Mhmmm?

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In Südafrika war’s. Die Dame des Hauses versammelte wöchentlich ihre Freundinnen um sich zum Nachmittagskränzchen, wo die Ladies bei Tee und Kuchen den neuesten Klatsch austauschten. Besonders beliebt war der englische Cherry Cake mit den kandierten Kirschen im luftigen Teig. «Sag mal», wollte eine der Freundinnen eines Tages von der Gastgeberin wissen, «wie macht das deine Köchin? In unserem Cherry Cake sinken die schweren Kirschen beim Backen immer allesamt auf den Boden des Kuchens, anstatt sich schön im Teig zu verteilen wie hier bei dir.» Abends fragte die Lady ihre Köchin. Die schwarze Mary lächelte vergnügt. Dann antwortete sie: «Ganz einfach, Ma’am, ich nehme die Cherries alle in den Mund und spucke eins ums andere gleichmässig in den Teig. Dort bleiben sie dann stecken, bis der Cherry Cake gebacken ist.» Enjoy your cake!

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Im idyllisch gelegenen Ausflugsrestaurant war’s. Den bestellten Salat hatte ich etwa zur Hälfte gegessen, als ich plötzlich einen weiss-schwarzen, etwa 4cm langen, extrem dünnen Wurm bemerkte, der in solchem Tempo in den restlichen Blättern meines Salats herumturnte, dass ich ihn nur mit Mühe einfangen konnte, um ihn dem Kellner zu zeigen. Noch so gerne überliess ich ihm (dem Wurm) hierauf den durchwühlten Rest der gesunden Vitamine. Igittigitt!

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In unserer Stadt war’s. Vor Jahren gab es mitten in der Stadt eine sogenannte «Brötli-Bar». Dort wurden belegte Brote vor den Augen der auf Barstühlen wartenden Kundschaft frisch zubereitet und dann sofort mit Appetit gegessen. Die mit den verschiedensten Zutaten belegten Brötchen schmeckten wirklich fein und sahen ausgesprochen appetitlich aus. Die Bar war stets gut frequentiert. Ich teilte die Begeisterung. Bald wurde ich Stammgast, bis, ja bis ich eines Tages beim genüsslichen Schmausen beobachtete, wie der ältere Mitarbeiter, der die Brote schmierte, jedes Mal, wenn er die Butter oder den Frischkäse aufgetragen hatte, voller Hingabe das Messer ableckte. Wohl bekomm’s!

Es hat sein Gutes, dass wir nicht in jede Küche und Backstube reinschauen können…

Elisabeth, 27.2.2020

Ursache und Wirkung

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Mein Sohn meint gestern an seinem Geburtstag: «Ich bin überzeugt von Ursache und Wirkung. Wenn ich morgens z.B. im Bus drängle und erst noch sauer dreinblicke, muss ich mich nicht wundern, wenn ich ebenfalls gestossen werde. Lasse ich jedoch jemandem den Vortritt und lächle sie/ihn an, dann bekomme ich ein Lächeln zurück». Ich stimme ihm bei. Wer viel Schokolade isst, wird dick. Wer raucht, bekommt Lungenkrebs. Wer sein ganzes Geld verprasst, muss sich nicht wundern, wenn er im Alter mit leeren Händen dasteht. So denken wir doch, oder nicht?

Da ruft DER MANN: «Das mag in vielen Situationen stimmen. Aber was ist mit einem Menschen, der schwer krank geworden ist? Das wäre ja himmeltraurig, wenn man in diesem Fall argwöhnen wollte, dass die Person vorher etwas Unrechtes getan habe.»

Das brachte mich zum Nachdenken. Ich erinnerte mich an meine drückenden Schuldgefühle, als ich schwer an Krebs erkrankte. «Ich muss in meinem Leben etwas ganz Schlimmes angestellt haben, dass ich und meine Angehörigen jetzt derart leiden müssen.» Zum Glück konnte ich mit lieben Menschen darüber sprechen, so dass ich solche Gedankenmuster bekämpfen konnte und sie mich nicht auch noch zusätzlich belasteten. Wie ich gehört habe, bin ich nicht die einzige Krebskranke, die so empfunden hat. Das ist unnötig. Das, was man nach fernöstlichem Muster unter «schicksalhaftem Karma über unzählige Leben hinweg» versteht, glaube ich schon lange nicht mehr. Das Christentum gefällt mir deshalb so gut, weil es auf Vergebung statt auf Vergeltung fusst.

