Die Verwandlung

Photo: Freundin Heidi Wildi

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn.
(Hermann Hesse)

Foto von Patentochter Sandra Romano
Foto Heidi Wildi

Liebt Ihr Schmetterlinge? Mich entzücken diese überaus zarten Insekten mit ihren kunstvollen Mustern und intensiven Farben, die uns so anmutig umflattern! Sie erinnern an Freiheit und Kreativität, an Leichtigkeit, Neubeginn und Freude. Sie leben nur für den Moment, tanzen durch den Sommer, flügeln von Blume zu Blume, wie wenn es nichts Schöneres gäbe.

Foto Heidi Wildi

In der Antike wurde der Schmetterling, nach langer äusserer Ruhe und durch das Verpuppen und Schlüpfen aus dem anscheinend leblosen Kokon, zum Sinnbild für Wiedergeburt, Auferstehung ja gar Unsterblichkeit. In der griechischen und römischen Mythologie erscheint die Seele oft mit Schmetterlingsflügeln. Vom Tod erlöst, kann sie sich von ihrer Hülle entfernen und frei in die Höhe erheben.

Selbst in christlichen Ländern wie der Schweiz stehen Puppe und Schmetterling für die Auferstehung. Und so findet man ihn auf zahlreichen Grabsteinen oder als Grabschmuck. Vielleicht habt Ihr diesen Gedanken in Todesanzeigen auch schon gelesen? «Es ist das Ende, sagte die Raupe. Es ist erst der Anfang, sagte der Schmetterling.»

Foto Heidi Wildi

Das Erstaunlichste ist tatsächlich die Morphose, die Schmetterlinge während ihres Lebens erfahren. Die Veränderung ihrer Gestalt ist gewiss ungewöhnlich: Aus den Eiern werden Raupen, die nicht fliegen können, sich aber durch Formveränderung fortbewegen und viel, viel fressen, damit sie rasch wachsen. Dabei häuten sie sich mehrfach, um grösser zu werden. Ist das Raupenstadium abgeschlossen, werden sie unter Bildung einer festeren Hülle zur Puppe. Äusserlich scheinen sie monatelang in einem Ruhezustand, doch innerhalb der Puppe pulst Leben, sie verändern sich enorm. Sie bilden Flügel aus und wandeln sich zum sogenannten Falter.

Foto Heidi Wildi: Die „dicke Banane“

Die Falter nehmen durch den Saugrüssel Nahrung auf. Sind sie gesättigt, rollen sie ihn zu einer kleinen Spirale auf. Zwei Dinge habe ich mit ihnen gemeinsam: meinen Übernamen «Sommervögeli» und die Vorliebe für Süsses.

Foto Heidi Wildi

«Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben.» (Hans Christian Andersen)

Wart Ihr schon einmal in einem Papiliorama? In unserem Nachbarkanton Freiburg ist das ein ausgedehnter Tropengarten, der besonders für die Haltung von Schmetterlingen berühmt ist. Gleichzeitig gibt es auch eine Vielzahl von nachtaktiven Tieren und farbigen Vögeln zu entdecken. In der tropischen Landschaft, die schon beim Eintreten wohlige Erinnerungen bei mir wachruft, bilden Orchideen, Fächerpalmen, Feigenbäume, Muskatnüsse – kurz, etwa 120 Pflanzenarten – eine wunderbare Einheit mit der Fauna.

Foto Heidi Wildi

Kürzlich besuchte ich das Papiliorama mit Freundin Heidi. Kaum hatten wir den schwül-warmen Ort betreten, machte mein Herz einen Freudensprung. Es wimmelte von Schmetterlingen, die uns umgaukelten. Gemäss der Broschüre waren es über 1000! Die einen flogen hoch hinaus, andere flatterten knapp über unsere Köpfe oder setzten sich auf nahe Pflanzen; wieder andere naschten an den Futterschalen auf unserer Augenhöhe, ohne sich stören zu lassen. Es war ein farbenfrohes, tief entspannendes Schauspiel, die bunt-schimmernden Wesen erschienen mir wie fröhliche Boten aus einer anderen Welt. Freundin Heidi, eine passionierte Natur- und Tierfreundin, war begeistert, dass sich so viele bestens fotografieren liessen. Die Fotos in diesem Beitrag stammen von ihr.

Foto Heidi Wildi

Völlig unerwartet setzte sich ein grosser Schmetterling auf meine Schulter. Die leuchtend blaue Farbe war mir bereits beim Betreten der Halle an den besonders hoch fliegenden Exemplaren aufgefallen. Ich erlebte wahrhaftig «ein blaues Wunder»! Darob geriet ich ganz aus dem Häuschen. Heidi reagierte rasch mit der Kamera. Auch fremde Leute wollten ein Foto. Ich ging vorsichtig weiter, und der blaue Morphofalter begleitete mich eine ganze Weile.

Foto Heidi Wildi: Blauer Morphofalter
oder Himmelsfalter aus der Familie der Edelfalter

«Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihn, und er entflieht dir. Halte still, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.» (Unbekannt)

Foto Heidi Wildi

Wie freuten wir uns, als Heidi ebenfalls beglückt wurde – von einem wunderbar gezeichneten, braunen Schmetterling! Doch nur einen Moment lang. Denn ein Mann «stahl» ihn kurzerhand von ihrer Schulter, um ihn auf dem Arm seines kleinen Jungen zu platzieren – ohne Bitte um Erlaubnis, ohne Erklärung – und weg war er. Wie ein dreister Raubvogel! Wir schauten verblüfft wie diese Schildkröte…

Foto Heidi Wildi
Foto Heidi Wildi

Ich wünsche Euch viel Freude an Schmetterlingen und, auch im Alltag, zahlreiche Glücksmomente, die Euch immer wieder zufliegen.

