Haute Couture

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Kürzlich spazierte ich in meinem früheren Wohnquartier an einem Haus vorbei, in dem sich vor vielen, vielen Jahren eine Kleider-Boutique befand. Sofort war die Erinnerung wieder da!

Mein damaliger Mann hatte eine wohlhabende Tante, die viel Wert auf Äusseres und besondere Kleidung legte, war sie doch selbst eine begehrte «Haute Couturière» für reiche Damen. Es war also nicht erstaunlich, dass sie ihrem Neffen Vorwürfe machte, weil er mir, die ich mit Kind und Haushalt beschäftigt war, nie neue Kleider kaufte. Grosszügig wie sie war, nahm sie mich eines Tages beim Arm und ging mit mir in besagte Boutique. Dort wählte sie einen Wintermantel, zwei Kaschmir-Pullover und eine lange Hose für mich aus.

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An der Kasse sagte sie zur Boutique-Besitzerin: «Sie geben dieser armen jungen Frau bestimmt einen grosszügigen Rabatt.» Ich wurde feuerrot im Gesicht. Am liebsten wäre ich im Boden versunken. Die Boutique-Besitzerin schaute die mit teurem Schmuck behängte und in einen edel schimmernden Pelzmantel gehüllte Dame empört an und antwortete schnippisch: «Wir haben feste Preise hier.» Tante bezahlte den hohen Betrag, ohne mit der Wimper zu zucken. Dann verliessen wir den Laden, die Tante hochmütigen Hauptes, ich peinlich berührt. Trotz der schönen Kleider konnte ich mich nicht richtig freuen. Die Boutique betraten wir beide nie mehr, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.  

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Dann begann sie, lange oder kurze Kleider für mich zu nähen, damit sie sich im teuren Restaurant «nicht mit mir nicht schämen müsse». Wenn sie uns einlud, hatte mein Mann seinen dunklen Hochzeitsanzug anzuziehen, und ich vorher im langen Kleid bei ihr vorbeizugehen, damit sie mir für ein paar Stunden eines ihrer wertvollen Schmuckstücke um den Hals legen konnte. Obwohl ich Gefallen an bunten Stoffen, schönen Schuhen und Kleidern fand, war mir dies hier schlicht zu viel. Was für sie eitel Vergnügen war, war für mich eitles Gehabe.

Und doch, ihr verdankte ich die elegantesten Roben, die ich je besessen hatte. Sie saßen wie angegossen. Am liebsten war mir mein ehemaliges Hochzeitskleid im Empire-Stil, das sie in ein hinreißendes Ballkleid verwandelte, indem sie Ornamente aus winzigen, türkisfarbenen und silbernen Perlen ins gesamte Oberteil stickte. Dazu schenkte sie mir passende Ohrhänger und ellbogenlange Handschuhe in Türkis. Doch wie begabt, wie grosszügig und anmutig sie war, ging mir erst später wirklich auf.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie geliebt habe. Mit ihrer starken Persönlichkeit schüchterte sie mich ein. Und als junge, unsichere Ehefrau dachte ich vor allem an meine eigene Befindlichkeit.

Über ihre gelegentlichen Taktlosigkeiten kann ich heute nur schmunzeln.     

02.02.2022

Ihr Lieben, mit den folgenden zwei Bildern aus dem reizenden Städtchen Ascona verabschiede ich mich für ein paar Wochen von Euch, da ich mich Mitte Monat einer Operation unterziehen muss. Ich wünsche Euch inzwischen eine frohe, sonnige Zeit. Eure Elisa

Foto von Freundin Doris Dätwyler: Am See im Städtchen Ascona, mit Blick auf den Lago Maggiore
Foto von Freundin Doris Dätwyler: Die wohltuende Stille des Lago Maggiore

Monte Verità (Forts.)

Foto Elisa: Blick zwischen den Büschen hindurch auf den Lago Maggiore

Der «Berg» wurde rasch zu einem Mythos. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte er sich für Wahrheitssuchende aus ganz Europa zu einem bekannten Treffpunkt.

Foto de.Wikipedia.org.Wiki: Henri Oedenkoven und Ida Hofmann, 1903

Damals so bekannte Menschen wie Hans Arp, Hugo Ball, Ernst Bloch, Hans Richter, Gerhart Hauptmann, Bruno Goetz, Else Lasker-Schüler, Paul Klee, Käthe Kruse und viele andere Berühmtheiten verbrachten Zeit auf dem Berg. Ein weiterer Prominenter war Hermann Hesse, der einige Male länger zu Gast war. Er gehörte zu jenen, die sich aufmachten, um das Für und Wider alternativer Lebensformen zu erproben. «Hermann Hesse war gleich Feuer und Flamme und zog eilenden Fußes nach Ascona», heisst es in einem historischen Bericht von 1906.

Foto Elisa: Palmenstudie

Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam beschrieb die Szenerie in seinen „Unpolitischen Erinnerungen“ so: „Vegetarier mit teils ernsten Lebensauffassungen, teils höchst spleenigen Erlösungsideen hatten sich an den Abhängen des Lago angesiedelt, bauten Obst an, lebten von Rohkost, lobten den Herrn und sich selbst.“ Und weiter: „Von früh bis spät kaute ich nun Äpfel, Pflaumen, Bananen, Feigen, Wal-, Erd- und Kokosnüsse. Es war schauderhaft!“ (Textquelle: Bericht von Ulrich Neumann, Magazin „Spiegel“)

Foto Elisa: Die Trauben reifen

Zeitgenossen nannten die frühen Bewohner Sandalen-Träger, barfüssige Propheten und Kohlrabi-Apostel. Sie waren nicht nur eine Gruppe von Aussteigern, sondern eine illustre Schar von Intellektuellen, Künstlern, Schriftstellern, Malern, Kommunisten, Anarchisten, Pazifisten, russischen Adligen, Gesundheits- und Ernährungsfanatikern, Asketen, Nacktkulturanhängern, Traumtänzern, Mystikern… und natürlich hatten sie keineswegs alle die gleichen einheitlichen Lebensvorstellungen!