Eine Freundin von mir erzählte mir vor Jahren ihren Kummer. Sie konnte im Nullkommanichts aus Kindern glückliche, selbstvergessene Wesen machen, sie zum Lachen und Jubeln bringen. Furchtbar gerne hätte sie eigene Kinder gehabt. «Der Wunsch wurde mir deshalb nicht erfüllt», gestand sie, «weil ich in einem früheren Leben als Nonne mein eigenes Kind erwürgt habe.» Traurig, oder nicht? Solche Überzeugungen können einem nicht nur das Leben schwer machen, sie hindern einen auch daran, etwas zu ändern, was sich in der Gegenwart, in diesem Leben ändern liesse.

Elisabeth, 19.2.2020

Unsterblichkeit (Forts. vom 5.2.20)

Vor wenigen Jahren gab’s hier in der Stadt eine äusserst attraktive Ausstellung, die DER MANN und ich voller Spannung besuchten. Das dort Erfahrene möchte ich Euch heute weitererzählen. Kommt mit mir auf eine lange Zeitreise in den Fernen Osten!

Stellt Euch einen Kaiser vor, dem die irdische Macht nicht genügt und der alles Menschenmögliche unternimmt, um unsterblich zu werden. Das sei nichts Aussergewöhnliches, findet Ihr? In diesem Falle schon. Er lässt nämlich von Sklaven Stück für Stück eine aus Ton geformte Armee von rund 8000 lebensgrossen Kriegern, Schlachtrossen, Beamten, Musikanten und Zirkusleuten erstellen, alle farbig bemalen und lackieren, damit sie seine dereinstige Grabanlage bewachen und seinen Ruhm vermehren mögen. Was für ein immenser fruchtloser Aufwand!

Pinterest.com: Terracotta Krieger

Und was geschieht nach seinem Tod mit seinen vielen Konkubinen? Im Gegensatz zu den tönernen Figuren für Armee und Hofstaat, wünscht er zur Begleitung ins Jenseits keine nachgebildeten Ton-Frauen, sondern die eigenen aus Fleisch und Blut. Wie gelangen sie dahin? Erschlägt man sie? Vergiftet man sie? Oder begräbt man sie bei lebendigem Leibe? Für die Nachwelt wird dies ein Geheimnis bleiben. Jedenfalls sorgt er auch hier vor: er bestimmt, dass sie in seiner Nähe begraben werden müssen, ebenso wie genügend Lebensmittel, die er, unsterblich wie er zu sein glaubt, als Mundvorrat im Jenseits benötigen wird.  

Wikipedia: Kaiserlicher Reisewagen

Seht vor Eurem inneren Auge, wie dieser Kaiser zu Lebzeiten auf Reisen durch sein Reich geht, in einem bronzenen, niederen, von vier Pferden gezogenen Kasten, durch dessen ganz schmales, rechteckiges Schiebefenster er nur wenige Blicke von der Landschaft erhascht. Stellt Euch weiter vor, der Kaiser stirbt unerwartet im engen Kastenwagen auf einer seiner vielen Fahrten. Der mitreisende Hofstaat befürchtet, die Todesnachricht könne im Reich Unruhe auslösen. So beschliessen sie Stillschweigen, treten mit dem Toten im Wagen den langen Rückweg an. Es ist Sommer, in der Hitze beginnt der Kaiser zu stinken. Da belädt man den Wagen zusätzlich mit toten Fischen, die den Leichengeruch übertünchen sollen. Was wird das für eine endlose Fahrt gewesen sein, mit einem zwar unsterblichen, aber zum Himmel stinkenden Kaiser und einer Ladung verwester Fische im Schlepptau? Erst nach zwei langen Monaten trifft der Tross wieder zu Hause ein, kann der Kaiser begraben werden. «Den Göttern sei Dank!» werden sie geflüstert haben. Unsterblich ist er tatsächlich geworden – wenn auch in einem anderen Sinn als von ihm vorgesehen.

