Auf Entdeckungsreise

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Photo Elisa: Ritterrüstung (Da steckt hoffentlich kein Mann drin!)

Wie ich letztes Mal bereits geschrieben habe, gehe ich wahnsinnig gerne in Museen und Schlösser aller Art, auch Häuser berühmter Menschen finde ich aufregend. Ihr könnt es sicher bestätigen: Es findet sich auf der ganzen Welt Sehenswertes, das der Entdeckung harrt! Hoffentlich kommen bald Pandemie-freie Zeiten, damit wir uns wieder unbeschwert bewegen dürfen.

Wart Ihr schon einmal im Charles Dickens House in London, in dem der Dichter wohnte, als er erst 12jährig war und eine Zeitlang in der Fabrik arbeiten musste, weil sein Vater im Schuldgefängnis sass? Oder im hübschen weissen Haus des früh verstorbenen, englischen Poeten John Keats – habt gar lauschend unter dem Pflaumenbaum gesessen, unter dem die «Ode an die Nachtigall» entstand? Oder im «Hagenauer Haus» in Salzburg, wo Mozart seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte, wenn er nicht gerade auf strapaziöser Reise in einer holprigen, den Hintern beutelnden Kutsche sass? Vielleicht seid Ihr bewundernd in der Wohnung von Albert Einstein gestanden, wo er zwei Jahre mit Milena Maric in Bern verbrachte, habt anhand von Briefen die schwierige Ehe der beiden mitfühlend verfolgt?  

Wikipedia: Gillette als Sherlock Holmes

Sehenswert ist auch Mark Twain’s Haus in Hartford (Connecticut), ein «Haus mit einem Herzen und einer Seele», so er selbst. Besuchern der US-Ostküste empfehle ich ausserdem das Gillette Castle mit Blick über den Connecticut River, die ehemals private Residenz des Schauspielers William Gillette (1853-1937). Gillette, bekannt als Bühnendarsteller von Conan Doyle’s Sherlock Holmes, dessen äusseres Erscheinungsbild er nachhaltig prägte, entwarf das kauzige Haus selbst. Zu den Eigentümlichkeiten des Gebäudes, das einer Burgruine nicht unähnlich sieht, gehören spezielle Türknöpfe und Schlösser, ein Geheimgang sowie verborgene Überwachungsspiegel. Die illustren Gäste von Gillette hatten nicht die leiseste Ahnung, dass ihr Gastgeber sie Nacht für Nacht ausspionierte.

Wikipedia: Gillettes verschrobenes Haus

Kurz und gut: Museumsausstellungen sind derart vielfältig und spannend, dass man nur staunen kann: Sie reichen von Ritterrüstungen, Dynosaurier-Skeletten, wissenschaftlichen Themen, Technik, wertvollem chinesischem Porzellan, Mumien, edlen Stoffen, Sitten und Gebräuchen im Lauf der Jahrtausende, über Musikautomaten, kostbare Gemälde, jüdische Eheverträge Ketubah bis hin zu weltumspannenden, völkerkundlichen Sammlungen oder Kuriositäten aller Art.

Wikimedia.com: Jüdischer Ehevertrag

Wer das Äussere eines Museums ebenso schätzt wie sein «Innenleben», wird an der Getty Villa direkt oberhalb der Pazifikküste in Malibu Los Angeles seine helle Freude haben.

Photo Bobak Ha’Er: Getty Villa in Los Angeles

Viel Luft und Raum bietet die nach altrömischer Architektur gestaltete Anlage mit dem langen Wasserbecken, flankiert vom schmucken, weitläufigen Säulengang (Kolonnade), den vier Gärten und dem Gebäude, das der römischen Villa dei Papiri aus Hercunaleum nachempfunden ist. Hercunaleum war eine antike Stadt am Golf von Neapel, die wie Pompej beim Ausbruch des Vesuvs in der zweiten Hälfte des Jahres 79 n.Chr. unterging.

Photo by Michiel Verledens on Pexels.com: Angkor Wat, Haupttempel

Oder wie wär’s mit Angkor Wat, der Khmer-Tempelstadt aus dem frühen 12. Jahrhundert in Kambodscha? Das (nach Landfläche) grösste religiöse Denkmal der Welt hinterlässt beim Besucher unauslöschliche Erinnerungen und ehrfurchtvolles Staunen. Die Bäume, die manche der uralten Tempel täglich mehr durchwachsen, lassen die Ruinen in den Augen des Betrachters beinahe als lebendige Steine erscheinen.

