Lebensfragen

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Soeben erreicht mich die Nachricht, dass eine liebe Freundin gestorben ist. Auch sie…

Dem abgedroschenen Spruch «Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben», können wir im Alltag wenig abgewinnen, er dringt nicht wirklich in unser Bewusstsein ein. «Wenn, dann trifft es die andern, mich bestimmt nicht», beruhigen wir uns, falls sich die Redensart zwischenhinein doch einmal in unsere Gedanken schleicht. So vergehen die Jahre. Ach – und dann werden wir auf einmal brutal und direkt durch das Sterben eines geliebten Menschen mit der Wirklichkeit konfrontiert.

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Ich frage mich, ob es denn verkraftbar wäre, wenn wir Menschen unsere Todesstunde kennen würden. Was meint Ihr? Wäre das nicht belastend, auch für unsere Nächsten? Würden wir darob verzweifeln, uns bis zum Letzten sträuben? Wahrscheinlich ist es gut so, wie es ist. Hingegen finde ich es klug, wenn wir das Leben auskosten – nicht nur im Hinblick darauf, dass es endlich ist… sondern weil es uns trotz Kummer und Schmerz ebenso viel Freude und Glück schenkt. Am Leben zu sein, zu spüren, wie Gottes Atem durch unseren Körper strömt, ist Grund zu Ehrfurcht und Dankbarkeit. Hier auf Erden können wir das Geheimnis des Lebens nicht entschlüsseln. Der Trost, dass wir nicht tiefer fallen können als in die göttliche Hand, muss uns genügen.

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Freitagnachmittag, 22. Mai 2020: Mit einer guten Freundin und Arbeitskollegin machte mein Sohn Bernie eine Arbeitspause. Sie diskutierten ernsthaft über das Leben und über Krankheiten. Beide hatten vor mehreren Jahren, und viel zu früh, einen schweren Herzinfarkt erlitten und lebten im Wissen, dass sie die Herz-Medikamente regelmässig einnehmen müssten, aber sonst nicht viel machen könnten, als auf ihr Glück zu vertrauen. Noch bevor die Arbeitspause um war, waren sie sich einig, dass sie zwei richtige Glückspilze seien, weil sie auf wunderbare Weise überlebt hätten.

Doch schon am nächsten Morgen in der Früh blieb Bernies Herz stehen. Diesmal kam jede Hilfe zu spät. Nicht nur für uns war es ein riesiger Schock – der Tod kam wohl auch für Bernie völlig unerwartet, aber er kam schmerzlos, gnädig – wie es sich für einen richtigen Glückspilz gehört. Ruhe in Frieden, unser liebster Sohn!

Trauer //Mascha Kaléko, 1907 – 1975
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nahe sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiss es wohl, dem Gleiches widerfuhr;
und die es trugen, mögen mir vergeben.

Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Elisabeth, 24.6.2020

15 Kommentare zu „Lebensfragen

  1. Liebe Elisa, noch so ein tiefer Einschlag….. mir fehlen schon wieder die Worte…. 😦
    Aber sei Dir in einem gewiss: Jeder Mensch ist schlussendlich nur für ein gewisses Zeitfenster ‚lebendig‘, denn unser aller Dasein ist endlich!
    Und so schrecklich, wie Verluste sind, darf man dennoch nicht vergessen, jeden Tag genau aus diesem Grunde zu LEBEN, in welche Form auch immer…
    Ich wünsche mir für Dich, dass Du das tust, so schwer die Abschiede auch sein mögen…..
    Aber jeden Tag, den Du aus Trauer verschenkst zu leben, ist ein Tag weniger DEINES Lebens! Und das ist sicherlich nicht der Wunsch derer, um die Du trauerst.
    Das hört sich sicher sehr brutal an, aber Du kannst nichts rückgängig machen.
    Denk an die Beiden, lass sie durch Deine geschriebenen Worte weiter unter uns weilen, ja. Und versuch bitte dennoch, weiter zu gehen!!!!! Ich drücke Dich innig und denke an Dich! Herzliche Grüße Bea

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    1. Danke herzlich, liebe Bea, für Deinen klugen Beitrag. Du hast Recht, und doch geht es fast über die körperlichen und seelischen Kräfte. Ich denke, dass auch Trauer zum Leben gehört, aber man darf nicht darin verharren. Wie lange der Trauerprozess dauert, ist individuell verschieden. Von Eltern, die mir sagen: Es wird nach einer Weile besser, bis zur Bemerkung meines israelischen Freundes: Es stimmt nicht, dass die Zeit Wunden heilt – ist alles möglich. Ich vertraue darauf, dass die Lebensfreude früher oder später zurückkehrt. Mein Sohn hatte sie ja auch in hohem Masse. Liebe Grüsse, Elisa

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  2. Liebe Elisa, leider ist alles endlich…nichts bleibt. Gott sei Dank wissen wir nicht, wann es uns treffen wird. Es ist das Los des Alters, vermehrt an diejenigen zu denken, die schon lange fort sind. Aber leider ist mit unseren Söhnen nicht nur unsere Vergangenheit gegangen, sondern auch unsere Zukunft. Wir sind alle in göttlicher Hand. Die Beiden sind schon mal vorausgegangen.

    Ich wünsche Dir die Kraft des Weitergehens.
    Alles Liebe wünscht Dir Gisela.

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  3. Elisa, life is much like the flame on a candle, it burns brightly and then one day no more; yet, we remember its beauty. You pen so vibrantly, so insightfully, dear friend. Thank you for your exquisite literary talent! Blessings.

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    1. Oh dear Lance, your words are so comforting and poetical, thank you so much, dear friend – you ARE poetry yourself. I’m happy you’re back.
      Today, we said good-bye in church to our most beloved son, tomorrow his urn will be buried at last. Love but also courage is at its strongest when we mourn. All the best, Elisa

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      1. Hello, Elisa. I’m so graciously appreciative of your wonderful kindness, thoughts, and support of my poetry. Thank you, dear friend.
        I’m so very sorry for the loss of your beloved son. You have my deepest sympathy. You’re both in my prayers.
        I admire your courage and who you are as a person. Blessings and hugs, Lance.

        Gefällt 1 Person

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