Pinterest.com: Qin

Inzwischen habt Ihr wahrscheinlich längst erraten, um welchen Kaiser es hier geht. Richtig, um Qin Shi Huangdi (Qín Shǐhuángdìs), den ersten chinesischen Kaiser, der von 259 bis 210 vor Christus lebte. Seine gigantische Grabanlage hat erst teilweise freigelegt werden können, etwa 1’200 Krieger stehen in ihrer Grube nun für Touristen stramm. Das Grab in der Pyramide, in welchem der Kaiser selbst ruht, ist von einem dick mit Gras überwachsenen Erdwall bedeckt und bisher unangetastet. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die gesamte gigantische Anlage für Besucher erschlossen sein wird. Bereits spricht man jedoch weltweit im Zusammenhang mit der faszinierenden Terrakotta-Ausgrabungsstätte von einem achten Weltwunder.

Dem lokalen Historischen Museum gelang mit ‚Qin’ eine hervorragende Ausstellung. Es war ein überwältigendes Gefühl, die kostbaren Ausstellungsobjekte von nahem zu bewundern und, als Höhepunkt, Aug in Auge verweilen zu können mit einer ganzen Gruppe von echten, jahrtausendealten Terrakotta-Figuren. Habt Ihr eine Ahnung, wie unsere Stadt in der kleinen Schweiz zu solch sensationellen Ausstellungsstücken gekommen ist? Offenbar dank der Einstein-Ausstellung, die das Historische Museum vor ein paar Jahren seinerseits an China ausgeliehen hat und damit gute Kontakte schaffen konnte. Es lebe Einstein, der ebenfalls, als Mathematikgenie, unsterblich geworden ist!

Soviel zur «Unsterblichkeit», wie sie auf dieser Welt möglich ist. (Leider bleiben auch übel beleumdete Menschen und Ruchlose im Gedächtnis der Öffentlichkeit haften. Ihr geht mit mir sicher einig: Ihre Hinterlassenschaft ist weder «unsterblich» noch berühmt, sondern in höchstem Masse berüchtigt.) Weltliche «Unsterblichkeit» widerfährt in der Regel den ganz Grossen, die uns Erdenbürgern etwas Besonderes hinterlassen haben. Spontan fallen mir gleich mehrere ein, die die Menschheit beglückt haben: Marco Polo, Mahatma Ghandi, Mutter Teresa, Johanna Spyri, Nelson Mandela, Martin Luther King, Shakespeare, Goethe, Schiller, Bach, Beethoven, Mozart…. Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

Es ist gut so, wie es ist. Wetten, dass Ruhm sowieso keine Rolle mehr spielt, sobald wir die letzte Schwelle überschreiten? Und jenseits schon gar nicht? Was würde man in einer anderen Sphäre auch mit so vielen ruhmreichen Alphatieren anfangen?

Ich glaube an einen lebendigen Gott und damit an ein Weiterleben in einer anderen Dimension – ganz ohne irdische Wegzehrung.

Elisabeth, 15.2.2020

Ewiges Leben – Eternal Life

Ich weiss nicht, ob es Euch ähnlich ergeht. Vermutlich ist es eher eine Altersfrage. Denn bei uns Älteren bricht das Thema Sterben jeweils ins Bewusstsein ein wie ein unerwünschter Gast, vor allem dann, wenn DER MANN und ich einmal mehr vor einem Sarg oder einer Urne stehen und Abschied von einem lieben Menschen nehmen müssen. Die Generationen vor uns äusserten sich kaum zum Tod, schienen ihn einfach so hinzunehmen. Und wir?

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Mich dünkt, im 21. Jahrhundert befinden wir uns an einem Scheideweg. «Turmbau zu Babel» oder Ehrfurcht vor einer Höheren Macht? Will heissen: Wollen wir dem Schöpfer kräftig ins Handwerk pfuschen oder ihn gewähren lassen? Das Sterben hat sich für manche in unserer säkularisierten Welt offenbar in ein zunehmendes Schrecknis verwandelt, das es mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Wie sonst liesse sich erklären, dass vor allem Spezialisten in Technik und Medizin mit Hochdruck an Methoden arbeiten, um uns ein ewiges Erdendasein zu verschaffen? In einer Zeit, in welcher unsere Pflegeheime überquellen von sehr gebrechlichen, sehr dementen, sehr alten Menschen? In welcher jüngere Generationen von drängenden Umweltproblemen, Arbeitsplatzsorgen und zunehmendem Arbeitsdruck geplagt werden? Unsterblichkeit auf dem blauen Planeten – eine kühne Vision? Um Himmels willen nein! Mir graut vor einem solch eitlen, vermessenen Griff nach den Sternen.

