Ursache und Wirkung

Photo by Pixabay on Pexels.com

Mein Sohn meint gestern an seinem Geburtstag: «Ich bin überzeugt von Ursache und Wirkung. Wenn ich morgens z.B. im Bus drängle und erst noch sauer dreinblicke, muss ich mich nicht wundern, wenn ich ebenfalls gestossen werde. Lasse ich jedoch jemandem den Vortritt und lächle sie/ihn an, dann bekomme ich ein Lächeln zurück». Ich stimme ihm bei. Wer viel Schokolade isst, wird dick. Wer raucht, bekommt Lungenkrebs. Wer sein ganzes Geld verprasst, muss sich nicht wundern, wenn er im Alter mit leeren Händen dasteht. So denken wir doch, oder nicht?

Da ruft DER MANN: «Das mag in vielen Situationen stimmen. Aber was ist mit einem Menschen, der schwer krank geworden ist? Das wäre ja himmeltraurig, wenn man in diesem Fall argwöhnen wollte, dass die Person vorher etwas Unrechtes getan habe.»

Das brachte mich zum Nachdenken. Ich erinnerte mich an meine drückenden Schuldgefühle, als ich schwer an Krebs erkrankte. «Ich muss in meinem Leben etwas ganz Schlimmes angestellt haben, dass ich und meine Angehörigen jetzt derart leiden müssen.» Zum Glück konnte ich mit lieben Menschen darüber sprechen, so dass ich solche Gedankenmuster bekämpfen konnte und sie mich nicht auch noch zusätzlich belasteten. Wie ich gehört habe, bin ich nicht die einzige Krebskranke, die so empfunden hat. Das ist unnötig. Das, was man nach fernöstlichem Muster unter «schicksalhaftem Karma über unzählige Leben hinweg» versteht, glaube ich schon lange nicht mehr. Das Christentum gefällt mir deshalb so gut, weil es auf Vergebung statt auf Vergeltung fusst.

Eine Freundin von mir erzählte mir vor Jahren ihren Kummer. Sie konnte im Nullkommanichts aus Kindern glückliche, selbstvergessene Wesen machen, sie zum Lachen und Jubeln bringen. Furchtbar gerne hätte sie eigene Kinder gehabt. «Der Wunsch wurde mir deshalb nicht erfüllt», gestand sie, «weil ich in einem früheren Leben als Nonne mein eigenes Kind erwürgt habe.» Traurig, oder nicht? Solche Überzeugungen können einem nicht nur das Leben schwer machen, sie hindern einen auch daran, etwas zu ändern, was sich in der Gegenwart, in diesem Leben ändern liesse.

Elisabeth, 19.2.2020

16 Kommentare zu „Ursache und Wirkung

  1. Ursache und Wirkung, da ist schon was Wahres dran. Oder anders: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es hinaus! Ich persönlich bringe das automatisch mit Energie in Zusammenhang. Alles ist Energie, die ganze Welt ist ein geniales System, es kommt nur darauf an, was wir daraus machen. Und doch sind wir alle nur ein klitzekleiner Teil des Ganzen….vergleichbar mit einem Mobile. Wenn ich Energie aufbringe, an einer Stelle eine Veränderung vornehme, bringe ich das Mobile in Bewegung. Dadurch verändert sich gleichzeitig auch viel an den anderen Punkten des Mobiles – vielleicht nur schwach an der einen Stelle, dramatisch stark an der anderen…
    Alle, die also meinen, dass etwas Zufall oder Schicksal ist, handeln nur nach den Wirkungen. Sie reagieren nur darauf, wie etwas ist. Sie agieren nicht. Man darf also die Energie (aus welchen Ursachen auch immer) sie gerade fehlt, niemals unterschätzen, sondern man sollte daran glauben, dass sie jeder Zeit zurückkehrt – wenn man den Wunsch hat, etwas zu verändern.
    Liebe Elisa, In diesem Artikel steckt so viel Erkenntnis fürs Leben und ich kann daraus sehr viel mitnehmen. Nicht nur für den Alltag, sondern auch wenn es um Krankheit, Job oder zwischenmenschliche Beziehungen geht. Ich danke dir von Herzen, denn ich liebe es mich mit Menschen, die weiter denken, zu beschäftigen.
    Ganz liebe Grüße Bea

