Winterliche Eskapade

Photo by David Dibert on Pexels.com

Es war Januar und bitterkalt an diesem Samstagmittag. Überall lag Schnee, die strahlende Sonne verwandelte ihn in ein glitzerndes Märchen. Fröhlich machten wir uns auf, um der Aare entlang zu spazieren. Das entpuppte sich als ein etwas mühsames Unterfangen: Fast der ganze Weg dem Fluss entlang war mit Eis bedeckt und glatt, so dass wir mehr Zeit brauchten als vorgesehen. Wir waren froh, als wir im Flugplatz-Restaurant an die Wärme kamen. Doch es hatte kaum Platz, also fragten wir ein Paar, ob wir uns zu ihnen setzen dürften.

Kaum hatten wir die bestellten heissen Getränke bekommen, begann die Frau am Tisch mit uns zu plaudern. Ein paar Minuten später fragte sie, ob wir gerne gratis mit ihnen nach Beromünster fliegen würden. DER MANN und ich schauten einander fragend an. Etwas wie Übermut regte sich in uns. Spontan nickten wir. «Dann müssen Sie aber rasch austrinken», mahnte die Frau. «Es ist wird heute früh dunkel.»

Auf dem Flugfeld führten sie uns zu einem kleinen Hochdecker mit nur 4 Plätzen. Wir sassen hinten, die beiden vorne, der Mann am Steuerknüppel, und schon ging’s los. Der gut 100km lange Flug unter wolkenlosem Winterhimmel war herrlich. Keine Flügel behinderten die Sicht auf die verschneiten Emmentaler Hügel, auf schneebedeckte Felder, Wälder und Dörfer, über die unser kleines Flugzeug in nicht allzu grosser Höhe hinweg glitt. Bald verwandelte das Abendlicht die Welt in Gold und Rosa, während die Sonne langsam am Horizont versank.

Photo by Krivec Ales on Pexels.com

Als wir Beromünster erreichten, begann es zu dämmern. Neben einem kleinen Bach führten zwei Räderspuren durch den Schnee einer beängstigend schmalen Graspiste. Im vor uns liegenden Flughafen brannte kein einziges Licht. Ein Tower mit Fluglotsen war ebenfalls nicht auszumachen. Ob das wohl gut ausging? Inzwischen wussten wir nämlich, dass die Frau Fluglehrerin war und der Pilot ihr Schüler, der heute anspruchsvolle Landungen üben sollte. Jetzt verstand ich auch, warum er vor dem Abflug erwähnt hatte, seine Frau bleibe lieber zu Hause, sie fürchte sich im Flugzeug. Wir waren dem Boden recht nahe, als die Fluglehrerin in scharfem Ton rief: «So nicht! Nochmals durchstarten!!» Der Pilot gehorchte sofort und zog das Flugzeug steil in die Höhe. Nach längerem Kreisen und einem erneuten Versuch wurde es uns dann doch ein wenig mulmig zumute. Wie geübt war der Flugschüler eigentlich? War dies etwa gar sein erster Flug in der Dämmerung – mit Landung auf einer schmalen Graspiste? Unsere Fragen kamen etwas spät…  

Am Ende landeten wir, holprig und rumpelnd zwar, aber ansonsten gesund und munter. Wir rollten auf den kleinen, inzwischen dunklen Flugplatz. Nachdem wir ausgestiegen waren, forderte uns die Fluglehrerin auf, ihnen zu helfen, das Flugzeug in den Hangar zu schieben und dort einzustellen. Es war unerwartet schwer und drohte ständig zu kippen. Ob sie uns zu diesem Zweck mitgenommen hatten?

