Im Orient, Teil III: Von Weihrauch, Nomaden und rosa Felsen

Foto naturalbeauty.de:
Brennender Weihrauch

(Forts.)

Habt Ihr schon einmal vom alten Volk der Nabatäer gehört, die 169 vor Chr. die legendäre rosarote Felsenstadt Petra im Süden Jordaniens gründeten? Man vermutet, dass sie von den Urenkeln Abrahams abstammten. Jedenfalls befindet sich auf einem der hohen Felsen ein uralter Altar, auf dem Abraham seinen Sohn Isaac hätte opfern sollen. (Wie merkwürdig: In Jerusalem hörten wir dieselbe Geschichte, allerdings war dort der Tempelberg Ort des Geschehens!) Auch das Grab Aarons, Moses‘ älterem Bruder, wird in dieser Gegend vermutet und durch einen weißen, weitherum sichtbaren Schrein auf einer Bergkuppe gekennzeichnet. Immerhin gelten die Nabatäer als das erste Volk, das sich geschlossen zum Christentum bekannte.

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Sie wurden nach langen Jahren des Nomadenlebens dort sesshaft. Unfruchtbare Landstriche verwandelten sie in blühende Gärten. Ihre Karawanen brachten Weihrauch, Myrrhe und andere Schätze aus dem Süden Arabiens und verhalfen ihnen zu unermesslichem Reichtum. Auch ein von ihnen geschaffenes raffiniertes Wassersystem mit Dämmen und Kanälen trug wesentlich dazu bei.

Nicht weniger Staunen weckt ihr bildhauerisches Können. Anstatt die Gebäude ihrer Stadt zu errichten, schlugen und meißelten sie sie aus dem Felsen, wobei sie geschickt die natürliche farbenprächtige Schönheit des Gesteins, von rosa bis tiefrot, von beige, braun bis Purpur und Ocker, und seine marmorartigen Muster ausnutzten. Die sogenannten Fassaden, durch die man in die Gebäude gelangte, stehen meist auf hohen Felsvorsprüngen, und die größte ist von dort aus nochmals etwa 50m hoch und breit.

Seit jeher geheimnisvoll, versteckt sich Petra an einem noch heute verborgen anmutenden Ort hinter den Bergen, und man kann es nur zu Fuß durch eine enge Schlucht erreichen; es war wohl deshalb während mehr als 300 Jahren verschollen, bis es ein Schweizer Forscher, Johann Ludwig Burckhardt, 1812 wiederentdeckte.

Seid Ihr bereit? Denn nun wandern wir gemeinsam durch diese Schlucht, den Siq. DER MANN, verlässlich und ruhig, ist mit dabei. Der Siq ist 1,2 km lang, aber auf weichem Sand gut zu durchqueren, obwohl der Pfad nur ein paar Meter schmal ist. Schaut hinauf, in das spärliche Stück blauen Himmels und staunt darüber, wie sich die Wände bis zu 200 Metern steil emporschwingen! Da kommen wir uns auf einmal ganz klein vor, nicht? Am Wegrand bewundern wir die Überreste des genialen Wassersystems, sie sehen ähnlich aus wie bei uns in den Walliser Bergen die sog. Bissen.

Und jetzt, da wo die Schlucht am engsten ist, erwartet uns ein Höhepunkt: Nach einer Wegbiegung ragt es plötzlich auf, prächtig und dominant, das sogenannte Schatzhaus! Es ist ein unvergesslicher Anblick. Ich bekomme nach wie vor Gänsehaut, wenn ich unten stehendes Foto betrachte.

Foto REUTERS/Muhammad Hamed: Das „Schatzhaus“ am Ende der Schlucht

Wir gehen weiter. Kurz darauf wird das Tal weit, und ich glaube, dass jeden, der diesen besonderen Ort durchwandert, ehrfürchtiges Staunen ergreift. Seine Schönheit, sagt man, kommt beim Blick von den hohen, das ausgedehnte Tal umgebenden Felsgebirgen sogar noch besser zur Geltung. Und blindlings, fast wie dem Rattenfänger von Hamel, würde man den stolzen Beduinen auf ihren Kamelen kilometerweit durch die rosaroten Ruinen und auf schmalen Pfaden hinauf auf die Felsen folgen, würden sie einen dazu auffordern…

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Immerhin hindert uns niemand daran, dass wir nun selbst ein wenig klettern, wenigstens einen einzigen der steilen Zugänge hinauf, um von dort, vom Vorplatz eines mächtigen Palastes, die Aussicht auf das Tal zu genießen. So können wir uns vorstellen, wie riesig die Stadt war.