Photo by James Wheeler on Pexels.com: Nicht in den Himmel, in den Tempel wachsen die Bäume!

Sucht man das Skurrile, bieten sich englische Museen und Gespensterschlösser an. Ich denke da speziell an Cornwall. Doch dazu später. In der Fortsetzung geht’s zunächst um die Geisterstunde – sozusagen zur Einstimmung.

21.10.2020, Elisa

Photo von Barbara Butscher: Besuch im Wasserschloss

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Wikipedia:
Auguste Renoir, franz. Maler (1841-1919): Bootspartie

Wer mich kennt, weiss, wie gerne ich Museumsräume durchstöbere. «Wer zweimal im Jahr in ein Museum geht, lebt länger», hat eine britische Studie kürzlich herausgefunden. Ob’s stimmt, weiss ich nicht. Spass macht es so oder so!

Dabei entdeckt man des Öfteren auch Heiteres, nicht nur in den Ausstellungen selbst. Ich bin immer wieder entzückt, wenn es sich bestätigt, dass das Leben neben traurigen auch eine Vielzahl schöner Augenblicke und bisweilen komischer Momente bietet. So auch an diesem Tag, an dem beides zusammenfiel – der Museumsbesuch und das Lachen. Die anvisierte hochrangige Kunstausstellung, die mit berühmten Bildern aufwartet, befindet sich in einer Villa am Rand einer schweizerischen Stadt.  

Photo by Pixabay on Pexels.com:
Regieren im antiken Griechenland: Besser als heute?

Um dahin zu gelangen, habe ich am Bahnhof den entsprechenden Mini-Bus bestiegen. Wir sind zu siebt, so dass kein freier Platz mehr übrig ist. Ich sitze neben dem Fahrer, dessen leicht gebrochenes Deutsch den Ausländer verrät. Als wir uns der nächsten Haltestelle nähern, warten zwei Frauen, eine dritte sitzt im Rollstuhl beim Bushäuschen. Da ruft der Chauffeur durchs offene Fenster: „Ich kann nicht mehr! Ich bin voll!“ Ich lache los – und kaum habe ich mich erholt, sagt er zu mir: „Die Frau im Rollstuhl will wahrscheinlich sowieso nicht mitfahren. Die ist nämlich jeden Tag um diese Zeit an der Haltestelle“. Wieder pruste ich los. Dabei ist die Situation für die arme Frau bestimmt alles andere als lustig.

Hoffen wir, der «volle» Chauffeur fährt demnächst einmal halbvoll vorbei und hält an, damit die Dame im Rollstuhl die fabelhafte Ausstellung ebenfalls geniessen kann.

Dabei ging’s ihr noch besser als den Damen im späten 17. und 18. Jahrhundert, d.h. zwischen 1840 und 1910, und in den 1940er- und 1950er-Jahren, als die Wespentaille als Schönheitsideal galt, was fast ebensolche körperlichen Schäden hervorbrachte wie die in China abgebundenen Füsse von Mädchen. In einem idyllisch gelegenen, von prächtigen Parkanlagen umgebenen englischen Landhaus gab’s temporär eine witzige Ausstellung über Unterwäsche und Kostüme aus den vergangenen vier Jahrhunderten. Bin ich froh, dass die Wespentaille heute kein Mode-Trend mehr ist! Als ich ein Teenager war, erzählte unser Literaturlehrer einmal von seiner Tante und dem Schnüren ihres Korsetts, ein Anblick, der ihn, als er ein kleiner Junge war, total verstörte. Die Tante stand am Bettende, umklammerte die zwei Bettpfosten mit beiden Händen, zog tief die Luft ein, während das Dienstmädchen an den Schnüren zog, zog und zog, als wollte es die Herrin erdrosseln. Kein Wunder, fielen Damen früher öfter mal in Ohnmacht!