Nicht, dass ich etwas gegen Technik im Allgemeinen hätte – sie erleichtert unser Leben in mancherlei Hinsicht und ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die technischen Möglichkeiten sind indes für eine beachtliche Zahl von Freaks zur überhöhten Doktrin oder gar zum Gottesersatz geworden. Für sie ist das ewige Leben hier auf Erden in greifbare Nähe gerückt. Als Beispiele denke man nur an:

  • Cyborgs (Menschen, die dauerhaft ein nicht menschliches Bauteil tragen. Gewiss, Herzschrittmacher, Hörgeräte, Armprothesen sind bereits Vorboten und überaus nützlich, aber echte Cyborgs wollen viel mehr);
  • Kryonik (sich wie Walt Disney nach dem Tod einfrieren lassen, um später, wenn die Wissenschaft dazugelernt hat, wieder auferweckt zu werden);
  • Mind-Uploading ist neuerdings ebenfalls im Gespräch: sein Gehirn samt der eigenen Persönlichkeit vor dem Nichts bewahren, indem man seinen Verstand, sein Wissen, seine Eigenschaften und Gedanken am Ende des Lebens auf eine Festplatte bannt, um wenigstens seinen Geist in einem Roboter oder Videogame wieder aufleben zu lassen…
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Das sind verrückte Dinge, an denen jedoch schon seit Jahren geforscht und an deren Durchbruch unverrückbar geglaubt wird. Oder ist dies der Ausdruck einer neuen Evolution?

DER MANN und ich können uns nicht vorstellen, hier auf Erden ewig zu leben. Körper und Geist sind einem natürlichen Alterungsprozess ausgeliefert, gegen den die besten technischen Möglichkeiten keine glückliche Alternative bilden, und wären sie noch so ausgeklügelt. Wer will schon mit einem grösstenteils computerunterstützten Körper weiter existieren? (Mit Sicherheit wären dann wenigstens die #MeToo-Probleme gelöst…) Schlimmer noch: Ein beispielsweise 200jähriges oder gar ewiges Leben in einer völlig verfremdeten, womöglich nicht einmal mehr lebenswerten Welt wäre ein Alptraum. Wir würden uns bestimmt tödlich langweilen!

Wie habt Ihr’s mit dem Thema? Gewiss, das Sterben stellt für die Lebenden primär eine Urangst dar, ein unbegreifliches Geschehnis, eine eigentliche Absurdität, von der wir am liebsten nichts wissen würden (siehe auch meinen Beitrag vom 15.5.19). Verdrängen ist keine Lösung. Verpassen wir also nicht die Chance, im Leben zu reifen und zu lernen, am Ende vertrauensvoll loszulassen!

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Ich denke, Menschen fürchteten sich schon immer vor dem Sterben, aber in uralter Zeit hat man der Angst einfach ein erdachtes Weiterleben entgegengesetzt. Während jedoch das einfache Volk bei schlechter Gesundheit oder in Kriegen früh starb, konnten es sich Pharaonen, Könige, Kaiser und andere einflussreiche Leute leisten, hoffnungsvolle Gegenmassnahmen zu treffen: Im alten Ägypten z.B. gab man dem Herrscher alles Nötige mit ins Grab, sogar Möbel und kleine Dienerfiguren, damit er, nach bestandenen Gefahren, im Hades auferstehen und im Jenseits das gleiche Leben wie im Diesseits führen könne. Auch die Kelten glaubten an eine Reise nach dem Tod, auf der irdische Güter notwendig waren. Ganz zu schweigen von den Azteken, die die Fürstengräber nebst Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenständen zusätzlich mit vorgängig grausam geopferten Gefolgsleuten ausstatteten.

Wie wir wissen, wurde in Indien die Ehefrau bei lebendigem Leibe mit dem Leichnam des Mannes verbrannt. Hochgestellte Chinesen befahlen ihre lebenden Ehefrauen gleich mit ins Grab. Besonders bekannt ist der erste chinesische Kaiser, der im Jahre 221 v.Chr. für sich eine riesige Grabanlage errichten liess, in welcher er 11 Jahre später beigesetzt wurde. Es ist einer der weltweit größten Grabbauten und vor allem berühmt für seine lebensgroßen Soldatenfiguren, die spektakuläre Terrakotta-Armee. Doch davon mehr in meinem nächsten Beitrag. (Forts. folgt)

