Von Linsen und Filzläusen – und von nächtlichen Schrecken

Foto DER MANN: Der alte Mann sitzt den ganzen Tag beim Hoteleingang

(Forts.):

Ihr Lieben, seid Ihr bereit für ein weiteres Stück Sri Lanka? Also denn:

Im nachhaltigen Hotel steht unser Bungalow etwas abseits, am Rande eines Wäldchens, hinter dem die Strasse ins Dorf liegt. Auch hier herrscht grosse Ruhe, und so schlafen wir in der ersten Nacht sofort ein. Mit einem Ruck erwache ich. Schritte tappen ums Häuschen, Flaschengeklirre, flüsternde Männerstimmen sind zu hören, Taschenlampen blinken an den Wänden hinauf- und hinunter, leuchten zum Fenster herein. Ist eine Einbrecherbande am unseligen Werk? Ängstlich wecke ich DEN MANN.

Foto DER MANN: Vor unserem Bungalow

Der hört sich das eine Weile an, dann steht er entschlossen auf. Ganz furchtloser Held, öffnet er trotz meiner Sorge abrupt die eher baufällige Türe des Bungalows. «Wow, so mutig!» denke ich bewundernd. Draussen wird er Gottlob weder niedergeschlagen noch gefangen genommen, im Gegenteil. Freudig begrüsst ihn eine etwa 10köpfige Männerrunde mit den Worten: «Do you have cigarettes, Sir?» Des Rätsels Lösung: die Nachtwächter des Hotels treffen sich bei unserem am Ende gelegenen Bungalow mitten in der Nacht zu einer gemeinsamen Arbeitspause. DER MANN schenkt ihnen zwei Päckchen Zigaretten und raucht gleich eine mit… Von nun an fühlen wir uns zu nächtlicher Stunde mindestens 10fach bewacht.  

Foto DER MANN: Unser freundlicher Kellner, der die Getränke serviert

Im Open Air Restaurant geht’s zur Essenszeit emsig zu und her. Es gibt morgens und abends ein vielfältiges, mehrheitlich fleischloses Buffet. Die Speisen sind wunderbar gewürzt und sagen mir zu, während DER MANN leicht die Nase rümpft. Schon zum Frühstück hole ich mir eine Schale des feinen Linsengerichts «Dal». Die Getränke werden vom freundlichen Personal serviert.

Foto Dishmaps: Dal, feines Linsengericht

Jedes Mal, wenn DER MANN mit seinem Teller ans Buffet geht, taucht ein blutjunger Kellner auf, der mit der Bedienung unseres Tisches nicht das Geringste zu tun hat (zum Glück!). Er steht dann neben mir und kratzt sich durch den Lungi, den lokalen langen Wickelrock, kräftig im Schritt. «Oh du Schande, der hat bestimmt Filzläuse!» denke ich und kann nicht mehr weiteressen. Er beginnt eine ungeschickte Konversation, weiss hingegen bald, aus welchem Land ich komme. Das Buffet lässt er nicht aus den Augen. Sobald sich DER MANN dem Tisch wieder nähert, verschwindet der Junge blitzschnell im hinteren Teil des Restaurants. Dies wiederholt sich. Als ich ihn frage, weshalb er nur dann erscheine, wenn mein Mann weg sei, antwortet er treuherzig, er wolle allein sein mit mir. In Tat und Wahrheit hat er es natürlich auf etwas ganz anderes abgesehen. Er träumt von einem Job in einem Restaurant in der Schweiz. Den glaubt er sich nur über das Herz einer älteren Frau erobern zu können.

Erfolgversprechender wäre es, er machte zuerst seinen Filzläusen den Garaus.

Nachhaltig? Höchstens in Bezug auf die Filzläuse…

Elisa, 05.05.2021 (Forts. folgt)

Foto Elisa: Die arme Kuh muss sich ihr Fressen zusammensuchen

Von Schlangen und Schildkröten – und von Tourist Helpers

Foto: http://www.fotografierenundmehr.de: Unwiderstehliche, rätselhafte Stimmung

Habt Ihr wieder Lust auf Sri Lanka und seine Besonderheiten? Hier die Forsetzung:

Forts.: Der folgende Tag sieht uns an einem schattigeren Ort. Dennoch ist unsere Wanderung bei dieser Luftfeuchtigkeit ebenfalls kräftezehrend. Wir keuchen durch ein trockenes Bachbett eine bewaldete Schlucht hinauf, um Mönchshöhlen und einen alten, einsamen Tempel zu besuchen. Der Schweiss fliesst in Strömen.