Elisa
28.07.2021

Foto Heidi Wildi

Der Heiratsantrag Teil II

Photo by: Freundin Doris Dätwyler

Es ist schön, auf sein Leben zurückzuschauen und die Dinge als Lernschritte zu sehen –
und nicht als Ereignisse, die es zu bedauern gilt.»
(Zitat Kally, Blog MiddleMe)

Mit diesen weisen Gedanken wage ich mich an die Fortsetzung meiner Geschichte. Begleitet Ihr mich erneut ins Paris der 60er Jahre, mitten ins quirlige Zentrum? Also:

Zum Umsteigen in St. Lazare blieb genügend Zeit, so dass Monsieur X und ich oft zusammen noch einen Kaffee tranken und uns rasch ein «Croque Monsieur» schmecken liessen, Pariser Kellner sind bekanntlich wieselflink. Manchmal promenierten wir lediglich in der grossen Bahnhofhalle, in ein anregendes Gespräch vertieft. Er erzählte mir, dass er fleissig für eine höhere Buchhalterprüfung arbeite, damit er beruflich vorwärtskomme. Darum habe er keine Zeit, mich an den Wochenenden zu sehen.

Photo by Shvets Anna on Pexels.com

Ich verschwieg ihm, dass mich das nicht weiter störte. Ich hatte einen kleinen, aber guten Freundeskreis. Eines Tages – ich glaube, es war an einem Donnerstagabend Anfang März, mein Praktikumsjahr neigte sich langsam dem Ende zu – da ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Wie gewohnt, schlenderten wir durch die Bahnhofhalle, als mir Monsieur X freudestrahlend berichtete, dass er die anspruchsvolle Prüfung geschafft habe. Natürlich gratulierte ich ihm herzlich. Hierauf fragte er mich, ob mir «Holiday on Ice» gefalle und ich Lust auf eine Aufführung am kommenden Samstagabend hätte, zwei Billette seien bereits in seinem Besitz. Nach meiner erfreuten Zusage fuhr er fort: «Am Morgen könnten Sie mit mir per Métro an den Stadtrand fahren, ich würde Ihnen gerne etwas zeigen.» «Was denn?» fragte ich neugierig. «Ich habe ein hübsches kleines Haus mit blühendem Garten in fast schon ländlicher Umgebung gekauft», erklärte er stolz. Dass er mir sein Haus zeigen wollte, fand ich etwas eigenartig, versprach ihm aber zu kommen. Waren wir nicht Freunde?

Photo by: Freundin Heidi Wildi

Dann geriet er ins Stocken. «Was wäre, wenn, wenn… ich will sagen…» Ich schaute ihn von der Seite an. Er war rot im Gesicht vor Verlegenheit, wirkte unsicher. Ich wunderte mich und wartete. Schlussendlich platzte er heraus: «Was meinen Sie dazu, wenn wir unser Leben lang so wie heute miteinander weitergingen, Seite an Seite?»

Ich fiel aus allen Wolken. Ratlos starrte ich ihn an, wusste nicht, wie reagieren. War das ein Heiratsantrag? Eines war mir jedoch mit Sicherheit klar: ich war keineswegs in ihn verliebt. Warum schien er das zu glauben? Ich fühlte mich auf einmal schuldig und rief: «Habe ich Ihnen je den geringsten Anlass gegeben, Liebe bei mir zu vermuten?» Ungeschickter hätte man es nicht sagen können! Der verhängnisvolle Satz war raus, bevor ich mir etwas Freundlicheres überlegen konnte. Er wurde leichenblass. Abrupt machte er kehrt und entfernte sich wortlos. Ein Stich durchfuhr mein Herz. Ich ahnte, dass ich soeben seine Freundschaft verloren hatte.

Photo by Margerretta on Pexels.com

Die Diktate bei Monsieur X wurden mühsam. Er äusserte nie mehr ein freundliches Wort, sagte nur noch das, was für die Arbeit absolut nötig war. Die Kälte, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte, machte es mir unmöglich, ihm im Nachhinein meine Absage einfühlsam zu begründen. Nach etwa 10 Tagen meinte er mit zusammengepressten Lippen: «Ich habe das hübsche Haus verkauft, da Sie es ja nicht haben wollen.» Es klang sehr bitter.

An einem Abend im April kam eine rundliche, dunkelhaarige Frau zu uns ins Büro. Die Tür stand offen. Mein Pult war das vorderste. Sie pflanzte sich vor mir auf. Böse Blicke schossen aus ihren schwarzen Augen. Am liebsten hätte ich mich geduckt. Sie sagte nichts, musterte mich nur von Kopf bis Fuss. Nachdem sie sich umgedreht hatte, fragte ich meine Kolleginnen: «Wer war denn das?» Die älteste von ihnen verkniff sich ein Lachen, als sie antwortete: «Das ist die griechische Tante von Monsieur X, er ist bei ihr aufgewachsen. Wir haben längst gemerkt, dass er in Sie verliebt ist. Sie ist sicher gekommen, um Sie zu begutachten.» Begutachten? Wohl eher das Gegenteil.