Elisabeth, 5.2.2020

Inselgeschichten

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Mauritius im Indischen Ozean, drei Tage vor meiner Rückreise. Eben war ich vom schattigen Liegestuhl aufgestanden und freute mich auf den Lunch im offenen Restaurant. Kaum auf den Beinen, wurde mir nullkommaplötzlich speiübel und schwindlig. Ich schaffte es noch knapp in mein Zimmer. Dort hing ich trotz der tropischen Temperaturen schlotternd über dem Wasserbecken und erbrach mich so heftig, dass ich innert kürzester Zeit ganz schwach wurde. Nur mit Mühe konnte ich mich zurück aufs Bett schleppen, wo mich aber der Brechreiz alle paar Minuten wieder ins Badezimmer zurückjagte. Am ganzen Körper zitternd, schaffte ich es nicht einmal, mein Pareo-Tuch und den Badeanzug auszuziehen und mich zuzudecken. Zufällig erhaschte ich einen Blick im Spiegel. Ich erkannte mich kaum wieder. Statt des gesunden, sonnengebräunten Gesichts starrte mich ein aschfahles an. Als mich der freundliche Room Boy fand, rief er sofort den Arzt, der mir eine Spritze sowie ein Spezialgetränk verabreichte, das ich jede Viertelstunde Löffelchen weise einnehmen musste.  

Heidi Schade: Frangipani

Wahrhaft paradiesisch waren meine Ferien bisher gewesen – und jetzt das! Obwohl Alleinreisende, hatte ich im lichterfüllten, mit üppigen Anthurienbouquets geschmückten Hotel schon am ersten Abend Anschluss bei anderen Hotelgästen gefunden: da waren Plantagenbesitzer aus Simbabwe und Namibia, Geschäftsreisende aus China, Südafrikaner aus Kapstadt, Piloten und Flugbegleiterinnen der South African Airways, die auf ihrem Weg nach dem fernen Osten einen Zwischenstopp auf Mauritius einlegten, und sogar ein Flitterwochenpaar aus Italien. Es war eine bunt zusammengewürfelte, aufgeschlossene Gesellschaft, die sich während der Happy Hour um sechs Uhr abends für alles Mögliche verabredete.

Heidi Schade: Chamarel

Dadurch hatte ich immer Begleitung bei einem privaten Ausflug: In den Hauptort Port Louis, zu dem uns der Weg an Feuerbäumen in ihrer schönster Blüte und Zuckerrohrplantagen vorbei führte; in den Südwesten von Mauritius zu den vulkanischen Felsformationen; nach Chamarel zu den siebenfarbigen, sagenhaften Dünen aus Vulkanerde und den saftig-grünen Kaffee- und Teefeldern in den Bergen, bis zum berühmten Botanischen Garten Pamplemousses, wo die Seerose Victoria Amazonica mit ihren bis zu 2m grossen, flachen Pflanzenblättern der Star ist, zusammen mit den vielen uralten Bäumen und Palmen.

Die Victoria Amazonica-Seerose

Vergnüglich war auch eine Glasbodenfahrt auf dem glasklaren, türkisfarbenen Meer mit Blick auf die leuchtende «Unterwelt», sowie der Besuch einer unbewohnten Insel weit hinter dem Riff, wo der einheimische Bootsführer für uns fünf nach Austern tauchte, für deren Genuss wir vorsorglich Limetten mitgebracht hatten.  

Heidi Schade: Kugelfisch

Abends gab’s die eine oder andere Party. Wir sassen an weissgedeckten, langen Tischen am Strand, lachten, assen, tranken, liessen uns mitreissen von den temperamentvollen Sega-Tänzern, die neben lodernden Feuern über den weissen Sand wirbelten. Oft tanzten wir dann selbst bis in die frühen Morgenstunden, auf einer Terrasse über dem Meer. So herrlich und romantisch, so ausgelassen und lebensfroh! Umfangen von milder, balsamischer Nachtluft, mit fröhlicher Musik und dem Rauschen der Brandung in den Ohren – und erst noch unter dem still schimmernden Kreuz des Südens, das ich hier zum ersten Mal erblickte!

Mit einem Paar aus Durban in Südafrika, er Engländer, sie aus Mauritius, verband mich eine spontane Freundschaft. Jetzt würden sie sich gewiss Sorgen machen über mein langes Ausbleiben am Strand während der Nachmittagsstunden. Abends, als ich mich besser fühlte, ging ich zu ihnen in den Speisesaal, aber ich hatte keinen Hunger. Ich trank einen Tee und begann an einem Brötchen zu knabbern. Bald suchte ich mein Zimmer auf. Das angebissene Brötchen legte ich auf den Nachttisch, für den Fall, dass mich eine (erhoffte) Heisshungerattacke aus dem Schlaf holen würde.