Beim Abstieg taucht wie bestellt ein Einheimischer an meiner Seite auf und führt mich schweigend, aber sicher zurück über das vertrackte, mit klobigen Steinen und Felsbrocken übersäte Bachbett hinab – er, der kein T-Shirt, nur ein Lendentuch und ganz leichte Sandälchen trägt. DER MANN sieht das nicht gerne. «Ich bin auch noch da,» schmollt er. «Der will sowieso nur Geld.» «Das gebe ich ihm gerne», lache ich, «er hat es verdient!»

Photo by RODNAE Productions on Pexels.com

«Hast du vergessen, wie dich erst kürzlich ein selbsternannter Führer vom Löwenfelsen hinunterbegleitet, äusserst geschickt von der Gruppe weggelotst und dich schlitzohrigen Händlern ausgeliefert hat? Die angeblich echte Korallenkette, ein «Schnäppchen» für 80 (!) Franken, sei aus billigstem Plastik, hat Asanga gesagt.» DER MANN ist mit Recht sauer: ich bin viel zu leichtgläubig.

Photo by David Frazer on Pexels.com

Auf einmal drängt uns Asanga, dem es sonst nie eilt. «Es wird Abend», mahnt er. «In diesem Wald hat es unzählige Giftschlangen, und um diese Zeit kriechen sie plötzlich überall hervor.» Hui, jetzt geben wir fünf Touristen aber Fersengeld! Völlig verschwitzt kommen wir im Hotel an.

Foto DER MANN: einheimisches Mädchen

Für unseren Aufenthalt haben wir ein naturnahes Hotel gewählt, das sich nachhaltigen Tourismus auf die Fahne geschrieben hat, der bei näherem Hinsehen allerdings etwas, sagen wir, ungewohnt ist. Dafür sind wir hier in einer echten Idylle.

Die Anlage liegt in einer sanften Talsenke und grenzt an einen stillen kleinen See. Wenn das Abendlicht über das Wasser streicht, schimmert das umliegende Grün samten im letzten warmen Sonnenglanz. Grosse Vögel schwingen sich lautlos in die Höhe. Um diese Tageszeit überstrahlt den Ort viel Frieden und Ruhe.

Foto DER MANN: Damm in der Nähe unseres Hotels

Auch in der Natur kommt der Tod unerwartet. Beim Abendspaziergang entdecken wir eine tote Riesenschildkröte. Was ist ihr zugestossen? Schildkröten, Symbol für langes Leben und Weisheit, werden doch uralt! Als wir am folgenden Abend nochmals hingehen, sehen wir nur noch eine Unzahl durchsichtiger Plättchen vom Panzer und ein kleines Halsrückgrat im Gras liegen. Sonst ist rein gar nichts mehr übrig. Waren das streunende Hunde, Vögel oder…??

Foto DER MANN: Was von der Schildkröte übrig bleibt

Wie auch immer: Die Natur ist nachhaltig. Sie verschwendet nichts.

Photo by Magda Ehlers on Pexels.com

Bleibt gesund und träumt Euch an einen schönen Ort. Die Forsetzung folgt in einer Woche.

Liebe Grüsse, Elisa
28.04.2021

Von Tee und Zahn – und von einem Affentheater

Foto Hexenwald 11: Der ganz besondere Baum: Ficus Benjamina

(Forts.): Kommt Ihr wieder mit? Sri Lanka wartet!

Postkarte: Teepflückerinnen bei ihrer harten Arbeit auf den Teefeldern

Auf den Hügeln im zentralen Hochland, wo’s etwa 24ºC kühler ist als in der Ebene, reiht sich Teefeld an Teefeld. Unser heutiges Ziel ist die auf 500m Höhe gelegene Stadt Kandy mit dem Tempel, dessen Heiligtum der obere linke Eckzahn des Buddhas ist, dem eine abenteuerliche (Reise)Geschichte nachgesagt wird. Fotografieren ist verboten. Wir harren geduldig aus im endlosen, andächtigen Zug von Pilgern, die im Tempel einen Blick auf den heiligen Reliquienbehälter erhaschen wollen. Zweimal pro Tag wird der Schrein für 15 Minuten geöffnet. Die Ehrfurcht der vielen Menschen beeindruckt uns.

