Ist Geben (Schenken) seliger denn Nehmen?

Weihnachten ist vorbei, und mancherorts sind Geschenke ausgetauscht worden. Hoffen wir, dass sie nicht bereits wieder umgetauscht worden sind!

Macht Ihr auch so gerne Geschenke? Was macht Ihr für Erfahrungen? Nur positive? Vor Jahren merkte ich, dass es einem Kollegen nicht so gut ging. Daraufhin kaufte ich ein paar Flaschen mit gesunden Bio-Früchte- und Gemüse-Säften für ihn und brachte sie ins Büro. Er schien wenig begeistert. «Magst Du keine Säfte?» fragte ich erstaunt, denn ich liebe Säfte über alles und glaube daran, dass sie gut tun. «Nein!» war die Antwort. «Weißt Du, meine Mutter nötigte mir während meiner Kindheit diese Art Säfte dauernd auf: War ich müde oder aber munter, war ich krank oder aber gesund, immer musste ich einen Bio-Saft trinken, ob ich wollte oder nicht. Seither hasse ich sämtliche ach so gesunden Säfte!» Ich muss gestehen, ich war enttäuscht, es war doch wirklich ein freundlicher Einfall gewesen. Gleichzeitig schätzte ich seine Ehrlichkeit. Wer weiss, wie viele Geschenkpannen uns im Laufe des Lebens passieren, ohne dass wir je erfahren, dass unsere Gabe gar nicht gefällt.

Photo by Anna Tarazevich on Pexels.com

Die Bundesrätin, zu deren Mitarbeiterstab ich einst gehörte, war sehr beliebt. Wohl deshalb wurde sie mit Geschenken regelrecht überhäuft: Von wertvollen Staatspräsenten wie hochwertigen Büchern, Bildern, Kunstwerken, bis hin zu viel Selbstgestricktem, Selbstgebasteltem und hausgemachtem Gebäck war alles dabei. Die getrockneten Pilze eines Pilzliebhabers durfte sie natürlich nicht essen, sie hätten ja giftig sein können. Und die vielen Strickwaren passten ihr kaum. Was also machen mit diesen aus warmem Herzen gespendeten Dingen? Sie löste das Problem mit Erfindergeist: Einmal im Jahr bekamen wir die Gelegenheit, auf einfache Weise einen Teil der «Schätze» zu ersteigern, was wir jeweils mit Begeisterung taten, denn immer waren da auch ganz besondere «Perlen» eines Kenners dabei. Ich will hier mein Glanzstück nicht verraten… Den Erlös der Versteigerung spendete sie einer sozialen Institution.

Was macht Ihr, wenn Ihr von einer freudigen Geberin, einem grosszügigen Geber etwas Unpassendes bekommt, das Euch nicht gefällt? Schenkt Ihr es einfach weiter, frei nach dem Motto: „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“? Sagt Ihr die Wahrheit wie mein Kollege und nehmt allfällige Kränkungen in Kauf, oder seht Ihr dahinter eher die liebevolle Geste, die aufgewendete Mühe beim Ausdenken und Aussuchen des Geschenkes? Es ist und bleibt ein Dilemma, dünkt mich. Immerhin gibt ein «missratenes» Geschenk einen wichtigen Hinweis für Gegengeschenke. Denn wer schenkt schon etwas, das ihm missfällt? Es ist also mit Sicherheit etwas, das man im Grunde genommen selbst gerne hätte.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

Mit einem geschenkten Lächeln, Eure Elisa
04.01.2023

30 Kommentare zu „Ist Geben (Schenken) seliger denn Nehmen?

    1. Liebe Sonja, danke Dir vielmals für Deinen Beitrag. Meinst Du Kalender, die selbst gemacht worden sind? Solche kommen jedes Jahr vom Bruder DES MANNES, und wir freuen uns immer sehr über dieses sehr persönliche Geschenk. Auch ich mag Bücher, aber dann muss man die Beschenkte schon gut kennen, oder nicht? Liebe Grüße, Elisa 🌹

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  1. Guten Abend, liebe Elisa und danke für deinen Text, der mich dazu anregt, darüber nachzudenken, wie ich mit Geschenken umgehe.
    Schwierig, schwierig….
    Ich habe jetzt dreimal angefangen, etwas zu schreiben und es dreimal wieder gelöscht, weil es sich immer wieder irgendwie widersprach. Und somit komme zu folgendem Ergebnis:
    Ich kanns dir nicht sagen! 🙄😶😂🙃😔😇
    Wahrscheinlich ist es von der Tagesform, dem Schenker, bzw. der Nähe, zu der man ihm/ihr steht, sowie dem Geschenk als solchem abhängig. :-/
    Und wird dann entweder versteckt im Schrank in Ehren gehalten, umgetauscht oder weiterverschenkt! 😀
    Gerne schenke ich dir jedoch ein Lächeln zurück! 🤗
    Viele Grüße Bea