Helles, in mein Zimmer strömendes Sonnenlicht weckte mich am Morgen. Als mein Blick auf den Nachttisch fiel, machte ich grosse Augen. Auf dem Brötchen wimmelten winzige, gold-braune Ameislein, bedeckten es ganz und gar, was ihm eine Art pelzverbrämtes Aussehen verlieh. Mit spitzen Fingern packte ich das Ding und trug es auf meinen Balkon. Kaum hatte ich mich wieder hingelegt, ertönte ohrenbetäubendes Vogelgezwitscher.

Ich lächelte: die blauen, roten, gelben und grünen Vögel auf den Baum-Ästen vor meinem Balkon hatten mich schon an den vergangenen Tagen erfreut. Doch jetzt klang das Gezwitscher zänkisch. Ich dachte an den „kapuzentragenden Nachtvogel“, den Dodo, der leider schon im 17. Jahrhundert ausgerottet worden war. Ob er wohl ebenso tiriliert und gesungen hatte wie andere Vögel? Er lebte ausschließlich auf der Insel Mauritius, war etwa einen Meter gross und flugunfähig. Seine Zutraulichkeit führte dazu, dass er sich weder gegen Eroberer mit ihren Gewehren noch gegen mitgebrachte fremde Tierarten zu wehren verstand.

Der ausgestorbene Vogel Dodo: https://commons.wikimedia.org

Das laute Zwitschern hörte abrupt auf. Als ich nachschauen ging, war der Balkonboden wie leergefegt. Ich fand keine einzige Ameise und nicht die kleinste Brotkrume, auch die Vögel waren weg. Ohne es zu ahnen, hatte ich den gefiederten Freunden einen opulenten «Sandwich»-Plausch spendiert.

Was mich angeht, konnte ich auch an den verbleibenden Tagen kaum etwas essen und trinken, selbst auf dem fast 11stündigen Rückflug lösten Esswaren Widerwillen in mir aus. Wieder zu Hause, fühlte ich mich nicht besser. Das Weiss in meinen Augen begann sich gelb zu verfärben. Der Tropenarzt stellte denn auch eine akute Leberinfektion (Hepatitis A) fest.

Es dauerte Monate, bis mein gewohnter Appetit zurückkehrte, und noch länger, bis ich wieder Brötchen (ohne Ameisen!) essen mochte…

Dennoch ist wahr, was eine verstorbene Freundin zu sagen pflegte: «Wer je auf einer tropischen Insel war, trägt für immer eine Sehnsucht mehr in seinem Herzen!»

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Elisabeth, 29.1.2020

Wunder

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Kürzlich bin ich beim Aufräumen von Schubladen auf einen lange vergessenen Text gestoßen, der mich berührt und den ich mit Euch teilen will. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Namen des Autors oder der Autorin.

Der Mensch ist ein Wunder des Lebens:
Schon mit zehn Wochen besitzt das Kind im Mutterleib alle Organe, mit denen es auf die Welt kommen wird. Das Herz schlägt seit sieben Wochen und setzt das im Embryo entstandene Blut in Zirkulation. Der Blutkreislauf ist von der Mutter unabhängig. Sein Gehirn steuert und regelt die lebhaften Körperbewegungen. Wie ein Astronaut bewegt sich das Kind schwerelos in der Flüssigkeit der Kapsel. Es macht Greif- und Schwimmbewegungen, lutscht Daumen, schläft und wacht. Es misst vom Scheitel bis zum Gesäß 5,4 cm.

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Da wir aus jenem Sperma entstanden sind, das bei der Zeugung beim Wettlauf zum Ei siegte, beginnen alle Menschen ohne Ausnahme ihre Existenz als GEWINNER.
Der Mensch ist ein Wunder der Liebe!

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Wunderschön, nicht?