Foto Elisa: Es geht hoch hinauf
Photo by Valdemaras D. on Pexels.com

(Forts.folgt)

Eure in Weihrauchduft schwelgende Elisa
01.02.2023

Im Orient, Teil II: Von Salzkrusten, Schlamm und Tausendfüsslern

Forts.: Nicht alle lieben den Orient, dessen bin ich mir bewusst, doch sehr oft ändern Europäer nach einer Reise dorthin ihre Meinung. Denn es sind Orte der Poesie: schillernd und kraftvoll, erdig und geheimnisvoll, sprudelnd und weit, lebensvoll und lebensfeindlich, mit anderen Worten, herrlich kontrastreich! Es sind starke Bilder, die verschiedene Ferienaufenthalte bei mir hinterlassen haben.

Heute erzähle ich ein wenig von Jordanien. Auch dort war ich mit DEM MANN, das war 1999 – du meine Güte, ist das schon lange her – und doch sind die Eindrücke immer noch derart lebendig!

Foto Jordanien-Reisen.info: Das Tote Meer mit den salzverkrusteten Ufern
Foto Mövenpick Hotel: Zara-Spa mit Blick aufs Tote Meer

Wir waren im damals neuen Mövenpick-Hotel untergebracht, dessen Architektur einem orientalischen Dorf nachempfunden war. Mit seinen verträumten Gassen, Treppen, Arkaden, plätschernden Brunnen und in Mauernischen eingelassenen Lämpchen verzauberte es uns gleich bei der Ankunft. Es lag etwa 430m unter dem Meeresspiegel. Wenn mittags oder abends ein heißer Wüstenwind wehte, hatte man bisweilen das Gefühl, fast zu ersticken. Umso beliebter war die „Happy Hour“ abends so etwa um halb sechs. Dann trafen DER MANN und ich uns mit andern Hotelgästen zum Dorfklatsch – aber nicht etwa an der Bar oder auf dem Dorfplatz, sondern im Toten Meer. Das war eine lustige Sache, weil man bei der hohen Salzkonzentration im Wasser Auftrieb wie ein Korken bekam. Weniger lustig waren die Tausendfüßler, die zwischen den salzverkrusteten Steinblöcken am Ufer lauerten, um dann plötzlich in Windeseile über die Wasseroberfläche zu rennen mit dem Ziel, uns hinterlistig in den Rücken zu stechen.

Photo by Pixabay on Pexels.com: Lauernder Tausendfüssler

Tagsüber waren wir oft faul. Uns gefiel der ungewöhnliche Swimming Pool. Er war weitläufig, mit Salzwasser gefüllt, und an seinen seichten Rändern war reichlich Sand ausgebreitet. Doch kaum lagen wir auf den Liegestühlen, begann der tägliche Kampf gegen Plagegeister, kleine Fliegen nämlich, die die Frechheit hatten, sich gleich sippenweise auf menschlichen Füssen und Gesicht niederzulassen. Auf DEN MANN, den Ärmsten, hatten sie es besonders abgesehen (ich liebe sein Gesicht ja auch!), und bisweilen ging’s vor dem Schlafengehen weiter, mit einer nächtlichen Jagd nach Ameisen auf dem Zimmerboden oder gar im Bett. Ich glaube, in diesen Momenten hatte DER MANN ein wenig Heimweh nach der Schweiz.