Ende April war mein Jahr um. Während Kolleginnen und Kollegen mich mit Geschenken und guten Wünschen verabschiedeten, sagte mir Monsieur X nicht einmal «Adieu». Und in einer Vorstellung von «Holiday on Ice» bin ich bis heute nicht gewesen. Die Lust darauf ist mir vergangen.

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mit Charme auf einen Heiratsantrag zu reagieren – doch inzwischen bekomme ich keinen mehr…

Photo by Nextvoyage on Pexels.com

Liebe Grüsse, Elisa
21.07.2021


Der Heiratsantrag, Teil I

Photo by Matt Hardy on Pexels.com

Eine Episode aus meiner Pariser Zeit vor vielen, vielen Jahren passt zum heutigen französischen Nationaltag. Der 14 juillet erinnert an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789. In meinem Beitrag geht es allerdings etwas weniger stürmisch zu und her. Obwohl die Liebe, wie wir wissen, tatsächlich stürmisch sein kann…

Machen Euch, liebe Ladies, Heiratsanträge glücklich? Vielleicht erwartet Ihr gar in diesem Jahr einen von Eurem Liebsten. In Filmen ist es meist der Höhepunkt, wenn er um ihre Hand anhält. Allerdings braucht es dazu den Richtigen, nicht wahr?

Photo by Pixabay on Pexels.com

Damals, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, war ich noch nicht ganz 21, ziemlich schüchtern und naiv, und dachte an alles andere als ans Heiraten. Erstaunlich, dass ich trotzdem zwei Jahre später bereits Ehefrau war.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Der Frühling in Paris hat etwas Unwiderstehliches: Ein Meer von Tulpen und duftender Blüten, zartes Grün und Vogelgezwitscher, die breiten Avenues und Boulevards gesäumt von einer Vielzahl lichtgrüner Alleebäume, die zartflauschigen rosa Blüten der Japanischen Zierkirsche der wahr gewordene Traum von «La vie en rose»! Damals war Catherina Valentes Song «Ganz Paris träumt von der Liebe» in aller Ohren. Er drückte das spritzige Lebensgefühl der frühen 60er Jahre auf unvergleichliche Weise aus. (Seufz!)

Photo by Kristina Paukshtite on Pexels.com

Im Mai 1964 trat ich bei einer Rückversicherungsgesellschaft in Paris eine Stelle als Praktikantin an. Anfangs verzehrte ich mich nach meiner Familie und der Schweiz, aber nicht lange, Paris war zu aufregend.

Als ich das erste Mal ins Diktat zu einem jungen Kollegen musste, warnten mich die Frauen in meinem Büro: «Bei dem musst du aufpassen. Der hat lockere Hände, wenn er allein ist mit einer hübschen Praktikantin.» Mit klopfendem Herzen ging ich zu ihm und setzte mich auf den äussersten Rand meines Stuhls, um gegebenenfalls sofort fliehen zu können. Der junge Mann war gutaussehend und gebildet, er stammte von einer griechischen Mutter und einem englischen Vater ab, was seinen Charakter auf etwas ungewohnte Art beeinflusst hatte.

Photo by jimmy teoh on Pexels.com

Sein rassiges Aussehen war südländisch, sein Temperament auch, es wurde jedoch von einem leicht ungelenken, ja sogar steifen sozialen Umgang gebremst. So, wie er meist seine Gefühle verbarg, erinnerte er an einen Engländer mit «stiff upper lip». Nachdem der verhasste Vizedirektor ihn einmal in meiner Gegenwart gedemütigt hatte, schmiss er nachher in stiller Wut einen Riesenstapel dicker Dossiers zu Boden, sie schlitterten bis ans Ende des langen Korridors. Hierauf sammelte er das Blätter-Chaos beherrscht und stumm wieder auf, bevor jemand anderes es bemerkte.

Photo by Chris Schippers on Pexels.com

Dieser Mann sollte unanständig sein? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich nahm ihn täglich als freundlichen, hilfsbereiten Kollegen wahr. Meine Kolleginnen befragten mich, quittierten meinen entlastenden Bericht aber mit einem besserwisserischen Lächeln, worauf ich den Mund hielt. Warum glaubten sie mir nicht, dass es ausser Händeschütteln nie auch nur die kleinste Berührung gab?

Mit der Zeit entwickelte sich zwischen Monsieur X und mir so etwas wie Freundschaft. Abends begleitete er mich oft bis zum Gare St. Lazare, wo ich die Métro wechseln musste, um meine Abendkurse zu besuchen. Bei der «Alliance Française» war mir der Kunstunterricht bei Monsieur Cusse am liebsten, der, wenn er uns ein Frauengemälde vorstellte, schwärmerisch zu seufzen pflegte: «Comme elle est bääälle! Schaut euch die weichen Linien an, die Vollkommenheit des Körpers, die weiss-schimmernde Haut!» Einmal erzählte er, dass er einst Farah Diba in Architektur geschult habe. Das war, bevor der persische Schah Mohammed Reza Pahlevi sie Ende 1959 zur Frau nahm und berühmt machte.

Foto Wikipedia: Die schöne Farah Diba Pahlevi

Fortsetzung folgt!