Postkarte: Der Tempel von Kandy, der Buddhas Zahn beherbergt

Alles in allem ist der Tempel jedoch nicht meine Welt. Buddha’s Zahn lässt mich an einen zahnlosen Mund, an ausgerissene Zähne denken…

Foto Phonsavan: Im Botanischen Garten von Kandy

Ich, die ich Bäume bewundere und liebe, bin denn auch erst im schattigen Botanischen Garten von Kandy mit den uralten, seltenen Bäumen in meinem Element.

Foto: Royal Garden of Kandy: Ebenfalls ein faszinierendes Exemplar

Die antike Stadt Polonnaruwa, die wir am nächsten Tag besuchen, war einst Hauptstadt des mächtigen Königreiches Ceylon. Es lohnt sich, die prächtigen Ruinen aus den Jahrzehnten nach 993 zu besuchen. Das Areal dieses UNESCO-Weltkulturerbes ist riesig und enthält steinerne Tempelfiguren, antike Bewässerungssysteme, Buddha-Statuen und 1000 Jahre alte Stupas. Als künstlerische Blütezeit der Klosterstadt gelten die Jahre 1154 bis 1196.

Foto DER MANN: Tempelruine in der antiken Stadt Polonnaruwa

Als der Regent 1293 wegzog, verlor Polonnaruwa an Bedeutung und verschwand zunehmend unter tropischer Vegetation, bis die Briten die Klosterstadt, ungefähr ab 1890, Stück für Stück vom Dschungel freilegten, der die Ruinen völlig überwuchert hatte. Manchmal wäre ich froh, die vielen «Architektursünden» in unserem Land würden ebenfalls vom Dschungel überwachsen, heisst: unsichtbar gemacht.

Foto DER MANN: Ruine in der alten Klosterstadt Polonnaruwa

Der Besuch der vielen Ruinen ist grossartig. Die alten Gemäuer haben etwas Schattenhaftes, Unerklärliches für uns, strahlen dennoch Kraft und Harmonie aus. Allerdings ist es sehr heiss, das Areal weitläufig. Vor einem der letzten Tempel streikt DER MANN. «Ich will nicht schon wieder in ein dunkles, halbverfallenes Gemäuer gehen, sie sehen alle ähnlich aus. Jedes Mal die Schuhe ausziehen, das Käppi vom Kopf nehmen, die Socken dreckig machen! Ich bleibe draussen im Schatten, da ist es angenehmer.»

Foto Elisa: Buddha in altem Tempel von Polonnaruwa mit frischen Blumen

Dadurch wird er Zeuge eines wahren Affentheaters. Eine asiatische Reisegruppe hat Hüte, Taschen und Schuhe auf einer Steinmauer deponiert. Während wir alle im Tempel sind, turnt eine fröhliche, vielköpfige Affenschar von den Bäumen, fällt kreischend über die Gegenstände her. Flink wird alles ausgeleert, durcheinandergewirbelt, in die Luft geworfen oder stibitzt, und dann blitzschnell «in Sicherheit» gebracht. «Wie ein unwirklicher Spuk», erzählt DER MANN nachher. Ts, ts, ts!! Null Anstand, null Respekt! Ob Buddha darob beleidigt ist? Oder ob er im Gegenteil ein diebisches Vergnügen an der wilden Rasselbande hat?

Eines ist klar: Die beraubten Touristen werden sich kaum freuen.

Foto DER MANN: Uralte Bäume im Botanischen Garten von Kandy, sie müssen gestützt werden

(Forts.folgt)

Liebe Grüsse, Elisa

21.04.2021

Photo by Rachel Claire on Pexels.com


Von Elefanten und Wolkenmädchen – und von einem behäbigen Ritt

Foto Elisa: Rasch, rasch zum Badevergnügen!

Forts. – Es geht weiter!
Ich bin entzückt, dass wir auf Sri Lanka so vielen Elefanten begegnen. Hier gehören sie zu den gefährdeten Tierarten, was man nicht vermuten würde. Ein «Muss» ist der Besuch des speziellen Elefanten-Waisenhauses Pinnawela, wo wir uns mit den Tieren über ihr tägliches Bad und übermütiges Spritzen und Herumplanschen freuen. Ein Elefäntchen posiert mit mir; es reicht mir nicht einmal bis zur Schulter.