Foto horizonfinder.de:
Eingeschmiert mit Schlamm vom Toten Meer,
was sehr gesund ist und Hautkrankheiten zu heilen vermag

Behandlungen mit Meersalz sind ausgesprochen gesund. Ich gönnte mir im Gesundheitszentrum eine sog. „Dry Floatation Therapy“, eine Behandlung mit heißem, heilendem Schlamm aus dem Toten Meer, mit dem man am ganzen Körper eingeschmiert wird und den man, eingehüllt in mit Wasser gefüllten Decken und in eine Wanne abgesenkt, etwa 20 Minuten einwirken lässt. Ein absolut herrliches, wahnsinnig entspannendes Gefühl, weil man richtig schwebt, wie schon der Name sagt, und – wie mir die Therapeutin verriet – auch die Lieblings­therapie des damals jungen Königs Abdullah II. Er käme jeweils vor Sonnenuntergang, erzählte sie, beschützt von seinen Leibwächtern, wenn die Hotelgäste noch schliefen. Da lag ich also auf dem gleichen Bett wie seine Hoheit beliebte – wenn auch natürlich nicht zur gleichen Zeit… Ob die Geschichte bloß ein Märchen war? Einerlei! Träume sind erlaubt, besonders, wenn die Umgebung Zauberhaftes vorgaukelt.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Der Präsidentenpalast Quasr al Watan
in Abu Dhabi wirkt schon von weitem imposant

Auch wenn Ihr weder „floaten“ möchtet noch königliche Ambitionen habt: Ich überlasse Euch nun Euren Träumen. Es wartet noch mehr Spannendes beim nächsten Mal, wie z.B. ein Besuch in Petra. (Forts. folgt)

Eure Elisa
25.01.2023

Der Orient, Teil I: von Datteln, Goldsand und lieblichen Düften

Liebt Ihr Datteln? Ich schon. Doch welche? Da scheiden sich die Geister. Die eher trockenen Deglet Nour finde ich fein, während mir die dicken, frischen aus Israel fast zu süss sind. Die weltweit besten Datteln, sagte man uns in Dubai, seien die Bateel-Datteln. Sie gelten in der verrückten Wüstenstadt als Delikatesse und sind z.B. mit Nüssen, Ingwer, kandierten Zitronen- oder Orangenschalen gefüllt.

Habt Ihr gewusst, dass Palmen richtige Überlebenskünstler sind? Dank ihrem cleveren Wasserhaushalt gedeihen sie in der kargsten Wüste. Denkt Euch, sie wachsen seit 79 Millionen Jahren auf unserer Erde, haben also selbst die Dinosaurier überlebt. Nicht auszudenken, wenn’s umgekehrt wäre!

So, nun noch rasch eine Dattel in den Mund gesteckt – und ab geht’s in die Wüste!

Erinnerungen an Erlebtes locken mich immer wieder in die Wüste mit ihrer Ursprünglichkeit. Begleitet Ihr mich? Das könnt Ihr getrost tun, denn ich nehme Euch mit auf eine Reise der Sinne – ohne Hitze oder Durst, ohne brennende Augen, mühelos, einer Fata Morgana gleich, und sie löst Freude aus! Ich sehe endlose Sanddünen, weich und glatt, Welle um Welle wie in Gold getaucht. Heißer Wüstenwind streicht über ihre Flanken, wirbelt Staub auf in einer Landschaft, die sich durch Verwehungen laufend wandelt. Eine Kamelkarawane zieht gemächlich ihres Wegs. In einer Senke blitzt das dunkle Grün einer Oase mit schlanken Palmen auf. Hier ist das Licht klar, sind die Konturen scharf. Kaum hörbar, blubbert ein frisches Gewässer. Eine Brise fährt raschelnd durch Palmwedel, unter denen verheißungsvoll üppige Büschel reifender Datteln leuchten. Schön, nicht?

Foto von Freundin Heidi Wildi: Dattelpalme

Ihr merkt es: Der Orient hat etwas stark Anziehendes für mich. Doch sind es nicht nur Gedanken an die Wüste – nein, an orientalische Gegenden überhaupt – die mich schwelgen lassen und mich stets aufs Neue dorthin ziehen. Ich rieche schweres Parfum, sehe würzige Weihrauchdüfte aufsteigen, schlendere durch enge Bazars, bewundere die Anmut der Frauen und die Geschmeidigkeit der Männer, sehe kräftige Farben und Gold aufblitzen, höre Trommeln, die das Herz höherschlagen lassen, kurz, ich erlebe beglückt die ganze Mystik dieser Orte, als hätte ich sie erst gestern besucht.