Träumt inzwischen von der Liebe! Liebesträume sind weder an den 14 juillet noch an Paris gebunden.
Herzlichst, Elisa
14.07.2021

Freundliche Menschen

Foto Elisa: Peonie in voller Blüte

Ich bin immer wieder glücklich darüber, wenn ich Freundlichkeit von fremden Menschen erfahre – dies gilt insbesondere auf Reisen. Natürlich komme ich eher in den Genuss, wenn ich allein unterwegs bin/war, denn dann bin ich offener und empfänglicher.  

Es versteht sich von selbst, dass man gerade als allein reisende Frau klare Signale aussendet: Ich bin nicht auf Abenteuer aus! Wie uns allen klar ist, gibt es den einen oder anderen allein reisenden Mann, der wie ein hungriger Bär hinter dem Honig herjagt. Pssst! Wenn ich hungrig bin, dann will ich mir den Bären selbst aussuchen.

Doch zurück zur kleinen Auswahl an Liebenswürdigkeiten:

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– In Mallorca war ich unsicher, von welcher Bushaltestelle aus ich das historische Zentrum Palmas erforschen sollte. Ich fragte einen älteren Herrn, der eben im Begriff war auszusteigen. «Wenn Sie einen Moment Geduld haben, bis ich auf der Bank war», erklärte er auf Englisch, «dann zeige ich Ihnen Palma.» Es wurde ein höchst vergnüglicher Tag. Es ging nicht nur in ein feines Restaurant zum Essen und danach zum Dessert in die älteste Konditorei mit den prächtig bemalten Kacheln, sondern ebenso zu ganz besonderen Sehenswürdigkeiten, so etwa zum Palast einer mit meinem adligen Begleiter befreundeten Marquesa. Es gab Portwein und einen herrlichen Blick aufs Meer, auch auf den Nachbarpark, der zum Feriendomizil von König Juan Carlos gehörte, der damals noch Achtung genoss. Trotz Sonnenschein waren die schönen hohen Zimmer kühl. Die Marquesa sass in einem bequemen Sessel und wärmte ihre Füsse an einem kleinen Kohleöfchen. Die durchgehenden Zimmerfluchten liessen bei geöffneten Türen das Sonnenlicht durch alle Zimmer fluten. Ich stelle es mir erhebend vor, wenn beim morgendlichen Erwachen der Blick vom Bett aus direkt auf die glitzernde Meeresfläche fällt.

Photo by Maria Orlova on Pexels.com

– An der englischen Südküste erkundigte ich mich beim Buschauffeur nach der Haltestelle für ein zum Museum umgestaltetes Landhaus. „No problem, Sweetheart“, lachte er und fuhr trotz des vollbesetzten Buses einen Umweg, so dass ich direkt vor meinem Ziel aussteigen konnte! So früh am Morgen war ich dort die einzige Besucherin. Der freundliche Herr, der die Aufsicht hatte, machte für mich eine private Führung durch das ganze Haus, inkl. Dienstbotenzimmern im Dachgeschoss und Arbeitsräumen im Keller. Er gewährte mir einen faszinierenden Einblick in die damalige Zeit des noblen englischen Landlebens. Ich blieb mehr als drei Stunden!

Photo by Oleg Magni on Pexels.com

– Im gleichen Küstenort begann es auf einem meiner Spaziergänge wie aus Kübeln zu regnen. Es war Samstagmorgen. Ich rettete mich in einen Hauseingang neben einem danebenliegenden Erker, der offenbar als Büro diente. Plötzlich öffnete einer der arbeitenden Gentlemen die Türe: «Sie brauchen doch nicht hier draussen zu stehen! Kommen sie herein ins Trockene, ich mache Ihnen eine heisse Tasse Tee!» Eine Tasse Tee ist für Engländer bei jeder Unbill so etwas wie ein Zaubertrunk.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Photo by Roberto Vivancos on Pexels.com

– Auf meinem Flug nach New York sass ich in einer Dreier-Reihe mit einem amerikanischen Ehepaar. Während des ganzen Fluges unterhielt ich mich angeregt mit der Dame, die im sozialen Bereich tätig war. Die Familie des Mannes führte ihren Stammbaum auf den Reformator Johannes Calvin in Genf zurück, darum hatten sie die Schweiz besucht. Als wir uns dem Ziel näherten, sagte er: «Setzen Sie sich doch auf meinen Platz am Fenster und geniessen Sie die Aussicht auf Long Island. Es lohnt sich.» Mit diesen Menschen verband mich bis zu ihrem Tod eine jahrelange Freundschaft. Sie besuchten mich in der Schweiz. Mit DEM MANN zusammen übernachtete ich ein paar Jahre später auf unserer dreiwöchigen Fahrt durch die Neuengland-Staaten in ihrem Haus. Wir vier genossen unser Zusammensein mit guten Gesprächen, viel Heiterkeit, spannendem Sightseeing – und natürlich feinem Essen. Wie in den Staaten üblich, wurden dazu auch die Nachbarn eingeladen, um die „Swiss Friends“ vorzuzeigen. Am zweitletzten Tag packte Bob unsere Souvenirs ein und schickte sie per Schiff in die Schweiz, um die Gepäcklast für DEN MANN (!) zu verringern, während Marie unsere auf der Amerika-Reise angefallene Schmutzwäsche wusch und plättete.

Photo by Lelani Badenhorst on Pexels.com

– Auf Mauritius musste ich mittags das Hotelzimmer verlassen, wurde aber erst abends mit dem Bus zum Flughafen abgeholt. Das war unbequem, vor allem, weil ich den Strand noch ein wenig geniessen wollte. Dort kam ich ins Gespräch mit einem Flugbegleiter der South African Airways. Charmant bot er mir gegen Abend sein Zimmer an, um zu duschen und mein Badekostüm gegen Reisekleidung einzutauschen. Er winkte mir zum Abschied, als wären wir alte Freunde – was wir später denn auch geworden sind.  