Alte Postkarte, das ehemalige Haus: Man trug weite, bequeme Kleidung
Textquelle: Bericht von Ulrich Neumann, Magazin „Spiegel“

So kam es, dass das Motto «Freie Liebe statt Salami» nicht nur bei Erich Mühsam auf keine freudige Zustimmung stiess, denn nicht alle wollten auf Fleisch, Kaffee, Tabak, Alkohol, Käse und andere Milchprodukte verzichten. Sogar Salz und Pfeffer waren untersagt. Schliesslich musste das strikte Nahrungs-Regime gelockert werden.

Alte Postkarte: Eurythmie-Tanz

Um das Siedlungsprojekt zu finanzieren, gründeten Oedenkoven und Hofmann die Naturheilstätte Sonnen-Kuranstalt, auf die wenig später das Sanatorium Monte Verità folgte. Die Freikörperkultur war auf dem Monte Verità allgegenwärtig. Zum naturnahen Lebenskonzept gehörte, dass man sich ohne Hüllen der heilenden Kraft der Luft und des Sonnenlichts aussetzen sollte.

Foto de.Wikipedia.org.Wiki: Eisenbett in einer der Luft-Hütten

Dafür hatten Oedenkoven und Hofmann in einem Teil des Geländes zwei nach Geschlechtern getrennte „Licht-Luft-Parks“ mit sog. «Luft-Hütten» errichten lassen, wo die Kurgäste „frei von allerlei lästiger Kleidung im Grase ruhen, laufen, turnen, spielen, Garten- und andere Arbeiten verrichten.“ So steht es in einem Prospekt aus dem Jahr 1904. Daneben wurden auch wallende weisse Gewänder oder kurze weisse Hosen getragen.

Foto Krenn: Im Damenbad, vermutlich 1907
Villa Semiramis heute, ohne Türmchen


Die Villa Semiramis, in der wir dieses Mal unser Zimmer hatten, wurde 1909 im Jugendstil vom turinischen Architekten Anselmo Secondo erbaut, damals komplett mit Türmchen. Der Panoramablick von der Villa über den Lago Maggiore ist einmalig. Das Türmchen brachte jedoch Unruhe auf den Berg. Ob neugierige Einwohner von Ascona früher tatsächlich gegen Gebühr auf das Dach der Villa stiegen, um einen Blick auf nackte Sanatoriumsgäste zu erhaschen, ist nicht zweifelsfrei erwiesen, aber immerhin ein hartnäckiges Gerücht. Denn das Türmchen wurde bald abgebrochen, und auf dem Berg kehrte wieder Ruhe ein.

Alte Postkarte: Ackerarbeit ohne lästige Kleidung

Durch die Experimente des Tanzreformers Rudolf von Laban und seiner Münchner Tanztruppe erwarb sich der Monte Verità auch den Ruf als Zentrum des Ausdruckstanzes. Der freie Tanz, vorzugsweise an der frischen Luft geübt, erfolgte ebenfalls unbekleidet oder teilweise in leichten Gewändern, lediglich zu Trommelschlägen, ohne Musik. Leitmotiv war stets der Aufbau einer Verbindung zum Innersten der Tanzenden.

Foto Wienerzeitung.at: Ausdruckstanz
Alte Postkarte mit Hotel

Nach dem ersten Weltkrieg knickte die Blütezeit ein, die finanzielle Situation wurde prekär, der Elan von einst erlahmte. Henri Oedenkoven und Ida Hofmannun hatten sich auseinandergelebt (selbst eine wilde Ehe ist keine Treue-Garantie!) und verliessen die Schweiz. Ida Hofmann starb 1926 nach schwerer Krankheit in São Paulo. 1920 wurde der Monte Verità verpachtet. Der deutsche Bankier Eduard Von der Heydt erwarb ihn 1926 und liess ein Hotel erstellen. Erst nach 1940 verlor der Ort an Bedeutung und an Anziehungskraft.

1964 ging der Besitz aufgrund einer testamentarischen Verfügung Von der Heydts in den Besitz des Kantons Tessin über. Heute ein Ferienort und Seminarhotel, bietet er noch immer eine bezaubernde Auszeit. Auch Ausstellungen, u.a. von Harald Szeemann, können bewundert werden.

Foto: Wikipedia: Das Hotel heute

Nackt läuft heute dort niemand mehr herum! Oder doch? Als ich am Ende der Ferien nochmals in den Zen-Garten hinauf ging, war mir, als bewegten sich zwischen den Bäumen Gestalten – nackte, tanzende, leichtfüssige. Eine Halluzination? Eine Fata Morgana? Oder der schemenhafte Geist der Wahrheit?

Eines ist sicher: Eine besondere Atmosphäre herrscht auf diesem besonderen Berg, der Besucher aus aller Welt immer wieder herbeilockt und in seinen Bann zieht.

Foto Elisa:
Die stark duftende Pflanze Osmantus fragrans.
Sie hüllt ganze Dörfer mit ihrem Duft ein
Foto Elisa: Foroglio im Bavona-Tal

Liebe Grüsse, Elisa
26.01.2022

Monte Verità (Wahrheitsberg)

Foto Elisa: Das Tessin ist „stein-reich“
Foto Elisa: Eidechslein

Einmal mehr verbrachten wir im Oktober ein paar Tage Ferien in der Südschweiz, in der Umgebung von Ascona.