Foto von Freundin Heidi Wildi: Die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi
Foto von Freundin Heidi Wildi: Die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi
Foto von Freundin Heidi Wildi:
Kostbare Details in der Scheich-Zayid-Moschee

So viel kraftvolle Schönheit und Eleganz! Ob ich Euch mit meiner Begeisterung anzustecken vermag? So oder so, hier als Ergänzung zu unserer virtuellen Reise noch ein paar handfeste Tatsachen:

Wahrscheinlich ist Euch bekannt, dass die ornamentreiche, islamische Baukunst bis nach Indien getragen wurde. Dort erlebte sie als indo-islamische Mogul-Architektur zwischen 1526 und 1858 ihre Blüte. So stammen einige der bedeutendsten Baudenkmäler des indischen Subkontinents aus jener Zeit, u.a. der Taj Mahal, der zu den „Neuen Sieben Weltwundern“ gehört. Noch heute können wir die islamischen Spuren überall in Indien bewundern, in Moscheen, Mausoleen, an Palästen, in Gärten. Denn tatsächlich prägte die Epoche der Moguln die indische Kunst und Kultur nachhaltig, auch in den Bereichen Malerei, Sprache und Literatur – bis der letzte Großmogul von den Briten 1858 entmachtet wurde. (Forts. folgt)

Träumerisch, Eure Elisa
18.01.2023

Ein wenig Nonsense

Auch Nonsense macht hin und wieder Sinn, und sei es nur, dass er ein Schmunzeln hervorruft. Das neue Jahr ist noch jung, und an seinem Beginn liegen Sinn und Unsinn ohnehin ganz nah beieinander.

Als Schreibübung habe ich einmal ein kleines Nonsense-Gedicht verfasst, in dem ich nur einsilbige Wörter verwendet habe. Vielleicht habt Ihr Freude daran?

Der Wurm sitzt auf der Bank am See
Der Mond scheint hell
Dem Wurm ist „sturm“*
Drum fragt er schnell:
Was seh ich da bei Tag, bei Nacht?

Der Fisch, der alte Dieb, ruft laut: Es ist ein Schiff, gib acht!
Komm mit, komm mit, es ist der Hit!
Zu dumm: Der Wurm hüpft flott ins Gras – und in den See.
Der Fisch, der Wicht, schreit froh: Jetzt hab‘ ich dich!
Was für ein Glück! Nun sind wir quitt!

Seht nur, s’ist wahr und doch so fies: Er frisst den Wurm mit Haut und Haar.
Dann schwimmt er weg, mit Saft und Kraft, durch Tang und See,
singt laut und lacht: He he, he he, he he.

Den Kahn mit Rad sieht er zu spät –
und jetzt sind Wurm und Fisch
zu zweit im Grab
im Schlamm im See – he, heh!

*schweizerdeutsch für schwindlig

Photo by imsogabriel Stock on Pexels.com

Hoffen wir auf ein gelingendes 2023, ganz ohne Regenwurmpolitik! Und das Wichtigste: Lassen wir uns nicht einlullen von falschen Versprechungen, seien wir auf der Hut vor jeglicher Art von Einflüsterungen, die nur das Ihrige im Sinn haben. Für unsereins kommen sie ganz selten von Fischen…

Mit einem fröhlichen Augenzwinkern, Eure Elisa
12.01.2023

Nachtrag zum Thema Schenken

Über Eure zahlreichen Kommentare habe ich mich sehr gefreut. Dadurch angeregt, sind mir weitere Geschichten rund ums Schenken eingefallen. Wollt Ihr sie hören?

Geschenke für Männer sind, zumindest für mich, besonders schwierig. Nicht so bei meinem Sohn. Schon als Teenager war er kompromisslos ehrlich. So sagte er zum Beispiel einmal: «Ich habe keine Freude an einem T-Shirt aus einem Land, das ich nicht kenne. Kauf mir nach einer Reise lieber hier ein paar feine Pralinen, da hab ich mehr davon.» Durch seine Offenheit war mir bald klar, worüber er sich freute. Im Gegenzug wusste auch er ganz genau, was ich mir insgeheim wünschte, oder von dem ich noch gar nicht wusste, dass ich es mir wünschte. Seine Geschenke trafen immer ins Schwarze und sind mir noch heute sehr lieb. Einander Nahestehende haben es mit Sicherheit leichter.  