Foto Elisa: Die Elefanten fressen viel, die „Bollen“ sind entsprechend gross
Postkarte: Prozessionselefant

Wahrscheinlich ist Euch bekannt, dass man früher in Asien, vor allem in Indien, die Kolosse im Krieg und bei Tournier-Kämpfen einsetzte. Das ist zum Glück längst vorbei. Doch noch heutzutage verrichten die Arbeitselefanten auf Sri Lanka Schwerstarbeit, dies vor allem an unzugänglichen Orten in den Wäldern. Sie heben und schleppen Baumstämme und Feldsteine, roden Urwald, beladen Lastwagen (deshalb sieht man sie öfters am Strassenrand), immer Seite an Seite mit ihrem Mahut (Elefantenführer). Zur Belohnung gibt’s ganze Wassermelonen, denn Wasser ist für sie lebenswichtig. Ob sie gerne arbeiten? Weniger anstrengend ist es vermutlich für sie, wenn sie, prachtvoll geschmückt, bei festlichen Prozessionen mitwirken. Es kann vorkommen, dass ein Elefant auf gefährliche Weise ausrastet, immerhin geschieht dies äusserst selten. Doch schlechte Behandlung vergessen sie nie.

Foto DER MANN: Scheinbar mühelos hievt der Elefant den Baumstamm auf den Lastwagen

Offenbar gefällt es ihnen, mit Touristen auf ihrem breiten Rücken auszureiten. Der 1stündige Elefantenritt am Fuss des Löwenfelsens (Sigiriya) ist etwas sehr Vergnügliches. Zwar hocken wir hoch über dem Boden in einem dürftigen, unbequemen Drahtgestell, wo wir uns festklammern müssen, während wir durch die Gegend geschüttelt und gerüttelt werden. Der grosse Kerl, Adula heisst er, geniesst den Spaziergang offenkundig. Verspielt trödelt er herum, reisst unterwegs ganze Äste von den Bäumen, verschlingt auf der Stelle riesige Mengen Blätter, und wenn er kräftig brunzt, tönt es wie ein rauschender, spritzender Wasserfall ganz nah an unserem Sitz.   

Foto DER MANN: Adula wird bereit gemacht für den Ritt

Ihr ganzes Leben verbringen Elefanten mit ihrem «Mahut». Sie entwickeln ein sehr enges Verhältnis zu ihm. Sie können 75 bis 80 Jahre alt werden. Stirbt ein Mahut vor dem Elefanten, verfällt der treue Riese in tiefe Trauer.

Ganz in der Nähe liegt der berühmte Löwenfelsen mit den Fresken der himmlischen Wolkenmädchen. Diese sollten auf keinen Fall fotografiert werden, es ist streng verboten. Versucht man es dennoch, erwarten einen empfindliche Strafen und die Beschlagnahmung der Kamera. Die Wandmalereien befinden sich in einer geschützten Nische. Von den ursprünglich 500 gibt es heute nur noch 19. Die barbusigen Mädchen sehen bezaubernd aus und wirken auch heute noch erotisch.

Foto Reiseleiter Asanga: DER MANN und ich, halbwegs auf dem Weg zum Löwenfelsen Sigiriya

Wir schaffen es leider nicht bis ganz hinauf! Schade um die Aussicht.

Foto Wikipedia: Der Sigiriya (Löwenfelsen) in seiner ganzen imposanten Steinmasse

Buchempfehlung: «Reef», von Romesh Gunesekera:
Das preisgekrönte Buch ist äusserst spannend sowie völkerkundlich interessant und mit feinem Humor geschrieben:
Im Jahr, als Sri Lanka unabhängig wird, kommt der elfjährige Triton als Boy in das Haus von Mister Salgado, einem Meeresbiologen, der nur einen Lebensinhalt hat: das gefährdete Universum des Ozeans. Für den Jungen wird das Haus des Junggesellen zu einem abgeschlossenen Mikrokosmos. Er lernt, das Silber so zu polieren, dass es schimmert wie geschmolzenes Sonnenlicht, den Liebeskuchen mit zehn Eiern zu backen und für die Freundin seines Herrn den Papageienfisch zu dünsten. Und er lernt, mit wachen Augen die politischen, sozialen und amourösen Ränkespiele zu beobachten. Hintergründig erzählt Triton seine Geschichte. Naiv und wissend zugleich, tapfer und ängstlich – die eindrückliche Stimme eines Jungen, der in einer zerbrechenden Welt erwachsen geworden ist.

