Von Tuk-Tuk und von Arrak – und von einem brechend vollen Bus

Foto DER MANN: Feine Früchte kann man am Strassenrand kaufen

Forts.: Unsere Sri Lanka-Geschichte geht dem Ende zu!

Am Swimming Pool hält’s uns schliesslich nicht mehr. Mit einem offenen, dreirädrigen Tuk-Tuk lassen wir uns vom strahlenden Fahrer ausfahren. Der Alltag ist so anders als bei uns: Mönche spazieren in ihren safrangelben Gewändern und unter leuchtend gelben Sonnenschirmen anmutig auf der Strasse, fröhliche Schulkinder folgen in Reih und Glied lachend ihrer Lehrerin, Kokosnüsse werden von der Hausfrau im Freien geraspelt, gefärbte Stoffe sind am Strassenrand zum Trocknen aufgehängt. Es wird geackert, Reis geerntet, hart gearbeitet, getrauert, gebaut und verkauft, vor allem Früchte und Gemüse – alles entlang der Strasse oder unweit daneben, so dass ein guter Einblick in das einfache Leben der Bewohner möglich ist.

Foto DER MANN: Färberei am Wegrand

Unser Ziel ist der Markt in einem kleinen Dorf, wo’s lauter Einheimische hat. Das Angebot – Alltagsgegenstände, Stoffe, Pfannen, Geschirr – alles ist auf dem Boden ausgebreitet. An einem der Stände entdecke ich schon von weitem knallige Farben, die mich sofort anziehen. Bei näherem Hinsehen bin ich enttäuscht: Die Kessel und Becken in allen Grössen und Formen sind samt und sonders aus Plastik.

Foto Elisa: Marktauslage, bunte Stoffe am Boden

Die Menschen machen einen zufriedenen Eindruck. Sie sind ausgesprochen freundlich zu uns. Die Armut erkennt man nicht leicht. Beim Anblick eines Betrunkenen, der am helllichten Tag unter einer Brücke oder am Strassenrand schläft, wird jedoch auch Elend offenbar. Der Arrak, eine ziemlich süsse, aus Palmsaft oder Zuckerrohr und Reisemaische destillierte Spirituose, ist vielseitig verwendbar und gilt als Volksgetränk Sri Lankas – nicht zu verwechseln mit dem arabischen Anisbranntwein Arak.

Foto Elisa: Laden für Haus und Hof

Auf meinen Vorschlag hin kauft sich DER MANN einen bodenlangen blauen Wickelrock. Wow! Dank seiner grossen, schlanken Figur sieht er darin noch attraktiver aus als sonst. Selbstverständlich trägt er ihn nur auf Sri Lanka. Schade! Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie wir im Sommer in Bern über den Bundesplatz flanieren, er im Wickelrock, ohne T-Shirt, ich in einem Sari, einen zierlichen Sonnenschirm über uns haltend…

Postkarte: Mönche mit ihren gelben Sonnenschirmen – sie sind Welten von uns entfernt!

Am nächsten Tag fahren wir mit dem öffentlichen Bus, um einen berühmten kleinen Tempel zu besichtigen. Der Bus ist zum Bersten voll – nicht nur von Menschen, auch von Federvieh, Körben, Waren aller Art. Ob das Marktfahrer sind, die zu einem Bauernmarkt wollen?

Foto DER MANN: einer der weissen Tempel, die man häufig sieht

Natürlich müssen wir, wie manch andere auch, im Mittelgang stehen bleiben. DER MANN trägt unseren Rucksack in seiner rechten Hand, hält sich mit der linken fest. Plötzlich reckt sich vom Sitz vor uns eine schwielige Hand in die Höhe, zerrt wortlos am Rucksack. Die schwielige Hand gehört einem älteren Mann, offensichtlich einem schwer arbeitenden Bauern, der grimmig dreinschaut. Brüsk lässt er den schweren, mühelos eroberten Gegenstand in seinen Schoss plumpsen. Verblüfft wechseln DER MANN und ich einen Blick. Was will er damit? Ich bin leicht beunruhigt, sind doch Geld, Kreditkarten, Sonnenschutz, eine Tagesration Mineralwasser, Traubenzucker etc. im Rucksack. Als wir uns schliesslich anschicken auszusteigen und entsprechende Gesten machen, landet der Rucksack schwungvoll beim ursprünglichen Besitzer: in den ausgestreckten Händen DES MANNES. Wir bedanken uns lächelnd und verabschieden uns aufs freundlichste. Wieder sagt der Bauer kein Wort, schaut uns kaum an. Dennoch verstehen wir nun seine liebenswürdige Geste: Er wollte DEM MANN im rumpelnden Bus das Gewicht abnehmen, das Gepäckstück vielleicht sogar vor Diebstahl schützen.

Es ist diese stumme Hilfsbereitschaft, die uns beeindruckt und die für uns etwas wahrhaft Nachhaltiges hat.

Foto Elisa: Laden in Dambulla

Damit, meine Lieben, verabschieden wir uns vom schönen Sri Lanka. «Wer je Zeit auf einer tropischen Insel verbracht hat», pflegte meine schottische Freundin zu sagen, «der hat eine Sehnsucht mehr im Leben.» Stimmt!

Foto DER MANN: Tuk-Tuk mit dem herzlichen Fahrer, Endstation für uns zwei vor dem Hotel

Liebe Grüsse, jetzt aus der Schweiz, Elisa

18.05.2021


8 Kommentare zu „Von Tuk-Tuk und von Arrak – und von einem brechend vollen Bus

  1. Liebe Elisa, DEIN MANN hat wirklich schöne Fotos gemacht. Sehr eindrucksvoll! Hast Du immer noch Sehnsucht dorthin zu fahren? Ob ich mich dort wohlfühlen würde? Sicher nicht! Für mich gibt es nichts Schöneres als Deutschland. Aber Du bist ein richtiger Weltenbummler und kannst wunderbar Geschichten erzählen. Danke dafür und liebe Grüße, Gisela.

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    1. Liebe Gisela, Danke für Deine lieben Zeilen und Dein Kompliment. Sehnsucht nach der Insel habe ich noch immer. Das Fernweh, fürchte ich, vergeht nicht, auch wenn die Kräfte nachlassen. Es ist für mich ein schönes Erlebnis, wenn ich mich wenigstens schreibend erinnern kann. Was nach der Pandemie noch möglich sein wird, wissen wir nicht. So weit wird es wohl nie mehr gehen! Für mich ist Deutschland auch ein schönes Land, das ich gerne noch näher kennenlernen möchte. Geniesse Dein Heimatland. Liebe Grüsse, Elisa 🍑🍒🍓🍎🍋🍈

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  2. Liebe Elisa,
    wie gut für uns Lesende, dass Du Dir so viele Deiner Reiseerlebnisse im Detail gemerkt hast und die entsprechenden Fotos dazu liefern kannst. Das ist sehr beeindruckend! Gruß Ursula

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    1. Danke, liebe Ursula, für Deine freundlichen Worte. Sie freuen mich sehr. In meinen Reisetagebüchern und in meinem Kopf sind noch eine Menge Bilder und Erlebnisse. Du weisst es auch, gelt, der Erinnerungen werden immer mehr, je älter wir werden. Herzlichst, Elisa 😍🎈✈🏝

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