Foto Pinterest:Der berühmte Wasserfall in Foroglio im Val Bavona
Foto Arrigo Sappori: Rustici

Es ist jedes Mal fast wie ein Heimkommen, da DER MANN und ich schon so oft dort waren. Für mich bedeutet das Tessin fröhliche Leute, Palmen, lichte Wälder mit Edelkastanien, Birken, Eichen, Kamelienblüten im Frühling, reife Kastanien im Herbst, kleine Eidechslein, die sich auf den typischen Steinmäuerchen sonnen und blitzschnell in einer Ritze verschwinden, wenn Schritte nahen. In meinen Erinnerungen sehe ich moosbewachsene Steine und Felsblöcke, Täler mit Rustici und Grotti, den spiegelglatten See, grüne Hügel.

Castagne

Und die Menschen? Sie ertragen die saisonale Invasion von Tausenden von uns «Tedeschi» mit stoischer Gelassenheit oder mit freundlichem Humor. Nicht nur die Sonne wärmt, sondern auch ihr Lächeln. 

Foto Elisa: Auf Wanderung im Val Bavona
Foto Elisa: Spaziergang oberhalb des Monte Verità

Wir hatten erneut auf dem Monte Verità reserviert. Das gleichnamige Hotel wurde 1926 im Bauhaus-Stil errichtet und 2008 komplett renoviert. Die Gäste wohnen auf einer Anhöhe oberhalb von Ascona und dem Lago Maggiore, inmitten eines großen Gartens mit exotischen Pflanzen. Ein kleiner Pfad führt hinauf zum japanischen Teehaus, vorbei am Zen- und am Tee-Garten, wo, angepflanzt nach japanischem Muster, halbkreisrunde Reihen von Teebüschen das Auge erfreuen. Habt Ihr gewusst, dass die Teepflanzen im Oktober blühen und fein riechen?

Postkarte vom Monte Verità: Teeblüten (grüner Tee)

Im gastlichen Tee-Haus werden auch japanische Tee-Zeremonien und Seminare zum Thema «Grüner Tee» abgehalten. Der Monte Verità ist ein zauberhafter Ort, an dem die Erholung ganz von selbst kommt!

Foto Elisa: Der Tee-Garten mit Zen-Pavillon

Der «Berg» rühmt sich einer reichen, bisweilen etwas skandalösen Geschichte, die ich hier nur bruchstückhaft wiedergeben kann. Spannend ist vor allem die erste Zeit. Im Herbst 1900 kauften Henri Oedenkoven und seine Lebensgefährtin Ida Hofmann das Grundstück oberhalb von Ascona, das sie fortan Monte Verità nannten, und gründeten eine Siedlungsgemeinschaft auf zunächst veganer und später vegetarischer Grundlage. Und Ihr Plan war nichts Geringeres, als eine neue Welt zu erschaffen, eine Alternative zur industrialisierten, beschleunigten Gegenwart, die ihnen Leib und Seele zu gefährden schien. Häufig unbekleidet, arbeiteten die Mitglieder der Siedlungsgemeinschaft in den Gärten, pflegten lose Lebensgemeinschaften und setzten sich mit östlichen Heilslehren auseinander. Eigentlich waren sie die Hippies des Fin-de-Siècle.

Alte Postkarte: Sonnenanbeter

Kommt uns dieses soziale Unbehagen nicht irgendwie bekannt vor? Etwas Entscheidendes verändern am Zustand der Welt und im eigenen Leben, aufmerksam auf seelische und körperliche Gesundheit achten, absolut frei von gesellschaftlichen Konventionen leben, aus dem täglichen Hamsterrad aussteigen – das hatte (und hat noch immer) etwas Bestechendes. Doch wie extrem darf solches ausfallen, um erfolgreich zu sein? Ob es auf dem Monte Verità gelang? Wir werden sehen… (Forts.)

Foto Elisa: Blick von der Villa Semiramis auf den Lago Maggiore

Liebe Grüsse, Elisa

Der Zeitgeist

Kürzlich las ich diesen witzigen Satz von Schopenhauer: «Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, ist morgen verwitwet. Hatte er Recht?

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Es war der Dichter und Philosoph Herder, der 1769 den Begriff «Zeitgeist» prägte. Für ihn bedeutete er Einschränkung, die sich bleiern und drückend auf das Verhalten des Individuums auswirke. Wo der Zeitgeist regiere, fehlten für Herder traditionelle Verhaltensstandards. Des Weitern schrieb auch Goethe in Faust I: Was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln. Hans Magnus Enzensberger drückte sich drastischer aus: „Etwas Bornierteres als den Zeitgeist gibt es nicht. Wer nur die Gegenwart kennt, muss verblöden.“ Und weiter: „Wer sich ganz und gar dem Zeitgeist verschreibt, ist ein armer Tropf. Die Innovationssucht der ewigen Avantgarde hat etwas Kastrierendes.“ Diese Schmähungen könnten glatt als Eierkopf-Trend durchgehen…

Photo by Pavel Danilyuk on Pexels.com – Eierköpfe

Wenn diese Herren wüssten! Lassen wir uns nicht trotz ihrer Warnung laufend «kastrieren»? Innovationen, neue Moden wechseln schneller, als wir denken können, und werden pausenlos rund um die Welt geschleust, so dass niemand den Überblick wirklich zu behalten vermag. Erinnert Ihr Euch daran, wie japanisches Sushi oder ein Champagner-Frühstück auf einmal als letzter Schrei für trautes Beisammensein galten? Wie Avocados und Mangos den westlichen Markt im Sturm eroberten? Wie vor ein paar Jahren die halbe Welt plötzlich den Gangnam-Style eines übermütigen Südkoreaners nachmachte? Inzwischen hopst er vermutlich alleine herum.