(Forts.folgt)

Liebe Grüsse, Elisa
14.04.2021

Von Zimt und Tempeln – und von Nachhaltigkeit

Foto Elisa: Gewürze aus Sri Lanka

Um den Pandemie-bedingten Einschränkungen etwas zu entrinnen, krame ich mit Vorliebe in früheren Reiseerinnerungen. Ich lasse Euch gerne teilhaben. Wie wär’s mit Sri Lanka? Seid Ihr dabei? Also denn:

Nach unserer Ankunft auf dem dortigen Flughafen fahren wir nachts beim bekannten Zimtkanal vorbei – einer Hinterlassenschaft aus der Hochblüte der holländischen Kolonialherrschaft. Mit ihren 100 km Länge führt die Wasserstrasse von Negombo nach Colombo, dann nach Puttalam. Negombo war zu jener Zeit ein bedeutender Handelsplatz, da der Zimtkanal dem Transport des beliebten Zimts und anderer Gewürze diente.

Trotz der überraschenden nächtlichen Geschäftigkeit auf dem daneben liegenden Strässchen sind die kleinen Buden der Händler nur spärlich beleuchtet, aber man kann das Lächeln, das in den dunklen Gesichtern mit den weissen Zähnen aufleuchtet, dennoch gut erkennen. Die Szene ist zauberhaft. Sie hat etwas Meditatives und zugleich Geheimnisvolles, Träumerisches. Ein wunderbarer Ferienstart!

Der Zimtkanal bei Negombo

Sri Lanka, die Gewürzinsel mit den weiten Teefeldern gefällt DEM MANN und mir auf Anhieb: Schöne Landschaften, liebenswürdige Menschen, viele, viele Elefanten, holprige, von hohen Palmen gesäumte Strassen, alte Kulturdenkmäler.

Unsere erste Woche ist Tagesbesichtigungen gewidmet – in einer bloss 5köpfigen Reisegruppe, was ideal ist. Geführt wird sie durch Asanga, einen weisen, unkonventionellen Mann.

Foto Elisa: Die buddhistischen Höhlen von Dambulla

Unser einfaches Hotel liegt in der Nähe von Dambulla. Dambulla ist berühmt für das größte Rosenquarz-Vorkommen in Südasien und den Eisenholz-Wald, besonders aber für seine buddhistischen Höhlentempel, die das Leben Buddhas erzählen.

Die Höhlen in Dambulla sind ein Kunstwerk sondergleichen: Sogar die Decken und Wände sind bemalt,

Seitdem sich eine australische Touristin einem der Buddhas für ein Foto auf den Schoss gesetzt hat, ist Fotografieren verboten. Buddhastatuen gelten als heilig, weder darf man sie berühren, noch ihnen den Rücken zukehren. Man entfernt sich, indem man rückwärts weggeht. Heute, am ersten Besichtigungstag, sind wir eigens wegen der fantastischen Höhlen da, in denen wir 153 grosse und kleine, bunt bemalte Buddhas und farbenfrohe Wand- und Deckenmalereien bestaunen können, die knapp vorchristlich entstanden sind. Wegen der Pfützen auf dem Höhlenboden sind unsere Socken bald durchnässt und schmutzig. Wir vergessen aber bald, dass es draussen regnet. Besonders beeindruckt uns in der ersten der fünf Höhlen der 15m lange, liegende Buddha – die in Stein gemeisselte Ruhe. Kein Wunder, soll die Statue doch den Übergang Buddhas ins Nirwana darstellen.

Eine der farbig bemalten Buddha-Statuen in Dambulla

Im Gewürzgarten am nächsten Tag werden uns sämtliche einheimischen Gewürze gezeigt, auch wie sie wachsen. Bisher war mir unbekannt, dass unsere Zimtstengel von der Rinde des Zimtbaumes stammen und darum gerollt zu uns kommen. Jetzt weiss ich auch, warum es verschiedenfarbige Pfefferkörner gibt: grün=unreif, rot=reif und sehr scharf, weiss=roter Pfeffer ohne Häutchen, schwarz=verdorrt und trotzdem gut. Muskatnüsse haben ebenfalls eine rote Haut, die aber separat gemahlen und verwendet wird. Kokainblätter sehen ganz harmlos aus. Curryblätter wirken zierlich im Vergleich zu den länglichen, fleischigen Blättern und Kapseln des Vanillestrauches, der eine Orchideen-Gattung ist. Aus den grünen, dann fermentierten Kapselfrüchten werden die schwarzen Vanilleschoten gewonnen, die bei uns so begehrt sind.

Im Gewürzgarten: So gewinnt man Kautschuk, nur die Rinde einschneiden

Die anschliessende 20minütige, ayurvedische Arm-/Genick-/Schulter-Massage sowie der Gewürztee sind das Tüpfelchen auf dem I unseres Rundgangs. So richtig zum Beneiden, oder nicht?

Foto vom MANN: Ich werde mit Tee und Massage verwöhnt
Foto: AP_1_t715: Eichenholzbaum Hochstamm

Das war’s für heute, Fortsetzung folgt.