Na Pali Coast Kauai’i, Foto: Hawaii Tourism Authoritiy/Tor Johnson

– Nach unseren Hawai’i-Ferien kamen der DER MANN und ich auf der Rückreise bereits kurz vor 06.00h morgens im Hotel Hilton Airport in Los Angeles an. Der Nachtportier, dem ich unser Schlafdefizit schilderte, erbarmte sich unser. Obwohl wir laut Reiseprogramm erst ab 14.00h ein Zimmer gehabt hätten, machte er es möglich, dass wir nach einem reichlichen, gratis offerierten Frühstück schon um 08.00h in herrlich weiche Betten sinken konnten, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen – notabene ohne Mehrkosten, trotz des zusätzlichen Tages. Unbezahlbar! Ausgeschlafen, verbrachten wir den Nachmittag gutgelaunt mit Flanieren, Shoppen und anschliessendem Apéro an der durch Filme berühmten Meerespromenade von L.A., bevor nachts unser Flugzeug zurück in die Schweiz abhob.

Foto: Venice Beach by iStock-638340372

Dies sind nur ein paar meiner Erlebnisse. Gewiss erlebt Ihr auch immer wieder solch uneigennützige Herzenswärme. Das Schöne ist, dass wir uns bei solchen Begegnungen Fremden auf einmal sehr nahe fühlen, und oftmals werden Adressen ausgetauscht. Was für ein erfrischender Beitrag zur Völkerverständigung!

Selbstverständlich habe ich das Empfangene an Besucher unseres Landes weitergegeben und manche bewirtet – bis, ja, bis es einmal schief ging.

Aber das ist eine andere Geschichte…

Liebe Grüsse, Elisa
07.07.2021

Unser Planet

Photo by Chris Czermak on Pexels.com

Für mich ist der blaue Planet ein liebreizender Garten Eden, mehr noch, ein wahres Wunderwerk! Je mehr ich über ihn erfahre, desto grösser wird meine Ehrfurcht. Er ruht in sich in seiner atemberaubenden Pracht, seinem blauen Glanz und seiner Stärke. Seine Souveränität bahnt sich einen Weg durch unser menschliches Welt-Getöse. Ich glaube, dass eher wir als er das Leben lassen müssen, wenn wir ihn weiterhin lieblos behandeln. Hat GOTT ihn uns einst nicht deshalb anvertraut, damit wir ihm Sorge tragen?

Ich habe keine Zweifel, dass Ihr im nachfolgenden Vulkan-Video wie ich die ungebrochene Kraft, die geballte Energie unserer Erde spürt. Gewaltig – oder nicht? Es läuft einem kalt über den Rücken.


Geldingadalur-Eruption in Island, Aufnahmen Léon Frey, März/April 2021 für FocusTerra, ETH Zürich, Schweiz

Im Video ist das focusTerra-Museum der Eidg. Technischen Hochschule in Zürich erwähnt. Dieses beherbergt brillante, erdwissenschaftliche Ausstellungen. Die Besucher sind eingeladen, die Schönheit, Faszination und Dynamik der Erde hautnah zu erleben, unter anderem mit Erdbeben, hervorgerufen durch einen Erdbebensimulator, der Erdbeben bis Magnitude 8 simulieren kann. Die Simulation mit dem über 3 Tonnen schweren Gerät soll ein Bewusstsein für die Gefahr wecken und zeigen, wie man sich bei einem Beben richtig verhält.

Photo by Sanej Prasad Suwal on Pexels.com

Erinnert Ihr Euch an das schreckliche Erdbeben der Stärke 7 in Haiti im Jahre 2010? Damals kamen mehr als 230’000 Menschen ums Leben, 300’000 wurden verletzt. Zusammen mit den obdachlos Gewordenen war ein Drittel der haitianischen Bevölkerung von der Naturkatastrophe betroffen. Die Haitianer leben auf einem gefährlichen Untergrund. Unter der Karibikinsel verlaufen Bruchkanten der Erdkruste. Das führt immer wieder zu Erdbeben und damit zu Tragödien.

Genau diesem Erdbeben der Stärke 7 wurden wir zusammen mit 8 anderen Personen im speziellen Raum ausgesetzt. Das Ganze dauerte nur wenige Minuten, erschreckte mich aber fast zu Tode. Ich empfand eine riesige Angst und ein Gefühl völliger Hilflosigkeit. Glücklich, wer das nie in der Wirklichkeit erleben muss!

Photo by Julissa Helmuth on Pexels.com

Mich beeindruckt folgende Aussage des Dalai Lama: «Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Art.»

Photo by Pixabay on Pexels.com

Macht Ihr mit? Ich fange mit Geschichtenerzählen an, das fällt mir leicht…

Mit der Liebe – wage ich zu behaupten – kennen wir uns alle aus, wissen, wie sehr Geben und Nehmen uns zu beflügeln vermag. Bis zum nächsten Mal, mit liebem Gruss, Elisa

30.06.2021

Foto Elisa: Auf dem Brünig

Flieg, Vogel, flieg!