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Was bedeutet für uns der «Zeitgeist»? Wie gehen wir um mit den ständig wechselnden Trends? Mit Verhaltensweisen, die ein Einzelner oder eine Gruppe sozusagen erfindet und die dann mit einem Mal von Millionen von Menschen rund um den Erdball mit heiligem Eifer befolgt werden? Es geht um Geld! Vor allem um Geld! Man gehört nur dazu, wenn man unersättlich Social Media mit den neuesten Mode Styles, den aktuellsten Life Styles etc. konsumiert. Wie auf Kommando wurde «Influencing» weltweit zur vielbewunderten, fürstlich bezahlten Tätigkeit, liessen sich zahllose junge Frauen die Lippen aufspritzen, begannen sich auf die gleiche Art zu kleiden, wendeten die gleichen Frisuren- und Schminktipps an, buken die gleichen dicken Torten, probierten erfolglos die gleichen Schlankheitsmittel aus… Soll mir einer sagen, es sei weniger aufregend, den Co2-Fussabdruck des einmal pro Jahr gekauften Weihnachtsbaumes zu errechnen! 

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Habt Ihr etwas gegen Veganer? Wohl kaum. Doch erinnert Euch: Diese Essenskultur ist urplötzlich aufgetaucht, woher weiss ich nicht. Vor ein paar Jahren hatte ich eine einzige Freundin, die überzeugte Veganerin war, und wenn wir uns zum Essen trafen, mussten wir nach einem passenden Restaurant suchen wie nach einem Stecknadelkopf. Und heute? Quasi aus dem Nichts hat sich der Veganismus zum weltweiten Life Style gemausert, und Supermärkte und Gastronomen haben sich einer anfänglichen Minderheit rasend schnell angebiedert. Geht es ihnen wirklich um Klimaschutz und um Gesundheit?

Weshalb ist es für eine junge Mutter spannender, sich unterwegs am Smart-Phone ausgiebig mit Freunden zu unterhalten, anstatt in die klaren Augen ihres kleinen Kindes zu schauen und mit ihm zu plaudern? Nur, um es dann später mit elektronischem Spielzeug zu überhäufen, damit es weiss, wie sich beschäftigen??

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Wozu müssen Spargeln oder Erdbeeren das ganze Jahr über für uns Konsumenten verfügbar sein? Wären wir sonst todunglücklich? Hingegen vermisse ich im Sommer die reifen Früchte! Trotz natürlicher Erntezeit kommen sie steinhart in den Supermarkt und faulen zu Hause von innen heraus, ohne noch nachzureifen. Ich frage mich, ob junge Menschen noch eine Ahnung haben, wie köstlich eine reife Aprikose, ein saftiger Pfirsich schmeckt.

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Ein weiteres Zeichen für den Zeitgeist ist es, Nachrichten nicht mehr in der Zeitung zu lesen, sondern nur noch im Netz, wo es wimmelt von abwertenden Kommentaren, Gerüchten, Fakenews und unnützem Klatsch. Merken wir es noch, wenn wir manipuliert werden?   

Vielleicht wäre es tatsächlich einfacher, dem ständig ändernden Zeitgeist zu folgen und nicht gross nachzudenken. Einfach Spass zu haben mit den Einfällen anderer Leute! Zudem gibt es unter den Innovationen natürlich höchst erstrebenswerte Entwicklungen, die unser Leben verbessern. Jede Zeit hat ihren eigenen Stempel und ist dadurch einzigartig. DER MANN und ich finden es einfach ermüdend, ständig den neuestens Trends hinterher zu laufen. Und doch! Wer Traditionen kompromisslos liebt und sie bewahren möchte, oder wer im Alter findet, früher sei alles einfacher gewesen und man könne dieses und jenes «moderne Zeugs» getrost links liegen lassen, fällt schneller aus der Gegenwart als ihm lieb ist. Solche Menschen gelten rasch als hoffnungslos veraltet, sind die Verlierer der heutigen Zeit – von den Konsequenzen auf Grund ihres technischen Rückstands ganz zu schweigen!

Photo by Alexey Wineman on Pexels.com – Traditionen sind wertvoll

Meine Lieben, ich bin versucht, den Zeitgeist als «Ungeist» zu bezeichnen – obwohl der Zeitgeist mit seinen zahlreichen schillernden, erstaunlichen und innovativen Auswirkungen eigentlich eine faszinierende Sache ist.

Wie immer, liegt die Lösung darin, weder das eine noch das andere zu übertreiben, sondern den berühmten goldenen Mittelweg zu wählen. Oder etwa nicht? Heiraten ja, aber verwitwet sein, eher nein.

Photo by Pixabay on Pexels.com – Goldener Mittelweg

Elisa, 12.01.2022

Über Wünsche und das Glück

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Ein paar Tage vor Weihnachten schaute sich ein kleines Mädchen am Fernsehen einen Kinderfilm an. Nach einer unvermeidlichen Werbe-Einschaltung rannte die Kleine zur Mutter und drängte: «Wir müssen sofort in den Supermarkt.» «Wieso denn das?» fragte die Mutter. «Dort werden alle Wünsche wahr», strahlte das Mädchen. Es wusste noch nicht, dass Werber übertreiben, wenn nicht gar schamlos lügen. 

