Raunächte

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Pflegt Ihr Sylvester-Bräuche? Feuerwerk? Tischbomben? Bleigiessen? Spielrunden? Unfug anstellen? Ich erinnere mich, dass ich als Kind den 31. Dezember fast so mochte wie den «Samichlaus-Besuch» und die Geschenke an Heiligabend. Nach dem Gottesdienst sass die Familie mit anderen befreundeten Kirchgängern bei uns zu Hause zusammen. Wir spielten ausgelassene Gesellschaftsspiele, erzählten Anekdoten aus dem vergangenen Jahr… Was ich als Kind besonders liebte, waren die zahlreichen Spukgeschichten, die ältere Erwachsene zum Besten gaben – angeblich wahre, wohl aber eher erfundene. Die gruseligen Schauer, die mir dabei über den Rücken liefen, waren unbezahlbar. Noch heute lese ich hin und wieder atemlos englische Spukgeschichten.  

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Woher kommen eigentlich Altjahresbräuche? Sie sind zum Teil sehr, sehr alt.

Die besonderen 12 Tage und Nächte zwischen der westlichen Weihnacht am 24./25.12. und der orthodoxen am Dreikönigstag wurden im europäischen Volksglauben als Raunächte gefeiert (von unheimlichem «Raunen»). Man nahm sie auch als «Zeit zwischen den Jahren» wahr und glaubte, dass dann die Gesetze der Natur ausser Kraft gesetzt und daher die Grenzen zu anderen Welten leichter passierbar seien. (Marianne Vogel).

Um die Raunächte ranken sich viele Mythen. Ihren Ursprung haben sie in vorchristlicher Zeit. Die Menschen glaubten damals, dass in den oft stürmischen und kalten Winternächten böse Mächte wirkten, die ihnen schaden wollten.

Foto Elisa: Am Schwarzsee

Raunächte wurden/werden als eine heilige Zeit angesehen, ausgehend von der Wintersonnenwende, dem Tag, an dem die Sonne ihren tiefsten Stand hat – also am 21. Dezember mit der längsten Nacht des Jahres. In manchen Regionen ist dies der Auftakt zu den Raunächten. In anderen Regionen starten die Raunächte in der Nacht von Heiligabend, 24. Dezember, und gehen bis zum Heiligen-Drei-Königs-Tag am 6. Januar. Es ist eine kraftvolle Zeit erhöhter Energien – in alten Volksbräuchen eine Zeit der Wahrsagungen, des Gedenkens an Verstorbene, des Orakelns und schützenden Räucherns. Auch das eigene Gewissen sollte einer Prüfung unterzogen werden. Es ist der Übergang ins neue Jahr – in einen neuen Zyklus – ein Übergang, der idealerweise bewusst vorzubereiten ist.

Der Silvesterbrauch des Bleigiessens (Orakeln) geht ebenfalls auf die vorchristlichen Bräuche der Raunächte zurück. Tiere im Stall sollen um Mitternacht mancher Raunächte die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen – allerdings, hiess es, wer die Tiere sprechen höre, werde unmittelbar danach sterben. Mancherorts galt die Zeit zwischen den Jahren als so gefährlich, dass besondere Regeln eingehalten werden mussten. Zum Beispiel war es verboten, Wäsche zu waschen und aufzuhängen. Die Menschen fürchteten, dass weiße Wäsche von wilden Reitern gestohlen und als Leichentücher verwendet werden könnten. Frauen und Kinder durften nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf der Straße sein.

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Für uns heutige Menschen haben die Raunächte ihre Schrecken verloren und sind nicht mehr abergläubischen Regeln unterworfen. Gut so! Ich halte mich auch an den dunkelsten Wintertagen lieber an Licht und Mut verströmendes, christliches Gedankengut:

Komme, was mag, Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine grosse segnende Kraft gibt, die Gott heisst. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln. (Martin Luther King)

Der Mensch muss lernen, seine wahre Natur sich entfalten zu lassen: In ihm ist ein Licht, das nur darauf wartet zu leuchten. (Tseng Tse)

Ich meine, das ist der göttliche Funken, der in uns allen ist. Wohlan denn, lasst uns leuchten!

Ich danke Euch für Eure Treue. Mit den herzlichsten Wünschen für ein frohes, gelingendes und gesundes 2021, Eure Elisa und DER MANN, 1.01.2021

Foto Heidi Wildi: Raureif

10 Kommentare zu „Raunächte

  1. Liebe Elisa, ich wünsche dir einen wunderschönen Start in den ersten Morgen/Tag eines neuen und hoffentlich weniger „rauen‘ Jahres… 🤍
    Pass gut auf dich auf und bleib gesund, damit ich noch viele deiner wunderbaren Geschichten lesen kann! 🤗
    Viele liebe Grüße Bea

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Bea, danke vielmals für Deine lieben Worte. Sie ermutigen mich stets aufs Neue. Der „Rutsch ins Neue Jahr“, habe ich heute gelesen, kommt vom hebräischen Wort „rosch“, Anfang. Der Anfang zum 2021 ist geschafft. Ich wünsche Dir Glück und Segen für das ganze Jahr. Herzlichst, Elisa

      Gefällt 1 Person

    1. Danke herzlich, liebe Frau Dr. Zeyen, für Ihre ermutigenden Worte. Schreiben hilft mir über vieles hinweg – umso schöner ist es, wenn ich gerne gelesen werde… Ich wünsche Ihnen ebenfalls Glück und Segen im 2021, und bleiben Sie gesund! Liebe Grüsse, Elisa

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