Freundliche Menschen

Foto Elisa: Peonie in voller Blüte

Ich bin immer wieder glücklich darüber, wenn ich Freundlichkeit von fremden Menschen erfahre – dies gilt insbesondere auf Reisen. Natürlich komme ich eher in den Genuss, wenn ich allein unterwegs bin/war, denn dann bin ich offener und empfänglicher.  

Es versteht sich von selbst, dass man gerade als allein reisende Frau klare Signale aussendet: Ich bin nicht auf Abenteuer aus! Wie uns allen klar ist, gibt es den einen oder anderen allein reisenden Mann, der wie ein hungriger Bär hinter dem Honig herjagt. Pssst! Wenn ich hungrig bin, dann will ich mir den Bären selbst aussuchen.

Doch zurück zur kleinen Auswahl an Liebenswürdigkeiten:

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– In Mallorca war ich unsicher, von welcher Bushaltestelle aus ich das historische Zentrum Palmas erforschen sollte. Ich fragte einen älteren Herrn, der eben im Begriff war auszusteigen. «Wenn Sie einen Moment Geduld haben, bis ich auf der Bank war», erklärte er auf Englisch, «dann zeige ich Ihnen Palma.» Es wurde ein höchst vergnüglicher Tag. Es ging nicht nur in ein feines Restaurant zum Essen und danach zum Dessert in die älteste Konditorei mit den prächtig bemalten Kacheln, sondern ebenso zu ganz besonderen Sehenswürdigkeiten, so etwa zum Palast einer mit meinem adligen Begleiter befreundeten Marquesa. Es gab Portwein und einen herrlichen Blick aufs Meer, auch auf den Nachbarpark, der zum Feriendomizil von König Juan Carlos gehörte, der damals noch Achtung genoss. Trotz Sonnenschein waren die schönen hohen Zimmer kühl. Die Marquesa sass in einem bequemen Sessel und wärmte ihre Füsse an einem kleinen Kohleöfchen. Die durchgehenden Zimmerfluchten liessen bei geöffneten Türen das Sonnenlicht durch alle Zimmer fluten. Ich stelle es mir erhebend vor, wenn beim morgendlichen Erwachen der Blick vom Bett aus direkt auf die glitzernde Meeresfläche fällt.

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– An der englischen Südküste erkundigte ich mich beim Buschauffeur nach der Haltestelle für ein zum Museum umgestaltetes Landhaus. „No problem, Sweetheart“, lachte er und fuhr trotz des vollbesetzten Buses einen Umweg, so dass ich direkt vor meinem Ziel aussteigen konnte! So früh am Morgen war ich dort die einzige Besucherin. Der freundliche Herr, der die Aufsicht hatte, machte für mich eine private Führung durch das ganze Haus, inkl. Dienstbotenzimmern im Dachgeschoss und Arbeitsräumen im Keller. Er gewährte mir einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit des noblen englischen Landlebens. Ich blieb mehr als drei Stunden!

Photo by Oleg Magni on Pexels.com

– Im gleichen Küstenort begann es auf einem meiner Spaziergänge wie aus Kübeln zu regnen. Es war Samstagmorgen. Ich rettete mich in einen Hauseingang neben einem danebenliegenden Erker, der offenbar als Büro diente. Plötzlich öffnete einer der arbeitenden Gentlemen die Türe: «Sie brauchen doch nicht hier draussen zu stehen! Kommen sie herein ins Trockene, ich mache Ihnen eine heisse Tasse Tee!» Eine Tasse Tee ist für Engländer bei jeder Unbill so etwas wie ein Zaubertrunk.

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Photo by Roberto Vivancos on Pexels.com

– Auf meinem Flug nach New York sass ich in einer Dreier-Reihe mit einem amerikanischen Ehepaar. Während des ganzen Fluges unterhielt ich mich angeregt mit der Dame, die im sozialen Bereich tätig war. Die Familie des Mannes führte ihren Stammbaum auf den Reformator Johannes Calvin in Genf zurück, darum hatten sie die Schweiz besucht. Als wir uns dem Ziel näherten, sagte er: «Setzen Sie sich doch auf meinen Platz am Fenster und geniessen Sie die Aussicht auf Long Island. Es lohnt sich.» Mit diesen Menschen verband mich bis zu ihrem Tod eine jahrelange Freundschaft. Sie besuchten mich in der Schweiz. Mit DEM MANN zusammen übernachtete ich ein paar Jahre später auf unserer dreiwöchigen Fahrt durch die Neuengland-Staaten in ihrem Haus. Wir vier genossen unser Zusammensein mit guten Gesprächen, viel Heiterkeit, spannendem Sightseeing – und natürlich feinem Essen. Wie in den Staaten üblich, wurden dazu auch die Nachbarn eingeladen, um die „Swiss Friends“ vorzuzeigen. Am zweitletzten Tag packte Bob unsere Souvenirs ein und schickte sie per Schiff in die Schweiz, um die Gepäcklast für DEN MANN (!) zu verringern, während Marie unsere auf der Amerika-Reise angefallene Schmutzwäsche wusch und plättete.