Nach meiner Scheidung kaufte ich während Kurzferien im Tessin in einer Kunstgalerie ein Bild. Auf dem Postweg nach Bern ging das Glas zu Bruch, was ich dem Galeristen mitteilte. Kurz darauf erhielt ich einen prächtigen Strauss Rosen: 21 Stück, alle in verschiedenen Farben. Angeheftet war eine kurze Notiz: «Natürlich bekommen Sie ein neues Bild. Aber diesmal liefere ich es persönlich ab. In 21 Tagen bin ich bei Ihnen.» Das war der romantische Beginn einer besonderen Freundschaft.

Photo by Jess Bailey Designs on Pexels.com

Eine Freundin schenkte mir eine Silberkette mit einer stilisierten Inuit-Frau aus massivem Silber. Der aparte Schmuck stammte von ihrem jungen Schwager, der kurz zuvor mit dem Flugzeug tödlich abgestürzt war. Er hatte für eine Hilfsorganisation als Heli-Pilot gearbeitet. «Ich weiss, er hätte gewollt, dass du diese Kette bekommst», erklärte sie. Das war das stumme, bestürzende Ende einer scheuen Zuneigung.

Foto von Ansgar Walk: Inuit People

Auf einer Wanderung mit Mann und Kind blieb ich bei einem Bauerngarten stehen, um die herbstlichen Blumen zu bewundern, die in allen Farben um die Wette leuchteten. «Haben Sie einen wunderschönen Garten», sagte ich zur Bäuerin. Als ich weitergehen wollte, rief sie: «Warten Sie!» und pflückte mir einen herrlichen Dahlien-Strauss, der fast zu gross war für mich. Sorgsam trug ich ihn für den Rest der Wanderung in den Armen und nach Hause. Das war ein unvergessliches Erlebnis, das mich tief beglückte.

Foto by Localflowers.org.: Dahlien

Solch unerwartete Glücksmomente wünsche ich Euch im 2023 immer wieder! Liebe Grüße, Elisa
Dreikönigstag, 06.01.2023  

Ist Geben (Schenken) seliger denn Nehmen?

Weihnachten ist vorbei, und mancherorts sind Geschenke ausgetauscht worden. Hoffen wir, dass sie nicht bereits wieder umgetauscht worden sind!

Macht Ihr auch so gerne Geschenke? Was macht Ihr für Erfahrungen? Nur positive? Vor Jahren merkte ich, dass es einem Kollegen nicht so gut ging. Daraufhin kaufte ich ein paar Flaschen mit gesunden Bio-Früchte- und Gemüse-Säften für ihn und brachte sie ins Büro. Er schien wenig begeistert. «Magst Du keine Säfte?» fragte ich erstaunt, denn ich liebe Säfte über alles und glaube daran, dass sie gut tun. «Nein!» war die Antwort. «Weißt Du, meine Mutter nötigte mir während meiner Kindheit diese Art Säfte dauernd auf: War ich müde oder aber munter, war ich krank oder aber gesund, immer musste ich einen Bio-Saft trinken, ob ich wollte oder nicht. Seither hasse ich sämtliche ach so gesunden Säfte!» Ich muss gestehen, ich war enttäuscht, es war doch wirklich ein freundlicher Einfall gewesen. Gleichzeitig schätzte ich seine Ehrlichkeit. Wer weiss, wie viele Geschenkpannen uns im Laufe des Lebens passieren, ohne dass wir je erfahren, dass unsere Gabe gar nicht gefällt.