Wikipedia: Baron de Meyer: Qualvolle Mode
Wikipedia:
Raffael, ital. Maler (1483-1520): Die drei Grazien

Atmet frei, Ihr Lieben, selbst in Corona-Zeiten. Freuen wir uns, dass uns heutzutage lediglich Gesichtsmasken behindern…

14.10.2020, Elisa

Herbstlicher Streifzug

Foto Heidi Wildi: im Südtirol bei Tirolo

Kommt Ihr mit auf einen kleinen herbstlichen Streifzug durch verschiedene hübsche Orte in der Schweiz? Es geht ins Tessin, ins Appenzellerland, ins Bernbiet, ins Welschland, in den Thurgau sowie ins St. Gallische – und auch kurz nach Deutschland, Italien und sogar nach Hawaii. Der Herbst zeigt ein farbiges, schönes Absterben der Natur. Die Augen für dieses Leuchten zu öffnen, macht glücklich, findet Ihr nicht auch?

Foto Elisa, Trauben im Tessin
Foto Elisa: Kürbisverkauf im Bernbiet
Foto Elisa, Pilze im Thurgauischen Naturschutzgebiet
Foto Elisa: Letzte Sommerrosen in Ettenbühl, Deutschland
Foto Elisa: Vogelbeeren im Tessin (das Haus hinten steht zum Verkauf )
Foto Elisa: Letzte Sommerblüten auf dem Monte Verità im Tessin
Foto Elisa: Kirche von Architekt Mario Botta in Mogno, Tessin
Foto Elisa: Kirche von Architekt Mario Botta in Mogno, Tessin
Foto Elisa: Verblühende Geranien im Tessin
Foto Elisa: Farbenfrohe Astern im St. Gallischen
Foto Elisa: Pilze im Thurgauischen Naturschutzgebiet
Foto Heidi Wildi im Südtirol, nahe Tirolo
Foto Elisa: Herbst im Thurgau
Foto Elisa: Gold im Überfluss
Foto Elisa: Sagenweg auf der Sellamatt-Alp im Kanton Appenzell

Fülle
Der Herbst verschenkt verschwenderisch
Des Sommers letzte Blüten
Äste hängen süss und schwer
Voll reifer, runder Früchte

Foto Elisa: Americana-Trauben im Tessin

Sonnenstrahlen tanzen weich
Durch golden-lichte Blätter
In den Gärten schwinden sacht
Des Sommers Abschiedsfarben
Vögel ziehen scharenweise
Und zurück bleibt Kälte, Leere, Stille

Foto Elisa: Paar in Cevio im Tessin

Doch wenn Menschen näher rücken
Wandelt Kälte sich in Wärme
Wächst aus Leere neue Fülle
Reifen Kräfte in der Stille

Foto Elisa: Bauerngarten im Bernbiet
Foto Elisa: Die Bougainvillea im Tessin sind sommermüde

Herbst
Über Nebeln wohnt die Lebensfreude
Feiert Sonne gleissend Fest
Lässt träge Goldstaub niederrieseln –
Leuchtkraft giessend in die Nebelwelt

Photo by Ian Beckley on Pexels.com

Des Jahres Füllhorn ist voll süsser Schwere.
Und mitten in der kühlen Neige
Dem bald’gen Niedergang zum Trotz
Trägt Herbst sein prächtigstes Gewand

Photo by Pixabay on Pexels.com: Indian Summer

Menschen sollen wachsen
In des Lebens Lauf und Kampf.
Wenn die Kräfte schliesslich schwinden
reift es innen – leuchtet still der Ernte Gold.

Auf der Insel Kauai auf Hawaii, goldene Abendstimmung an der Na Pali Coast

Elisa, 7. Oktober 2020

Im Kanton Waadt: Dem Fluss Orbe entlang

Sommer-Ende

Mhmmm!
Photo by Key Notez on Pexels

Der Sommer 2020 hat uns am Schluss nochmals überrascht: Viel zu früh ist er entschwunden, und mit ihm der Duft nach Sonnencrème, süssen Beeren, reifen Tomaten sowie die Lust auf Glacé, Gazpacho und Vitello Tonnato. Sommertage haben etwas Unbeschwertes an sich, «when life is easy», wie’s im romantischen Song «Summertime» heisst. Gut, können wir uns immer wieder auf die heissen Tage im Jahreslauf freuen!

Konzentriertes Glacé-Essen

A propos heiss: Was macht der Mensch, wenn er bei Sommerhitze auf der Strasse Glacé gekauft hat, die er jetzt möglichst rasch essen muss? Er wird erfinderisch. Wozu gibt es Boutiquen? Also bleibt er vor einem Schaufenster stehen, mustert mit geheucheltem Interesse die Auslagen, um gleichzeitig die bereits tropfende Glacé zu löffeln und zu schlecken. Mit klebrigen Fingern schlendert er weiter, zum nächsten Laden, dem hoffnungsvollen Blick der Ladenbesitzerin ausweichend. Uff! Endlich ist die kühlende Süssigkeit gegessen. Was für ein hastiger Genuss!