Bis zum nächsten Mal mit lieben Grüssen, Elisa

06.04.2021

Frühling

Thurgauer Frühling: Apfelblüten

Oh welch ein Wachsen und ein Grünen
ein Knospen und ein Blühen:
Der Frühling ist aus Winternacht
im blütenreinen Kleid erwacht

Hellblau, glatt wie Seide
wölbt sich hoch das Himmelszelt
weisse, zart-belad’ne Zweige
träumen in die heitre Welt

Inmitten all dem emsig‘ Weben
erwach‘ auch ich zu neuem Leben:
Der Frühling ist aus Winternacht
im blütenreinen Kleid erwacht


(Elisa)

Blütenzauber: Foto von Freundin Heidi Wildi
Traum in Weiss: Foto von Freund Fritz Reimann
Glyzinien im Garten von Freund Andy
Palmsonntagsfreude: Foto von Freundin Heidi Wildi
Eine Wonne! Thurgauer Frühling
Erholung: Foto von Freund Fritz Reimann

Birnbaumblüten, Foto von Freund Fritz Reimann

Herzliche Frühlings- und Ostergrüsse! Geniesst das junge Leben und die erwachende Natur, Elisa

31.03.2021

Was ich wirklich brauche

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Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr,
sondern um Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben,
es müsste im Leben immer alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,
dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge,
Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe
zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

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Erinnere mich daran, dass das Herz oft
gegen unseren Verstand streikt.
Schick mir im rechten Augenblick jemand,
der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Bewahre mich vor der Angst,
ich könnte das Leben versäumen.
Gib mir nicht, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!

//Antoine de Saint-Exupéry, lebte vom 29 Juni 1900 bis zum 31 Juli 1944

Photo by Sunyu Kim on Pexels.com

Elisa, 24. März 2021

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Haben wir Schweizer Humor?

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Schön, wenn jemand mit Humor gesegnet ist! Humor ist rundum entspannend und deshalb das beste Mittel gegen Stress. Humorvolle Menschen gehen leichter durchs Leben, nicht wahr? Es gibt sie weltweit, nur ist die humorvolle Ausprägung landestypisch gefärbt. Worüber lacht der Mensch? Schwer zu sagen. Humor kann fein, derb, primitiv, geistreich, witzig, komisch, befreiend daherkommen. Er führt vielleicht zu Schenkelklopfen oder stiller Belustigung, zu Grinsen, Glucksen, Kichern, Lächeln, Lachen – immer aber spricht er uns auf der Gefühlsebene an. Wichtiger noch als die Art des Humors ist die Stimmung. Wir haben’s alle schon erlebt: Sind wir in fröhlicher Gesellschaft und ist die Stimmung empfänglich, verschmelzen die Beteiligten zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die sich gegenseitig anregt und ein wahres Feuerwerk an Witzen und Anekdoten explodieren lässt. Gelächter ist die Zündschnur dazu. Ach, wie sehr vermissen wir dies in Zeiten von Corona!

Snoopy, Copyright. Charles M. Schulz

Fragt Ihr Euch manchmal: Haben auch wir Schweizer Humor? Gewiss doch, aber Schweizer sind diskret – auf Grund unserer Entwicklung (oder unseres Charakters?) tragen wir das Herz nicht auf der Zunge. Es ist uns mehr oder weniger egal, wenn man uns im Ausland bisweilen für humorlos hält. Denn warum sollen wir unsere kleinen Geheimnisse jedermann auf die Nase binden? Zum Beispiel, dass die Appenzeller fluchen wie die Fuhrknechte, dass die Thurgauer stehlen wie die Elstern, die Berner laaangsaaam sind. Das sind sowieso Verleumdungen… Zwei typische Witze gebe ich dennoch preis. Psst! Nicht weitererzählen!