Photo by Lelani Badenhorst on Pexels.com

– Auf Mauritius musste ich mittags das Hotelzimmer verlassen, wurde aber erst abends mit dem Bus zum Flughafen abgeholt. Das war unbequem, vor allem, weil ich den Strand noch ein wenig geniessen wollte. Dort kam ich ins Gespräch mit einem Flugbegleiter der South African Airways. Charmant bot er mir gegen Abend sein Zimmer an, um zu duschen und mein Badekostüm gegen Reisekleidung einzutauschen. Er winkte mir zum Abschied, als wären wir alte Freunde – was wir später denn auch geworden sind.  

Na Pali Coast Kauai’i, Foto: Hawaii Tourism Authoritiy/Tor Johnson

– Nach unseren Hawai’i-Ferien kamen der DER MANN und ich auf der Rückreise bereits kurz vor 06.00h morgens im Hotel Hilton Airport in Los Angeles an. Der Nachtportier, dem ich unser Schlafdefizit schilderte, erbarmte sich unser. Obwohl wir laut Reiseprogramm erst ab 14.00h ein Zimmer gehabt hätten, machte er es möglich, dass wir nach einem reichlichen, gratis offerierten Frühstück schon um 08.00h in herrlich weiche Betten sinken konnten, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen – notabene ohne Mehrkosten, trotz des zusätzlichen Tages. Unbezahlbar! Ausgeschlafen, verbrachten wir den Nachmittag gutgelaunt mit Flanieren, Shoppen und anschliessendem Apéro an der durch Filme berühmten Meerespromenade von L.A., bevor nachts unser Flugzeug zurück in die Schweiz abhob.

Foto: Venice Beach by iStock-638340372

Dies sind nur ein paar meiner Erlebnisse. Gewiss erlebt Ihr auch immer wieder solch uneigennützige Herzenswärme. Das Schöne ist, dass wir uns bei solchen Begegnungen Fremden auf einmal sehr nahe fühlen, und oftmals werden Adressen ausgetauscht. Was für ein erfrischender Beitrag zur Völkerverständigung!

Selbstverständlich habe ich das Empfangene an Besucher unseres Landes weitergegeben und manche bewirtet – bis, ja, bis es einmal schief ging.

Aber das ist eine andere Geschichte…

Liebe Grüsse, Elisa
07.07.2021

15 Kommentare zu „Freundliche Menschen

  1. Sehr berührend, deine Erlebnisse, liebe Elisa. Aber wen wundert es, dass ein so herzlicher und feiner Mensch wie du, so ‚aufgenommen‘ wird. 😉Mich nicht. 😊
    Und jetzt bin ich wirklich neugierig auf deine nächste Geschichte…
    Hab einen schönen Abend,
    viele Grüße Bea ☀️

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    1. Ui, nein, liebe Bea, da habe ich mir etwas eingebrockt! 💥 Ich hatte gar nicht vor, die „schiefe“ Geschichte zu erzählen, denn gewisse wahre Geschichten können unangenehm sein. Sorry für das Versprechen! Ansonsten danke ich Dir vielmals für Deine lieben Worte, die mich bewegen. Sei herzlich umarmt von Deiner Schweizer Freundin Elisa
      🧡💛💚💙💜

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  2. Liebe Elisa, ich habe solche Momente oft erlebt. Besonders in Israel, wo ich ja fast ein Jahr lang alleine unterwegs war. Aber auch an vielen anderen Orten. Ich habe soviel Gutes erlebet, dass ich nicht anders kann, als es weiter zu geben….möge das Gute und Freundliche immer mehr Kreise ziehen!