Wären wir tatsächlich immerwährend selig, wenn all unsere Wünsche wahr würden? Wenn wir uns immer das kaufen könnten, was wir uns wünschen? Würden uns die Herausforderungen des Lebens nicht fehlen, sich in unserem Gemüt gar Langeweile breit machen? Gewiss, erfüllte materielle Wünsche können einen kurzen Moment des Glücks hervorrufen, dieser ist jedoch kaum von Dauer. Hat nicht schon Wilhelm Busch gewusst: «Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.»

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Das interessiert mich: Was ist für Euch Glück? Welches sind Eure persönlichen Erfahrungen? Nun, kaufen können wir es jedenfalls nicht, obwohl gerade die Werbung solches verspricht. Nicht alle Wünsche gleichen sich, denn selbstverständlich ist jeder Mensch anders. Ausserdem, meine ich, kommt es auf die Situation an, in der wir uns befinden. Für einen Flüchtling bedeutet die neue Heimat Glück. Für einen, der auf der Strasse lebt, sind es eigene vier Wände. Für einen Hungrigen ein Teller Suppe. Für einen Wüstenwanderer ein Glas Wasser. Für einen Gefangenen die ersehnte Freiheit. 

Ich selbst unterscheide Glück und Glücklichsein. Für mich gibt es das ekstatische Glück, einem fulminanten Feuerwerk gleich, das alles um mich herum verblassen lässt.

Zwei eigene Beispiele (natürlich gibt es weitere) sollen dies veranschaulichen:

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Die Stunden nach der schmerzhaften Geburt, als ich meinen kleinen Sohn das erste Mal in den Armen hielt, liessen mich vor Ehrfurcht und Glück erbeben. Ich lag die ganze Nacht wach, fühlte mich Gott und dem neugeborenen Geschöpflein so nahe wie keinem Menschen zuvor. Ich hatte einem Menschenkind das Leben schenken dürfen! Es war, als leuchtete die Ewigkeit auf vor mir.

Die Monate nach dem langen, langen Kampf mit dem bösartigen Krebs, als ich endlich als genesen erklärt wurde, verbrachte ich in einem Zustand unbeschreiblicher Seligkeit. Ich hätte die ganze Welt umarmen können, schon ein lindes Lüftchen oder fröhlich tanzende Blütenblätter versetzten mich in tiefste Euphorie.

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Solche fabelhaften Höhepunkte vergisst man nie mehr, sie glimmen stets aufs Neue auf und werfen für immer ihre Wärme, ihr Strahlen in unser Leben zurück. Doch die Intensität schwächt sich mit der Zeit ab, denn gerade diese Gefühlsstürme leben von ihrer spektakulären, aussergewöhnlichen Art.   

Dann gibt es für mich auch ein stilles Glück, das ruhig und dankbar macht. Es wird aus unzähligen Glücksmomenten gespiesen. Manche bezeichnen es einfach als Zufriedenheit. Für mich ist das zu kurz gegriffen.

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Hierzu nenne ich ebenfalls ein paar Beispiele:

Nach jahrelangem Alleinsein ist DER MANN ein beständiges Riesenglück für mich!

Und täglich über das Wunder des Lebens zu staunen, zu lieben und geliebt zu werden, gesund zu sein, zu lachen und sich zu freuen mit lieben Menschen, Schönes zu erfahren, glauben und beten zu können, Kraft für Schweres zu bekommen, Zeit fürs Schreiben zu haben, weder Hunger noch Krieg erleiden zu müssen, zu merken, dass das Geld immer reicht, – all dies und noch viel mehr bedeutet Glück für mich. Wenn das keine Gnade ist! Denn diese Dinge sind weder selbstverständlich noch verdient. „Blessings“, Segnungen, bezeichnen sie die Engländer. Sie sind es wert, entsprechend gewürdigt zu werden. Dabei spricht mir der Dalai Lama aus dem Herzen: «Das Bewusstsein der Vergänglichkeit macht uns klar, dass wir jeden kostbaren Moment nutzen müssen.»

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Das neue Jahr ist noch jung. Darum dürfen wir ruhig etwas nachdenklich sein, nicht wahr? In diesem Zusammenhang gefällt mir ein weiteres Zitat des Dalai Lamas: «Denke daran, dass etwas, was Du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.»

Nicht zuletzt aus Erfahrung kann ich dem voll und ganz zustimmen!

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Ich wünsche Euch Glück im Doppelpack! Elisa
05.01.2022

Gesegnetes Neues Jahr!

Liebe Blog-Freunde,

Fürs Lesen meiner Beiträge, fürs Kommentieren, Liken – kurz für Eure Treue im 2021 – danke ich Euch herzlich. Ich wünsche Euch allen ein energiegeladenes, starkes, zuversichtliches und gesundes 2022.

DER MANN und ich haben Sylvester ruhig und eher nachdenklich gefeiert – kein Schlemmermenu, keine Party mit Tanz und Ausgelassenheit. Tanzen erinnert in unserem Alter eher an «Totentanz».

Foto von Freundin Heidi Wildi: Hund Peggy nach Silvester

Vor Jahren, als ich einiges jünger und voller sprudelnder Ideen war, habe ich folgende Worte geschrieben:

Mitten im atemlosen Lauf
Innehalten
Träumen

Die Sonnenstrahlen zählen
Die Liebe erfinden
Auf Sonnenblumen tanzen
Den Regenbogen erklimmen..
.

Das Leben entdecken in sich selbst

Foto von Freundin Heidi Wildi: Hund Peggy an Silvester

Solange wir atmen, pulsiert Leben in uns! Bleiben wir auch im neuen Jahr neugierig und offen für die Zukunft. Tanzen kann man nicht in jeder Situation – träumen, hoffen und lieben jedoch schon!

