Auf Safari

leopard on brown trunk tree
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Die komfortablen Zelte für Safari-Touristen im Masai Mara in Kenia lagen nahe beim Grenzfluss. Nur eine schmale Holzbrücke trennte sie und damit uns von Tansania. Die Zelte liessen sich von aussen öffnen. Frühmorgens kam nämlich ein Butler, um die Teilnehmer der ersten Tagessafari zu wecken. Das Beste daran: die heisse Tasse Tee mit Biskuits, die er neben Bett und Moskitonetz auf ein Tischchen stellte.

Meine freundlichen Zeltnachbarn, ein junges Paar aus Österreich, fragten mich am dritten Morgen: «Hast du den Aushang gesehen, der zu erhöhter Wachsamkeit aufruft? Letztes Jahr wurde eine deutsche Touristin hier in ihrem Zelt von Männern aus Tansania überfallen und vergewaltigt.» – «Sicher hab ich das gelesen. Es ist bedrohlich. Zumal ich als einzige allein hier im Camp und im Zelt bin.» – «Du brauchst dir nun wirklich keine Sorgen zu machen. Sag mal, was hast du mit dem Nachtwächter angestellt? Etwa mit ihm geflirtet?“ wollten sie mit belustigtem Unterton wissen. – „Nein, wieso?“ fragte ich zurück. – „Er steht mit seinem Speer die ganze Nacht nur vor deinem Zelt. Nicht nur uns ist das aufgefallen. Dabei müsste er doch gleichmässig alle Zelte bewachen, findest du nicht auch?» Ich antwortete nicht. Natürlich hatten sie Recht. Doch jetzt musste ich lächeln. So sicher wie in Abrahams Schoss würde ich mich nun in der kommenden Nacht fühlen.

Weshalb diese unverhoffte Bevorzugung? Überraschend einfach: Am ersten Abend nach unserer Ankunft war ich mit dem netten jungen Nachtwächter, er hiess Mose, ins Gespräch gekommen, denn wenn man allein unterwegs ist, hat man immer Zeit für einen Schwatz. Dabei hatte ich mich nach seiner Familie erkundigt und erfahren, dass sie weit weg wohnte. Aus Mitgefühl hatte ich ihm etwas Geld gegeben, damit er sie wieder einmal besuchen könne. Seine Freude war gross. Auch seine Dankbarkeit, wie ich jetzt begriff, und mir wurde ganz warm ums Herz. Als Alleinreisende ist man für Liebenswürdigkeiten besonders empfänglich und froh um jedes Quentchen zusätzlichen Schutz.

Laufend werden wir gewarnt, dass Gewalt noch mehr Gewalt hervorrufe. Wäre es nicht sinnvoller darüber zu reden, dass Freundlichkeit in aller Wahrscheinlichkeit mit Freundlichkeit erwidert wird?
(Forts. folgt nächste Woche)

Elisabeth, 7.11.2018

3 Kommentare zu „Auf Safari

  1. Liebe Elisa, wie wahr der letzte Satz Deiner Geschichte! Ich wünschte mir, viele Menschen würden so denken und handeln. Die Safari in Kenia habe ich auch erlebt, in Zelten, Lodges und Baumhäusern. Die großen Tiere an den Wasserstellen, eine Nachtsafari und in das Maseigebiet durften wir dank der Verbindung unseres Jeepfahrers und ein Maseidorf konnten wir besuchen, weil unser Fahrer viele Süßigkeiten und nützliche Dinge für die Maseifrauen in seinem Kofferraum hatte.Die Männer, stolze Masei, waren auf Jagd. Unvergessliche Erlebnisse! Ihre Geschichte ist Anlass, wieder einmal das alte Fotoalbum mit den vielen Aufzeichnungen hervorzukramen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung! Danke im Voraus von Ursula

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