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    1. Liebe Brig, danke Dir herzlich für Deine Zeilen und den Vergleich mit den „Kreisen ziehen“. Da wirft man einen liebevollen Stein ins Wasser und er zieht Kreise, immer weiter, immer weiter, weltweit! Was für ein wunderbares Bild! Ganz liebe Grüsse, Elisa 🧚‍♀️🧕👨‍✈️👩‍🚀👨‍🦽💃🏄‍♂️🧡

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  3. Danke, liebe Elisa, wieder einige Deiner vielen Erlebnisse. Zum Glück allesamt positiv, mit freundlichen Menschen und schönen Orten. Da hast Du mir viel voraus. Ich wünsche Dir einen schönen Abend und grüße herzlich, Gisela 💚🍀💐

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    1. Liebe Gisela, was meinst Du damit „da hast Du mir viel voraus“? Vielleicht bist Du weniger gereist als ich? Ich kann nicht glauben, dass Du mit Deiner empfindsamen Art und Deiner Begabung nicht ebenso viele schöne Begegnungen hast wie ich. Ich danke Dir und umarme Dich herzlich, Elisa 🌷🌼🌻🌺🌹🍀🌴

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      1. Liebe Elisa, leider bin ich ständig enttäuscht worden. Wenn es nach meinen Erfahrungen ginge, müsste ich alle Menschen hassen. Niemand kann meine dennoch positive Einstellung verstehen. Ich bin stets auf Menschen zugegangen, aber je mehr ich gab, desto mehr wurde ich benutzt. Ansonsten scheine ich unsichtbar zu sein. Auch, wenn ich unter vielen Leuten sitze und mit ihnen reden möchte, über Alltägliches, spricht man nicht mit mir. Das ist mir zuletzt bei einer Freundin passiert, als ich mit ihr Geburtstag feierte und der ganze Tennisverein ebenfalls. Niemand hat mit mir geredet. Nach zwei Stunden bin ich weinend nach Hause gefahren. Ich bleibe zu Hause. Will mich nicht minderwertig fühlen. Meine Begabung ist ein Hindernis. Normale Menschen denken, ist müsste unter gebildeten Leuten verkehren. Dabei rede ich ganz normal und habe eine eher ‚unterirdische‘ Schulbildung.
        Deshalb genieße ich unsere virtuelle Bekanntschaft ganz besonders. 🌞🍀💐 Liebe Grüße, Gisela

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  4. Liebe Elisa, wohltuend sind Deine positiven Erfahrungen mit freundlichen Menschen! Auch ich durfte diese schon oft erfahren und bin dankbar dafür.
    Die Aussage von Guy de Maupassant „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“ trifft es gut und umfassend.
    Ergänzend hierzu : Jede Begegnung die deine Seele berührt, hinterlässt eine Spur, die nie verweht.
    Liebe Grüße Ursula

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    1. Liebe Ursula, Danke Dir herzlich für Deine ermunternden Worte. Ich weiss sehr wohl, wie auch Du mit Deiner offenen Art Menschen echt begegnest. Wie schön ist die Aussage: Jede Begegnung, die deine Seele berührt, hinterlässt eine Spur, die nie verweht. Das ist ein Geschenk von Dir! Ich umarme Dich lieb, Elisa 💖💗💓💕

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  5. Liebe Elisa, Deine Worte erfreuen mich! Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie man in den Wald hineinruft…und ich glaube schon, dass wir beide uns da sehr ähnlich sind. Mit den Menschen, egal wo auf der Welt, in Augenhöhe umgehen, freundlich auf sie zugehen, sich bemühen wenigstens einige Worte, vor allem das Wort „Danke“ in der jeweiligen Landessprache auszusprechen ….da begegnet man sehr viele freundliche und wenn nötig auch hilfsbereite Menschen. Schließlich haben wir uns auch auf diese Weise in einem Drittland kennengelernt und immer wenn wir im „Forster’s“ sind, denke ich an die Begegnung mit Dir! Herzlichst Ursula und ein schönes Wochenende – vielleicht mit etwas weniger Regen – für Dich und DEM MANN

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    1. Liebe Ursula,
      Die Erinnerungen an Forster’s sind herzerwärmend. Deine herzliche Art hat mir sofort gefallen! Danke vielmals für Deine lieben Worte. Anderen Menschen zu danken, ist auch im Alltag das Wichtigste, gell.💚 Ich wünsche Euch ein sonniges Wochenende mit vielen freundlichen Begegnungen. Herzlichst, Elisa💜

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  6. Liebe Elisa ich grüße dich!
    Es ist jedes Mal eine Freude und ein Erlebnis wenn man/mensch auf freundlich gestimmte Menschen trifft. Ich denke aber auch, dass das nichtt“einfach so“ ist, sondern dass die eigene (positive) Ausstrahlung dazu beiträgt.
    Deine Erlebnisse sind allesamt herrlich zu lesen.
    Alles Liebe, alles Gute, bleib gesund.
    Herzlichst
    M.M.

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  7. Liebe Monika-Maria, ich danke Dir vielmals für Deine lieben Zeilen. Wir Menschen können einander tatsächlich viel geben, wenn wir aufeinander acht geben und freundlich sind – wie Du glaube ich, dass so ein gegenseitiger Austausch stattfindet. Es freut mich, dass Dir meine Beiträge gefallen. Alles Liebe Dir, Elisa 😊

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