Herzlich, Elisa
01.01.2022

Lächle, das Glück steht Dir gut!

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Zu meiner Freude gibt es viel mehr Engel in Menschengestalt, als man gemeinhin denkt. Drei kürzliche Erlebnisse mögen als herzerwärmende Beispiele dienen:

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Ein junger Berner mit lachenden Augen fuhr mich, die ich nach einigen Einkäufen erschöpft und schlecht zu Fuss war, in der Rikscha mitten durch den Stadtverkehr zu meinem Bestimmungsort – nicht ohne mir vorher ins ungewohnte Fahrzeug geholfen und mich zugedeckt zu haben. «Geniessen Sie die Fahrt», rief er mir fröhlich zu. Eigentlich war die Benutzung an diesem Tag eine Zweckentfremdung, da die Rikscha ganztägig zu Werbezwecken vor einem Geschäft stehen musste. 

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Ein mitfühlender Afrikaner hob mich im Bus rasch vom Boden auf und trug mich trotz schlingernder Fahrt zu einem Sitzplatz, wo er mich behutsam niedersetzte. Ich war nämlich kurz zuvor bei der brüsken Abfahrt des Busses vom erhöhten Sitz heftig auf meinen Rücken hinuntergestürzt und konnte nicht mehr selbst aufstehen.

Vor der Apotheke lag ein älterer Mann mitten auf dem Trottoir. Seine Glieder waren merkwürdig verdreht und die Augen geschlossen. Drei junge Leute knieten bei ihm, trösteten ihn und leisteten Hilfe, bis die Ambulanz eintraf.

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Wir alle dürfen Engel füreinander sein, wenn Hilfe vonnöten ist. Dazu brauchen wir keine Flügel! Nur ein offenes, liebevolles Herz.

Mit den untenstehenden Worten von Marianne Williamson wünsche ich Euch ein frohes, leuchtendes und gesegnetes Weihnachtsfest. Bleibt gesund und denkt daran: Engel sind allgegenwärtig. Und sie verbreiten Liebe und Licht. Das macht glücklich, findet Ihr nicht auch?

Wir wurden geboren,
um den Glanz Gottes,
der in uns ist,
offenkundig zu machen – dieses Licht,
das in allen von uns ist.

Und wenn wir es leuchten lassen,
geben wir anderen die Erlaubnis,
dasselbe zu tun.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Herzlich, Elisa
14.12.2021

Der Pate

Foto by imdb.com: Marlon Brando, DER PATE

Wie haben wir uns damals als junge Leute für den Film «Der Pate» begeistern können! Wir fanden ihn Spitze. Habt Ihr ihn auch gesehen? In Wikipedia lese ich dazu:

Der Pate (Originaltitel: The Godfather) ist ein US-amerikanischer Mafiafilm aus dem Jahr 1972 von Francis Ford Coppola, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Mario Puzo, der gemeinsam mit Coppola auch das Drehbuch verfasste. Der Film mit Marlon Brando und Al Pacino in den Hauptrollen war für elf Oscars nominiert, von denen er drei gewann. Der Pate war an den Kinokassen ein herausragender Erfolg und zählt zu den künstlerisch bedeutendsten Werken der Filmgeschichte. Die Fortsetzungen Der Pate – Teil II, und Der Pate – Teil III, erzählen die Geschichte weiter und thematisieren in Rückblenden auch die Vorgeschichte der «Corleones» mit dem Paten Don Vito Corleone.

Foto by oroscopo: Al Pacino

Lebensunerfahren wie wir waren, betrachteten wir den Film als eine Art modernes Märchen, das uns blendend unterhielt, obwohl darin Grausamkeiten vorkommen (ebenfalls wie im Märchen). In der Realität finde ich die Mafia bedrohlich. Nie und nimmer möchte ich etwas zu tun haben mit ihr.

Und jetzt das!!

Eine meiner lieben Patentöchter hat mir folgendes erzählt: Wenn sie mir in Whatsapp schreibt: «Liebe Grüsse Nadia» verwandelt die Spracherkennung den Gruss in «Liebe Grüsse MAFIA». Bin ich froh, dass sie den Fehler jeweils korrigiert! Könnt Ihr Euch meinen Schrecken vorstellen, wenn ich einen Gruss von der Mafia bekäme? Echt unheimlich, oder?

Photo by The Geography Bible On YouTube on Pexels.com: Misstrauisch – oder nur wachsam?

Liebe Grüsse, Elisa
08.12.2021

Auf den Spuren Napoléons (Forts.)

Das Schloss Arenenberg in der Schweiz, oberhalb des Bodensees, in dessen Napoleon-Museum man in die Zeit ab 1817 von Napoléons Verwandten im Exil eintaucht, strömt ebenfalls französisches Flair und napoléonische „Grandeur“ aus. Dort wohnten Königin Hortense, ihr Sohn „Kaiser Napoléon III“ und seine Frau Eugénie. Hortense war Josephines Tochter aus erster Ehe, also Napoléons Stieftochter.

