Der Schlaf des Gerechten

Photo by Adrianna Calvo on Pexels.com

Früher geriet ich beim Anblick eines Hundes, und war er noch so klein, in fürchterliche Panik: Mein Herz begann zu rasen, meine Knie wurden weich, die Hände zitterten, ich konnte kaum mehr atmen. Allzu oft passierte es auf Wanderungen, dass ein Hofhund mir knurrend und bellend entgegenlief, um sein Heim zu verteidigen. Du liebe Güte, als hätte ich es ihm streitig machen wollen!!

Photo by Pixabay on Pexels.com

Natürlich hatte meine übermässige Angst einen Grund. Auf meinem langen Weg zur Schule wurde ich als Kind von einem aggressiven Schäferhund von hinten angefallen, umgeworfen und grausam gebissen. Da sein Besitzer Arzt war, lag es nahe, dass meine Mutter mit mir zu ihm ging. Bevor er meine blutende Wunde versorgte, holte er den Hund. Bäuchlings lag ich auf dem Schragen, als er das Tier ganz nah zu mir hin führte und ihn schalt: «Schau, du Böser, was du angerichtet hast.» Dann schlug er mit einem Lederriemen heftig auf den Kopf des Hundes ein. Die Schläge fand ich schlimm. Doch der verschlagene, hasserfüllte Blick, mit dem das Tier mich bedachte, während es sich unter den Hieben duckte, liess mich erschauern, und ich begann heftig zu zittern. Nicht lange danach musste der Schäferhund auf Grund einer polizeilichen Anordnung getötet werden, weil er weitere Menschen aus dem Nichts angegriffen hatte.

Photo by Lucas Andrade on Pexels.com

Noch immer gehe ich nicht gerne über einsame Gehöfte. Aber nach zahlreichen guten Erlebnissen mit feinen Hunden habe ich begonnen sie zu lieben. Unvergesslich bleibt mir, wie ein grosser Hund mich vor seinem zähnefletschenden «Kollegen» abschirmte und beschützte, so dass ich unversehrt vorbeikam. Ich kann gut verstehen, warum ein Hund zu einem geliebten Familienmitglied wird. Wessen Herz wird nicht weich, wenn ihn treue Hundeaugen ansehen? Wie anrührend ist es doch, wenn ein Hund seinen Menschen stürmisch begrüsst, wenn er jedes Wort von ihm versteht und ganz selbstverständlich gehorcht. Er spürt auch dessen Traurigkeit und leidet mit.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Kürzlich wurden wir Zeuge einer heiteren kleinen Episode:

Foto von Freundin Heidi Wildi

DER MANN und ich sitzen gemütlich beim Kaffee in einem lauschigen Parkcafé und geniessen das warme Wetter. Ich blicke um mich: Büsche, blühende Blumen, uralte, mächtige Bäume – oh, wie wohltuend.

Foto von Freundin Heidi Wildi

Eine Frau kommt auf einem der Wege entlang. Hinter ihr trottet ein grosser Hund. In seinem Maul schleppt er ein dickes Kissen mit sich. Sie nähern sich dem Café, und sie setzt sich denn auch auf eines der Lounge-Canapés. Fürsorglich breitet sie neben sich eine Hundedecke aus. Statt Kaffee bekommt der Hund Fleisch, das er auf dem angrenzenden Rasenstück verzehrt. Ich bin neugierig, gehe zum Tisch der Frau und komme mit ihr ins Gespräch. «Wessen Kissen trägt Ihr Hund mit sich herum? Das ist wohl kaum Ihres?» frage ich und erfahre, dass das kuschelige Stoffding eine Art Plüschtier für den Hund sei. «Er schläft nachts auf dem Kissen, dann ist er zufrieden», erzählt die Besitzerin.

Bevor wir das Café verlassen, sehe ich, dass es sich der Hund inzwischen auf der Hundedecke neben seinem Frauchen gemütlich gemacht hat. Zu unserer Erheiterung schläft er selig – der grosse Kopf ist mitten auf das Kissen gebettet!

Photo by Christian Domingues on Pexels.com

Bin ich froh, dass ich mein eigenes Kopfkissen nicht überall hin mitschleppen muss…

Photo by Engin Akyurt on Pexels.com

Liebe Grüsse, Elisa
01.09.2021

13 Kommentare zu „Der Schlaf des Gerechten

  1. Liebe Elisa, in Träumen sind Hunde immer Menschen. Mal sind sie nett, mal bissig, wie Menschen im richtigen Leben. Ich kann Deine kindliche Angst vor Hunden verstehen. Mir tut das arme, geschlagene Tier leid. Es wurde von seinem Besitzer bissig gemacht. Bei Hunden und Menschen bin ich zunächst auf Abstand und begegne ihnen mit Respekt. Dann kommen sie oft selbst auf mich zu. Leckerchen wirkt immer! Danke für Deine Geschichte. Herzliche Grüße und eine liebe Umarmung von Gisela.

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Elisa
    Danke für deine Geschichten. Der Hund hat sicher nicht verstanden, warum er auf den Kopf geschlagen wurde. Auch ich wurde im Schulalter von einem Schäferhund gebissen. Der Besitzer hat ihn auf mich gehetzt und dem Hund den Befehl gegeben mich zu beißen, weil ich mit dem Velo durch eine Zubringerstraße gefahren bin. Anscheinend war ich nicht das erste Opfer und der Hund musste danach auch eingeschläfert werden.
    Ich wünsche dir einen sonnigen Tag und liebe Grüße aus Zürich
    Rona

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Rona, Deine Antwort hat mich gefreut! Das war ein grausamer Besitzer, wie so oft bei bissigen Hunden. Ich wünsche Dir morgen ebenfalls einen sonnigen Tag. Die herrlichen Frühherbsttage geben uns allen Auftrieb, gäll! Danke Dir und ganz liebe Grüsse aus Bern, Elisa

      Gefällt mir

  3. Liebe Elisa, es macht mich unendlich traurig, dass in solchen Fällen oft die Hunde eingeschläfert werden, die nichts dafür können, da irgendwas in ihrer Erziehung falsch lief während die Besitzer, die Schuld daran tragen, meist ohne Sanktion ausgehen. Und sich im schlimmsten Fall einen neuen Hundewelpen zuzulegen, um auch aus ihm eine Bestie zu machen. 😥
    Gut, dass du deine Angst im Laufe der Zeit kanalisieren konntest.
    Ganz viele Grüße Bea 😘

    Gefällt 1 Person

  4. Ich hatte auch lange Angst vor Hunden und mein Schulweg, auf dem ich morgens als Grundschülerin den ganzen gassiführenden Hundebesitzern begegnete, war für mich eine tägliche Mutprobe.
    Als die Eltern meines Exmannes ein Welpen bekamen, der vor meinen Augen zu einem großen schwarzen Hund heranwuchs, der sich immer bereitwillig von mir knuddeln ließ, war es mit meiner Angst dauerhaft vorbei, was ich sehr genieße.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s