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    1. Sorry, Antwort war zu schnell weg! 😮 Ich danke Dir herzlich, dass Du geschrieben hast, obwohl Du das Thema nicht klar definieren kannst. Wer kann das schon? Das Schenken ist in der Tat sehr vielschichtig, kein Wunder, zerbrechen wir uns manchmal den Kopf. 🤔🤔 Dennoch finde ich den alten Brauch etwas Schönes, auch wenn’s hin und wieder daneben geht. Dein Lächeln ist fröhlich bei mir angekommen! 😀 Ich habe mich sehr gefreut und schicke Dir liebe Grüße zurück, Elisa💖

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  2. Wir haben einen Schrank, wo alle Geschenke, meinstens Dekoware (sollte man nicht schenken) , die wir nicht haben wollen reinkommen, schön mit Namen und Anlass versehen, damit wir bei einem Besuch jeweils das richtige Dekostück hervornehmen können 🙂
    Esswaren schenken wir evtl weiter oder teilen es mit anderen.

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    1. Uiuiui, liebe Brig, das muss ich mir merken: keine Dekoware! Ich habe zwar ein paar wirklich schöne Deko-Gegenstände, die ich bekommen habe und an denen ich hänge, u.a. eine antike chinesische Snuff Bottle und die kleine Raku-Skulptur eines Liebespaares. Auch ein oder zwei besondere Bilder hängen da bei mir. Ich denke, die Gegenstände sind von Menschen, die mich gut kennen. Mir ist bereits bange, wenn ich an unseren gegen Ende Jahr wahrscheinlichen Umzug denke, da werde ich mich von viel Liebgewordenem trennen müssen. Esswaren zu teilen, ist immer eine gute Idee, das machen wir auch. Danke vielmals für Deinen Beitrag und liebe Grüße, Elisa 🌹🌷

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      1. Da bin ich beruhigt, liebe Brig!
        Umziehen „wollen“ ist zu viel gesagt. Es bleibt uns nicht viel anderes übrig, weil das Treppensteigen ohne Lift mit Einkäufen und Wäschezaine einfach zu mühsam wird. Außerdem wird vor unserem Haus 2024 eine Tramlinie gebaut und werden die schönen Alleebäume gefällt… Wir schauen uns einfach mal um, definitiv ist noch nichts. Danke für Deine Antwort und herzlichst, Elisa 💙

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  3. Liebe Elisabeth
    Ich hätte mir gewünscht, vor ein paar Jahren, dass ich meinem Bekannten ehrlich gesagt hätte, dass ich kein Marzipan esse. Denn nun bekomme ich es immer wieder als gutgemeintes Mitbringsel. Es tut mir so leid, aber ich bringe es nicht übers Herz ❣️, es Ihm zu beichten. Vielleicht komme ich ja doch noch auf den Geschmack…..(schmunzel)
    Liebe Grüsse Isabelle 😘

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    1. Liebe Isabelle, ich musste ebenfalls schmunzeln! Danke Dir herzlich für Deinen Beitrag. Ja, das ist guter Rat teuer – ich verstehe Dich, mir ist es auch schon so ergangen (allerdings nicht mit Marzipan). Das passiert wohl öfters. Schade eigentlich, aber jemanden zu verletzen, ist es eher nicht wert, gäll. Vielleicht mag Alba Marzipan? Herzlichst an Euch beide, Elisa 🌹🌷🌼

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  4. Liebe Elisa, als mir vor Jahren mein Sohn eine viel zu teure Kaffeemaschine schenkte, die ich gar nicht brauchte, habe ich mit ihm geschimpft und mich nicht gefreut. Darüber bin ich heute betrübt. Von ihm habe ich sehr schöne Geschenke bekommen. Es gibt Menschen, die schenken das, was sie dir als kleines Geheimnis entlockt haben. Darüber freut man sich am meisten. Wenn mir etwas nicht gefällt, sage ich es, wenn es teuer war und derjenige es noch zurückgeben kann. Bei Kleinigkeiten verschweige ich das. Will ja niemanden verletzen. Danke für Deinen Beitrag. Herzliche Grüße an Dich von Gisela 💕🎁

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    1. Liebe Gisela, Du sprichst mir aus dem Herzen: mein Sohn kaufte mir auch immer zu teure Dinge, bereits damals, als er mit einem Lehrlingslohn auskommen musste. Ich bin aber überzeugt: Unsere Söhne handelten aus großer Liebe. Darüber dürfen wir uns herzlich freuen, alles andere würde ihnen nicht gerecht. 😃😄
      Ja, es gibt Menschen, die eine Begabung fürs Schenken haben. Ich fürchte, ich gehöre leider nicht dazu. Dein Beitrag hat mich sehr gefreut, und ich danke Dir vielmals. Liebe Grüße, Elisa 😍🤩🌹