Auf zur nächsten Boutique!

Esst Ihr Glacé auch lieber in einem gemütlichen Tea Room? Oder in einem schattigen Restaurant-Garten? Ich erinnere mich gut daran, wie in meiner Kindheit aus den bekannten Cafés auf einmal Tea-Rooms wurden. Da habe ich mich immer gewundert, warum Schwester Thea gleich hiess wie das «TEA ROM», in das wir so gerne mit den Eltern einkehrten. Stets stand uns der Sinn nach Pâtisserie. Wir alle hatten einen «süssen Zahn», wie die Engländer den Hang zu Süssem nennen.

Ich beim feinen Mochi-Essen (japan. Eiscreme)

Ich grüsse Euch ganz ohne klebrige Finger, dafür mit einem süssen Lächeln, und wünsche Euch einen frohen Herbst.

Elisa, 30.9.2020

Spatzenjammer

Photo by Flickr on Pexels.com

Ein Spatzenmann sucht sich n’en Schatz.
Und als er ihn gefunden,
Da pfeift er keck und unumwunden:
Jetzt bauen wir ein Nest,
Dann gibt’s ein grosses Fest!

Photo by Lum3n on Pexels.com

Nun sitzt sie da und brütet dumpf:
Ist’s nur für ihn ein Trumpf?
Twit, twit, war’s das denn wirklich schon?
Wo, bitteschön, bleibt da mein Lohn?

Ich sitz zu Haus – und er fliegt aus.
Ich glaub, er vögelt rum.
Ich blindes, doofes Spatzenhirn,
So klein und doch so dumm!

Elisa, 9.9.2020

Photo by Sunny on Pexels.com

Camping, Camping!

Photo by Trace Hudson on Pexels.com

«Camping, Camping, das ist meine Welt!» war früher ein gängiger Schlager. Vielleicht kennt ihn jemand von Euch? Für viele bedeutet Camping Freiheit, Spass und Entspannung.

Nicht so für meine Mutter, Camping war wirklich nicht ihre Welt. Meine tüchtige, musisch begabte Mama hatte mit Sport nichts am Hut, ebenso wenig mein Vater, obwohl beide gute Schwimmer waren. Wir machten am Sonntag meistens Ausflüge per Auto, die mit dem Besuch eines Tea Rooms endeten – oder gar im Schnee, wenn’s in die Berge ging.

Und doch stand in diesem Sommer plötzlich „Camping“ im Raum. Wer von den Freunden meiner Eltern war auf die Idee gekommen? Der temperamentvolle Arzt mit seiner eleganten Appenzellerin? Der dicke, lustige Konditor mit seiner fleissigen Frau und dem gutgehenden Café? Vielleicht sogar mein Vater? Denn in den Ferien regte sich bei Papa stets eine Art Abenteuerlust. Da konnte er z.B. nie der Versuchung widerstehen, seine Lieben auf dem Lago Maggiore oder dem Vierwaldstädtersee im gemieteten Motorboot spazieren zu fahren. Das ging fast immer schief, sei es, weil der Motor aussetzte oder Benzin verlor, sei es, weil das Boot in einen Gewittersturm geriet. Einmal musste gar die Luzerner Seepolizei eine pudelnasse, geschockte Familie samt verdattertem Vater retten. Was diesen allerdings nicht daran hinderte, sich in den nächsten Ferien wieder als Freizeitkapitän zu betätigen – nicht einmal Mamas Sträuben und ihre Proteste konnten da Abhilfe schaffen.

