Maeklong

Kennt Ihr Thailand? Und das Dorf Maeklong? Wenn nicht, erfahrt Ihr gleich, warum es berühmt ist.

In 1¼ Stunden bringt uns der Fahrer von Bangkok nach Maeklong. Der Gang durch den lokalen Markt ist auch diesmal, wie überall in Asien, ein farbenprächtiger Augenschmaus. Er führt vorbei an dicken, silbrig-zappelnden Fischen, blutenden, soeben abgehackten Fischköpfen und frisch zerteilten Fleischstücken, leuchtenden Stapeln bunter Früchte und Blumen, kochenden Frauen vor dampfenden Töpfen, allerlei Haushaltsartikeln wie sie noch meine noch Mutter benutzte, Kleidern, Schuhen jeglicher Farbe und Grösse, grellbunten Plastikkübeln mit krabbelnden Insekten, frittierten Hühnerfüssen, und – kaum verlockender – 6cm grossen gesalzenen Käfern. Das riesige Angebot ist nicht immer appetitlich für uns: Gebratene Peking-Enten mit allem Drum und Dran, also mit  Schnabel und Füssen, baumeln über den Köpfen der Käufer und sind für etwas mehr als einen Franken zu haben; getrocknete Gedärme, Schwalbennester, rosarote nicht etwa gefärbte Eier, Kuhmägen, ganze Schweineköpfe, sowie eine Unmenge weiterer, undefinierbarer Delikatessen, von denen einige in der drückenden, schwülen Hitze zum Himmel stinken – und doch ist dieses bildstarke, intensiv riechende Gewimmel und wilde Gekrabble absolut sehenswert.  

Jetzt stehen DER MANN und ich auf dem Bahnhof am Ende des Marktes. Maeklong ist die letzte Station des aus Bangkok kommenden Pendlerzuges. Man weiss nie genau, wann er kommt, manchmal hat er eine Stunde Verspätung. Billette muss man eine halbe Stunde vor dem Eintreffen des Zuges lösen, nämlich dann, wenn sich der Beamte ins Billetthäuschen setzt. Hier ist vor allem eines gefragt: Geduld.

Das Besondere an Maeklong ist, dass der Zug mitten durch den Markt fährt. Um das zu sehen, sind wir hier. Der 100jährige Markt ist nämlich älter als die Zugslinie, und es kommt nicht in Frage, dass ein Markt, diese allerwichtigste Lebensader des thailändischen Alltags, aufgehoben wird – wegen einer Bahnlinie schon gar nicht.

Wir warten neugierig am Rand des Marktes, zusammen mit anderen Touristen, die ihre Kameras bereits gezückt haben. Man hört von weit her das Pfeifen einer Lokomotive. Jetzt entstehen im Markt der Bahnlinie entlang gezielte Aktivitäten. Flink und routiniert, aber keineswegs hastig, werden Sonnendächer von Marktständen aufgerollt, Kleiderständer, Kübel und Behälter ein paar Meter nach hinten verschoben, das am Boden zum Verkauf ausgebreitete Gemüse abgetragen, so dass nur noch eine ca. 10cm hohe Schicht davon liegen bleibt. Von Hektik keine Spur. Unterdessen hat man auch beidseits des Strässchens, das vor dem Bahnhof liegt, zwei Bahnschranken von Hand heruntergeholt. Und jetzt kommt er in Sicht: ein breiter, mächtiger schwarzer Koloss von einem Zug mit gut 30cm hohen Trittbrettern. Er wälzt sich langsam dafür stetig, pfeifend und schnaufend durch den ganzen Markt, über sämtliche am Gleisrand liegenden Waren hinweg, haarscharf an Verkaufsständen, Verkäufern und fotografierenden Touristen vorbei.

Es ist ein spektakulärer Anblick, den wir nie vergessen werden. Und das Beste: es zeigt die kreative, erstaunliche, täglich von neuem einwandfrei funktionierende Lösung eines Interessenskonflikts. Wunderbar!

Elisabeth, 20.3.2019

2 Kommentare zu „Maeklong

  1. Ja, liebe Elisabeth, ich kenne Thailand aber Dein Dorf Maeklong habe ich verpasst. Schon Dein Foto ist eine Augenweide und man möchte hineingreifen und das herrliche exotische Obst und Gemüse kosten und mit allen Sinnen genießen. Wir haben es auf anderen Märkten erlebt und uns von Bangkok aus mit dem Boot inmitten der schwimmenden Märkte mit ihrem vielseitigen Angebot in das thailändische Leben versetzt gefühlt , dazu die freundlichen und warmherzigen hübschen Frauen, die ihre Waren und Gerichte anboten. Mit dem Tuk Tuk auf Bangkoks 6 spurigen Straßen zu fahren inmitten des dichten Verkehrs war ebenso ein Erlebnis, welches man nie vergessen wird. Deine so authentische und liebenswürdige Geschichte hat mich wie immer begeistert und viele Erinnerungen erwachen lassen. Dafür habe Dank!
    Herzlichst Ursula

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