Beinahe hätte ich vor einem Jahr das Parfum von Napoléons geliebter Josephine gekauft. Der Duft ist nach dem gleichen Rezept hergestellt, wie der Duft, den sie benutzte. Ich gab das Vorhaben nach einigem Überlegen auf, weil ich zum Schluss kam, dass DER MANN nicht, wie einst Napoléon, auf den schweren Duft fliegen würde. Schliesslich ist er weder ein kriegerischer Feldherr noch ein draufgängerischer Franzose…

Foto: Fine Art America, Gemälde von Fragonard: The beloved child

Doch zurück nach Grasse. Hier gibt es noch einen weiteren Bezugspunkt zur Parfum-Manufaktur «Fragonard»: den Maler Jean-Honoré Fragonard (1732-1806). Sind Euch seine fröhlichen Bilder bekannt? Er wurde in Grasse als Sohn eines Parfumeurs und Handschuhmachers geboren. Als er 6 Jahre alt war, zog die Familie nach Paris, wo er Malerei studierte. Dank seiner sinnlichen Bilder wurde ein berühmter Rokoko-Maler aus ihm. Seine lockeren, farbig-leichten Bilder waren meist erotisch, er schockierte manche seiner Zeitgenossen. König Ludwig XV gefielen die gewagten Werke, und er ernannte ihn zu seinem Hofmaler. Anlässlich der französischen Revolution 1789, die bekanntlich 10 Jahre dauerte, kehrte Fragonard nach Grasse zurück. Unweit der Manufaktur kann man in der Kunstgalerie «Fragonard» rund 20 seiner Hauptwerke bewundern. Mir gefallen die lieblichen Bilder sehr. Ich lernte sie kennen, als ich vor Jahrzehnten von einem befreundeten englischen Antiquar und seiner Frau vier edle Porzellanteller mit entsprechenden Motiven geschenkt bekam.

Foto Kunstkopie.de: Gemälde von Fragonard, Der heimliche Kuss
Foto Provence-Info.de: Das Städtchen Grasse
Foto Barbie: Unsere liebe Anouk

Hier, wie versprochen, eine kleine Parfumlehre aus dem Internet, die eher die Frauen anspricht, aber vielleicht auch Männer interessiert, sind sie doch oft die Schenkenden.

Foto Activitypedia.com

Die Kopfnote

Die Entwicklung eines Duftes startet mit der Kopfnote. Sie ist das Erste, was man von einem Duft wahrnimmt, also sozusagen sein Auftakt. Häufig dominieren in der Kopfnote frische und würzige Duftnuancen. Dazu gehören zitrische Aromen (aus Zitrusfrüchten oder -Blüten), aber auch Pfeffer, Ingwer oder Bergamotte. Die Kopfnote verflüchtigt sich allerdings relativ schnell und ca. 15 Minuten nach dem Auftragen ist von ihr meist nicht mehr viel wahrzunehmen. Nun entfaltet sich die Herznote eines Duftes. Die Dauer dieses Übergangsmoments ist je nach Duft unterschiedlich.

Die Herznote

Die Herznote bildet den Duftkörper, also das Herz eines Duftes. Das bedeutet, dass vor allem sie dazu beiträgt, wie man einen Duft wahrnimmt. Die Herznote entfaltet sich mit dem Abklingen der Kopfnote und ist wesentlich länger wahrnehmbar. Sie schafft im Idealfall eine harmonische Verbindung zwischen Kopf- und Basisnote und besteht häufig aus blumigen Akkorden von Rosen, Nelken oder Jasmin.

Photo by Valeria Boltneva on Pexels.com

Die Basisnote

Die Basisnote trägt und stabilisiert die gesamte Duftkomposition. Sie wirkt dank sogenannter Fixateure am längsten. Dafür werden würzig-holzige Aromen, beispielsweise Harze, Moschus, Vanille oder Lavendel verwendet. Es liegt übrigens an der Basisnote, dass Düfte an jedem anders riechen. So kann es passieren, dass wir den neuen Duft der besten Freundin unglaublich toll finden, an uns selbst dann aber überhaupt nicht mehr. Erklären lässt sich dieses Phänomen dadurch, dass sich die Basisnote aus dem Zusammenspiel der einzelnen Duftaromen und der individuellen Hautbeschaffenheit heraus entwickelt. Neben der Haut und deren pH-Wert spielen außerdem auch der Hormonhaushalt, das Alter und unsere Ernährung eine wichtige Rolle bei der Duftentwicklung.

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Spannend, nicht? Also nie vergessen: Einem Eau de Toilette, einem Eau de Parfum oder gar einem Parfum muss man Zeit lassen, sich auf der Haut zu entfalten, um festzustellen, ob der Duft wirklich zu einem passt!

So, jetzt könnt Ihr Euch schon fast selbst Euer eigenes Parfum kreieren. Fehlen nur noch die unendlich vielen verschiedenen Duftöle und Essenzen!

Mit duftigen Grüssen, Elisa
01.12.2021

Foto DER MANN: Good-bye, dear Arlin!
Foto Anouk: Stacheliger Blick aufs Meer

Auf den Spuren Napoleons (Forts.)

Foto DER MANN: Unsere Lieben und ich

Und dann waren wir endlich da: im Feriendomizil unserer lieben Verwandten. Der Empfang war warm und herzlich.

Am Rande eines Naturschutzgebietes befindet sich das ausgedehnte Grundstück mit dem gemütlichen alten Landhaus, umgeben von Bäumen und Büschen, ziemlich versteckt und absolut ruhig. Wir fühlten uns sofort zu Hause. Hier liess es sich vergnügt ausruhen, plaudern, diskutieren, essen, geniessen. Entspannen gilt zwar weniger für den Eigentümer… Wer ein solches Haus und Grundstück besitzt, muss in zahlreichen Bereichen begabt sein und sich in die laufend anstehenden Arbeiten hineinknien können.

Auch hier gab’s am Morgen frisches Baguette und dicke französische Croissants mit Butter und Lavendelhonig! Am Abend erfreuten wir uns an hausgemachter Pizza aus dem selbst gemauerten Pizzaofen, an herrlichen Spaghetti, delikaten Käseplatten… Mmh, noch im nachhinein läuft DEM MANN und mir das Wasser im Mund zusammen!