Ich weiss also nicht, wer den zündenden Funken in die Asche warf. Doch Tatsache ist: meine Eltern deckten sich innert Kürze mit allem Nötigen fürs Camping ein: einem kleinen Zelt, Luftmatratzen und Schlafsäcken, Kochutensilien mit entsprechendem Geschirr, neuen Badeanzügen und Strandkleidern. Noch heute sehe ich meine schöne Mama vor mir, wie sie vor dem Spiegel drei Sets von kurzen Shorts mit dazugehörigen gleichfarbigen Blusen aus robustem Stoff anprobierte und dann sorgfältig zusammenfaltete. Üblicherweise legte sie Wert auf smarte, bunte Kleider. Doch diesmal hatte sie einen Missgriff getan. Die Safarifarben, blasses Schilfgrün, Hellbeige und Khaki, betonten ihre weisse Haut auf ungünstige Weise, wollten so gar nicht zu ihrer Person passen. Für mich als Kind war es ausserdem ungewohnt und äusserst merkwürdig, meine Mama in kurzen Hosen zu sehen. Das Outfit war, wenigstens auf Grund der Farben, wahrscheinlich eher gedacht für Tropenausflüge als für Campingferien in Europa.

Damals, es sind bestimmt gegen die 70 Jahre her, trug «Frau» Dauerwelle, die das Gesicht in weichen Locken umrahmte. Man musste ihr Sorge tragen. Sobald das Haar kraus statt wellig wurde, hatte der Coiffeur gepfuscht. Dann galt die Dauerwelle als verdorben. Leider passierte das Kräuseln auch nachher noch, nämlich immer dann, wenn man ohne Schirm in einen Regenschauer geriet. Meine Mutter wurde bereits nervös, wenn ein paar wenige Regentropfen auf ihr Haar fielen.

Nachdem meine ältere Schwester und ich bei den Grosseltern «deponiert» worden waren, reisten die sechs Campingfreunde mit enorm viel Gepäck nach Südfrankreich ans Meer. Zwei Wochen wollten sie bleiben und gebräunt wiederkehren.

Nach drei Tagen waren meine Eltern zurück. Meine Mutter war verstört. In der ersten Nacht hatte es sintflutartig geregnet. Mein lieber Vater – der an sich geschickte Hände hatte – war alles andere als geübt darin, ein Zelt aufzustellen und solide zu sichern. Und so riss ihnen der Sturmwind, kaum waren sie eingeschlafen, das Zelt über Kopf und Leib weg. Das grosse, nigelnagelneue Stück Stoff wurde vom Sturm zerfetzt und verschwand auf Windböen in die Dunkelheit. Völlig durchnässt, in glucksenden Schuhen und unpassender Kleidung, mit sandverklebtem und erst noch gekraustem (!) Haar, mussten meine Eltern mitten in der Nacht ein Hotelzimmer suchen. Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, was die übrigen vier Freunden in dieser Nacht erlebten, doch ging die Rede, dass das Camping für sie ebenfalls als «stürmisches» Fiasko endete.

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Was hat Mama wohl gemacht mit den gewiss nicht billigen Strandkleidern, dem Koch- und Zeltzubehör? Nie mehr sah ich die Gegenstände, und das Wort «Camping» war von da an in ihrer Gegenwart tabu.

Elisa, 2.9.2020

   

Nachklang

Bernie zu Besuch in Südfrankreich bei Barbie, Christof und Anouk

Es war schwerer, als ich es mir vorgestellt hatte.

Nun ist die Wohnung meines Sohnes beinahe geräumt. Dem Leben und Sterben eines über alles geliebten Menschen so nah zu sein, ihm anhand von Alltäglichkeiten und Erinnerungsstücken während Tagen immer wieder aufs Neue intensiv zu begegnen, kostete mich eine schier übermenschliche Anstrengung. Es war aufwühlend, erschütterte mich als Mutter bis ins Innerste. Auch gleicht solches einem Eindringen in das ganz persönliche, intime Leben eines anderen, das man normalerweise auch unter Nächsten respektiert.

Die Begegnungen weckten natürlich nicht nur Trauer. Ein weiterer Schritt im Loslassen konnte gewagt werden, frohe Erinnerungen wurden wach. Die praktisch ausgestattete Küche mit den vielen Gewürzen und den Kochbüchern, die halb abgebrannten Kerzen und Kerzenständer im Wohnzimmer, die betörenden Duftlämpchen, die eindrückliche Musiksammlung, der elektronische Sternenhimmel im Schlafzimmer, die Klimaanlage, die zahlreichen eleganten Kleider und Schuhe, die von seinem Schönheitssinn erzählten, die Bücher, die von seinem starken Willen zu beruflicher Vervollkommnung und persönlicher Reifung zeugten – all dies ist Ausdruck davon, dass sich aus dem einst empfindsamen Kind ein feiner, tüchtiger Mann entwickelt hatte, der mitten im Leben stand. Immer wieder aufs Neue vermochte er mich zu Lebzeiten zu überraschen und zu bezaubern. Jetzt ist da nur noch die fast abstrakte und doch so kostbare Erinnerung… Gut, kann ich auf DEN MANN und seine Fürsorge zählen. Wiewohl «lediglich» Stiefvater, leidet er ebenfalls und versteht mich.