Photo by Anna Tarazevich on Pexels.com

Die Bundesrätin, zu deren Mitarbeiterstab ich einst gehörte, war sehr beliebt. Wohl deshalb wurde sie mit Geschenken regelrecht überhäuft: Von wertvollen Staatspräsenten wie hochwertigen Büchern, Bildern, Kunstwerken, bis hin zu viel Selbstgestricktem, Selbstgebasteltem und hausgemachtem Gebäck war alles dabei. Die getrockneten Pilze eines Pilzliebhabers durfte sie natürlich nicht essen, sie hätten ja giftig sein können. Und die vielen Strickwaren passten ihr kaum. Was also machen mit diesen aus warmem Herzen gespendeten Dingen? Sie löste das Problem mit Erfindergeist: Einmal im Jahr bekamen wir die Gelegenheit, auf einfache Weise einen Teil der «Schätze» zu ersteigern, was wir jeweils mit Begeisterung taten, denn immer waren da auch ganz besondere «Perlen» eines Kenners dabei. Ich will hier mein Glanzstück nicht verraten… Den Erlös der Versteigerung spendete sie einer sozialen Institution.

Was macht Ihr, wenn Ihr von einer freudigen Geberin, einem grosszügigen Geber etwas Unpassendes bekommt, das Euch nicht gefällt? Schenkt Ihr es einfach weiter, frei nach dem Motto: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“? Sagt Ihr die Wahrheit wie mein Kollege und nehmt allfällige Kränkungen in Kauf, oder seht Ihr dahinter eher die liebevolle Geste, die aufgewendete Mühe beim Ausdenken und Aussuchen des Geschenkes? Es ist und bleibt ein Dilemma, dünkt mich. Immerhin gibt ein «missratenes» Geschenk einen wichtigen Hinweis für Gegengeschenke. Denn wer schenkt schon etwas, das ihm missfällt? Es ist also mit Sicherheit etwas, das man im Grunde genommen selbst gerne hätte.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

Mit einem geschenkten Lächeln, Eure Elisa
04.01.2023

Zum neuen Jahr

Der Herr des Friedens selbst gebe euch jeden Tag seinen Frieden, was immer auch geschieht. Der Herr sei mit Euch allen. (2. Thessalonicher 3, 16)

Trostreich finde ich auch die Worte von Rumi, dem persischen Mystiker aus dem 13. Jhd.: Hinter jedem ‚O Herr!‘, das du sprichst, steht ein tausendfaches ‚Hier bin ich.‘

Ich wünsche Euch, zusammen mit DEM MANN, eine dicke Portion Lebensfreude, Wohlergehen, Frieden und Gesundheit, kurz:
Alles Liebe fürs 2023!
Elisa

Frohe Weihnachten!

Photo by sohail nachiti on Pexels.com

Regentropfen nehmen deine Tränen mit
küssen und sie streicheln dich
berühren auch das Herz
wie der Wind und sanfter Schmerz

Liebevoll im Sonnenstrahl
funkeln diese Tropfen
geben dir Geborgenheit
und eine kleine Zärtlichkeit

Photo by Karolina Grabowska on Pexels.com

Liebe alle,
Seien es nun Regentropfen, Eiskristalle oder Schneeflocken: Von Herzen wünsche ich Euch mit diesem zarten Gedicht von Christian Parisius gesegnete, fröhliche, besinnliche, herzerwärmende Festtage. Ich danke Euch für Euer Interesse an meinem Blog auch im zu Ende gehenden Jahr und freue mich über Eure Treue.

Grand Palace Hotel Riga: Xmas 2022

Herzlichst, Elisa
21.12.2022

Verdächtigungen

Eine rabenschwarze Geschichte

Foto Elisa: Schaufensterfigur im Jura-Städtchen St. Ursanne


Brief von Annegret aus dem Altersheim:

Unglaublich, was für boshafte Leute es gibt. Die Neue (ich weiss nicht, wie sie heißt) ist noch nicht lange bei uns im Altersheim, und schon macht sie sich unbeliebt. Sie grüßt mich nicht einmal, also grüße ich sie auch nicht. Manchmal lächelt sie, wenn ich ihr auf dem Korridor begegne, aber das Lächeln ist falsch, es ist nur ein schiefes Grinsen. Zwar hat die Pflegerin gesagt, die könne nicht anders lächeln, weil sie einen Schlaganfall gehabt habe. Bäh, wer das glaubt… Ich jedenfalls nicht.