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Bea, ganz herzlichen Dank für Deinen informativen und bewegenden Beitrag. Du rückst eine andere Sichtweise ins Zentrum, die der Energie. Mir gefällt die Vorstellung eines fragilen Mobiles. Woher, denkst Du, kommt die Energie? Glaubst Du, sie kommt aus unserer Seele? Die Juden erklären, dass Gott den Lebewesen den Lebensatem einhaucht (ruach). Im Christentum reden wir in diesem Zusammenhang vom Heiligen Geist. Jedenfalls sind das heilige Energiequellen.
      Es ist nicht klar, inwiefern unser persönliches Mittun unser Schicksal tatsächlich mitbestimmt. Ganz liebe Grüsse, Elisa

      Liken

      1. Hallo iebe Elisa, bei Energie dachte ich an Kraft, bzw. Power. Ich hatte also bei meiner Antwort keinerlei Gedanken an Religion.
        Und kenne mich diesbezüglich auch nicht gut aus. Aber ich werde mich da mal mehr mit beschäftigen, du hast mich neugierig gemacht. 😊
        LG Bea

        Liken

      2. Liebe Bettina, herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Ich bin eben eine Sportbanause!! Du siehst, ich denke nicht gleich an Power. Macht ja nichts: Unterschiedliche Meinungen sind die beste Grundlage für spannende Diskussionen, oder nicht? Liebe Grüsse, Elisa

        Liken

  2. Ursache und Wirkung … Vergebung statt Vergeltung – das ist der Schlüssel. Ich glaube nicht an eine Strafe Gottes mit solchen schweren Erkrankungen, sondern bin überzeugt, dass ausnahmslos jede Erkrankung ihre seelische Entsprechung hat. Kommen dann Faktoren zusammen, gerade wie bei Tumor-Erkrankungen, bricht so etwas aus, das Potential dazu trägt jeder Mensch in sich. Ein Kombination aus Genetik, Lebensführung, Geisteshaltung, seelischer Gesundheit. Und – es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, jeder Mensch tut, was er kann. Ich glaube, Groll ist der Nährboden für Krebs, ich weiß es nicht … es sind Beobachtungen bei Menschen, die ich kenne.

    Mir selbst vergeben, ist der Schlüssel, für mich eine der schwersten Übungen, darum so wichtig.

    Sei herzlich gegrüßt!

    Gefällt 3 Personen

  3. Herzlichen Dank, lieber Reiner, für Deinen Kommentar, der aus Deiner Lebenserfahrung kommt. Über den Krebs möchte ich als ehemals Direktbetroffene nicht diskutieren, es ist eine äusserst schmerzliche Erfahrung, die jedoch einen Menschen in einem positiven Sinn verändert. Sehr wertvoll finde ich Deine Bemerkung, dass die wichtigste Übung ist, sich selbst zu vergeben. Es ist schade, dass diese wichtige Erkenntnis nicht weiter verbreitet ist. Auch Du sei herzlich gegrüsst und alles Liebe, Elisa

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Elisa, wieder so ein spannender Denkanstoß von Dir, der zum Nachdenken anregt. Ich denke schon, dass jede Ursache eine Wirkung hat und andererseits jeder Zustand, mit anderen Worten jede Wirkung seine Ursache hat. Übertragen ins Leben ein aktuelles Beispiel: Die Nachrichten über das Coronarvirus (Ursache) veranlasst uns zu Vorsichtsmaßnahen (z.B. Massenansammlungen meiden) = Wirkung. Ich glaube, dass Ursache und Wirkung zusammengehören und sich beides in einer Wechselbeziehung befindet, mir fallen dafür viele Beispiele ein.
    Ich denke man muss Ursachen erkennen, um danach zu handeln. An den Ursachen zu arbeiten ist wichtig, damit man die gewünschte Wirkung erzielen kann. Neu war für mich Dein Gedanke im Zusammenhang mit Erkrankungen. Eine positive Lebenseinstellung, die Gestaltung von Lebensinhalten, Hobbys u.ä. werden sich immer positiv auswirken, nicht unbedingt schwere Krankheiten vermeiden jedoch deren Verlauf günstig beeinflussen. Aus Deinen vielen interessanten Beiträgen sowie unter Einbeziehung der Kommentare kann bald das Buch des Lebens geschrieben werden……liebe Grüße von Ursula