Elisabeth, 23.1.2020

Winterliche Eskapade

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Es war Januar und bitterkalt an diesem Samstagmittag. Überall lag Schnee, die strahlende Sonne verwandelte ihn in ein glitzerndes Märchen. Fröhlich machten wir uns auf, um der Aare entlang zu spazieren. Das entpuppte sich als ein etwas mühsames Unterfangen: Fast der ganze Weg dem Fluss entlang war mit Eis bedeckt und glatt, so dass wir mehr Zeit brauchten als vorgesehen. Wir waren froh, als wir im Flugplatz-Restaurant an die Wärme kamen. Doch es hatte kaum Platz, also fragten wir ein Paar, ob wir uns zu ihnen setzen dürften.

Kaum hatten wir die bestellten heissen Getränke bekommen, begann die Frau am Tisch mit uns zu plaudern. Ein paar Minuten später fragte sie, ob wir gerne gratis mit ihnen nach Beromünster fliegen würden. DER MANN und ich schauten einander fragend an. Etwas wie Übermut regte sich in uns. Spontan nickten wir. «Dann müssen Sie aber rasch austrinken», mahnte die Frau. «Es ist wird heute früh dunkel.»

Auf dem Flugfeld führten sie uns zu einem kleinen Hochdecker mit nur 4 Plätzen. Wir sassen hinten, die beiden vorne, der Mann am Steuerknüppel, und schon ging’s los. Der gut 100km lange Flug unter wolkenlosem Winterhimmel war herrlich. Keine Flügel behinderten die Sicht auf die verschneiten Emmentaler Hügel, auf schneebedeckte Felder, Wälder und Dörfer, über die unser kleines Flugzeug in nicht allzu grosser Höhe hinweg glitt. Bald verwandelte das Abendlicht die Welt in Gold und Rosa, während die Sonne langsam am Horizont versank.

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Als wir Beromünster erreichten, begann es zu dämmern. Neben einem kleinen Bach führten zwei Räderspuren durch den Schnee einer beängstigend schmalen Graspiste. Im vor uns liegenden Flughafen brannte kein einziges Licht. Ein Tower mit Fluglotsen war ebenfalls nicht auszumachen. Ob das wohl gut ausging? Inzwischen wussten wir nämlich, dass die Frau Fluglehrerin war und der Pilot ihr Schüler, der heute anspruchsvolle Landungen üben sollte. Jetzt verstand ich auch, warum er vor dem Abflug erwähnt hatte, seine Frau bleibe lieber zu Hause, sie fürchte sich im Flugzeug. Wir waren dem Boden recht nahe, als die Fluglehrerin in scharfem Ton rief: «So nicht! Nochmals durchstarten!!» Der Pilot gehorchte sofort und zog das Flugzeug steil in die Höhe. Nach längerem Kreisen und einem erneuten Versuch wurde es uns dann doch ein wenig mulmig zumute. Wie geübt war der Flugschüler eigentlich? War dies etwa gar sein erster Flug in der Dämmerung – mit Landung auf einer schmalen Graspiste? Unsere Fragen kamen etwas spät…  

Am Ende landeten wir, holprig und rumpelnd zwar, aber ansonsten gesund und munter. Wir rollten auf den kleinen, inzwischen dunklen Flugplatz. Nachdem wir ausgestiegen waren, forderte uns die Fluglehrerin auf, ihnen zu helfen, das Flugzeug in den Hangar zu schieben und dort einzustellen. Es war unerwartet schwer und drohte ständig zu kippen. Ob sie uns zu diesem Zweck mitgenommen hatten?

Durch die frühe Nacht fuhr uns die Frau mit dem Auto ins nächste Dorf und ins einzige Restaurant. Sie hatte es eilig, der Feierabend wartete. Deshalb liess sie sich nur auf einen Kaffee einladen. Beim Wirt erkundigten wir uns dann nach Zugsverbindungen. Es überrascht wohl niemanden, dass der Weg zurück viel aufwändiger war als das Herfliegen! Erst nach 23 Uhr langten wir zu Hause an. Am nächsten Tag holten wir unser an der Aare parkiertes Auto ab, teils mit dem öffentlichen Verkehr, teils zu Fuss, in sicherem Abstand vom Flughafen. Von den beiden Piloten haben wir nie wieder etwas gehört, nicht einmal das Erinnerungsfoto ist bei uns eingetroffen. Bereut haben DER MANN und ich unsere kleine Eskapade jedoch nie. Noch manches Mal haben wir deswegen geschmunzelt.

Sagt, Ihr Lieben, tut es nicht gut, «mit leichtem Sinn» dem gleichförmigen Alltag hin und wieder ein Schnippchen zu schlagen?  

Elisabeth, 15.1.2020