Tröstend klingen die Abdankungsworte des Pfarrers in mir nach: «Ein Mensch, der morgens noch voll Leben ist, kann schon vor Abend unbeachtet sterben. Wenn Gott die Seile seines Zeltes löst, dann muss er fort. Er weiss nicht, wie’s geschieht.» (Hiob 4,21) Erklärend fügte er bei: «Gott löst die Seile, wenn es Zeit ist. Gott und nicht der blinde Zufall oder ein tragisches Schicksal. Und weil Gott selbst die Seile löst, dürfen wir wissen: Mit dem Sterben gehen wir nicht verloren. Nein, Gott löst die Seile, weil die Reise weitergeht, weil er mit uns eine Zukunft vorhat, die über das Zeitliche hinausgeht (Zitat: Pfr. Markus Niederhäuser,Bern).

Diese Worte lassen Verstehen in mir aufkeimen. Bitterkeit ist keine in mir – nur ein grenzenloser Schmerz, der jetzt zu mir gehört – bis auch meine Seile von Gott gelöst werden.

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26.8.2020, Elisa

Aus dem Alltag eines Reiseleiters

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Ein Reiseleiter aus Südafrika erzählt: Vor einiger Zeit passierte mir ein Missgeschick. Nach dem Teehalt in einem schattigen Garten war ich mit meiner Gruppe ein wenig verspätet. Daher ging ich vor der Abfahrt rasch durch die Busreihen, ohne genau hinzuschauen. Weiter hinten sass eine Dame mit grossem Strohhut. Wie gesagt, ich sah nur flüchtig hin – und, ohne es zu merken, zählte ich eine leere Männerjacke mit. Ich gab dem Chauffeur das Abfahrtszeichen, und los ging die Fahrt, bergauf, bergab, um Kurven, einen Fluss entlang. Nach etwas mehr als einer Stunde meldete sich die Frau mit dem Strohhut und jammerte: „Mein Mann ist immer noch im Restaurant, wo wir Tee getrunken haben.“ Du liebe Güte! Warum sagte die erst jetzt etwas? Den sperrigen Bus auf der schmalen Strasse gewendet, eine Stunde zurück gefahren, den verlorenen Mann an Bord geholt und zum zweiten Mal die gleiche Strecke vorwärts – die Verspätung an diesem Tag war nicht mehr aufzuholen. Peinlicher noch: Die Damen in der Gruppe sahen mich vorwurfsvoll oder gar empört an, ein paar Herren lachten hinter vorgehaltener Hand. Seither zähle ich meine Schäfchen immer ganz genau!

Einmal war der schottische Besitzer einer Whiskyfabrik unter meinen Gästen. Er trug stets eine Flasche seines Getränks in der Jackentasche. Der Whisky floss, zumindest bei ihm, in Strömen, die Landschaft nahm er wahrscheinlich trotz klarem Wetter eher verschwommen wahr. Gegen Ende der Woche meldete er besorgt, dass er nurmehr eine einzige Flasche Whisky übrig habe. Dann legte er sich ganz hinten im Bus auf die Rückbank und begann bald zu schnarchen. Nach einer Weile musste der Busfahrer unvermittelt bremsen – der Schotte plumpste ziemlich heftig auf den Boden. Dabei zerbrach klirrend seine letzte Whiskyflasche. Die kostbare Flüssigkeit rann an ihm herunter, bildete eine kleine schwarze Lache auf dem Boden des Busses. Beim Herunterfallen war der Unglücksrabe natürlich aus seinem Schlummer aufgeschreckt. Beunruhigt richtete er sich auf, tastete sein nasses Hosenbein ab. Dann schrie er entsetzt: „Oh Gott, lass es bitte, bitte Blut sein!“

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Ich wünsche Euch schöne Ferienträume, die sind zum Glück trotz Corona jederzeit möglich…

Elisa, 19.8.2020

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Weisheiten

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Heute möchte ich meine zwei Lieblingsanekdoten mit euch teilen, die ich nicht nur für geistreich, sondern ebenso für weise halte.

