Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

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Ich bin immer wieder fasziniert, mit welchen Geschichten das Leben aufwartet. Fiktion wirkt geradezu blass dagegen.  

Eine ältere Freundin erzählt, dass sie und ihr Partner übereingekommen seien, über die Weihnachtstage zur Abwechslung einmal eine Carreise zu machen. Gesagt, getan.

Es ist der 22. Dezember. Auf ihrer Durchreise nach Ungarn übernachten sie mit der Reisegruppe in einem schönen Hotel nahe der ungarischen Grenze. Die grosse Empfangshalle ist festlich dekoriert, und neben der hohen eleganten Treppe steht ein mächtiger, prächtig geschmückter Weihnachtsbaum. Um zum Abendessen in den Speisesaal im Erdgeschoss zu gelangen, gilt es, diese Treppe hinunter zu steigen. Auf den obersten Stufen kommt ihnen der Hoteldirektor entgegen und begrüsst sie freundlich. Meine Freundin verwickelt ihn sofort in ein lustiges Gespräch. Typisch für sie, ist sie doch eine stete Frohnatur. Ärgert sich ihr Partner über ihre Plauderei? Jedenfalls macht er einen Fehltritt, worauf er das Gleichgewicht verliert. Was liegt einem Landmann näher, als bei einem Baum Halt zu suchen? Also packt er in der Not mit festem Griff den sterngeschmückten Baumwipfel in seiner allernächsten Nähe.     

Alles, was dann geschieht, geschieht fast gleichzeitig. Der sich am Weihnachtsbaum festklammernde Mann segelt in weitem Bogen durch die Halle zu Boden, wo die Tanne krachend hinfällt und ihn unter sich begräbt, während Weihnachtskugeln zerbersten, Dekorationsmaterial und Kerzen wie Geschosse umherfliegen. Eine amerikanische Reisegruppe, die beim Empfang steht um einzuchecken, stiebt erschreckt auseinander. Dabei prallt eine der kreischenden Amerikanerinnen in einen mit Geschirr hoch beladenen Servierwagen, mit dem ein Hotelangestellter im Begriff war, die Lobby zu durchqueren. Scheppernd fällt das Geschirr zu Boden und zerbricht in tausend Stücke, das Chaos ist perfekt. Und meine Freundin? Sie ist nach unten geeilt und sucht unter dem Baum ihren Partner. Als er benommen auf allen Vieren zwischen den Zweigen hervorkriecht, stellt sie erleichtert fest, dass ihm nichts fehlt. Dann beginnt sie zu lachen. «Du hättest das Tohuwabohu und den kriechenden Mann sehen sollen! Der Anblick war einfach zu komisch,» berichtet sie prustend. Auch mich erheitern allein schon ihre Schilderungen. Doch man stelle sich vor: Rundum beherrschen Verwüstung, Panik, Verwirrung die Szenerie, der prächtige Weihnachtsbaum ist ruiniert, alles liegt in Scherben – und sie hält sich vor Lachen die Seiten! Der bedauernswerte Hoteldirektor, der mit stummem Entsetzen aus der Höhe alles mitansehen musste, hat mit Sicherheit überhaupt nicht gelacht…

Als die Schweizer Reisegruppe nach vier Tagen auf der Rückreise wieder in diesem Hotel absteigt, präsentiert sich die Eingangshalle nüchtern bis trist. Keine Kerzen, keine Kugeln oder Tannzweige, geschweige denn ein Weihnachtsbaum. Und das Enttäuschendste: der Direktor ist nun gar nicht mehr freundlich. Man kann es ihm nicht verdenken, oder?

Ich wünsche Euch allen fröhliche Weihnachten. Tragt Sorge, vor allem Euch selbst – aber auch dem Weihnachtsbaum!

Elisabeth, 19.12.2018

5 Kommentare zu „Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

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