Insekten (eine Satire mit ernstgemeintem Ende)

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Mögt Ihr Insekten? Mein Verhältnis zu ihnen ist ein zwiespältiges. Ein namhafter Teil der krabbelnden, fliegenden, stechenden oder Krankheiten übertragenden Meute, die wir Ungeziefer nennen, ist doch eher ein Ärgernis. Klein, aber oho… Wozu braucht‘s die Blutsauger heutzutage denn noch? Glaubt mir, früher, da war alles einfacher!! Damals lebte man mit Flöhen, Wanzen und Filzläusen auf Du und Du; Vorführungen mit „kunstvollem Hüpfen“ beim Flohzirkus waren eine beliebte Zerstreuung fürs Volk; sogar Ratten durften ins Haus. Der absolute Knüller dabei: Man musste sich weder waschen noch um Hygiene kümmern. Da alle stanken, gab’s bei Annäherungsversuchen keine unliebsamen Überraschungen. Tatsächlich waren es nicht nur die Armen die stanken, die Reichen stanken ebenfalls, wenn auch auf höherem Niveau, sprich: in vornehmeren Kleidern. Die bildschönen Damen am französischen Hof Ludwigs XIV verfügten eigens über lange, zierliche „Kratzhändchen“, um ihre läusegeplagte Kopfhaut elegant zu kratzen, ohne die Frisur zu verderben. Die Adligen hatten zudem die Möglichkeit, ihre Gerüche mit Parfüm zu übertünchen. Keine Ahnung, wie wirksam diese Schummelei war, jedenfalls weit weniger aufwändig als ein Bad. Ob da gar ein Zusammenhang besteht zur Hektik unserer Tage mit Burn-Out-Folgen? Wenn Ihr meinen Verdacht teilt, dann hört um Himmels willen sofort auf, Euch zu duschen und zu baden. Parfüm gibt’s nach wie vor – oder?

Nun ja, die Zeiten ändern sich. „Familienanschluss“, das war einmal. Immerhin sind unsere heutigen Haustiere nicht weniger anhänglich. Ein Pferd lässt sich reiten, eine Katze kann man streicheln, mit einem Hund tummelt man sich freudig im Freien. Aber Insekten? Wem, frage ich Euch, käme es in den Sinn, fröhlich pfeifend eine Handvoll Fliegen oder Würmer in einem Schächtelchen durch Wald und Wiesen spazieren zu führen? (Ausser natürlich, er ist Fischer). Gut, dafür könnte man wenigstens die Hundekotsäckchen zu Hause lassen.

Doch wie’s so geht: im Leben kommt alles zurück. Dank Globalisierung erleiden wir in der heutigen Schweiz eine Überfremdung, die sich gewaschen hat – ich spreche nicht von Menschen, sondern von Insekten. Genau wie chinesische Touristen, lieben auch Baumwanzen aus China die Schweiz. Letzten Sommer überfiel uns eine wahre Invasion dieser stinkenden Viecher, die mit Vorliebe in unsere Häuser kriechen, wenn’s kühler wird. Und sie bringen nicht einmal Geld ins Land wie die Touristen. Das stinkt gewaltig zum Himmel, findet Ihr nicht auch? Nachdem Franz Hohler schon vor Jahren kabarettistisch seine «Made in Hongkong» eigenmächtig nach China exportiert hat, ist’s wohl unausweichlich, dass der Insektenaustausch auch in umgekehrter Richtung floriert. Aber ich sage Euch, da kommt etwas auf uns zu! Im Tessin wurden bereits asiatische Tigermücken gesichtet. Gerüchten zufolge sollen auch Bettwanzen, Schaben und Läuse wieder auf dem Vormarsch sein. «Laustante» könnte in Zukunft ein begehrter Beruf werden… Ist bestimmt lustig, sich jede Menge Kindsköpfe vorzunehmen und ihnen anschliessend die Leviten zu lesen.  

Habt Ihr gewusst, dass man selbst im Toten Meer vor den Plagegeistern nicht sicher ist? Ja doch, ich hab’s mit eigenen Augen gesehen. Wenn man wie ein Korken im salzgesättigten Gewässer herumhopst, entdeckt man tatsächlich überall Tausendfüssler, die in Windeseile über die Wasseroberfläche rennen mit dem Ziel, die Badenden heimtückisch in den Rücken zu stechen. Gibt es hartgesottenere Überlebenskünstler? Ich glaube, die hinterlistigen Tausendfüssler waren schuld, dass DER MANN in Jordanien Heimweh bekam.

Zum Glück gibt’s an der Insekten-Front auch Positives zu vermelden, so dass ich nun getrost ernsthaft werden kann. Loben möchte ich die Spinnen, die Glückskäferchen und andere Nützlinge, die Jagd auf Schädlinge machen. Eine wahre Freude sind natürlich die fleissigen Bienen. Es gefiel mir als Kind, dem Vater beim Imkern zuzusehen. Den gelegentlichen Bienenstich, wenn ich barfuss über die kleine Wiese lief, nahm ich gerne in Kauf. Der selbst geerntete Honig schmeckte so gut wie später keiner jemals wieder.

Das führt mich zur Kürzestgeschichte des russischen Pope Vassiliji aus Jekatarinburg: «Es gibt zweierlei Menschen, Fliegen und Bienen. Die Fliegen finden im schönsten Feld ein Stück Scheisse, die Bienen auf jeder Müllhalde eine Blume.» Seien wir keine «Fliegen»! Halten wir in unserem Leben selbst auf «Müllhalden» nach «Blumen» Ausschau!

Elisabeth, 6.2.2019


6 Kommentare zu „Insekten (eine Satire mit ernstgemeintem Ende)

  1. Hallo Elisabeth,
    Baumwanzen aus China? Diese sind mir bislang unbekannt und nun bin ich dank Deiner netten Geschichte um eine Information reicher. Da denke ich doch gleich an die Weg- oder Nacktschnecken aus Spanien, die nicht nur der Landwirtschaft sondern auch meinem Garten enormen Schaden und Ärger zufügen. Oder an die Waschbären, wer weiß woher diese kommen und unser Land überrollen, da sie bei uns keine natürlichen Feinde haben. Unsere Nachtbildkamera zeigt diese fast täglich in Aktion, z.Zt. plündern sie die Meisenknödel am Volgehaus. …und obwohl ich Spinnen nicht unbedingt mag, lass ich sie jetzt auch gerne einmal sitzen und andere Insekten verspeisen, die ich vielleicht noch weniger mag. Deine Kurzgeschichte war also wieder ein toller Denkanstoß und ich danke Dir dafür. Beste Grüße Ursula

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    1. Liebe Ursula, herzlichen Dank für Deinen wie immer spannenden Kommentar. Für Gartenfreunde ist der Ärger natürlich um einiges schlimmer als für uns. Eigentlich weiss ich nicht, ob die Waschbären die Grenze Deutschland/Schweiz bereits überschritten haben. Wahrscheinlich nicht, höchstens vereinzelt. Die chinesische Baumwanze, die uns im Sommer auf dem Balkon wirklich plagte, habe ich als Beispiel für Eingeschlepptes gewählt, weil mir die Kabarett-Nummer „Made in China“ von Franz Hohler so gut gefällt. Du könntest sie sicher auf YouTube anhören, wenn Du das willst – oder kennst Du sie schon? Liebe Grüsse aus der Schweiz, Elisabeth

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