Photo by Flickr on Pexels.com

Mein Sohn konnte mit grösstem Vergnügen Unmengen von Essen vertilgen. Kürzlich wurde ich auf der Strasse unvermittelt an ihn erinnert. Schon von weitem gewahrte ich einen winzigen Spatzen, der ganz versunken war in den Genuss eines anscheinend delikaten Fundes. Ich ging vorsichtig näher und blieb zwei Schritte vor ihm auf dem Trottoir stehen. Er bemerkte mich gar nicht, pickte eifrig weiter. Jetzt sah ich, was es war, das ihn derart beschäftigte: ein für ihn viel zu grosses weisses Brötchen, das jemandem wahrscheinlich zu Boden gefallen war. Dann entdeckte ich, dass es nicht das Brötchen selbst war, das er sich so hastig einverleibte, sondern dessen Füllung aus – Kräuterfrischkäse! Da hatte ein kleiner Überlebenskünstler einen mächtigen Wolfshunger! Jedenfalls war er kein Veganer…

Ich liebe die frechen Spatzen. Ob sie deshalb überall überleben, weil sie sich selbst wichtig genug nehmen, um nach ihrer wahren Natur zu leben?

Foto Grand Palace Hotel in Riga (Lettland): Der Jugendstil-Speisesaal, eine Art Lichthof

Nicht so der gefangene Vogel, von dem ich Euch erzählen will: In unserem Ferienhotel in Riga befand sich, im opulenten Jugendstil-Speisesaal etwas versteckt, ein grosser Vogelkäfig. Der grüne Papagei darin hiess Micha. Er war sanft und stets ruhig. Bevor DER MANN und ich nach dem Frühstück ins Zimmer zurückkehrten, blieb ich immer bei Micha stehen und redete leise mit ihm. Auf die Zuwendung reagierte er mit ebenso leisen, zärtlichen Lauten. Nur, wenn nachts zuvor im gleichen, gleissend hellen Speisesaal eine stundenlange Sitzung mit vielen Personen stattgefunden hatte, schien er am Morgen völlig übermüdet und öffnete mit schrägem Köpfchen nur eins seiner Augen. Einmal beobachteten wir, wie die Serviceangestellte den Käfig öffnete. Sie scheuchte den Vogel hinaus, ermutigte ihn zum Fliegen. Das sei gut für ihn, erklärte sie uns. Ja natürlich! Gehorsam flog Micha ein, zwei Runden durch den leeren Speisesaal. Es war jedoch ein zaghafter, niedriger Flug, der schon nach kurzer Zeit freiwillig wieder auf dem Käfig endete. Micha wollte partout nicht mehr fliegen! Die spärlich bemessene Freiheit flösste ihm wohl eher Furcht und Schrecken ein. Er fühlte sich offensichtlich nur im Käfig sicher.

Foto Grand Palace Hotel: Der Speisesaal bei Nacht

Als ich vor 40 Jahren glaubte, in einer unglücklichen Ehe ausharren zu müssen, klagte ich einem Psychologen: «Ich fühle mich wie ein Tier in einem Käfig.» Trocken antwortete dieser: «Du bist kein Tier, Du kannst den Käfig jederzeit selbst öffnen.» Das tat ich denn auch, mit viel Gewinn.

Foto Grand Palace Hotel: Das ist der sanfte Micha

Ich vermute, dass nicht nur Micha in einem Käfig sitzt. Es ist natürlich möglich, dass gewisse Käfige auch Menschen Geborgenheit vermitteln können. Bitte versteht mich recht: Ich rede nicht von schmerzlichen, krankheitsbedingten Einschränkungen. Mir geht es um Käfige, die wir uns selbst basteln – Käfige aus Sorgen, aus Angst, aus Schuldgefühlen…, ja, auch goldene Käfige. Sind die nötig? Wie denkt Ihr darüber?

Vergessen wir nie: Wir können einen uns einengenden Käfig zu unserem Wohl sprengen! Ist das leicht? Ich finde nicht. Schon Shakespeare wusste: „Wir ertragen lieber die uns altbekannte Hölle, als den Flug in unbekannte Höhen zu wagen.“ Ja, es ist eine Anstrengung und – zumindest für mich – eine immer wiederkehrende. Es braucht Mut. Doch dafür werden wir belohnt: Die Freiheit lehrt uns, wie wir wieder richtig fliegen!!

Photo by Frank Cone on Pexels.com
Foto Leonardo: Unsere gemütliche Hotel-Bar in Riga

Für mich persönlich ist Gottvertrauen hilfreich – und auch, dass ich der Lebensfreude genügend Platz einräume. Womit wir wieder zum Anfang des Beitrags zurückkehren und damit zu meinem Sohn Bernie, der ein Geniesser und Lebenskünstler war. Und der das „Fliegen“ liebte!

Foto Fabienne Griessen: Bernie mit Freund Jan Griessen, Freut Euch des Lebens!

23. Juni 2021
Herzlichst, Eure Elisa

Alles was gut ist

Fly Geyser, Foto von Majeczky1

Alles, was gut ist
alles, was still ist und stark
alles, was wärmt und weitet
was den Leib erfreut
das Herz bezaubert
und die Seele birgt
alles, was die Liebe stärkt
und das Recht stützt
komme über
und durch uns
in die Welt

(Jacqueline Keune)

Blumen für die Seele: Foto von Freundin Sissy

Jedes von uns bemüht sich auf seine Art, alles was gut ist, umzusetzen. Eine grosse, reiche Vielfalt, die uns letzten Endes stark macht! Ich bin glücklich darüber.