Niemand hört auf mich, wenn ich mich über sie beklage. Die werden noch ihr blaues Wunder erleben mit dieser falschen Schlange. Die ist viel schlauer, als man denkt. Kürzlich war sie in meinem Zimmer. In meinem abgeschlossenen Zimmer! Der Altersheimleiter sagt, das sei nicht möglich. Aber ich weiss schon, wie die das anstellt. Wenn die Reinigungsfrauen im Raum sind, huscht sie unbemerkt hinein und richtet Schaden an, möglich, dass sie sogar einen Nachschlüssel hat. Eine der Blumen auf dem Fenstersims war abgeknickt, einfach so. Schlimmer noch, mein teurer Ring, ein altes Familienerbstück, war weg. Da hab’ ich sie angezeigt, doch wieder hat man mir nicht geglaubt. Das ist doch der Gipfel!

Wetterbild von Meteo Schweiz

Den Ring habe ich unterdessen gefunden, in der Schublade, wo ich meine Unterwäsche versorge. Sie hat ihn heimlich dort versteckt, davon bin ich felsenfest überzeugt!! Als sie hörte, dass ich sie angezeigt habe, hat sie wohl ein schlechtes Gewissen bekommen. Ha, ich werde alles tun, damit die wieder dorthin gehen muss, wo sie herkommt. Dabei lasse ich meinen Einfluss spielen. Schließlich hat mein Vater, ein Professor h.c., dem Heim an jedem Weihnachtsfest eine Spende gegeben, als er noch lebte.

Da fällt mir ein, vielleicht gehört sie zur Mafia. Ist sie nicht Italienerin? Ja, das muss es sein, hab ich’s doch gewusst! Jetzt heißt es, schnell meinen ganzen Schmuck zu verstecken. Aber wo? Einen Tresor haben wir ja nicht. Das Beste ist, wenn ich all die kostbaren Halsketten, Broschen, Ringe und Armbänder zuunterst in meine Unterwäsche-Schublade lege, dort sind sie unauffindbar für die blöde Ziege. Die wird blöd gucken! Glaubt mir nur.
Eure rechtschaffene Annegret

Nachwort:
Die Geschichte hat sich so nicht zugetragen, zum Glück! Sie hat aber gewisse Ähnlichkeit mit mir bekannten wahren Geschehnissen. Mir fällt auf, wie heutzutage oft hemmungslos über andere hergezogen wird, wie Menschen, gerade auf Social Media, auf unhaltbare Weise verunglimpft werden. Zwar weiss ich aus eigener Erfahrung, wie rasch man mit einem vorschnellen Urteil zur Hand ist. Dies gilt es zu vermeiden, denn es kann zu einer schlechten (und erst noch traurigen) Gewohnheit führen. Bleiben wir bewusst bei den Tatsachen, auch wenn sie sich profan und wenig spektakulär präsentieren! Im Weihnachtsmonat sollte uns das besonders leicht gelingen.

Eure Elisa
14.12.2022


Dezember

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Der Dezember ist ein interessanter Monat. Es ist der Monat, in dem alles endet und am Ende alles wieder beginnt und neue Hoffnung erwacht. Der Name kommt von „decem“ (= lat. 10), weil er im römischen Kalender der 10. Monat des Jahres war. Nicht nur die Wintersonnenwende am 21./22. mit dem kürzesten Tag, nein, auch eine bedeutende Zahl von Bräuchen und Traditionen verleihen dem Dezember eine spezielle Würze. Jüdische und christliche Feste werden gefeiert, und er strotzt nur so von Gedenktagen an Heilige. Vieles hat jedoch seine Wurzeln in altem Volksbrauchtum und diente einst der Winter- und Geistervertreibung, der Reinigung des Hauses oder der Erinnerung an die Wiederkehr des Lichtes.