Durch die frühe Nacht fuhr uns die Frau mit dem Auto ins nächste Dorf und ins einzige Restaurant. Sie hatte es eilig, der Feierabend wartete. Deshalb liess sie sich nur auf einen Kaffee einladen. Beim Wirt erkundigten wir uns dann nach Zugsverbindungen. Es überrascht wohl niemanden, dass der Weg zurück viel aufwändiger war als das Herfliegen! Erst nach 23 Uhr langten wir zu Hause an. Am nächsten Tag holten wir unser an der Aare parkiertes Auto ab, teils mit dem öffentlichen Verkehr, teils zu Fuss, in sicherem Abstand vom Flughafen. Von den beiden Piloten haben wir nie wieder etwas gehört, nicht einmal das Erinnerungsfoto ist bei uns eingetroffen. Bereut haben DER MANN und ich unsere kleine Eskapade jedoch nie. Noch manches Mal haben wir deswegen geschmunzelt.

Sagt, Ihr Lieben, tut es nicht gut, «mit leichtem Sinn» dem gleichförmigen Alltag hin und wieder ein Schnippchen zu schlagen?  

Elisabeth, 15.1.2020

13 Kommentare zu „Winterliche Eskapade

  1. Was für ein Erlebnis – ich glaube, so etwas gleichzeitig schönes, aufregendes, beängstigendes und spannendes liefert kein Film, sondern lediglich das Leben. Aber wie man sieht, ist auch DAS nicht jedem gegönnt, denn mir hat sich eine solche Möglichkeit noch nie geboten…..danke, dass ich bei dir/euch mitfliegen durfte! 🙂
    Liebe Elisa, ich bin wieder mal fasziniert und berauscht von deinen Geschichten.
    Ganz liebe Grüße, Bea

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    1. Liebe Bea, vielen Dank für Deinen herzlichen Beitrag. Bedenke, Du bist bestimmt ein schönes Stück jünger als ich, es kann also noch viel Aufregendes auf Dich warten. DER MANN und ich kennen uns seit bald 25 Jahren, wir haben uns um die Fünfzig herum kennengelernt und für beide war es wie eine zweite Teenagerzeit. Liebe Grüsse, Elisa

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  2. Ja, es tut gut, zu erleben. Es erneuert und hält frisch. Doch während der Körper in seiner Erneuerung altet, verjüngt der Geist in der Erneuerung und diejenigen, die immer auf diese Verjüngung des Geistes geachtet haben, sind im allgemeinen die, die dem körperlichen Altern am besten begegnen können.

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  3. Wow! Ganz schön mutig und noch offen für solche abenteuerlichen Angebote! Hut ab liebe Elisa und DEM MANN!
    Obgleich mir als erstes der Spruch einfiel: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Freuen wir uns gemeinsam, dass es gut ausgegangen ist und ein bestimmt unvergessliches Erlebnis daraus wurde. Aber was ist das Leben ohne Risiko, deswegen noch einmal:Alle Achtung ! LG Ursula

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  4. Dann ist DER MANN genau der Richtige für Dich und man kann nur gratulieren. DER MANN andererseits kann sagen:“Ich liebe Dich, weil es mit Dir nie langweilig wird“. Einfach perfekt! LG Ursula

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  5. Liebe Elisa, wir haben im Moment Regenzeit und ich gönne mir ein wenig Ruhe und habe deine Geschichten gelesen, einfach herrlich wie du schreibst und aufregend, interessant! Diese Geschichte mit der Fluglehrerin hat es mir besonders angetan, es könnte mir passiert sein! Das Leben bietet so viele schöne und aufregende Facetten, die man am Schopf packen muss um eben gerade sowas aufregendes zu erleben. Danke dir, dass wir daran teilnehmen dürfen, alles Liebe, un beso Anne 😘

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    1. Liebe Anne, Dein Beitrag hat mich sehr erfreut, vielen Dank! Du hast absolut Recht: aufregende und schöne Gelegenheiten sollte man nicht verpassen. Dazu braucht es ein offenes Herz und Lebensfreude, gäll. Besos und ebenfalls Regengrüsse nach Spanien, Elisa

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