Das Lied: Asimbonanga hat als Anti-Apartheid-Hymne mit dazu beigetragen, die Politik der Rassentrennung in Südafrika zu überwinden. Der südafrikanische Sänger und Songwriter Johnny Clegg feierte damit Ende der 80er-Jahre auch international den Durchbruch.

Freut Euch mit mir über dieses wunderschöne Lied!

Foto Freundin Heidi Wildi

PS. zum ersten Bild, aus Wikipedia: Der Fly Geyser, auch Fly Ranch Geyser, ist ein von Menschenhand geschaffener Geysir in Nevada. Er ist die Folge einer fehlerhaft durchgeführten Bohrung. In der Gegend wurden 1964 auf der Suche nach geothermaler Energie mehrere Bohrungen durchgeführt. Das Bohrloch wurde nicht sachgerecht verschlossen. Wasser stieg auf und förderte Mineralien nach oben, die sich am Ausgang des Bohrloches ablagerten. Durch diesen fortwährenden Prozess wachsen der Kegel und das Gestein um den Geysir immer weiter an. Ablaufendes Wasser formte im Laufe der Jahre eine Terrassenlandschaft.

Die unterschiedlichen Farben sind eine Folge der vielen Mineralien. Die Besitzer haben kleine Fische in die entstandenen Terrassen ausgesetzt, so dass sich ein kleines Ökosystem gebildet hat.

15.06.2021, Liebe Grüsse, Elisa

Peinlichkeiten

  • (Foto Elisa: Appenzeller Zwerge)

Unsere Mama hatte Charakter, Charme und Intelligenz. Trotzdem konnte mein fantasievoller Sohn, als er klein war, ihr fast jeden Bären aufbinden. Für ihn war es ein Gaudi, wenn sie darauf hereinfiel. Sie kostete es Nerven.

Immer mal wieder tappte sie auch in Fettnäpfchen. Da legte sie doch tatsächlich in einem Café das schwere Telefonbuch auf den offenen Dessertwagen, mitten in die appetitliche Rahmpâtisserien – die hierauf nicht mehr so appetitlich aussah…

Pexels.com

Hin und wieder trat sie als beliebte Sopranistin auf. Dies tat sie stets im gleichen schwarzen Kleid, mit einer schlichten Goldkette um den Hals. Das Kleid hatte einen braven «Bünzli»-Kragen. Vor einem Konzertauftritt herrschte gewöhnlich Hektik bei uns zu Hause. So auch kurz vor einem bevorstehenden Weihnachtsoratorium in der Kirche. Beim letzten Blick in den Spiegel stellte sie nervös fest, dass der kleine Kragen nicht perfekt gebügelt war. Um das Kleid nicht noch einmal ausziehen zu müssen, bat sie Papa, den Kragen auf ihrem Hals mit dem heissen Bügeleisen zu plätten. Zuerst weigerte er sich, aber Mama liess nicht locker, und Papa liebte sie über alles. Er konnte gut mit defekten Webmaschinen in unserer Weberei umgehen – mit dem (funktionstüchtigen) Bügeleisen leider weniger, da fehlte es ihm schlicht an Übung. Und so kam es, wie es kommen musste: Er verbrannte Mama den Hals oberhalb des Kragens. Sie nahm es mit Humor – erst recht, als meine ältere Schwester entdeckte, dass bei der Prozedur mit dem Dampfbügeleisen das unschöne Hautknötchen an Mamas Hals regelrecht verdampft war. Ohne mit der Wimper zu zucken, begab sie sich mit verbranntem Hals und zerknittertem Kräglein in die Kirche – dafür ohne das hässliche Hautknötchen.

  • (Foto Patentochter Sandra Romano: Kirchlein in der Ostschweiz)

In mancher Hinsicht habe ich Eigenschaften unserer Mama geerbt. Wie ihr, passieren mir Missgeschicke, die auffallen. Wie sie, handle ich des Öftern überstürzt und denke erst nachher nach. Wollt Ihr bei ein paar Müsterchen mitschmunzeln?

Im Bemühen, meinen nassen Regenschirm im engen Kleintheater unter dem Sitz zu verstauen, schlug ich der vor mir sitzenden Dame den Hut vom Kopf. Ich glaube nicht, dass sie mir verzieh… Gut nur, trug sie nicht auch noch eine Perücke! – Im Beauty Studio brachte ich beim Stöbern nach etwas Glitzerndem einen grossen Ständer mitsamt den hübsch eingereihten Zierkämmen zum laut scheppernden Einsturz und löste damit fast einen Polizeieinsatz aus… – Auf einer Pariser Ausstellung hängte ich mich bei einem Mann ein und plauderte munter auf ihn ein. Erst, als ich zu ihm aufschaute, weil er nicht antwortete, sah ich, dass er mir wildfremd war und nicht der vermutete Freund. – Als uns auf Mauritius beim Gang zum festlichen Piloten-Dinner am Strand ein plötzlicher Kurzschluss in völlige Dunkelheit riss, rief mein Begleiter, der um meine Schwäche wusste, lachend in die finstere Runde: «Achtung, Elizabeth is coming!» Könnt Ihr Euch das belustigte Gelächter vorstellen?

  • (Foto Freundin Heidi Wildi: Es sticht nicht alles, was brummt!)