Der Ort hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Auch mein Sohn hatte ihn geliebt. Wenn in der Morgenfrische die Sonne ihre Strahlen über das Wäldchen auf die grosse Wiese schickte, begannen Blümlein ihre in der Nacht geschlossenen Köpfchen zu öffnen und wandten sich der Wärme zu, so dass sich auf der Wiese ein zarter Teppich in Weiss und Gelb entfaltete. Still und doch kraftvoll. Ein wahres Paradies, das man nicht gerne verlässt!

Foro DER MANN: Das alte Landhaus mit seiner guten Ausstrahlung

Für Dufterlebnisse bot sich das nahe Grasse an. Ein leichtfüssiges, bezauberndes Städtchen, so stellte ich mir Grasse vor, gilt es doch als Welthauptstadt des Parfums. Es liegt am Hang, unweit von Cannes, und zählt 48’865 Einwohnern. Vor allem der 1985 erschienene Roman des Deutschen Patrick Süskind «Das Parfum», in dem Grasse der Handlungsort ist, verhalf dem Städtchen zu weltweitem Ruhm. Habt Ihr das meisterhaft geschriebene, aber gruselige Werk auch gelesen? Der Roman ist unter dem Namen «Die Geschichte eines Mörders» verfilmt worden.

Foro Elisa: Im Garten
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Das milde Klima in Grasse bringt einen herrlichen Blütenreichtum hervor. Lavendel und Rosen gedeihen im Überfluss, auch Jasmin und Orangenblüten finden ihren Weg in die feinen Duftprodukte. Besucht man Grasse, sollte man unbedingt eine der drei Parfümfabriken Galimard, Molinard oder Fragonard besuchen. Man lernt dabei Spannendes über die Parfum-Herstellung.

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Mit Tochter und Enkeltochter DES MANNES fuhr ich deshalb nach Grasse. Die Männer wollten nicht mitkommen. Dabei wissen weibliche Wesen einen wohlduftenden Mann sehr wohl zu schätzen, oder nicht? Ich liebe feine Düfte über alles! An keiner Blume kann ich vorbeigehen, ohne daran zu riechen. Unter Anleitung habe ich schon zwei- oder dreimal mein eigenes Parfum kreiert und viel gelernt über die Kopfnote, die Herznote und die Basisnote, die in den meisten Parfums drin sind und ineinander übergehen. (Mehr davon im nächsten Blog).

Foto Barbie: Beim Eingang zum Fragonard

Wir besuchten die Parfumfabrik «Fragonard» und nahmen an einer Führung teil. Anschliessend betritt man drei (oder vier) grosse, helle Verkaufsräume, die von Touristen, bunten Vogelschwärmen gleich, heimgesucht werden, alle mit Duftstreifen unter der Nase und hektisch schnuppernd. Denn draussen wartet der Bus… Wir konnten es gemütlicher nehmen. Die wunderbaren Düfte schienen mich einzuhüllen, und ich schwebte auf Duft-Wolke 7! Doch dann entdeckte ich, dass mich meine Sinne im Stich liessen. Es waren viel zu viele verschiedene Düfte, und ich konnte sie nicht mehr klar erschnuppern. Also kaufte ich nur feine Seifen, denn ein teures, «falsches» Eau de Toilette wollte ich mir nicht leisten. Erst zu Hause entdeckte ich die Schätze, die ich erstanden hatte.

Foto Elisa: Alter Destillationsbehälter bei Fragonard

Nach einem feinen Tee mit delikater Pâtisserie trennten wir drei uns, damit jedes seinen eigenen Interessen nachgehen konnte. In dieser Gasse gab’s feine Läden, eine erstklassige Confiserie, glänzende Boutiquen, Bistrots. Gegen Abend sass ich bei einem frischen Fruchtsaft draussen und beobachtete, was sich vor meinen Augen tat. Da entdeckte ich in einem nahen, links abgehenden Gässchen eine Apotheke. Apotheken lassen ihr grünes Schild leuchten, wenn sie geöffnet haben.

Ich machte mich auf den Weg. Kaum im Gässchen, erschrak ich. Eine völlig andere Welt offenbarte sich hier, nur etwa 100 m entfernt: Alkoholiker, Drogenabhängige und andere elende Menschen sassen mit hängenden Köpfen auf Türschwellen oder schlurften herum. Die Hoffnungslosigkeit rundum war erschütternd. Als ich mir in der Apotheke ein Duftfläschchen zeigen liess und die Assistentin es mir vor die Nase hielt, drängte sich auf einmal der ungepflegte Kopf eines Alkoholikers dazwischen. Der Mann war drauf und dran, mit seiner Nase die Fläschchenöffnung zu berühren. «Monsieur, ça ne va pas», sagte ich streng. Er murmelte: «Ich verstehe etwas von Düften.» Und im nächsten Moment tat er mir leid. War er ein arbeitsloser Parfumeur? Der Apotheker sagte: «Er war hier zum Covid-Test.» Schliesslich schickte er ihn und seinen Kollegen, die um mich herumschlichen, resolut nach draussen. Eine Weile später machte ich mich auf den Rückweg. Mir war etwas bange, doch niemand belästigte mich. Die Not und die Armut dieser Menschen begleiteten mich noch lange. Unerträglich, wenn man nicht helfen kann.

Wenn Glanz und Elend so nahe beieinander sind, ist es besonders traurig.

Foto Elisa: Im Garten

Amitiés, Elisa
24.11.2021