von mir am 13.2.2014)

Foto von Patentochter Sandra Romano

Ich wünsche uns allen Frieden auf der Welt und im Herzen.
Elisa, 30.03.2022

Parallelwelten

Hallo, Ihr Lieben, ich bin wieder da – noch etwas wackelig auf den Beinen. Was tut’s? Es ist Frühling, die Zeit für neue Energien.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Frühling!

In einem gewissen Sinn ist eine Operation etwas Seltsames: Man versinkt total in Bewusstlosigkeit, und wenn man aus der Narkose erwacht, ist es, als sei man irgendwie fremd in der Realität. Der Kopf denkt noch nicht klar, im Körper fehlt etwas, das bisher zu einem gehört hat. Ein paar Tage wird man umsorgt wie ein Kind, man leidet Schmerzen, bekommt jede Menge Schmerzmittel, aber man spürt genau, dass es langsam Zeit wird, sich wieder ins normale Leben einzugewöhnen.

Die folgende, ebenfalls in sich geschlossene Welt, ist die REHA-Klinik (Rehabilitationsklinik), wo gutes Essen serviert, man liebevoll herumgefahren und ins Bett gebracht wird (nicht ohne Einreiben der Beine), wo man bei Bedarf, vor allem nachts, jemanden per roten Knopf herbeirufen kann, der einem aus den Federn hilft. Es ist allerdings ratsam, nicht bis zum Äussersten zu warten (will sagen bis die Blase platzt), denn oft dauert es 10 oder 15 Minuten, bis jemand kommt, denn schliesslich müssen 47 Patientinnen und Patienten in 3 Häusern versorgt sein.

Photo by SHVETS production on Pexels.com

Ausser den Angestellten bewegt sich niemand normal: die Patienten brauchen Stöcke, oder ein Laufböcklein, einen Rollator oder gar einen Rollstuhl. Fast alle haben wir irgendwelche neuen Gelenke (Implantate) bekommen. Es mutet auf den ersten Blick befremdlich, ja grotesk an, wie die Menschen in einem in dieser Menge nie gesehenen Aufmarsch humpeln, um Biegungen zuckeln, sich wie in Zeitlupe Zentimeter um Zentimeter vorwärts schieben. Vor allem in den Gängen vor den Aufzügen und rund um den Speisesaal stockt der lange Zug vor den Essenszeiten, obwohl niemand lange stehen kann und will. An welch sonderbaren Ort bin ich bloss hingeraten? Aber natürlich gehöre auch ich dazu…

Foto Elisa: Blick von meinem Gartensitzplatz

Viel Freude bereitet mir mein Zimmer, das ich nach dem Weggang des MANNES beziehen darf. Der Sitzplatz davor liegt in unmittelbarer Nähe zu einem kleinen Biotop und dem Aussenbereich des Bistros. Geradeaus öffnet sich der Blick auf die gegenüberliegenden, zum Teil noch schneebedeckten Berge und den spiegelglatten Brienzersee. Ein landschaftliches Paradies mit drei Wochen täglichem Sonnenschein!

Doch halt: man ist nicht hier, um Ferien zu machen, wir sitzen allesamt im selben «Boot bzw. im selben Rollstuhl». Denn wir sind in der Klinik um zu lernen, wieder selbständig zu leben, besser als zuvor. Das ist, vielleicht glaubt Ihr’s kaum, unglaublich anstrengend. Die spärlich bemessenen Mussestunden verbringen die meisten mit Vorliebe mit Schlafen, denn starke Schmerzmittel bekommen wir alle, sie erleichtern uns den Alltag, auch Liegen zwischendurch ist notwendig. Denn, so sagt man uns, unser Körper befindet sich seit der Operation im Überlebensstress. Es ist freilich nicht die gegenwärtige Krankheit allein. Die meisten sind betagt. Ihr Körper ist durch Alter, Operationen und gesundheitliche Defizite arg gebeutelt worden, ihre Seele beim Ringen um Glück und Liebe ermattet. Ein freiwilliger Helfer erzählt mir, dass er jeweils derart tragische Schicksale schildern höre, dass es schwerfalle, sich abzugrenzen. Kurz und gut: Es ist ein Ort voller Schmerzen, voller Kümmernisse, aber auch voller Zuversicht und hin und wieder sogar wohltuender Fröhlichkeit und unbeschwertem Lachen.

Foto Elisa: Blick von Oberried auf den Brienzersee

Und in diese eigenartige, mit Gesundheitssorgen beladene Welt bricht ein viel grösserer Schrecken ein, ein Entsetzen sondergleichen: Die Nachricht über den furchtbar brutalen, unbegreiflichen Krieg, der unseren Atem stocken lässt. Daneben wird unser aller Leiden klein. Das bequeme Bett, das feine Essen, die hingebungsvolle Pflege, die gewissenhafte Physiotherapie – dürfen wir das dennoch geniessen? Unser geschützter, immerhin beschwerter Alltag als Parallele zur Welt des Grauens, des gewaltsamen Todes – das beschäftigt ungemein. Auf dieser Erde gibt es seit Menschengedenken stets irgendwo herzzerreissende, blutige Orte. Ich sage es ehrlich: Es wird mir bisweilen zu viel. Ich fühle mich hilflos und frustriert. Wie ergeht es Euch mit diesen Parallelwelten?

Eines scheint mir gewiss. Es gibt wunderbar echte Liebe und Hingabe bei Menschen, die wir kennen. Ich finde, sogar mehr als früher. Wie kommt es dann, dass weltweit so entsetzlich viele Menschen nur auf ihren Scheiss-Vorteil bedacht sind? Dass es immer mehr Hass, Machtgier, Geldversessenheit, Kälte und Gewalt Einzelner gibt?

Es tut weh, dass Schönheit und Hässlichkeit, Liebe und Hass in unserem Dasein so nah beieinander liegen. Die Spannung gilt es auszuhalten, sie gehört zum Leben. Dafür wünsche ich Euch und mir Kraft.

Foto Elisa: Der Frühling kündigt sich auch hier an

Elisa, 24.03.22