Mitunter kann’s richtig peinlich werden. Erst kurz verheiratet, ging ich mit meinem damaligen Mann in eine Apotheke, um Hustensirup zu kaufen. Es war Samstag, und viele Menschen warteten im grossen Geschäft auf Bedienung, so auch wir. Aus Langeweile betrachtete ich die zum Verkauf auf dem Tresen ausgebreiteten Produkte. Ein unscheinbares Schächtelchen erregte meine Aufmerksamkeit. Neugierig nahm ich es in die Hand. «Du, schau mal», wandte ich mich an meinen Mann und rief in meiner weittragenden Stimme, «was ist denn das? Da steht «Gummischutz für den Herrn» drauf!» Im gleichen Moment dämmerte es mir, so dass ich ebenso laut nachschickte: «Jesses Gott!» und das Schächtelchen auf den Tresen zurückwarf. Geistesgegenwärtig packte mich mein Ehemann am Arm und zog mich hinter sich aus der Apotheke. Draussen zischte er: «Ist Dir eigentlich klar, wie sehr du mich soeben blamiert hast?»

Naja, es gibt Schlimmeres, findet Ihr nicht auch?

  • (Foto Patentochter Sandra Romano: Abendstimmung über dem Bodensee)

09.06.2021: Mit einem Augenzwinkern grüsst Euch Eure Elisa

Stilles Staunen

Foto von Freundin Sylvia Kopp

Menschen leiden an Menschen, im Leben, in der Liebe, im Sterben.

Fast scheint es, als seien wir auf der Erde um zu leiden.

Auf das Glück ist kein Verlass. Es kommt unerwartet und bleibt nie lange genug.

Doch Glück ist wie ein Lockruf aus dem fernen Paradies.

In einem Menschen, den es mit seiner Seligkeit berührt,
erweckt es etwas Wunderbares zum Leben: die Hoffnung.

Er begreift: nicht einem finstern Schicksal ist er preisgegeben;
nicht das Leiden hat das letzte Wort.

Wie der Regenbogen inmitten eines Wolkenbruchs,
so taucht die Hoffnung mitten im Schmerz auf – und bricht ihm sacht die peinigende Spitze.

(Elisa)

Foto von Freundin Eugenia di Renzo
Foto von Freundin Heidi Wildi
Musik, vom Sohn eines ehemaligen Freundes komponiert und gespielt
Foto von Freundin Eugenia di Renzo

Staunt Ihr mit mir? Liebe Grüsse, Elisa
26.05.2021

Blumenfreude, Foto von Freundin Doris Dätwyler

Todestag

Foto Fabienne Griessen: Dein Lächeln bleibt für immer in meinem Mutterherzen

Übermorgen Pfingstsonntag, also am 23. Mai 2021, ist es ein Jahr her, dass das strahlende Lebenslicht unseres innigst geliebten Bernies einsam, in aller Stille erloschen ist. Schmerzlicher denn je vermissen wir ihn und seine Lebensfreude. Der Schock sitzt tief. Dieses «Vor einem Jahr» würde ich am liebsten aus meinem Gedächtnis verbannen.

Pein (ein Schmerzensgedicht von Elisa)

Ach – ein Stein sein
starr am Boden liegend
gefühllos
unempfindlich

Ach – ein Staubkorn sein
vom Winde erfasst
weggetrieben
fort, nur fort von hier

Ach – ein Tropfen sein
von der Sonne entdeckt
aufgesogen
aufgelöst in Nichts

Foto Elisa: Orchideen für Bernie

Noch weitere Daten von erinnerungsschwerer Bedeutung ranken sich rund um den Todestag vom 23. Mai 2020:

21. Mai 2020: Letzter Besuch von Bernie – also heute – bei uns. Es ist Auffahrt.
22. Mai 2020: Letztes abendliches Telefongespräch mit Bernie, ohne jede Vorahnung bei uns allen.
23. Mai 2020: Der schlimmste Tag meines Lebens
26. Mai bis 2. Juni 2020: Aufbahrung des Leichnams in der Friedhofkapelle. Es ist Pfingsten.
29. Juni 2020: Kirchliche Abdankung
30. Juni 2020: Beisetzung der Urne

Only Time, by Enya
Foto Elisa: Pfingstrosen, letzter Gruss von Cousin Stephan

Nein, die Trauer lässt sich nicht einfach so vertreiben. Es braucht Willenskraft, um sich nicht in ihrem dunklen Sog zu verlieren. Manchmal ist es eine Versuchung. Denn die Rückkehr ins Leben gelingt nur zögernd, kleinmütig, mit winzigen Schritten – vorwärts, dann wieder zurück – und wieder von vorne.

DER MANN steht mir bei. Danke, danke, lieber MANN, für Deine Fürsorge und Liebe! Danke auch all meinen lieben Verwandten, meinen treuen Freundinnen und Freunden für ihre wärmende Unterstützung. Ich habe grosses Glück, dass ich so viele einfühlsame und gütige Menschen in meinem Umfeld haben darf. 🤍🧡💛💚💙

Eine Erkenntnis bleibt: Nur wenn wir ganz unten sind, öffnet sich der Blick ungehindert hinauf in die ferne Bläue. Die stille Erhabenheit des Himmelszelts verweist den Kummer auf seinen Platz: Er ist endlich – genauso wie wir.

Auf Wiedersehen, mein liebster Bernie, auf Wiedersehen, unser lieber Ambi.

Liebe Grüsse, Elisa
21. Mai 2021

Foto Fabienne Griessen: Bernie liebte das Leben!