Ein Appenzeller steht vor seinem Auto, das eine Panne hat. Nach unzähligen Versuchen, es wieder in Gang zu bringen, schlägt er auf Motor und Haube ein, er flucht, dass der Teufel vor Freude hüpft. Da kommt der Dorfpfarrer des Weges. „Aber, aber“, tadelt er, „Gott ist nicht bei den Fluchenden. Fluchen bringt doch nichts, beten Sie lieber.“ Der Mann faltet gehorsam die Hände, schaut zum Himmel hoch, murmelt leise. Da plötzlich, wundersamerweise, springt der Motor wieder an. „Huere Herrgott Sakrament“, ruft der Pfarrer verblüfft. „Ich hätte nicht gedacht, dass es funktioniert!“

Ein Friburger will Schuhe kaufen. Im Schuhgeschäft zieht er die alten aus. Da verbreitet sich ein scheusslicher Gestank im Laden, die übrigen Kunden verlassen ihn fluchtartig. Selbst die Verkäuferin hält es kaum mehr aus. In der Verzweiflung nimmt sie die eleganten Lederstiefel, die der Friburger auch noch anprobieren will, und drückt sie ihm in die Hand mit den Worten: „Nehmen Sie dieses Paar gratis mit, aber bitte verlassen Sie rasch das Geschäft.“ Kaum ist der Mann weg, reisst sie die Fenster auf, sprüht Raumduft in Nischen und Ecken. Nach einer Viertelstunde steht der Friburger wieder im Laden. Diesmal furzt er laut und ausdauernd. Dann fragt er schelmisch: „T’schuldigung, liegt vielleicht noch ein Paar Gratis-Pantoffeln drin?“    

Photo by ROMAN ODINTSOV on Pexels.com

Es ist uns allen klar, dass Witze über Menschen oder Nationalitäten stets stark übertrieben sind, meist bis an die Grenze des guten Geschmacks. Aber wie gesagt, wir sind verschwiegen. Lieber lachen wir offen über die Österreicher, die angeblich morgens das Gesicht mit „Eau de Toilette“ erfrischen, indem sie den Kopf in die WC-Schüssel tauchen. Oder wundern uns über den trockenen britischen Humor, den nur Insider komisch finden, wie z.B. bei diesem Witz: Zwei Männer sitzen mit ihren Angelruten am Meer. Lange tut sich nichts, bis einer von ihnen eine wunderschöne Meerjungfrau an Land zieht. Er betrachtet sie nachdenklich, dann löst er sie vom Haken und wirft sie zurück ins Meer. Sein Kollege fragt: „Aber warum denn? (But why?)“ Die knappe Antwort lautet: „Aber wie denn? (But how?)“

Englische Witze erzähle ich weniger gerne, denn öfters als nicht bin ich die Einzige, die dabei lacht. Und das wiederum ist ja nun wirklich zum Lachen!!

17.03.2021 Elisa 😂😃🤣

Charlie Brown and Snoopy, Copyright: Charles M. Schulz

Musik klingt in meinen Ohren

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Von Kindsbeinen an waren meine Schwestern und ich in unserem Elternhaus von Musik umgeben. Als ich acht war, bekam ich meine erste Geige. In Sommernächten wiegte uns Hausmusik in den Schlaf. Später gaben wir in kleinerer oder grösserer Besetzung Konzerte, wir spielten an Altersnachmittagen, an Sommerkonzerten im Schloss, an Weihnachtsfeiern im Spital, an Festtagen in der Kirche, und einmal sogar im Gefängnis, wo ich mich ein wenig fürchtete. Als Jugendliche durfte ich in zwei Orchestern spielen: im Erwachsenen- und im Jugendorchester. Das Jugendorchester bestand erst wenige Jahre, doch wir befanden uns auf stetem Höhenflug. Der Leiter, ein schwarzlockiger Berufsmusiker, entzündete in uns das Feuer für die Musik.

Photo by Ylanite Koppens on Pexels.com

Der Frühlingsball war für unsere beiden Orchester der Höhepunkt des Jahres. Mitreissend das Programm – eine gekonnte Abfolge neckisch-leichter Liebeslieder und beschwingter Walzer, die zum Tanzen einluden – üppiger Blumenschmuck auf den weiss gedeckten Tischen, festliche Stimmung, heitere Menschen, es war ein bezauberndes Vergnügen für alle.

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Von den Ereignissen, die völlig unerwartet in unsere schöne Welt platzten und uns aus dem Takt warfen, will ich Euch heute erzählen. Dazu nehme ich Euch mit, zurück in die späten 50er Jahre des letzten Jahrhunderts:

Tatsächlich wird im Spätsommer der Traum jäh zerstört. Unsere Familie sitzt beim Abendessen, als das Telefon klingelt. Papa nimmt im Korridor das Gespräch entgegen. Als er an den Tisch zurückkommt, ist er ganz blass. „Stellt euch vor, der Präsident des Orchestervereins, X.Y., ist gestern Abend bei seiner Rückkehr aus den Sommerferien vor seinem Haus verhaftet worden. Er soll bei seinem Arbeitgeber massiv Geld unterschlagen haben. Während er in Spanien am Strand lag, hat eine Buchhaltungsrevision den Betrug ans Tageslicht gebracht.“ Er wendet sich an Mama: „Du hast ihm nie vertraut, gelt? Warum hast du gewusst, dass bei ihm etwas nicht stimmt?“ „Er konnte einem nicht in die Augen schauen,“ antwortet sie schlicht.