  • Bitterer Ernst bewegte einen frommen Juden, täglich seine Armut und seinen Hunger im Gebet vor Gott auszubreiten und ihn um Hilfe zu bitten. Aber Gott schwieg. Als die Notlage kaum mehr zu ertragen war, ging der Mann erneut in die Synagoge und betete: „Ach, Gott, hörst du mir gar nicht zu? Jetzt flehe ich dich jeden Tag an, dass du mich endlich in der Lotterie gewinnen lässt, und doch passiert einfach nichts. Siehst du nicht, wie schlimm es um mich und meine Kinder steht? Warum hilfst du uns denn nicht?“

    Da ertönte von oben herab eine Stimme: „Gib mir eine Chance, kauf endlich ein Los!“

Macht der Glaube an eine Höhere Macht passiv? Hoffentlich nicht. Wir sollten selbst mithelfen, Probleme anzupacken, damit eine Änderung zum Guten eintreten kann.

  • Ein frommer Pfarrer ging im Moor spazieren. Eine Unachtsamkeit: er stolperte, sank ein. Auf einem nahen Strässchen kam bald darauf die Feuerwehr vorbei. Als sie den Pfarrer entdeckten, riefen die kräftigen Mannen: «Herr Pfarrer, brauchen Sie Hilfe?» Der Pfarrer, der inzwischen bis zu den Knien eingesunken war, antwortete tapfer: «Nein, Gott hilft.» Die Feuerwehr-Mannen fuhren ihres Wegs, während der Pfarrer still weiterbetete. Als ihm das Wasser bis zu den Hüften stand, kehrte die Feuerwehr zurück. Die Leute hielten an und fragten erneut: «Herr Pfarrer, können wir Ihnen helfen?» Wieder tönte es zurück, wenn auch etwas schwächer: «Nein, Gott hilft.» Die Feuerwehr fuhr weg. Der Gottesmann betete mittlerweile flehentlich, doch die Hilfe blieb aus, das Wasser stieg höher und höher, bis zu seinem Hals. Ein drittes Mal kam die Feuerwehr dahergebraust. Wie aus weiter Ferne hörte der Pfarrer sie rufen: «Können wir Ihnen denn nicht helfen?» Mit letzter Kraft stammelte der Fromme: «Nein, nein, Gott hilft.»

    Kurz darauf stand er vor dem Himmelstor und sah Petrus vorwurfsvoll an. «So unerschütterlich habe ich an Gott geglaubt», reklamierte er, «und das ist jetzt der Lohn, ihr habt mich ertrinken lassen.» Kopfschüttelnd musterte Petrus ihn und meinte: «Was können wir denn mehr für dich tun als dir dreimal die Feuerwehr vorbeischicken?»

Gut, hoffen wir in schwierigen Situationen auf ein Wunder! Besser noch: Lassen wir uns auch von lieben Menschen helfen! Sie könnten uns von Gott gesandt sein…

Elisabeth, 29.7.2020

Dankespsalm

In diesem Augenblick geht irgendwo auf der Welt die Sonne auf
an einem andern Ort geht sie unter

In diesem Augenblick liebt sich ein junges Paar
weint ein Kind, zetern zerstrittene Eheleute
pflegen helfende Hände liebevoll Wunden
wird irgendwo ein Mensch erschossen
fällt einer in den Wahnsinn
dankt ein anderer seinem Retter

In diesem Augenblick fällt ein Haus in Trümmer
wird fröhlich eines erbaut
ist irgendwo blutiger Krieg
blüht anderswo der Friede

In diesem Augenblick segnet ein Pfarrer seine Gemeinde
verflucht ein Schelm Gott und die Welt
lästert eine Hure, hilft ein Menschenfreund
foltert man Frauen in dunklen Kellern
pflanzt jemand im Sonnenlicht einen Baum

In diesem Augenblick stirbt ein Menschenkind
wird ein anderes geboren
in diesem einen Augenblick

So ist die Welt:
In diesem Augenblick ist alles gut
im nächsten vielleicht alles anders…

In jedem Augenblick, unser Gott und Vater,
ruhen Deine Augen auf uns
voller Liebe und Zärtlichkeit
voller Geduld und Bewahrung

Unser Gott und Vater, wir danken Dir

Elisabeth, 22.7.2020