Hervorstechend sind vor allem das Chanukka-Fest und unser Weihnachtsfest. Chanukka ist das jüdische Lichterfest im Dezember, das nicht aus biblischen, sondern aus historischen Vorkommnissen hervorging. Erinnert wird damit an drei wichtige Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes, die von Selbstbehauptung und Bewahrung der Religion erzählen: Die Befreiung aus hellenistischer Herrschaft, die zweite Weihe des Tempels in Jerusalem sowie ein Lichtwunder, das acht Tage währte. Im Gedenken daran werden morgens in der Synagoge besondere Gebete gesprochen. An den Abenden treffen sich die Familien zu Hause und entzünden täglich mit Hilfe der neunten Kerze ein neues Licht an der Chanukkia – bis alle acht Kerzen brennen. Was für ein helles, fröhliches Fest inmitten der dunklen Jahreszeit!

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Für mich und meine Familie ist das Weihnachtsfest, das wir in Erinnerung an Christi Geburt feiern, eines der wichtigsten Feste im Jahreslauf. Dazu ein Ausschnitt aus meinem Reisetagebuch, das während der Israel-Reise, die DER MANN und ich 2012 unternahmen, entstand:

Fahrt nach Bethlehem zur Geburtskirche: Sie ist die Kirche in Bethlehem, die über der vermuteten Geburtsstätte Jesu Christi errichtet wurde und gehört zu den wenigen Beispielen vollkommen erhaltener frühchristlicher Kirchenbauten. Bethlehem ist durch eine hässliche Mauer von Israel abgetrennt. Wir müssen ohne den jüdischen Reiseleiter durch den Check Point marschieren. Auf der anderen Seite erwartet uns der Palästinenser, der uns zur Geburtskirche führen wird. Er ist ein humorvoller Mensch, nicht so trocken wie sein israelischer Kollege. Mit dem Bus fahren wir zur Kirche. Auf seine Anweisung entfernen wir unsere „Touristenkleber“. Um den großen Andrang zu umgehen, müssen wir einzeln in die Kirche gehen und uns an den langen Warteschlangen vorbeischleusen. Auf der Treppe zur Geburtsgrotte hinunter werden wir fast erdrückt. Ein paar gütige (und vor allem kräftige) russische Frauen schirmen mich ab, als ich fast keine Luft mehr bekomme und in Schweiß ausbreche.

Die kleine Höhle der Geburtsgrotte befindet sich genau unter dem Hochaltar der Kirche. Ein silberner Stern in der kleinen Apsis zeigt die Stelle der Geburt Jesu. Über dem Altar hängen 15 Lampen, die den verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften gehören. Von der Geburtsgrotte gelangt man über drei Stufen in die Krippengrotte, wo die Heiligen Drei Könige das Kind anbeteten. Die Berührung des silbernen Sterns bewegt mich, aber längeres Verweilen und Gebete sind kaum möglich, weil sich so viele Leute  herandrücken und noch mehr warten. Wie schlimm muss es erst am 24. Dezember sein!! Ein Jerusalemer Taxichauffeur erzählt uns später, dass er an diesem Datum jeweils ununterbrochen 24 Stunden lang arbeite…

Foto von Dirk D.: Silberner Stern in der Geburtsgrotte

Am 1. Januar 2021 habe ich in einem Blog schon einmal von den geheimnisvollen Raunächten geschrieben, die bei Kelten und Germanen 12 Nächte dauerten – zwischen dem 24. Dezember und dem 5. Januar. Es ist die Zeit „zwischen den Jahren“, also eine Art „Nicht-Zeit“, in der keine normalen Gesetze galten. So nahm man an, dass in diesen Nächten die Tiere sprechen könnten. Das glauben wir heute nicht mehr. Zumindest verständigen sie sich nicht so, wie wir es tun. Statt sie zu fürchten, lieben wir sie. Das ist natürlich viel schöner – und kommt erst noch dem weihnächtlichen „Fest der Liebe“ näher.

Photo by Karol Wiu015bniewski on Pexels.com

Ist es nicht genial, wie unsere Kultur uralte Geisterbräuche übernommen hat, sie jedoch von angstmachendem Dämonenglauben und Abhängigkeiten befreit und christianisiert hat? Seither vertrauen wir auf einen gütigen Gott, der unser Leben heil und neu machen kann.

Photo by Elias Tigiser on Pexels.com

Habt eine frohe, zuversichtliche Dezember- und Adventszeit!
Eure Elisa
07.12.2022