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Nach und nach wird die ganze leidige Geschichte bekannt. X.Y. hat als Buchhalter bei einer florierenden Unternehmung in weniger als 10 Jahren mehr als 700’000 Franken veruntreut, indem er jeden Monat zusätzlich Löhne an ein paar von ihm erfundene Personen auszahlte – das erschwindelte Geld auf raffinierte Weise zu sich lenkend. 700’000 Franken! In den 50er Jahren eine Unsumme Geldes, die ihm mehrere Jahre Gefängnis eintragen wird. Vom Geldsegen profitiert haben nicht nur seine Familie und sein Freund, der schwarzlockige Dirigent. Auch der Orchesterverein war Nutzniesser, wenn auch ungewollt. Immerhin verdanken ihm die beiden Orchester die schönsten Konzerte, die himmlischsten Bälle, die unvergesslichsten Stunden ihrer Geschichte. Leider hinterlässt Y.X. dem Verein auch einen riesigen Stapel unbezahlter Rechnungen, so dass in den nächsten Jahren jeder Franken umgedreht werden muss, bevor man ihn ausgeben kann. Als erstes fällt das beliebte Jugendorchester dem ‚Streichkonzert’ zum Opfer. Wie schade! Und erst noch nach einem Konzert keine feinen Fleischplatten und Torten mehr als Belohnung nach einem Konzert!

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Als Vizepräsident hat auch Papa eine Mitverantwortung am Debakel, ebenso der Kassier Ulrich, wie Papa ein äusserst gutmütiger Mann. Die Buchhaltung samt Kassabuch ist nämlich schon seit fast drei Jahren bei X.Y. zu Hause, wo sie eigentlich nichts zu suchen hätte. X.Y. hat seiner Kreativität auch hier alle Ehre gemacht: nämlich als Meister im Erfinden immer neuer Ausreden, warum sich der Jahresabschluss Jahr um Jahr hinauszögern müsse. Alle, ausser unserer Mama, hat er eingelullt, indem er, absichtlich beiläufig, von einem stillen Gönner geschwärmt hat, der die grossartigen Anlässe des Orchesters voller Freude finanziere. Es ist ihm sogar gelungen, den beiden leichtgläubigen Vorstandsmitgliedern Blankoschecks abzuluchsen.

Nach der Verhaftung von X.Y. bekommt der Orchesterverein einen neuen Präsidenten und einen neuen Kassier. Letzterer ist ein flotter junger Mann, der soeben eine 14 Jahre ältere Witwe mit vier schulpflichtigen Kindern geheiratet hat, was allgemein als noble Tat gewertet wird. Als der Orchesterverein nach ein paar spartanischen Jahren alle Schulden abbezahlt und wieder ein nettes Sümmchen Geld gespart hat, verschwindet der feine Herr samt Kasse bei Nacht und Nebel – eine ratlose Familie sowie einen gebeutelten Verein hinterlassend. Beide sind gleichermassen untröstlich, aber natürlich aus ganz unterschiedlichen Gründen…

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Zu allem Übel wird kurz darauf auch noch die Gattin des neuen Präsidenten beim Griff in die Kasse ihres Arbeitgebers erwischt. Dieser ist ein Ladeninhaber, der weder Spass noch etwas von Musik versteht. Oh weh, man stelle sich vor: Kleptomanie, bei einer solchen Dame mit einem gutverdienenden Ehegatten! Nach diesen neuerlichen (Pauken)-Schlägen bemüht man sich redlich, weiterhin gute Musik zu machen. Das Orchester ist glücklicherweise nicht am Ende: noch ist es kein Schwanengesang. Doch wen erstaunt es, dass nach so viel Pech sein guter Ruf flöten gegangen ist? Und dies, obwohl seine Mitglieder bereits nach der Verhaftung von X.Y. die Rossini-Operette ‚Die diebische Elster’ aus ihrem Repertoire verbannt haben…

Musik beflügelt und beglückt uns Menschen. Dem Himmel sei Dank, bleibt das auch so, wenn die Harmonie dann und wann durch falsche Töne gestört wird.

Wunderbar, nicht? Musik klingt in unseren Ohren… Herzlichst, Elisa
10.03.2021

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