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  5. Liebe Elisa! Ich kann, wie Bea, auch keine eindeutige Antwort geben. Es ist ein weites Feld. Und nicht einfach. Fest steht: Früher war es (für uns in der DDR) viel einfacher, jemandem eine wirkliche Freude zu machen. Da musste man nämlich rennen, sich anstellen, gute Beziehungen oder Glück haben, bei besonderen Angeboten dazuzukommen. Entsprechend groß war auch die Vorfreude und Neugier auf Geschenke. Heutzutage gibt es alles, und die zu Beschenkten haben „alles“ oder könnten es sich selbst kaufen. Klingt abgedroschen, aber man könnte im Hinblick auf das Schenken sagen: Es ging uns besser, als es uns schlechter ging.
    Liebe Grüße Anke

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    1. Liebe Anke, danke vielmals für Deinen Beitrag, der mich nachdenklich macht, denn auch bei uns in der Schweiz war nach dem Krieg (ich wurde 1944 geboren) Bescheidenheit angesagt. Schon eine Tafel Schokolade unter dem Weihnachtsbaum machte mich als Kind glücklich, und ein Zweifrankenstück rührte mich fast zu Tränen. Tempi passati! Heute sind wir verwöhnt, dafür empfinden wir weniger echte Freude. Das ist tatsächlich schade. Es ist, glaube ich, wichtig, wieder auf feinere Nuancen und Töne, wieder mehr auf die aufgewendete Liebe und Zuwendung zu achten. Liebe Grüße, Elisa 🌻🌼🌷💐

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  6. „Geschenke erhalten die Freundschaft“heißt es und ich muss gestehen, ich schenke gerne und freue mich über nette Gesten, die das Leben verschönern und lebenswert machen. Große Geschenke müssen es nicht sein, kleine ganz persönliche, selbstgestaltete habe ich gerne. In unserem Alter hat man sowieso alles, was man braucht. Außer Gesundheit, dies wäre das größte Geschenk!
    Dieses Jahr waren meine Plätzchen wieder sehr gefragt, die Friseusen fragten schon im Sommer danach. So habe ich gebacken wie ein Weltmeister und verschickt, verschenkt ….schöne Fotomotive von umliegenden Gärten,Blumen,Bäumen habe ich gestaltet, gerahmt und denjenigen Betreffenden als Weihnachtsgruß an die Tür gehängt. Von einer ganz lieben Freundin aus der Schweiz kam ein wunderbarer Weihnachtsbrief, liebevoll gestaltet, mit Jahresverlauf und einer passenden schönen Geschichte ergänzt. Da kommt große Freude auf und das Herz öffnet sich. Überhaupt sind es ja die Verbindungen mit den Menschen, die sehr wichtig sind und immer wieder anregend und spannend, wofür Du liebe Elisa mit Deinen Bloggs ja Sorge trägst …. Machen wir weiter so – auch im Jahr 2023 -ich bin dabei!
    Liebe Grüße Ursula

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    1. Was für ein liebenswerter Beitrag, liebe Ursula! Ich danke Dir vielmals. Ja, ich kenne Dich als eine sehr aufmerksame, liebevolle Person, die sich am meisten freut, wenn sie andere beschenken kann! Das ist schön und bewundernswert und nicht alltäglich. 💜 Du hast Recht, Verbindungen mit anderen Menschen sind ein Reichtum, der nie ausgeht, so lange wir leben. Gerade in unserem Alter, wo uns viele geliebte und nahestehende Personen wegsterben, steigt der Wert von echter Freundschaft enorm. Ich danke Dir dafür und freue mich sehr, dass Du weiterhin „dabei bist“. Als Trost möchte ich Dir sagen: Sie sind schon noch da, unsere Werte, nur bisweilen nicht mehr so offensichtlich. Doch wenn wir eines haben, dann ist es Geduld, oder nicht? Herzlichst, Elisa 💖✍👍

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  7. Übrigens, dem Kommentar von Anke muss ich voll zustimmen. Konsum im Überfluss macht auf Dauer nicht zufrieden, es kommt auf ganz andere Dinge und Werte im Leben an. Diese aber vermissen wir leider mehr denn je.

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  8. Da wurde viel gesagt, sehr viel 😀
    Ich schenke gelegentlich Keramik.
    Ein Affe kam nicht gut an, denn für die Partnerin des Beschenkten war er zu männlich . Also ab in den Dachboden.
    Bin drüber hinweg.

    Eine gute Kamera schenkte ich mal jemanden, er hat sie nie benutzt. Zwar war er baff wegen des grosszügigen geschenks, aber sie verstaubt gnadenlos bei ihm
    Einer Angebeteten schenkte ich idiot meine beste Zeichnung. Wie kann man nur so meschugge sein.😉😉

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  9. Liebe Brig, lieber Gerhard, das ist mir zum Glück noch nie passiert, darum kann ich auch nichts dazu sagen, außer: das tut mir sehr leid. Das muss wirklich schlimm sein. 🤔🤨 Es zeigt natürlich auch, dass Schenken mitunter ein sehr sensibles Thema sein kann, wie bei allem, was mit starken Gefühlen zu tun hat. Danke für Eure Offenheit. Herzlichst, Elisa 💚

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