    Liken

    1. Liebe Ursula, herzlichen Dank für Deinen interessanten Beitrag, in dem Du meinem noch etwas mehr Klarheit verliehen hast, wofür ich Dir sehr dankbar bin. Deine Einschätzung in Bezug auf Erkrankungen ist, wie ich weiss, auch von eigenen schwierigen Erfahrungen geprägt. Ich gehe absolut mit dir einig, ich habe es selbst erlebt, dass eine positive Lebenseinstellung viel bringt. Dazu braucht es aber auch Kraft, die man je nach Schweregrad der Krankheit vielleicht nicht mehr aufbringen kann. Das war für mich zumindest am Anfang so. Schönen Abend und liebe Grüsse, Elisa

      Liken

  5. Liebe Elisa,

    mit großem Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen.
    Nun, ich denke, dass bestimmte Erfahrungen aus anderen Leben – so man sich für diesen Gedanken öffnen möchte oder kann – durchaus eine große Wirkung auf unser jetziges Leben haben können, so erlebe ich selbst es jedenfalls. ABER: Reiner spricht mir aus der Seele mit:
    Vergebung statt Vergeltung … Ich glaube nicht an eine Strafe Gottes mit solchen schweren Erkrankungen, sondern bin überzeugt, dass ausnahmslos jede Erkrankung ihre seelische Entsprechung hat. … es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, jeder Mensch tut, was er kann.
    Ebenso empfinde ich seinen Gedanken von sich selbst vergeben sehr wichtig. Manchmal ein längerer Weg, bis es einem gelingt, so nach und nach.

    Im Zusammenhang mit schmerzlichen Erfahrungen – wie Krebs es zweifellos ist – wäre es aus meiner Sicht vermessen es sich so einfach zu machen, dass man so tut es ginge es um eine Schuld. In der Tat tut jeder zu jedem Zeitpunkt das, was er zu diesem Zeitpunkt kann. Warum sollte man also hier in Kategorien wie Schuld denken?

    Für mich gibt es eindeutig Karma, also einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, sprich von früher und jetzt. Aber das bedeutet absolut nicht, etwas als Schicksal und gegeben hinzunehmen und sich nicht mehr zu bemühen. Es gibt immer einen Weg, so man ihn will und sucht. Mir persönlich hat es geholfen die tieferen Hintergründe von dem zu verstehen, was mir in anderen Leben widerfahren ist. Und zu verstehen, was ich jeweils in anderen Leben „nicht richtig“ gemacht habe hilft mir auch, milder zu sein mit anderen Menschen. „Wer ohne Schuld, werfe zuerst…“ Wobei ich Schuld in dem Zusammenhang wirklich im kausalen Sinne sehe. Alles ist veränderbar. Karma ist für mich nicht aufgearbeitete Erfahrungen. Es jetzt verstehen und besser machen, dafür bin ich hier.

    Liebe Grüße
    Marion

    Liken

    1. Liebe Marion, Dein Beitrag war eine Überraschung, und ich danke Dir herzlich für die tiefen Gedanken. Solche Beiträge bringen einen weiter, was für mich etwas Wertvolles ist. Ans Karma hingegen glaube ich nicht. Ich bin im christlichen Glauben verwurzelt. Doch was Du über den kausalen Zusammenhang schreibst, finde ich sehr interessant: Ich bin fest überzeugt davon, dass es auch im gegenwärtigen Leben laufend vorkommt, dass wir „nicht aufgearbeitete Erfahrungen“ nachholen und besser machen sollen/können, wie Du es so treffend beschreibst. Mit meinen 75 Jahren kann ich diesen Prozess bei mir und anderen Menschen tatsächlich beobachten. Das ist eine tröstliche Wahrheit, oder nicht? Liebe Grüsse, Elisa

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Elisa,
        es freut mich, dass du meinen Kommentar offenherzig aufnimmst und doch darf jeder seine eigene Vorstellung haben, ohne den anderen belehren zu müssen. Was uns eint ist doch die Erfahrung, dass man stets aufmerksam sein kann und sich selbst auch immer mal wieder hinterfragen und Dinge besser machen, von denen man erkannt hat, dass sie verbesserungswürdig sind.
        Wenn alle bereit sind dazu zu lernen, kreieren wir eine bessere Welt und das kommt uns allen wieder zugute. Es kommt vielleicht nicht so drauf an, wie jemand dahin kommt zu sehen, dass etwas besser gemacht werden kann und dran geht etwas zu verändern. Das Ergebnis zählt und wie wir miteinander umgehen.
        Liebe Grüße
        Marion

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s